Bildungsbegehr

24/08/2011 § Ein Kommentar

Mein Lehrer, mein Feind. So sieht das Verhältnis zwischen Schüler und Lehrer viel zu oft aus. Die Anfänge dieser ungesunden Einstellung erkennt man leider oft schon bei Kindern. Wenn sie dann durch ungeschickte, demotivierte oder schlechte Lehrer bestätigt werden, ist die Feindschaft zementiert. Ein Volksbegehren will da Änderungen schaffen.
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Propagandista

19/06/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Gern wird von Gegnern der Sozialdemokraten behauptet, im roten Wien sei alles von der SPÖ dick rot eingefärbt, die Partei sei omnipräsent. Ich kann das aus meiner Wahrnehmung nicht bestätigen. Hin und wieder aber regt sie sich wie ein ungelenker roter Riesendrache und bratzelt mit ungelenker Pfote in den Porzellanladen. Ins Theater der Jugend.
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Feuerwehrmann

07/03/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Kindermund, so sagt man nicht ohne Berechtigung, tut Wahrheit kund. So können Gespräche mit Kindern blitzschnell den Nagel sehr heftig und schmerzhaft auf den Kopf treffen. Ein Gespräch über Journalismus und Feuerwehr.
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Elternbeitrag

13/10/2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Die ÖVP will in Richtung Ganztagsschule gehen – und wenn die ÖVP etwas will, dann wird es immer schnell finanziell. Spindelegger will demgemäß auch gleich einen Elternbeitrag für die Nachmittagsbetreuung einheben.

Von der Basis her nicht ganz falsch gedacht. Wenn Jugendliche nachmittags im Einkaufszentrum herumhängen und sich gegenseitig ausrauben, drängt sich der Gedanke an eine zwangsweise Beschäftigung im umzäunten Gelände geradezu auf. Außerdem hilft ja eine vernünftige Nachmittagsbetreuung theoretisch auch gleich beim Aufarbeiten der Defizite aus dem Unterricht am Vormittag, sprich, macht das überbordende Nachhilfeunwesen überflüssig.

Und genau hier ist der Punkt, an dem Spindeleggers Vorschlag indirekt seine Meriten hat. Wer zahlt, schafft schließlich auch an. Wenn die Eltern für die Nachmittagsbetreuung zur Kasse gebeten werden, dann erwerben sie sich damit nämlich in aller Logik auch das Recht, ein klein wenig mitzureden bei der Frage, was da so passiert am Nachmittag.

Von den Eltern Geld einheben und die Kinder dann in den Klassenräumen mehr oder weniger sich selbst zu überlassen, damit sie Schifferl versenken oder Stadt / Land / Fluss spielen, nein danke. Das können sie wirklich auch gratis daheim.

Wenn von den Eltern Geld fließen soll, dann hat die Nachmittagsbetreuung auch tatsächlich etwas zu bringen – und zwar schulischen Mehrwert.

Bei Fleck im Jahreszeugnis: Geld zurück.

Schulschluss

04/07/2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Der Schulschluss ist eine magische Zeit. Freiheit, Ruhe, für alle Beteiligten. Das ist nicht ideal, aber Realität. Ein Ausweg aus dieser Lage ist (noch) nicht gefunden.

„Angst macht dumm“, behauptet Daniel Pennac im Buch „Schulkummer“, und kritisiert so den üblichen Schulbetrieb. Den kritisieren viele, und durchaus schon seit vielen Jahrzehnten.

Geändert hat sich dennoch nicht viel. Die viel kritisierte „Gangschule“ bleibt trotz – oder wegen? – ihrer Ähnlichkeit mit Haftanstalten seit vierzig Jahren das einzig massentaugliche Modell. Der Lehrstoff wird immer mehr statt weniger, dazu kommen die geforderten Zusatzqualifikationen, die nun auch in der Zentralmatura (durchaus aus guten Gründen) integraler Bestandteil der Reifeprüfung werden, und weiterhin hecheln Lehrer, Schüler und Eltern gleichermaßen frustriert Juni für Juni dem Monatsende entgegen.

Für Schüler bedeutet es Ferien, freie Zeit, selbst für Sitzenbleiber bringt der Sommer eine dringend benötigte Atempause, so kurz sie auch sein mag vor dem Beginn der Intensivkurse und Sommercamps zur Vorbereitung auf den „Nachzipf“, für Eltern lässt endlich für kurze Zeit die zusätzliche Belastung der Sorge um den Schulerfolg ihrer Sprösslinge nach; die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz genügt ja auch. Nicht viel anders geht es dem Feindbild Lehrer – auch die atmen auf, wenn sie endlich keine Schularbeiten, Hausaufgaben oder Fachbereichsarbeiten korrigieren müssen, sondern abends wie die Menschen mit „normalen“ Berufen die Füße von sich strecken und entspannt die Augen schließen können.

Wie kann man die Schule zu einem Ort machen, an den die einen gern gehen, die anderen ihren Nachwuchs gern schicken?

Die Salchers und Pennacs dieser Welt regen an, darüber nachzudenken, eine vollständige Antwort vermögen auch sie nicht zu geben. Einzelne Schulen gehen alternative Wege und haben damit Erfolg, immer jedoch nur durch außergewöhnlichen, auch privaten, Sondereinsatz.
Man kann davon ausgehen, dass Einsparungen beim Lehrpersonal wenig dazu beitragen werden, die Schullandschaft zu einer lernfördernden Wohlfühllandschaft zu verändern.

Anders lernen – http://helene-lange-schule…. – ist unbestritten das Ziel aller. Wie es flächendeckend durchzusetzen ist bleibt bislang offen.
Man muss darüber weiter nachdenken. Vielleicht nach den Ferien.

Schulbank

25/04/2009 § Hinterlasse einen Kommentar

60.000 Schüler haben gestern in ganz Österreich gegen … tja, gegen was eigentlich? … protestiert. Selten gab es ein besseres Argument für mehr Schulressourcen und mehr Lehrer, am besten gleich für die Ganztagsschule.

Die von vielen Journalisten gestellte Frage „gegen was demonstriert ihr hier?“ war ja vielleicht ein klein wenig hinterlistig. Schließlich konnte man davon ausgehen, dass der Großteil der Demonstranten darauf keine schlüssige Antwort zu geben wusste – das ist bei Erwachsenen nicht viel anders. Trotzdem waren die Antworten – und das, was man im Vorbeigehen so aufschnappen konnte – nicht unspannend:

  • „Gegen diese Hure…“
  • „weil die uns die Ferien wegnehmen wollen!“
  • „wir wollen uns nicht mehr verarschen lassen“
  • „weil die Lehrer uns verarscht haben“
  • „mir is des wurscht“
  • „Yeeeeeeeeeaaaaaaaaahhhh!!“
  • „Fuck the System“
  • „die sehen nicht ein, dass wir auch unsere Erholung brauchen!“
  • „die sollen sich weiterbilden, und jetzt nehmen sie uns unsere Freizeit weg“ (das liegt noch am nächsten dran an einer vernünftigen Antwort)
  • „noch nie hab ich so eine inkompetente Fachministerin gesehen“
  • „wir wollen unsere schulautonomen Tage zurück“

Was hat sich da zusammengeballt am Ring?

Erstens: Ein harter Kern von Jungpolitikern, der bestens organisierte Nachwuchs der Parteien, der sich durch die Mobilisierung der Masse erste Sporen verdiente: Die Milchbärte mit den Megafonen. Man darf getrost davon ausgehen, dass ihnen am Schulsystem deutlich weniger liegt als daran, sich jetzt einen Namen zu machen, sich ein Standing zu verschaffen, um dann in den Studentenparteien und den Jugendorganisationen á la SJ und JVP in die Chefsessel geschwemmt zu werden.

Zweitens, und am besten sichtbar: Der Beweis der organisatorischen Kompetenz der Gruppe eins. Nämlich die Werkzeuge der Macht: Eine Horde von plan- und gedankenlosen Flaschen, Mitläufer, die das, was sie nebenbei aufschnappen oder falsch verstanden haben wie eine echte eigene Meinung herumbrüllen und als Masse mitschwimmen. Solche Menschen sind unverzichtbar zum Führen von Kriegen und zum Gelingen von Revolutionen – irgendjemand muss ja die Bastille stürmen, und das können nicht die Dantons und Robespierres selber machen.
Dumm für diese freizeithungrigen Demonstranten, dass sie selbst auch das beste Argument dafür sind, dass die Jugend dringend mehr und bessere Bildung braucht und eben keine autonomen Tage, dass es vielleicht sogar ganz gescheit wäre, ihnen wirklich die Ferien zu kürzen.
Zudem ein eindrückliches Signal dafür, welch gigantische Arbeit die Lehrer leisten müssen, um so einen Zoo unter Kontrolle zu halten! Dieser Protestzug beweist, dass mehr Lehrer mit mehr Ressourcen und mehr gesellschaftlicher Unterstützung unverzichtbar sind.
Es existiert ein massives Bildungsloch zwischen Strebern und Selberlernern auf der einen und Problemkindern auf der anderen Seite: die unauffälligen no-names, an denen Wissen und Erfahrungen offensichtlich abperlen, ohne tiefere Spuren zu hinterlassen.

Ach ja, drittens und viertens: In der Umgebung, abseits der eigentlichen Demonstration in Cafés und beim Maci finden sich noch weitere, mangels eines besseren Wortes, „Gruppen“ inhomogener Schülerfraktionen. Nämlich einmal die unvermeidlichen Tachinierer, die den aufgeregten Tag zum unauffälligen Schwänzen, Shoppen und für allerlei Freizeitaktivitäten nutzen — und zuletzt noch die kritische geistige Elite. Da gibt es zum Beispiel Mädchengruppen in beängstigenden Outfits mit kurzen Hosen, Männerhüten und Palästinensertüchern, die aussehen wie direkt der neuen US-Serie „Gossip Girl“ entsprungen. Ihre Optik ist abschreckend, ihre Diskussionen sind fundiert. Hier tauschen sich junge Menschen aus, die tatsächlich wissen, warum die Nullen draußen geistlos hinter ihren Anführern herschwanken. Sie argumentieren und haben eigene Meinungen. Sie haben Probleme mit der Autorität, aber sie kennen die inhaltlichen Positionen des Finanzamts, der Lehrerschaft und des Unterrichtsministeriums. Sie sehen die Rechtschreibfehler auf den Transparenten ihrer Kollegen draußen. Und überlegen, welche Kompromisse am Ende wohl herausschauen werden bei der Aktion.
Wer weiß, vielleicht sind da die guten Lehrer von morgen dabei.

Amokschützer?

15/03/2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Der Kurier hat den Austro-Kriminologen Thomas Müller interviewt – unter anderem zum Thema Winnenden. Eine der Fragen: „Könnten – müssten – unsere Schulen durch Security sicherer gemacht werden?

Müller antwortet mit Nein. (http://www.kurier.at/nachri…)

Absolut richtig, denke ich. Denn man stelle sich vor, in den Schulen würden neben der Gangaufsicht noch Privat-Bullen für Ordnung und Ruhe sorgen.

Mitlaufen statt Mitdenken?

Noch mehr Regeln. Noch mehr Disziplin. Noch mehr Unterdrücken von Individualität, Ersticken von Freiheit und Belohnen von Angepasstheit, von Mitschwimmen in der gesichtslosen Masse. Ist es das, was wir uns unter der Ausbildung für die Kinder von heute, die Erwachsenen von morgen vorstellen? Die Degradierung zu Mitläufern nicht nur im Unterricht, sondern auch im Hof und am Gang? Wollen wir die Gesellschaft, die aus einem solchen Klima erwächst?

Dazu kommt noch: Westentaschen-Rambos, die schwache, selbstunsichere Schüler – genau die, in denen der Wolf am unruhigsten schlummert – noch weiter in Richtung Rand drängen. Denn jedem Laienpsychologen dürfte klar sein, dass man an den Geduckten, den Zögerlichen, den Kleinen am besten seine eigene Pseudo-Macht beweisen kann, gleich ob als mobbender Schulhof-König oder eben als gescheiterter Möchtegern-Polizist.

Ein Vorteil!

Einen Vorteil hätte die Idee der schulischen Rent-a-cops natürlich: Bei identitätslos Uniformierten, noch dazu Uniformierten, die durch Pfeffersprays und Schlagstöcke ein gewisses Bedrohungspotenzial besitzen (dass niemand Wachen mit scharfen Waffen in den Schulen aufstellen will, setze ich jetzt einfach mal voraus – wir sind ja hier nicht in Südamerika, und es will ja auch keiner, dass ein gefrusteter Wachmann auf Schüler feuert), da liegt auch die Hemmschwelle für den Abzugsfinger eines Amokläufers gravierend niedriger als bei bibbernden Schulkameraden.

Auch das sagt schon die elementarste Laienpsychologie: Ein Kind mit großen Augen abzuknallen ist schwer. Gegen einen breitschultrigen Gewalttäter abzudrücken geht besser von der Hand. Insofern könnten Schul-Securities immerhin das Feuer von Amokläufern auf sich ziehen und so als Kugelfang die jungen Leben unschuldiger Schüler retten helfen.

Wo bin ich?

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