Detention

17/10/2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Jill Stein ist Präsidentschafts-Kandidatin in den USA. Man kennt sie nicht gut, sie ist von einer kleinen Oppositionspartei, von den Grünen (Green Party). Im Zweiparteiensystem der USA hat sie nicht viel Gewicht. Gestern während der Debatte zwischen Obama und Romney wurde sie festgenommen.
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Erschütterung

20/09/2012 § Hinterlasse einen Kommentar

„Ich spüre eine Erschütterung der Macht“, sagen die Jedi, wenn etwas Schreckliches passiert. Und die Macht ist erschüttert. Denn ein Rubicon wurde überschritten.
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Jill

25/08/2012 § Ein Kommentar

Die Republikaner stimmen sich auf Mitt Romney ein, die Demokraten auf Barack Obama – die US-Präsidentenwahlen gehen in die Zielgerade. Da kommt es ganz gelegen, über eine URL zu stolpern: „http://isidewith.com„, einer „http://wahlkabine.at“ für die USA.
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Gauckelei

30/06/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Doch keine „gemähte Wiese“, wie man auf gut österreichisch sagt: Christian Wulff stolpert mühsam gegen den SPD-Kandidaten bergan.

Joachim Gauck präsentiert sich gern als über den Dingen stehend. Damit hat er beim normalen Wahlvolk einen Stein im Brett. Aber selbst wenn das gar nicht gefragt wird, so wie jetzt bei der Bestellung eines Amtsnachfolgers für Horst Köhler zum deutschen Bundespräsidenten, fliegen dem SPD-Gegenkandidaten zum Regierungs-Wulff die Herzen der Wahlmänner und -frauen zu.

499 Stimmen im ersten Wahlgang statt nur 460 wie es die Parteiblöcke vorhersehen ließen, das heißt, es gibt Fahnenflüchtige in der Wahlkommission, die sich nicht ans Diktat der Angela Merkel halten. Zumindest nicht im ersten Wahlgang.

Der dritte, chancenlose Kandidat der Linken sorgte mit seinen 126 Stimmen dafür, dass die 600 brav für Christian Wulff votierenden Parteisoldaten um schlappe 23 keine saubere Mehrheit durchbrachten.

„Schwan gehabt“, möchte man da ausrufen, denn solche Hoppalas geben auch straßenfernen innenpolitischen Entscheidungen einen gewissen Spannungsfaktor, einen gesinenhaften Touch des Unberechenbaren. Auf diese Weise sind gerade sie am besten geeignet, die galoppierende Wahl- und Politikmüdigkeit des dauergeleimten Wahlvolkes zu zügeln. Vorübergehend.

Ach ja:

Der Wulff wird schon noch in den Hühnerstall einbrechen. Denn im dritten Wahlgang muss er nur noch vorne liegen, auch wenn es nicht für die 50% reichen sollte.

(Nachtrag: Und so geschah es: Der dritte Wahlgang war’s.)

Wahlwetter

25/04/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Selbst mit geschlossenen Augen quer im Bett liegend, die zerknüllte Decke fest um ein Bein gewickelt und den Kopf in unnatürlichem Winkel abgeknickt kann ich es spüren: Das Wetter passt der politischen Klasse exakt ins Konzept.

Bei diesem Ersatzkaiserwetter gilt die Sorge um die Gesundheit oder der Mangel an wetterfestem Schuhwerk nicht als Ausrede für das gefürchtete „Nichtwählen“. Wer an diesem Sonntag nicht zur Bundespräsidentenwahl geht, der geht bewusst nicht, weil er nicht will. Ich schlage die Augen auf und sehe einen kraftvollen Lichtfinger zwischen den Vorhängen hereinfluten. Viel gefürchteter als das „Nichtwählen“ ist diesmal ja ohnehin das „Weiß wählen“.

Bisher wurden ungültig abgegebene Stimmzettel stets großzügig ignoriert als Missgeschick von einem Viertelprozent ungeschickter, weltfremder Sonderlinge, die nicht in der Lage sind, einen Stift ruhig zu halten, und einer kleinen Gruppe dümmlicher Disney-Fans. Diesmal, mit einer Quasi-Weiß-Empfehlung durch weite Teile einer ganzen Großpartei, werden die ungültigen Stimmen womöglich glatt zum Faktor. Die Protestkraft geht ihnen dabei allerdings abhanden. Wer heute Weiß wählt, wählt im Grunde Schwarz. Farb-Kidnapping.

Der Wahlkampf ist vorüber, der jetzt als farb- und kraftlos verunglimpfte, zu Beginn seiner Präsidentschaft als viel zu viele Grenzen überschreitender Störenfried kritisierte Amtsinhaber – allen kann man es einfach nie recht machen, und politischen Gegner ohnehin nicht – auf der einen und die Vertreter massiv vom Jetzt-Zustand abweichender Lebenskonzepte, rechts oder religiös, auf der anderen Seite haben keine Veranstaltungen und keine Diskussionen mehr zu absolvieren sondern nur den ruhigen, quasibescheidenen Gang ins Blitzgewitter und an die Urnen.

Um 11 Uhr vormittags ist das Schulgebäude an der Ecke überraschend still. Keine Kinder, die laut lärmend durch die Gänge jagen oder wuchtig Türen ins Schloss knallen lassen, und auch nur wenige hustende und murmelnde Erwachsene.
Vier Männer und zwei Frauen unterschiedlichen Alters und unterschiedlichster Statur haben die Tische L-förmig angeordnet und zwei faltbare Wahlkabinen aus hellbraunen Pressspanplatten aufgerichtet. Zentral am längeren Arm des L wartet geduldig eine mittelgraue Wahlurne aus Kunststoff. Ich bin der einzige Wähler im Raum und überreiche der Dame auf dem zentralen Sitzplatz meinen Ausweis und meine vorab zugesandte Wahlinformation mit der Sprengelnummer. Sie gibt beides an ihren Nebenmann weiter, der meinen Namen verliest, ein Kollege weiter unten ruft eine noch nicht sehr hohe zweistellige Nummer aus. Ich bin kein Nachzügler, wie es scheint.

Das Kreuz wird diesmal zur Abwechslung nicht rasch in den Kreis geschmiert, sondern sorgfältig eingepasst, dennoch gelingt es nicht, den Kreuzungspunkt genau im Zentrum zu platzieren. Zum Ausgleich ziehe ich die Balken drei, vier Mal nach, um den Wählerwillen auch wirklich unmissverständlich klarzustellen.
Der Wahlzettel ist flugs im Kuvert verstaut, und dasselbe mit einem zielsicheren Griff in der Dunkelheit des Briefschlitzes im Urnendeckel versenkt. Danke, erledigt.

Mit dem Ausweis in der Tasche verlasse ich die Schule, die übrigen Klassenzimmer sind auch nur schütter besucht, die Garderobe der Staatsbürger reicht von casual bis zum Sonntagsstaat.

Draußen empfängt mich ein in warmes Sonnenlicht gebadeter Grünstreifen, in den Zweigen der vereinzelt vor dem Gebäude verwurzelten, knotigen Bäume singen die Vögel. Am Abend wird das Ergebnis bekannt gegeben werden: 7,26 Prozent ungültig, das ist in etwa die absolute Menge bei den Wahlen vor sechs Jahren, ein prozentueller Anstieg um ein grobes Drittel – der Aufruf zum „Weiß wählen“ ist also nicht so massiv aufgenommen worden wie befürchtet.
Dafür hat das schöne Wetter für eine neue Rekordzahl an Wahlberechtigten die Anziehungskraft des gemütlichen Gartenstuhls oder eines entspannten Parkbesuchs massiv in die Höhe geschraubt. Die Wahlbeteiligung lag insgesamt nur bei schwachen 49,7 Prozent.

Die gültigen Stimmen bescheren dem Amtsinhaber ein komfortables Ergebnis von 78,94 Prozent. Die rechte Herausforderin lukriert 15,62 Prozent, die religiöse Alternative 5,44 Prozent.
Eine entspannte zweite und letzte Amtszeit, und Grund für böses Blut zwischen den großkoalitionären „Partnern“ mit dem falschen Lächeln im Gesicht und dem sprichwörtlichen Dolch hinter dem Rücken.

Ratlos

27/09/2008 § Hinterlasse einen Kommentar

Der Blick von draußen ist oft erhellender als der aus der Mitte des Chaos. Trotzdem hilft auch „die Zeit“ mit ihrer Betrachtung Österreichs vor der Wahl nicht recht weiter.

http://www.zeit.de/online/2…
Und auch die Schweizer sind planlos.
http://www.nzz.ch/nachricht…

Klar ist: So wie bisher geht es nicht weiter. Aber was tun? Selbst die „Presse“ warnt angesichts der vielen Unentschlossenen davor, ungültig zu wählen – weil dadurch die „Großen“ überproportional mit Restmandaten belohnt werden. Das sagt, wohlgemerkt, die „Presse“, die ja ein gewisses ideelles Naheverhältnis zu einer der beiden „Großen“ kaum leugnen kann.
http://diepresse.com/home/p…

Meine eigene Entscheidung wird wieder einmal erst in der Wahlzelle fallen. Und sie wird mir diesmal besonders schwer fallen.

Jede (naja, fast jede) der Parteien hat ihre Meriten, und jede hat auch ihre schweren Macken. Insofern kann auch dieser ratlose Blog-Beitrag niemandem eine Hilfestellung bei der Entscheidung sein.

Tragisch ist: Auch mit massiven Verlusten für Rot und Schwarz bleibt wahrscheinlich kein Weg als der ältest-bewährte der zweiten Republik.
http://www.welt.de/politik/…

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Immerhin: Auch wenn wir Österreicher in unserem eigenen Mief gefangen bleiben, so gibt es doch andere auf der Welt, die etwas zuwege bringen.
Zum Beispiel: China! Jahrelange Billigfertigung bei gleichzeitiger intensiver Analyse der Teile, die man da billig für andere fertigt, haben sich ausgezahlt und kulminieren in einem funktionstüchtigen Eigenbau-Raumanzug, der auch tatsächlich im All zum Einsatz kommt.
http://www.nzz.ch/nachricht…
Die Welt dreht sich auch unabhängig von Österreichs Regierung weiter.

Vorurteilslos

24/02/2008 § Hinterlasse einen Kommentar

Ich muss gestehen, ich habe die US-Vorwahlen nicht mitverfolgt, ja sogar verweigert. Aus drei Gründen.

Erstens hatte ich in der Arbeit genug um die Ohren.
Zweitens fand ich das atemlose Durchhecheln uninteressanter Backwater-Provinzen (Wisconsin? Idaho?) lachhaft.
Drittens konnte ich ohnehin nicht vernünftig mitfiebern, da ich mit den Positionen der Kandidaten nicht vertraut war.

Der dritte Punkt fällt jetzt weg: ich habe mir zwei, drei stille Stunden Zeit genommen und einmal hinter die grinsenden Kulissen zu blicken versucht. Die Republikaner disqualifizeren sich damit für einen Europäer durch die Bank. Zwischen Clinton und Obama, die als einzige übrig bleiben, gibt es programmatisch keinen echten Unterschied (außer beim Umgang mit dem Irak, aber den lasse ich jetzt einfach mal außer Acht).

Wer zwischen Clinton und Obama wählen will, muss also zurück an die Oberfläche – zur Person. Älter, von sich eingenommen, kühl und intelligent gegen „showy“, predigerhaft, dynamisch, Visionen vermittelnd, einem Ehrgeizler. Und da tendiere ich persönlich eher zu Clinton.

Wobei ich entdeckt habe, dass ich viel weniger von Vorurteilen behaftet bin als ich dachte. Denn bei ein paar Gesprächen mit durchwegs aufgeschlossenen, gebildeten, liberalen Menschen in meinem Umfeld habe ich entdeckt, dass die anderen sich durchaus bewusst sind, wer hier schwarz, weiß, männlich oder weiblich ist. Und dabei hatte ich, wohl weil ich selbst daran schon lange nicht mehr gedacht hatte, angenommen, dieser Aspekt sei im Laufe des Wahlkampfes generell in Vergessenheit geraten.

Irrtum!

Obwohl weder Obama sehr schwarz noch Clinton sehr weiblich ist, ist die ethnische bzw. die Geschlechter-Frage in den Köpfen der Leute durchaus präsent.

„Emanzipierte“ Frauen tendieren überwiegend zu Clinton, und zwar, weil sie eine Frau ist, andere Frauen zu Obama, weil wenn schon eine Frau, dann bitte nicht eine wie Clinton. Liberal gesinnte Männer tendieren zu Obama, weil es Zeit sei dass ein Schwarzer US-Präsident würde, oder zu Clinton, weil es Zeit sei für eine Frau.
Über die politischen Positionen der beiden weiß niemand so recht Bescheid hier in Europa.

So ist das also: bin ich offenbar doch politisch korrekt.

Wo bin ich?

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