Dinosaurier

01/11/2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Die so genannte „Sido-Affäre“ im ORF – wie inzwischen klar ist, eine gescriptete Affäre vom „Streit“ über den „Schlag“ und die „Entlassung“ bis zur nun erfolgten „Aussprache“ und „zweiten Chance“. Sie ist ein Symptom für einen allgemeinen Trend, der den ORF ebenso wie die Print-Zeitungen und sogar die etablierten politischen Parteien betrifft. Den Niedergang.
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Technologiebegeisterung

22/05/2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Nachtrag zur re:publica 2012: Kathrin Passig erinnert daran, dass so manches Argument immer und immer wieder nach oben schwimmt wie ein Fettauge – allerdings ohne dadurch wahrer zu werden. „Narrative“.
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Uplink

17/06/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Die heutige Jugend hat Smartphone. Die heutigen Erwachsenen auch immer häufiger. Und sie sind immer und überall online.

Nach den Generationen X, Y, Z, Praktikum und wie sie alle heißen wächst eine neue heran. Welchen Namen die Trendsetter und klugen Köpfe ihr einmal geben werden weiß ich noch nicht, also nenne ich sie vorerst mal Generation Uplink.

Die Volkschülerinnen – meist sind es die Mädchen – laufen schon mit iPhones, LGs und HTCs herum, kaum dass sie die ersten ganzen Sätze schreiben können. Noch ehe sie das kleine Einmaleins beherrschen, sind sie untereinander gut vernetzt und surfen beim Warten an den Bushaltestellen Seite an Seite auf den in ihren Altersgruppen angesagten Internetseiten.

Das sind die wahren Digital Natives – sie sind schon im Web, wann und wo auch immer sie sich gerade befinden, das Verständnis dafür, was das Web ist und was es kann, wie es funktioniert und was es kostet, das muss erst nachwachsen.

Metaview

05/05/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

„Macht das Internet dumm“ fragte der Club 2 provokant. Eingeladen waren Star-Webkritiker Schirrmacher und Star-Blogger Luca Hammer sowie ein Ensemble mehr oder weniger interessanter Unterstützer.

An Luca Hammer kommt in Österreichs Web 2.0 Szene niemand lange vorbei. Zwischen (geistig) brennender Uni im Audimax und Retweets seiner Follower, zwischen Twittagessen, Facebook, Blogs und einer wachsenden Zahl von Nennungen oder Interviews in traditionellen Offline-Medien taucht sein Name von Monat zu Monat häufiger auf. Dagegen hilft nicht einmal ein Twitter-Fastenmonat.

Frank Schirrmacher ist ein Mann der starken Worte und blitzartig hingehämmerter Bücher zu jeder Art von Gefahr, die im weltweiten Datennetz schlummern könnten. Der „Dirty Harry des Feuilletons“ ist Mit-Herausgeber der mit Fug und Recht renommierten Frankfurter Allgemeinen Zeitung, sein Diskussionsstil ist schwierig, denn er stimmt gern im ersten Satz zu, um im zweiten eine vollkommene Gegenthese zu postulieren. Er ist, ein wenig unzulässig verkürzt gesagt, für Werte, Familie und Bildung, gegen Chaos, Single-Lifestyle und Rohinformation. Letzteres brachte ihn auf die Gästeliste des Club 2: Er hatte den endlosen und täglich schneller werdenden Datenstrom der Social Networks als Bedrohung des Geistes wahrgenommen und eine Befreiung von der massiven Überforderung durch unzensierte Hinz- und Kunz-Publikationen im Internet angeregt.

Luca Hammers Sekundant war der Standard-Redakteur und Universitätslektor Helmut Spudich, Schirrmachers ungesicherte Seitenwaffe die technophobe Kurier-Kolumnistin Angelika Hager, besser bekannt als Polly Adler.

Wer den Club 2 kennt, weiß, dass es aufgeregtere und verhaltenere Sendungen gibt, inhalts- und bedeutungsschwere, aber auch solche, in denen hauptsächlich Worthülsen verstreut werden.
„Macht das Internet dumm?“ zählte zur ersten Kategorie.
Nachdem die Eingangsfrage rasch mit Nein beantwortet zur Seite gelegt wurde, ging die Diskussion zuerst ans Eingemachte – das Thema Überforderung und Nutzung, Untergang und persönliches Wachstum – und streifte eine Reihe verwandter Bereiche wie Datenschutz, Demokratisierung, Kontrolle und Privatsphäre.

Ein interessantes Phänomen: Seit einiger Zeit schon entwickelt sich bei TV-Diskussionen eine Metaebene durch Online-Debatten unter den Zusehern, auf Twitter oder Facebook, aber auch im kleineren Rahmen auf anderen Plattformen. Ob die ATV-Sendung „Am Punkt“ die Entwicklung in Österreich angestoßen oder nur verstärkt hat, ob sie die originäre Idee von Webusern war oder sich organisch aus den Radiobegleitungen von Stermann und Grissemann bei den Eurovisions Song Contests enwickelt hat, weiß ich nicht, ich halte vieles für möglich.
Unterm Strich bleibt, dass die parallele Beobachtung der TV-Sendung und der Metadebatte deutlich reizvoller ist als das rein passive Konsumieren, besonders bei regelmäßig inhaltlich flacheren, politisch vorgegebenen Diskussionen wie beim sonntäglichen „Im Zentrum“ auf ORF 2.

Das klappt sogar, wenn eine Sendung wie die gegenständliche aus diversen programmtechnischen Erwägungen heraus eine Woche verspätet ausgestrahlt wird. Zwar kann dann keine „Twitterwall“ im Hintergrund eingebaut werden, dafür können die Teilnehmer der Diskussion sich selbst an der Metadebatte beteiligen: Luca Hammer und die Diskussionsleiterin Corinna Milborn waren jedenfalls dabei und haben sich selbst auf den Fernsehschirmen beobachtet, während sie darüber geschrieben haben.

Luca Hammer hat sogar im Vorfeld einige Twitterer zu einem Public Viewing und Social Twittering eingeladen: man hat in der Gruppe, in RL miteinander im Lokal sitzend, ferngesehen und getwittert.

Überforderung?
Nicht für jeden.

Interaktivität wird angenommen, vielleicht nicht von allen, vielleicht nicht einmal von der Mehrheit, aber der Trend kann sich nur verstärken. Wem es ein Bedürfnis ist, sich einzubringen, der wird die Möglichkeiten nutzen wollen und, einmal Blut geleckt, wenn man sie ihm nimmt, nach neuen Möglichkeiten suchen.

Ein zweiter interessanter Punkt: Frank Schirrmacher ließ in der Sendung durchblicken, dass er durchaus wisse, wovon er spricht, wenn er Soziale Netzwerke angreife. Zum Zweck der Recherche habe er natürlich mehrere Deckidentitäten im Netz, die sich unterschiedlich stark engagieren.

Damit hat er mit einer ganzen Reihe von Web 2.0ern etwas gemeinsam. Und wirft die Frage auf: Wer ist eigentlich aller Frank Schirrmacher?

Mut

27/04/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Die Lebensmodelle unserer Väter sind verloren. Unsere Zukunft verlangt Neues. Und sie verlangt mutig nach vorn gerichtete Gesichter.

Die alten Regeln haben ihre Gültigkeit verloren. Die von Großeltern oder älteren, seit Wirtschaftswundertagen in geschützten Bereichen arbeitenden Eltern noch immer beschworene Dauerlaufbahn von der Matura bis zur Pension: sie ist nicht mehr. Dabei nähren einander die Auflösungen der alten Gesellschaftsverträge von oben und unten wechselseitig.

Die alte, ehrenvolle Vertrauensgemeinschaft liegt in den letzten, siechen Zügen. Der Bauer versorgte den Ritter, der Ritter beschützte den Bauern. So hatte Gott die Welt um 1000 herum eingerichtet, nachdem das römische Reich mit seinen zu servandenden Pactae dem Ansturm der Minderprivilegierten erlegen war. Dieses Vertrauensverhältnis zwischen oben und unten wurde Mal um Mal missbraucht und gebrochen. Es überstand dennoch mit relativ geringen Beschädigungen auch wüstere Stürme der Zeit, die Reformation und den Dreißigjährigen Krieg, 1792, Napoleon und 1848. Loyalität galt etwas – sogar noch nach dem Inferno von 1918.

Doch dann ist Loyalität langsam zur einseitigen Verordnung der Gegenseite verkommen. Der Untere verlangte vom Oberen Rundum-Versorgung. Essen. Lohn. Wohnstatt.
Der Obere dagegen verlangte vom Unteren bedingungslosen Gehorsam. Selbstaufgabe. Funktionieren. An eine Gegenleistung war dabei von keiner Seite gedacht.

Der Frust, der aus dem Konflikt dieser uneinlösbaren Wunschvorstellungen entspringt, löst sich nicht einfach auf. Ein Gegeneinander entsteht, ein Tricksen auf den eigenen Vorteil hin – ein Kampf.
Nun haben wir den Salat zwischen Knebelverträgen und Rechtschutzversicherungen, zwischen Rufmord und Erpressung, Dienst nach Vorschrift und feigen Wortbrüchen.
Ein Handschlag war früher bindend, heute ist er eine ungültige mündliche Nebenabrede ohne Wirkung. Eine Vorleistung verpflichtete früher zur Anerkennung und zur Revanche, heute ist sie ein Zeichen von Naivetät.
Ehrlichkeit war grundlegendes männliches Selbstverständnis, heute wird Aufschneiderei vorausgesetzt.

Wir haben diese neue Welt nicht gewollt, aber wir haben sie vor uns und wir müssen damit umgehen, in vielen Fällen auch erst damit umgehen lernen.

Aber wie?

Es besteht die Verpflichtung, für sich selbst, für die eigene Person, die richtigen und besten Entscheidungen zu treffen. Es gilt selbst abzwägen, wo man die Grenze zieht zur Überlastung, zur Unterbezahlung, zur schlechten Behandlung oder zum Missbrauch. Wer nicht selbst auf sich schaut, auf den schaut niemand.

Also gerade den Rücken, aufrecht den Gang, scharf den Blick, offen das Gesicht und die Faust in der Tasche geballt.

Das Leben ist kein Krieg – noch nicht.
Aber das Leben ist ein feindseliges Aufeinandertreffen.
Manchmal hart. Manchmal mild.
Moral und Ehre aber sind in jedem Fall das Erkennungszeichen der Opfer.

Ob kassieren, lernen oder genießen: was am Ende auf der Haben-Seite stehen wird ist das, was zählt. Für den Einzelmenschen. So lange die Rechnung so aufgeht.
Die Variablen ändern sich. Wir müssen uns mit ihnen ändern. Die Werte werden nicht ernst genommen. Wir müssen unsere eigenen schaffen.

Gerader Rücken. Aufrechter Gang. Scharfer Blick.
Mut.

Twi666er

19/04/2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Twitter macht böse, glauben Forscher.

twitterboese

Überkommunikation: „Soziale Netzwerke wie Twitter oder Facebook, die auf einem ständigen Kommunikationsfluss basieren, können die moralischen Einstellungen ihrer Nutzer abstumpfen. Das behaupten Forscher der Universität von Süd-Kalifornien … Überforderung für das menschliche Gehirn … Besonders junge Menschen seien aufgrund eines überdurchschnittlich hohen Ausmaßes an Kommunikation gefährdet … auf Dauer Schaden … Vielzahl an sozialen Kontakten würden zu einer „Überkommunikation“ führen … „gegenüber menschlichem Leid gleichgültig“ werden könnten. Durch die Dauerkommunikation fänden sie kaum Zeit, Emotionen zu zeigen und die Gefühle anderer Menschen zu reflektieren.“ (pressetext deutschland)

Es ist einfach schrecklich: Wie man’s macht ist’s verkehrt. Igeln sich die jungen Leute zuhause ein und spielen Half Life und Far Cry im Single Player Modus, verlernen sie den sozialen Umgang und werden zu Psychopathen und Amokläufern.
Tauschen sie sich mit zu vielen Menschen aus – womöglich auch noch mit solchen aus anderen Kulturkreisen – macht die „Überkommunikation“ sie „gleichgültig gegenüber menschlichem Leid“.

Wie es aussieht, gibt es keine Rettung für die Jugend. Das wusste man ja schon im antiken Griechenland, als das Erlernen des Lesens und Schreibens als moralischer Verfall entlarvt wurde – durch das fehlende auswendig Lernen würden die Jungen verdummen, vermutete man.

Gleiches geschah, als erste Romane geschrieben wurde – wie sollten denn die armen Jungen nun zwischen Fiktion und Realität unterscheiden, wenn es neben der guten Bibel und den Anordnungen des Fürsten auf einmal auch Phantasiegeschichten gab!

Und das Fernsehen erst! Bilderflut, Überreizung der Sehnerven, das Ende der Kommunikation.

Nun also die Überkommunikation.

Böse Webjournalisten

Wortmeldung in einer Debatte über das Verhältnis Print vs. Web. Da spricht ein wichtiger Mann vom gedruckten Wall Street Journal über den Datenfeind: „,They are basically editorial echo chambers rather than centres of creation, and the cynicism they have about so-called traditional media is only matched by their opportunism in exploiting the quality of traditional media.'“ (handelsblatt6)
Meine Lieben, da findet ein Kampf statt, aber es ist kein Kampf zwischen Print und Web! So wie sich einst gern ganze Völker aufstacheln ließen, bis Besitzlose beider Seiten einander die Schädel einschlugen, so lassen sich jetzt die Print-Journalisten und die Online-Journalisten aufhussen, die einen werfen den anderen vor, sie seien schlecht und primitiv, jene trumpfen auf, sie und die ominösen „Bürgerjournalisten“ seien die Zukunft, die anderen Dinosaurier. Opfer sind sie alle – und die Medienkonsumenten. Denn noch immer ist das Internet, abgesehen von einigen Mainstream-Inseln, weitgehend eine L33T-Geschichte.

(Onlinewerbung wächst, doch dieses oft wiederholte Mantra täuscht darüber hinweg, dass Printwerbung immer noch herrscht: „Zeitungshäuser, die angesichts finanzieller Schwierigkeiten mit der vollständigen Verlagerung ihres Printprodukts in das Internet spekulieren, sollten sich diesen Schritt noch einmal ganz genau überlegen. Wie ein aktuell präsentierter Bericht … zeigt, … bei weitem nicht so viel versprechend … Demnach hat die finnische Finanz-Tageszeitung Taloussanomat http://www.taloussanomat.fi, die seit 28. Dezember 2007 aus Kostenreduktionsgründen nur mehr ausschließlich online erscheint, durch die Umstellung mindestens 75 Prozent ihrer Umsätze eingebüßt. (pressetext österreich)
Bekannt ist, dass für Werbeplätze Online ganz einfach weniger Zahlungsbereitschaft herrscht als für Werbeplätze im Druck. Die Gründe sind wohl in erster Linie emotionaler Natur – Werber trauen einer Einschaltung nicht, wenn man sie nicht angreifen, ausschneiden, einkleben kann…)

Facebook ist genauso böse

Twitter und Blogs sind aber nicht allein Wurzel des Übels. Facebook lässt nun nämlich auch noch die User über die Nutzungsbedingungen abstimmen. Wo gibt’s denn sowas?

„Ich halte diesen Schritt für absolut verwerflich. Damit geht Facebook ins Absurde“, meint Hans Zeger, Obmann der Arge Daten http://www.argedaten.at, im Gespräch mit pressetext. „Über seine Grundrechte kann man nicht abstimmen“, stellt Zeger klar. (pressetext österreich)

Warum eigentlich nicht? Etwa weil man das noch nie machen durfte? Weil es immer schon so war? Think again. The times, they are a-changing. (bob dylan)

Wo bin ich?

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