Schneefall

03/12/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Eine Zugfahrt von Linz nach Wien, Schnee – und Glück.

Der Railjet ist das Vorzeigeprojekt der ÖBB. Der Railjet wartet nicht, für ihn wird die Strecke freigehalten, der Railjet muss pünktlich sein – und das ohne Aufpreis.

Natürlich ist das nur eine Theorie. An die Gesetze der Physik bleibt auch der Railjet gebunden, und Regen, Hagel und Schnee trommeln auch an seine Scheiben.
Die folgende Geschichte wird wohl am besten chronologisch erzählt.

Schneefahrt

Die geplante Abfahrt um 18:10 Uhr hatte sich bereits um 22 Minuten verzögert, wegen der Schneeverwehungen auf den Gleisen zwischen Salzburg und Linz. Nach dem Einsteigen gab der Schaffner einer Mitreisenden gerade die Auskunft, dass ein Aufholen der Verspätung ausgeschlossen sei, eher würde man noch mehr dazu bekommen – schlimmstenfalls bis zu 40 Minuten zusätzlich.

So billig sollte man es nicht bekommen.

Zwischen St. Valentin und Amstetten liegt irgendwo Aschbach Markt. Nur knapp hinter diesem Kaff Ort blieb der Zug, der bis dahin gut Fahrt gemacht hatte, liegen. In der ersten Durchsage war von einer defekten Fahrleitung die Rede – und von einer Verzögerung für „unbestimme Zeit“.

Es dauerte nicht lange, dann wurde diese Durchsage korrigiert: Nicht (nur?) die Fahrleitung, das Triebfahrzeug sei defekt, hieß es dann. Man würde eine Ersatz anfordern. 10 Minuten, so hieß es, würde das dauern.

Ein Weile danach – auf dem zweiten Gleis rauschten ab und zu Züge sehr flott in der Gegenrichtung vorbei – wurde bekanntgegeben, dass eine Diesellok angefordert sei. Sie käme in 10 Minuten und würde uns weiter ziehen.

10 Minuten, 10 Minuten

Offen blieb, warum bei einem Triebfahrzeugschaden der zweite Triebwagen nicht aushelfen konnte. Näheres dazu können bestimmt Professionisten aus dem Schienenverkehrsgewerbe erklären.

Beim Warten auf den Diesel flackerte das Licht, dann brannte nur noch jede zweite Lampe, und die Heizung schlief ein. Neue Durchsage: Durch den Verlust der Stromversorgung durch die Fahrleitung sei nun das Notaggregat angesprungen. „Es könnte sein, dass es leicht frischer wird.“
Schallendes Gelächter bei den Passagieren.

Indes wurde eine erzwungene Fahrpause von mehreren Stunden bis nach Mitternacht zu einer realistischen Möglichkeit. Viele machten es sich zum Schlafen bequem, einige fanden sich zum Kartenspielen zusammen, praktisch alle informierten per Mobiltelefon Verwandte und Freunde über die Verzögerung. Es herrschte entspannte Stimmung, überschattet von leichter Sorge, nachdem doch gelegentlich jemand die Tür öffnete und so Schritt für Schritt doch kühle Luft ins Innere (beziehungweise warme noch draußen, Physik und so) sickerte.

Schließlich kam die Diesellok, rummste einige Male gegen die Zugfront und hängte uns an. Sie zog uns nach Amstetten, eine erstaunlich kurze Weiterfahrt, durchaus eine Strecke, die man auch zu Fuß inzwischen hätte bewältigen können; sinnvoll natürlich nur, wenn Amstetten denn das Endziel der Reise wäre. Dort sollte, so eine weitere Durchsage, eine andere E-Lok vorgespannt werden, dann könne die Fahrt fortgesetzt werden. 10 Minuten.

Dazu solle es jedoch nicht kommen. Im Bahnhof Amstetten wurde uns angeboten, „frische Luft“ zu „schnappen“ – abermals eine Durchsage, die mit hörbarer Heiterkeit quittiert wurde. Die schlug um in Verwirrung, als die nächste Durchsage vorschlug, auszusteigen und auf Bahnsteig 5 zu wechseln, der ICE käme demnächst und würde auch nach Wien fahren.

Die Frage, ob dieser Wechsel sinnvoll oder kontraproduktiv ausgehen würde, wurde den Passagieren schnell abgenommen, als ÖBB-Bedienstete den Zug durchkämmten und alle zum Aussteigen aufforderten. „Der Zug wird geräumt“.

Eilig rafften die Mitreisenden ihre Siebensachen zusammen und schuhten hinüber zum Bahnsteig 5, wo der ICE bereits wartete. Sitzplatzmäßig war der Zug damit sehr gut ausgelastet, doch immerhin: Jeder, soweit ich das überblicken konnte, fand einen Platz.

Mit dem ICE verlief die weitere Fahrt beinahe störungsfrei.
Ein Angstmoment kam, als der Zug kurz vor St. Pölten stark abbremste, fast auf Schritttempo, und der Lautsprecher zu knistern begann. Alle Railjet-Erfahrenen erstarrten und spitzten die Ohren. Gebrannte Kinder.
Doch der Lautsprecher verstummte, der Zug nahm wieder Fahrt auf. Eine Welle der Entspannung lief durch die Sitzreihen.

Zwischen St.Pölten und Wien flog der Zug nur so dahin, es war eine reine Freude. Endergebnis: 110 Minuten Verspätung.

Für eine Fahrt, die ebenso gut in Amstetten – oder gar irgendwo bei Aschbach Markt – zu Ende sein hätte können, eine sehr gelungene und glückliche Lösung.
Und auch der Smartphone-Akku hatte die laufende Liveberichterstattung per Twitter, Facebook und SMS durchgehalten.

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Plätschern

16/06/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Der Regen ist wieder da. Nach dem ohnehin viel zu langen und viel zu nassen Regenmai mit seinen lokalen und regionalen Überschwemmungen ist das ein direkter Angriff auf die Grundfesten der Zivilisation.

Zugegeben: Es ist noch nicht so arg, was da vom Himmel herunterschnürlt. Und ebenfalls zugegeben: Die Lacken waren schon größer.
Aber wir wollen das trotzdem nicht als Trend sehen.

Widmen wir diesen Tag dennoch den Erfindern des Regenschirms, unbekannterweise, in den lang vergangenen Zeiten der Antike oder darüber hinaus. Auch wenn feucht sich kräuselndes Frauenhaar ein feiner Anblick ist: das kann man auch beim Schwimmen haben. Und die Stimmung wärmt nur die Sonne richtig.

Temperaturkurve

14/06/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Von einem Temperatursturz ist man versucht zu sprechen, wenn man ein Minus von 13 Grad erlebt. Die Bezeichnung ist aber übertrieben, wenn sich das Minus zwischen plus 35 und plus 22 Grad abspielt.

Nennen wir es eine Abwärtskurve. Die chwarzmaler wurden durch schwarze Wolken bestätigt, das Wochenende brachte kurze Regenschauer und starken Wind, in den inneren Stadtbezirken erzählt man sich von abgerissenen Bäumen und panischer Flucht tausender Menschen in die U-Bahnstationen.

Wollen wir es nicht übertreiben.

Hier draußen am Stadtrand ist auf den hiesigen paar Quadratkilometer gerade mal ein Dutzend Äste abgerissen worden, und panisch fliehen musste niemand.

Schade, dass die Sonnenperiode so rüde unterbrochen wurde. Vielleicht war es ja bestellt – von den ersten Raunzern, denen die 35 Grad schon wieder viel zu heiß waren, trotz der langen, kalten, nassen Wartezeit davor.

Genuss

09/06/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Der Regenmai und seine Ausläufer nach vorn und hinten haben uns Mitteleuropäer den Frühling gekostet. Jeder Sonnentag, dem grausamen Jahr abgetrotzt, ist ein kleiner Sieg.

Das „Jahr ohne Sommer“ in der Meteorologie sind in Wahrheit drei Jahre. 1816 und die Folgejahre blieben ungewöhnlich kalt in Amerika und großen Teilen Europas, die Ernten blieben mager, Menschen starben. Schuld war damals ein Vulkanausbruch beinah am anderen Ende der Welt, des Tambora in Indonesien, der im April 1815 gut ein Viertel seiner Höhe einbüßte. Der Gipfel des äquatornahen Berges explodierte, Asche verteilte sich über den ganzen Globus.

Das „Jahr ohne Frühling“ haben wir jetzt. Auf einen kalten März und einen kühlen und oft regnerischen April folgte ein völlig verregneter Mai, beinah aus allen Ecken Mittel- und Osteurpas werden Überflutunen gemeldet.

Die Woche vom 6. bis 13. Juni ist die erste länger als zwei Tage andauernde Sonnenperiode des Jahres. Menschen, Tiere und Pflanzen atmen auf. Die Wetterberichte mahnen aber schon jetzt, vorsichtig zu bleiben und mit einem plötzlichen, massiven Wetterumschwung zu rechnen.
Für die darauffolgende Woche sagen einige Meteorologen eine neue Abkühlung, mehr Regen voraus.

Muss nicht sein, sage ich. Wir haben genug.
Das Jahresniederschlagsmittel von 900 Millimeter pro Quadratmeter haben wir schon oder haben wir zumindest sehr bald hinter uns. Lassen wir noch eine Weile die Sonne, sie wärmt und so schön die Glieder und verlangt so wenig dafür.

Mehr davon! Bitte!
Wir wollen diese Zeit nach all dem Wasser jetzt erst mal ausführlich genießen.

Muttertag

09/05/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Ein Jubeltag für die Mütter soll er sein, der Muttertag am zweiten Sonntag im Mai. Ein Festtag, um die zu ehren, die das übrige Jahr großteils unbedankt für die Familien schuften. Das Wetter meint es gut mit ihnen. Die Pflichten rufen auch am Ehrentag.

Welche Mutter träumt nicht von einem Muttertag in vollständiger Ruhe? Umsorgt von braven, gewaschenen und angezogenen Kindern, von liebevollen (Ehe-)Männern, die Akten und Notebooks Akten und Notebooks sein lassen und nur eine Aufgabe kennen an diesem arbeitsfreien Tag: Es ihrer lieben Mutter, Frau, Freundin, Großmutter einmal so schön wie möglich machen.

Ganz sorgenfrei wird der Tag für die wenigsten bleiben: Das Frühstück mag wie am Schnürchen klappen und sogar vollständig sauber aufgerämt werden, der große Familienausflug oder Verwandtenbesuch mag ohne kleine Katastrophen abgehen: das Mittag- und das Abendessen wollen dennoch rechtzeitig und verlässlich zubereitet sein, und wenn abends die Kinder zu Bett gehen bleibt trotz aller gut gemeinter Aufräumversuche im Regelfall ein Schlachtfeld zurück, dem nur die alltagsgestählte Mutter beizukommen weiß.

Die eine oder andere Mutter mag auch froh sein, wenn der Tag vorbei ist und damit auch die unausgesprochene Verpflichtung zu dankbar glückseligem Dauerstrahlen als Reaktion auf die linkischen Versuche der Lieben, einmal alles richtig zu machen.

Das große Plus bei diesen Versuchen: Der zweite Sonntag im Mai ist dann doch meistens ein strahlender Sonnentag. Und an einem strahlenden Sonnentag kann man die Kinder ohne Gewissensbisse draußen spielen und, wenn die Infrastruktur es zulässt, auch draußen essen lassen. Das Chaos wird im Freien angerichtet und beim nächsten großen Regen vom natürlichen Lauf der Dinge gezähmt, und am Abend sind alle rechtschaffen müde und lassen sich widerstandslos zu Bett schicken. Wohl und Wehe des Muttertags stehen und fallen mit dem freundlichen Ja oder Nein der Wettergötter.

Wahlwetter

25/04/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Selbst mit geschlossenen Augen quer im Bett liegend, die zerknüllte Decke fest um ein Bein gewickelt und den Kopf in unnatürlichem Winkel abgeknickt kann ich es spüren: Das Wetter passt der politischen Klasse exakt ins Konzept.

Bei diesem Ersatzkaiserwetter gilt die Sorge um die Gesundheit oder der Mangel an wetterfestem Schuhwerk nicht als Ausrede für das gefürchtete „Nichtwählen“. Wer an diesem Sonntag nicht zur Bundespräsidentenwahl geht, der geht bewusst nicht, weil er nicht will. Ich schlage die Augen auf und sehe einen kraftvollen Lichtfinger zwischen den Vorhängen hereinfluten. Viel gefürchteter als das „Nichtwählen“ ist diesmal ja ohnehin das „Weiß wählen“.

Bisher wurden ungültig abgegebene Stimmzettel stets großzügig ignoriert als Missgeschick von einem Viertelprozent ungeschickter, weltfremder Sonderlinge, die nicht in der Lage sind, einen Stift ruhig zu halten, und einer kleinen Gruppe dümmlicher Disney-Fans. Diesmal, mit einer Quasi-Weiß-Empfehlung durch weite Teile einer ganzen Großpartei, werden die ungültigen Stimmen womöglich glatt zum Faktor. Die Protestkraft geht ihnen dabei allerdings abhanden. Wer heute Weiß wählt, wählt im Grunde Schwarz. Farb-Kidnapping.

Der Wahlkampf ist vorüber, der jetzt als farb- und kraftlos verunglimpfte, zu Beginn seiner Präsidentschaft als viel zu viele Grenzen überschreitender Störenfried kritisierte Amtsinhaber – allen kann man es einfach nie recht machen, und politischen Gegner ohnehin nicht – auf der einen und die Vertreter massiv vom Jetzt-Zustand abweichender Lebenskonzepte, rechts oder religiös, auf der anderen Seite haben keine Veranstaltungen und keine Diskussionen mehr zu absolvieren sondern nur den ruhigen, quasibescheidenen Gang ins Blitzgewitter und an die Urnen.

Um 11 Uhr vormittags ist das Schulgebäude an der Ecke überraschend still. Keine Kinder, die laut lärmend durch die Gänge jagen oder wuchtig Türen ins Schloss knallen lassen, und auch nur wenige hustende und murmelnde Erwachsene.
Vier Männer und zwei Frauen unterschiedlichen Alters und unterschiedlichster Statur haben die Tische L-förmig angeordnet und zwei faltbare Wahlkabinen aus hellbraunen Pressspanplatten aufgerichtet. Zentral am längeren Arm des L wartet geduldig eine mittelgraue Wahlurne aus Kunststoff. Ich bin der einzige Wähler im Raum und überreiche der Dame auf dem zentralen Sitzplatz meinen Ausweis und meine vorab zugesandte Wahlinformation mit der Sprengelnummer. Sie gibt beides an ihren Nebenmann weiter, der meinen Namen verliest, ein Kollege weiter unten ruft eine noch nicht sehr hohe zweistellige Nummer aus. Ich bin kein Nachzügler, wie es scheint.

Das Kreuz wird diesmal zur Abwechslung nicht rasch in den Kreis geschmiert, sondern sorgfältig eingepasst, dennoch gelingt es nicht, den Kreuzungspunkt genau im Zentrum zu platzieren. Zum Ausgleich ziehe ich die Balken drei, vier Mal nach, um den Wählerwillen auch wirklich unmissverständlich klarzustellen.
Der Wahlzettel ist flugs im Kuvert verstaut, und dasselbe mit einem zielsicheren Griff in der Dunkelheit des Briefschlitzes im Urnendeckel versenkt. Danke, erledigt.

Mit dem Ausweis in der Tasche verlasse ich die Schule, die übrigen Klassenzimmer sind auch nur schütter besucht, die Garderobe der Staatsbürger reicht von casual bis zum Sonntagsstaat.

Draußen empfängt mich ein in warmes Sonnenlicht gebadeter Grünstreifen, in den Zweigen der vereinzelt vor dem Gebäude verwurzelten, knotigen Bäume singen die Vögel. Am Abend wird das Ergebnis bekannt gegeben werden: 7,26 Prozent ungültig, das ist in etwa die absolute Menge bei den Wahlen vor sechs Jahren, ein prozentueller Anstieg um ein grobes Drittel – der Aufruf zum „Weiß wählen“ ist also nicht so massiv aufgenommen worden wie befürchtet.
Dafür hat das schöne Wetter für eine neue Rekordzahl an Wahlberechtigten die Anziehungskraft des gemütlichen Gartenstuhls oder eines entspannten Parkbesuchs massiv in die Höhe geschraubt. Die Wahlbeteiligung lag insgesamt nur bei schwachen 49,7 Prozent.

Die gültigen Stimmen bescheren dem Amtsinhaber ein komfortables Ergebnis von 78,94 Prozent. Die rechte Herausforderin lukriert 15,62 Prozent, die religiöse Alternative 5,44 Prozent.
Eine entspannte zweite und letzte Amtszeit, und Grund für böses Blut zwischen den großkoalitionären „Partnern“ mit dem falschen Lächeln im Gesicht und dem sprichwörtlichen Dolch hinter dem Rücken.

Wetterabschwung

12/04/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

April, April, der macht was er will. So lautet ein Sinnspruch, den der Nachwuchs im Kindergarten oder spätestens in der Volksschule mit nach Hause bringt. Der heurige Launenmonat zeigt sich aber phantasielos.

Man könnte fast schon sagen: fantasielos. Denn das elegante ph hat dieser April nicht verdient. Statt eigene Ideen zu entwickeln oder auch nur die bisherigen Aprilvertreter zu kopieren macht er sich noch einen Schritt kleiner und imitiert einfach seine Vormonate.

Kälte und Regen, Kälte und Wolken, Kälte und Wind – das sind Spassettln, die ebenso des Februar oder der ersten Märzhälfte würdig gewesen wären, oder der ersten Dezemberhälfte.

Wo bleiben die Überraschungen? Hagel? Gewitter? Sturmböen? Oder aus dem Hinterhalt ein massiver Einfall sonnigen Wohlfühlwetters?
Fehlanzeige.

Ich höre das Wehklagen laufend, und bin langsam gegen meinen zähen Widerstand doch geneigt, zuzustimmen: Das Jahr 2010 hat mit einer Menge Vorschusslorbeeren angefangen, aber bisher in allen Bereichen zu enttäuschen verstanden.
Bald ist ein Drittel um. Wenn es noch etwas reißen will, muss es bald damit anfangen.

Wo bin ich?

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