Ecuador

20/08/2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Ecuador hat dem Wikileaks-Kopf Julian Assange Asyl gewährt. Er versteckt sich in der Botschaft des Staates Ecuador in London und hofft so, einer Auslieferung nach Schweden zu entgehen. Fans jubeln (obwohl die Frage, wie er von dort weg nach Ecuador proper kommt, ungelöst ist), Nörgler schimpfen. Gelegentlich wird gemotzt, dass Assange zum „Heiligen“ hochstilisiert werde, er solle vor Gericht und dann werde man ja sehen. Ist an der Sichtweise etwas dran?
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Risques

14/12/2010 § Ein Kommentar

Was mit Julian Assange passiert, ist eine wichtige Lehre.

Screenshot

Wir haben uns in letzter Zeit daran gewöhnt, dass politische Aktionen sicher und gemütlich sind, oft sogar viel Spaß machen. Wir organisieren lustige Lichterketten für den Weltfrieden und MQ-Besetzungen über Facebook, wir unterstützen den Freiheitskampf im Iran oder im Kongo mit farbigen Profilbildern, wir erregen uns lautstark über „jeden Vierten“, der das Kreuzerl an der falschen Stelle macht.

Bei all dem kann uns nicht viel mehr passieren als dass die Chinesen versuchen, unsere Accounts zu löschen. Sehr ärgerlich, aber daran wird keiner von uns sterben. Ganz anders als die Demonstranten im Iran, die hungernden Menschen in Nordkorea und die Dissidenten in allen denkbaren und undenkbaren autoritären Staaten und die ganz gewöhnlichen Zivilisten in Afghanistan oder im Jemen, die jeden Tag mit der Frage leben müssen, ob am Abend noch die ganze Familie am Leben sein wird.

Für uns verwöhnte Couchdemonstranten, für uns Warmwasserhelden, für uns Jammerer auf hohem Niveau ist es sicher nicht ganz schlecht, wenn nun mal einer von uns, ein Westler, ein Computerheini, ein Internetfuzzi, tatsächlich mit der Bedrohung leben muss, dass ein Land, dessen Mächtige ihn tot sehen wollen, seine Auslieferung ersehnt.

Ja, hier geht es wirklich um den Tod. So weit wird es wohl nicht kommen, aber die Möglichkeit ist da: Die ultimative Accountlöschung.

Merken wir uns das.

Und wenn wir wieder herumaktivistisieren in der Freizeit, denken wir daran, dass wir glücklich sind hier, in einem Land, in dem die Polizei nicht auf uns schießt, in dem uns niemand mit der Todesstrafe droht und in dem die Zahl derer, die ums Überleben kämpfen müssen, gering ist.

Vielleicht helfen wir dann das nächste Mal jemandem wirklich. Von einem grünen, blauen oder schwarzen Avatar ist nämlich noch niemand satt oder gesund geworden.

OpenLeaks

11/12/2010 § Ein Kommentar

Angeblich startet die WikiLeaks-Konkurrenz OpenLeaks am Montag. Gegründet von Aussteigern, die sich mit Assange überworfen haben, wegen seines autoritären Einsamer-Wolf-Führungsstils, und Andersdenkenden, die den Veröffentlichungsstil von WikiLeaks nicht mögen. Sie wollen dasselbe tun, nur ganz anders.

Kann das funktionieren?

Das Geheimnis von OpenLeaks: Sie wollen so wie WikiLeaks eine Anlaufstelle für Datenaufdecker sein. Sie wollen so wie WikiLeaks Missstände aufdecken.
Die Betreiber von OpenLeaks wollen wie WikiLeaks die (möglichen) Informanten um jeden Preis schützen. Doch sie wollen, anders als WikiLeaks, keine Originaldokumente veröffentlichen.

Sie wollen sie nur weiterleiten an traditionelle Medien. Oder alternativ: Sie wollen Artikel schreiben über die Dokumente, die ihnen zugespielt werden sollen. Sie wollen analysieren, erklären, beschreiben – wie traditionelle Medien. Sie wollen Gatekeeper sein statt Gateöffner.

Der Ansatz ist zum Scheitern verurteilt.

Erstens: WikiLeaks ist bekannt und damit etabliert, man weiß, dass es funktioniert, OpenLeaks ist neu, man weiß nicht, wie sicher es ist, man weiß nicht, ob man ihnen trauen kann und wie weit. Solange es WikiLeaks gibt, wird man sein Material lieber an WikiLeaks weitergeben.

Zugegeben, vielleicht gelingt es den Amerikanern, WikiLeaks in absehbarer Zeit umzubringen. Doch selbst dann kennt man, zweitens, die traditionellen Medien, die eigene Tageszeitung, besser als OpenLeaks.
Informationen der Zeitung zuspielen, das ist eine Methode, die so alt ist wie die Medien selbst. Und man hat als Leser auch ein Gefühl dafür, welche Informationen dort ernst genommen und verfolgt werden, welche klein gespielt oder in die Rundablage transferiert werden.

Originale

Der entscheidendere Punkt: OpenLeaks fehlt das Alleinstellungsmerkmal von WikiLeaks. Das ist nämlich genau die Unmittelbarkeit: Sie veröffentlichen die Originaldokumente.

Analysen und Vereinfachungen bekomme ich auch in den traditionellen Medien.

Kann und will ich selbst denken, und zwar weitgehend verlässlich, freue ich mich über den Zugriff auf die Originalquellen. So kann ich Analysen hinterfragen und mir eine eigene Meinung bilden.

Auf die Originaldokumente können auch die traditionellen Massenmedien zugreifen und ihre eigenen Analysen bringen. Unkontrolliert. Aus eigenem Antrieb. Und sie können damit auch noch ganz nebenbei die Daten einem zweiten, beinharten Echtheitstest unterziehen, falls der erste Filter versagen sollte. Sie können auf lokale Besonderheiten eingehen und spezielle Randthemen herausarbeiten, extra für ihre Zielgruppe. Eine einzelne Plattform kann das für ein weltweites Publikum nicht bringen.

Transparenz

Das gilt nicht nur für Medien. Auch ich als interessierte Öffentlichkeit habe bei WikiLeaks jeden gewünschten Zugriff. Ich muss nicht einfach schlucken, was mir serviert wird, ich kann nachschlagen, aufsuchen, nachlesen. Das interessiert nicht jeden, aber es steht jedem frei. Das ist die tatsächliche Bürgerbeteiligung: Interaktivität.

Echte Transparenz ist nicht austauschbar gegen behauptete Transparenz.
Streit ist keine gute Geschäftsgrundlage.

Legale Aspekte

Auf der Haben-Seite für OpenLeaks steht – neben der dezentralen Grundidee -, dass stark editierte, eigene Artikel nicht gegen irgendwelche Copyrights und Geheimhaltungsrichtlinien verstoßen. Ein eigenes Werk wird geschaffen, und der legale Spielraum für Verfolgungen ist nicht besonders groß.

Das ist aber kein bombensicherer Schutzpanzer. Es ist eine Feigenblatt-Argumentation, die es nur bis zum nächsten Entschließungsantrag im Repräsenantenhaus schaffen wird. Sobald das Interesse an Kontrolle groß genug wird, ist rasch eine Executive Order verfasst oder gar ein eigene Gesetz entworfen.

Legale Spielräume sind, gleich was die Proponenten eines starken Staates oder die Rechtspositivisten sagen, schwammig und veränderlich.
Man kann sich nicht darauf verlassen.

Die Wahrheit lebt aus sich selbst heraus, nicht Kraft der Gesetze.

Payback

08/12/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Wenn man die da oben verärgert, bekommt man eine aufs Dach. So viel ist uns allen nun klar. Gelegentlich können aber auch die da unten ein bisschen mit Nadeln stechen.

„Operation Payback“ ist eine Serie von organisierten Hackerangriffen auf Paypal und MasterCard, dann, nach einer zeitgerechten Ankündigung, auch auf Visa – die Rache für die Jagd auf Assange. Auch wenn alle betroffenen Firmen sich beeilten zu versichern, dass sie die Lage unter Kontrolle und alle Probleme mühelos abgewehrt hätten, es sieht wohl eher so aus als seien die Attacken hübsch erfolgreich gewesen.

„The Man“ wird sich etwas einfallen lassen, um auch gegen „Anonymous“ vorzugehen. Zum Beispiel auch sie als „ausländische Terrororganisation“ klassifizieren. Und damit ein gutes Stück näher an einer korrekten Definition dran sein als bei Wikileaks.

Ach ja, noch etwas: Sehr spannend.
Assange als „enemy combatant threatening the United States“.

Cablegate

29/11/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Wikileaks hat die US-Regierung ja bisher schon gereizt, mit der Veröffentlichung von Militärdokumenten. Schmerzhaft, gewiss. Interessant, ja. Auch wichtig im Sinne der Transparenz. Aber im Grunde ohne wirklich schweren Schaden für die USA. Nun wird es noch schmerzhafter für Washington: Diplomatische Korrespondenz.

Unter dem Titel „Cablegate“ veröffentlicht Wikileaks diplomatische Post unterschiedlicher Geheimhaltungsstufen und unterschiedlicher Herkunft.

Gemeinsam ist den Dokumenten, dass sie Details beinhalten, die man als Autor ganz einfach nicht veröffentlicht sehen wollen würde. Angesichts der schieren Masse und der je nach Interpretation des Lesers sehr unterschiedlich spannenden Dokumente sei hier nichts davon wiedergegeben. Stattdessem sei dem Leser hiermit empfohlen, sich selbst einen Überblick in den Originalen zu verschaffen.

http://cablegate.wikileaks.org / wikileaks.ch 213.251.145.96

Für jeden, der sich nur ein bisschen für internationale Politik interessiert, lohnt sich der Klick. Garantiert.

PS: Der offizielle Twitter-Hashtag lautet #cablegate

Assange

21/08/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Julian Assange hat Wikileaks gegründet. Dann hat er damit die USA geärgert, indem er ihre Hubschrauberattacke auf Journalisten und Ersthelfer veröffentlicht und nun Afghanistan-Dokumente der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat. Jetzt wird er wegen mehrfacher Vergewaltigung gesucht.

Ein Haftbefehl wurde ausgestellt, wegen Verdunkelungsgefahr, wie es heißt. Wikileaks erklärte via Twitter, nachdem die Organisation die Veröffentlichung weiterer Afghanistan-Dokumente angekündigt habe, sei sie vor „schmutzigen Tricks“ gewarnt worden. „Jetzt haben wir den ersten“.

Der Fairness halber sei gesagt, dass diese Details völlig unabhängig voneinander sein könnten. Theoretisch. Immerhin wird die Anklage in Schweden erhoben. Doch bei aller grauer Theorie fällt es einfach verflucht schwer, ausgerechnet jetzt an ein zufälliges Zusammentreffen von Geschehnissen zu glauben. Bei allem Respekt vor Schweden und seiner zweifellos außergewöhnlich ehrlichen und effektiven Justiz.

Überlassen wir die ach so schwierige Entscheidung über Julian Assange und die möglicherweise angeblich vergewaltigten Frauen den Schweden, dem Pentagon und Wikileaks. Widmen wir uns lustigeren Aspekten des Themas. Davon gibt es einige auf Twitter.

@mykke_ schreibt:

Julian Assange bereitet eine Alien-Invasion vor! #wikileaks

Julian Assange schenkt Naomi Campbell Diamanten! #wikileaks
(In Anspielung auf einen „Skandal“ um Blutdiamanten)

Julian Assange schüttet Öl in den Golf von Mexiko! #wikileaks
(In Anspielung auf den Bohrloch-Unfall von BP)

Julian Assange hat Björk zu ihrem Schwanenkleid überredet! #wikileaks

Aus verlässlicher Quelle (@yugisuru) höre ich, Julian Assange sei schuld am Aussterben der Dinosaurier! Skandal! #wikilaks

Julian Assange verprügelt Eichhörnchenbabys mit einem Schlagring! #wikileaks

Julian Assange ist der Vater von Justin Bieber! #assangedidit

Aus anderen Quellen:

@DerDackel Who drives Streetview cars through Germany?
#assangedidit

@yugisuru wer hat den #blumenkübel umgefahren!? #assangedidit

@yugisuru wer hat die brennende, mit hundekagge gefüllte tüte vor
deine haustür gelegt und dann geklingelt? #assangedidit

@Grendelsen who burned my toast? #assangedidit

@nati0n Who voted for Bush? #assangedidit

Etc. etc.

Wie gesagt: Es fällt einfach zu schwer.

Nachtrag, abends:

@warrenellis: Whenever I’m being threatened by the US Government, the first thing I do to relax is commit serious crimes in Sweden

The Best. XD

Zweiter Nachtrag, abends:

Schweden hat den Haftbefehl zurückgezogen. Der Vergewaltigungsvorwurf sei nicht substanziell genug. Ein zweiter Vorwurf, der einer sexuellen Belästigung, bleibt aufrecht, der reicht aber nicht für einen Haftbefehl. Der Rückzug kommt von ganz oben, von Generalstaatsanwältin Eva Finne.

AP schreibt über Assange: A physics Ph.D, Assange hasn’t shied from taking on both government officials and the press. Media profiles have detailed an unsettled upbringing — the Australian press has reported Assange attended dozens of schools growing up — and he still seems to live on the move, his computer traveling with him in a backpack.

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