Haircutterz

07/10/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Alles auf Null. Das klingt als Lösung der Schuldenkrise aufs Erste mal gar nicht so übel, oder? Aber Vorsicht!

http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/699281/Ende-mit-Schrecken_Haircut-fuer-die-ganze-Welt

Nicht mehr ganz so angenehm, nicht wahr?

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Marke

17/07/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Jacob Benbunan und Ben Knapp werden in der Presse am Sonntag als „Marken-Gurus“ vorgestellt. Dann erklären Sie, was das eigentlich ist: eine Marke. Und worauf es dabei ankommt.
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01/11/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Seit er bei der Wiener Zeitung demontiert wurde, geht es mit Andreas Unterberger bergab. Nun verwandelt er auch noch sein „nicht ganz unpolitisches“ Internet-„Tagebuch“ in eine brummende Premium Content Maschine.

Der Link zu Unterbergers Blog: http://www.andreas-unterberger.at/

Dort wird über den gewohnt gegen das Ende des Konservativismus annörgelnden Einzelbeiträgen für ein „Partnermodell“ geworben.

Screenshot: Andreas Unterbergers Tagebuch

Wer nicht ins Partnerprogramm einsteigt und für die Nutzung zahlt, der liest neue Beiträge erst 24 Stunden verzögert – sprich, wenn sie überholt sind. Wer zahlt, darf nicht nur zeitgerecht den Gedankensprüngen des einstigen Presse-Chefredakteurs zu folgen versuchen, er darf auch Beiträge nachlesen, wenn sie älter als zehn Tage sind, und die nächsten Unterberger-Bücher mit Partnerrabatt kaufen. Sehr verlockend.

„weiterlesen leider nur für Partner“

Wie zukunftsweisend ist das Premium Content Modell, das auch bereits aktiviert ist?

Jemand wie Andreas Unterberger, der durch seinen Lebenslauf und seine durchgefochtenen Konflikte eine gewisse Anhängerschar gesammelt hat, kommt damit wohl durch. Zu seiner Denkschule passt die Zahlschranken-Politik auch ganz wunderbar. Nur: neue Fans wird er damit nicht so einfach sammeln.

Neue Fans braucht Unterberger aber auch nicht. Was er braucht, ist ein neuer Job. Das Bedürfnis danach springt den Leser aus dem Abschluss der Partnerwerbung unversehens an:

Für jedes Medium, bei dem ich eventuell als Eigentümer, Chefredakteur oder Herausgeber tätig sein werde, reduziert sich der Abonnementpreis um 25 Prozent.

Die Zugriffszahlen auf Unterbergers Blog sind mir nicht bekannt, und ich werde ihnen auch nicht nachlaufen. Steigen werden sie von nun an bestimmt nicht.

Berufsethos

04/04/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Über journalistische Ethik wird in der Öffentlichkeit viel geredet derzeit, nach dem Aufkommen des ORF-Am-Schauplatz-Skandals, der Affäre um Statistengehälter für die Protagonisten von Skinhead-Drehs, fast halb so viel wie am Publizistikinstitut gelehrt und fast so viel wie im journalistischen Arbeitsalltag verworfen werden muss.

Doch wie viel auch im direkten Konflikt mit den Interessen von Herausgebern, Kooperationspartnern und Werbekunden geopfert wird, es gibt einen Grundstock von Prinzipien, auf den bei allem Pragmatismus und bei noch so viel gesunder oder ungesunder Konkurrenz nicht verzichtet werden kann.

Realitätsferne Luftschlösser über gleiches Wortrecht für alle Beteiligten, gleich wer sie sind und welche Handgreiflichkeiten sie androhen, oder über die absolute Ablehnung aller Zuwendungen, selbst wenn es sich nur um eine Tschick handelt, mögen bei der Proseminararbeit Dogma sein, im täglichen Nachrichtengeschäft brauchen sie nicht aufrecht erhalten zu werden.
Solange klar ist, dass sich dadurch an der professionellen Distanz nichts ändert und dass dadurch nichts gekauft wird, ist jederzeit auch ein ausgegebener Kaffee oder ein Schinken-Käse-Toast drinnen, vor allem bei permanent von der Pleite bedrohten Onlinemedien, die ihren Mitarbeitern entsprechende Auslagen nur nach tagelangem, zähem Ringen ersetzen würden.
Solange eine Gegenleistung weder versprochen noch erwartet wird, solange der Heilige Gral, die Wahrheit, nicht dadurch berührt wird, ist auch eine Übernachtung oder eine Mitfahrgelegenheit für einen am Rand der Zivilisation gestrandeten Reporter drin.

Denn darum geht es nur:
Um den Heiligen Gral.
Um die Wahrheit.

Die Möchtegernphilosophen mögen noch so oft postulieren, dass es keine Wahrheit gibt und sie mögen auch davon überzeugt sein, die Fakten existieren, und damit existiert auch die Wahrheit.

Entsetzlich also folgender Beginn des Artikels „Endstation Hardcore-Boulevard“ von Patricia Käfer und Isabella Wallnöfer in der Sonntagspresse vom 4. April 2010:
„‚Er inszeniert auch: der Pressefotograf, der zur Unfallstelle die Grabkerzen selber mitbringt‘, sagt ATV-Nachrichtenchef Alexander Millecker. ‚Wir Medien inszenieren alle, allein durch unsere Themenauswahl.‘ Kritisch wird es für Millecker allerdings, wenn das Medium selbst durch seine Berichterstattung zum ‚politischen Akteur‘ wird[…]“

Erst?
Erst dann?
Wenn ein Pressefotograf Grabkerzen aufstellt, ehe er eine Unfallstelle fotografiert, dann verdient er ein paar Backpfeifen. Grabkerzen dürfen dort stehen, wenn die trauernde Familie oder Fans des Unfallopfers sie aufstellen, wenn der Fotograf oder das Kamerateam sie aufstellen, dann wird es nicht nur kritisch, dann ist der Siedepunkt längst überschritten. Wer das tut ist ein Verräter am ersten und letzten Stützpfeiler des Journalismus.

Ecoraschung

10/11/2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Gelegentlich überkommt den Beobachter der Verhältnisse der Eindruck, seine Vor- und Urteile würden sich allzu häufig bestätigen. Da tut es gut, einmal überrascht zu werden. Etwa von der Eco der Presse.

Die offizielle Linie der Tageszeitung die Presse im Zusammenhang mit den Studentenprotesten im und um den Audimax (oder, zugegebenermaßen richtiger, in Presse-Diktion „das“ Audimax) der Uni Wien steht fest. Seit Tag 2 der Proteste trommeln allen voran Oliver Pink, aber auch Michael Fleischhacker und, in geringerem Ausmaß, Nowak und Co, die Losung, die man in konservativen Kreisen für die aufmüpfigen Studiosi zur Hand zu haben hat: Pappn halten! Studieren, net sudern. Gewürzt mit Drohungen: Heizung abdrehen, für Miet- und Verdienstentgang aufkommen, verklagt werden.
Das ist pures Obrigkeitsdenken.

An diesem Sonntag aber brach die Blattlinie zumindest vorübergehend um. Den Anliegen der Studenten galt Verständnis, es kam sogar ein spannender Vorschlag für ein neues, interessantes System.

Woher?

Ausgerechnet aus der Eco, aus dem Wirtschaftsressort.
Ausgerechnet von da, wo die anzunehmender Weise die Hardliner sitzen, die Wortführer des Neoliberalismus, die Apologeten ungezügelter Wirtschaftsinteressen.

Sie gingen hin. Sie hörten zu. Sie verstanden.

Franz Schellhorn, sicher keiner, der so schnell in den Verdacht des Progressiven gerät, brachte eine Idee auf, die für Universitäten rasch zum Stressor avancieren würde, verkrustete Uni-Strukturen aber aufbrechen würde wie Dynamit einen Deich aus Sandsäcken: Einen Lern-Scheck. Die Kosten für die Universitäten mögen nicht nach Schema F auf die Uni-Landschaft aufgeteilt, sondern den Studierenden zur Verfügung gestellt werden – zur freien Verfügung.
Konkurrenzkampf nicht zwischen den Studierenden um die Gunst der hohen Kasten, sondern zwischen den Instituten und Universitäten, um die Gunst der Lernenden.

Der Vorschlag ist stimmig: er passt zu einem Wirtschaftsressort, er passt sogar zum Neoliberalismus, und doch ist er frisch und anders, doch stellt er die rigide Machtstruktur des Geld- und Titel-Adels infrage.

Es lohnt, darüber nachzudenken und zu diskutieren.

Herr Schellhorn, die Damen aus der Eco: Ich bitte um Verzeihung für meine Vorurteile.

Frauenstunde

28/09/2009 § Hinterlasse einen Kommentar

„Die Stunde der Frauen“ ist die Geschichte betitelt: Doris Kraus verfolgt in der Sonntagspresse den Gedanken, dass die „Krise der Männer“ nun Platz für eine neue Zeit macht, die Zeit der Frauen. Was passt daran nicht?

Drei Anmerkungen:
(Ja, ich weiß, dass der Text nur emotionalisieren soll und kein Faktenbericht ist – trotzdem)

1) Von einem anbrechenden Zeitalter der Frauen ist (noch) nichts zu bemerken. Ganz im Gegenteil: Genau die Wahnsinnigen, die den Karren an die Wand gefahren haben, wurden durch die Staatsfinanzierungen gerettet, ihre Fehler von anderen ausgebügelt, ihre Verluste von anderen getragen, und so haben sie natürlich nichts gelernt – sie holen wieder Schwung und werden als nächstes noch einmal, noch heftiger gegen die Wand donnern und noch mehr kaputtschlagen.

Danach vielleicht. Wenn die Staaten sich überheben und nicht nur die Finanzgurus, sondern auch reihenweise die Regierungen und Verfassungen stürzen – dann könnte ein neues Zeitalter kommen.

2) „Krise der Männer“: „Maskuline Verantwortungslosigkeit und Zockerei haben den wirtschaftlichen Karren an die Wand gefahren, zur Strafe dürfen die Männer jetzt zu Millionen stempeln gehen. Denn die verlorenen Arbeitsplätze sind vor allem ‚männliche‘ in den traditionellen Industriesparten…

Strafe? Das klingt so fair. Wie eine Quittung für eigene Fehler. Doch die verantwortungslosen Zocker tragen feinen Zwirn und wurden, wie erwähnt, von Millionen Steuerzahlern gerettet. Sie gehen nicht stempeln. Sie müssen einen der drei Jaguars abstoßen und können sich im kommenden Jahr nur entweder den Jacht- oder den Golfklub leisten, nicht beides. Die armen Schweine dagegen, die nun die Suppe auslöffeln sollen, haben nie genug freies Geld gehabt um auch nur eine erwähnenswerte Aktie zu kaufen. Sie erhalten die Strafe für die Fehler anderer.

Diese beiden so konträren Gruppen als „die Männer“ zu subsummieren ist – sexistisch.

3) Und ebenso sexistisch ist der Lösungsansatz: „Frauen sind eher mitarbeiterorientiert, Männer eher machtorientiert“. Im großen Ganzen ist das so. Doch es gibt mitarbeiterorientierte Männer, die jetzt an gläserne Decken stoßen, weil sie zu wenig Ellenbogen haben und die in der skizzierten neuen Ära weiter an gläserne Decken stoßen, weil sie keine Frauen sind.

Das ist wie wenn man antichinesischen Rassismus in Indonesien dadurch auflösen will, dass man nur noch Chinesen in Führungspositionen oder auf die Sitzplätze in Bussen lässt und Indonesier aufgrund ihrer Herkunft abweist oder auf die Straße wirft.

Susanne Höllinger von der Ersten sagt da im Interview Angenehmeres: „Ich bin prinzipiell dafür, dass die Qualifikation den Posten bestimmen soll, nicht das Geschlecht.
Derzeit sind viele Frauen der Ansicht, dass das Geschlecht den Posten bestimmt, doch es ist nicht das Geschlecht als solches, sondern es sind Klüngeleien. Die Profiteure sind normalerweise Männer, aber nicht „die Männer“, und nicht weil sie Männer sind, sondern weil sie sich mit den richtigen Leuten verhabern.
Auf der Strecke bleiben nicht „die Frauen“, sondern die Ehrlichen. Von denen eben sehr viele Frauen sind.

Ressourcenfall

27/09/2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Stefan Aust war früher Spiegel-Chefredakteur. Im Interview mit der Presse wird ein Thema angesprochen, das laufend im Zusammenhang mit dem „Zeitungssterben“ hochkocht: „investigativer Journalismus“ – und die Ressourcenfrage in Zeiten der Krise.

Presse: Aber gerade für investigativen Journalismus, als dessen Vertreter Sie ja gelten, braucht es Zeit und Ressourcen – also Geld.
Aust: Der Begriff "investigativer Journalismus" wird von ein paar Leuten, die glauben, sie hätten ihn erfunden, wie eine Monstranz herumgetragen. Ich bin da sehr skeptisch. Jede Art von Berichterstattung ist zu einem Teil investigativ - recherchieren ist ja das Wichtigste im Journalismus. Und die paar großen Enthüllungsgeschichten, die es gibt, sind nicht immer Resultat aufwendiger [sic] Recherchen. Oft ist es Zufall: Jemand, der etwas aufdecken will, wendet sich an die beste Adresse. Wenn sich Journalisten großer Titel dann als investigativ bezeichnen, kommen sie mir manchmal vor wie der Schrankenwärter, der glaubt, der Zug kommt, weil er die Schranken heruntergelassen hat.

Vorausgeschickt: Der Titel „Chefredakteur“ wird auch gern wie eine Monstranz herumgetragen, und im Regelfall – speziell bei großen Medien – ist der Träger überhaupt nicht redaktionell tätig. Manches Medium leistet sich sogar einen ganzen Stall von Chefredakteuren und „in der Chefredaktion“ tätigen Personen…

Die Einschätzung vom Zufall darf als Tatsache angenommen werden, denn so wie in Filmen und Serien, in denen Starreporter und Kolumnistinnen tagelang, in einem Barrymore-Film eine einfache Journalistin sogar über Wochen, gar nichts produzieren, während sie in schicken Kaffeehäusern und Boutiquen herumschwadronieren, ehe sie dann plötzlich den großen Knaller für die Seite 1 abliefern, kann ein Medium rein ökonomisch nicht funktionieren – nicht einmal der ORF. Die Aufdeckergeschichten kommen von den „Whistleblowers“, von den Insidern, die die Schnauze voll haben von Lug und Trug. Wer, der im Erwerbsleben steht, könnte das nicht ohne Schwierigkeiten nachempfinden?

Die Aussage von der wichtigen Recherche ist im Internetzeitalter allerdings ein wenig ins Abseits gerutscht. Denn wenn wir uns die Internetzeitungen weltweit ansehen, dann sind die Prioritäten klar:
1) Geschwindigkeit,
2) Bilder,
3) vielleicht noch ein Video dazu.
und das ganze natürlich billig. (Darum will das Wirtschaftsblatt mit nun 1.1.2010 die Redaktion in eine Sub-Agentur umwandeln, und darum wehrt sich die Branche geschlossen gegen die Versuche der Gewerkschaft, die Tätigkeit des Journalisten unmissverständlich ausformuliert anerkennen zu lassen)

Wer ein- und denselben Sachverhalt in der Berichterstattung verschiedener Medien vergleicht, findet im Kern überall denselben Text – den der Nachrichtenagentur nämlich.
Bei dem einen oder anderen billig produzierten und teilweise verschenkten Massenboulevardblatt wird der Kern noch mit einiger dichterischer Freiheit aufgeblasen, bei dem anderen mit etwas höheren Ansprüchen transportierten Medium angereichert durch Kolumnen und Glossen aus der Print-Mutter. Bei wieder anderen ist die möglichst billige Massenproduktion austauschbarer Textblöcke ganz offen und ehrlich Unternehmensphilosophie.

Fazit:

Es ist nicht der investigative Journalismus, der Zeit und Ressourcen braucht, das hat Herr Aust richtig erkannt.
Doch es gibt dennoch eine Sparte, die darauf angewiesen ist – und zwar der ganz normale, echte Journalismus. Das eigene Gesicht einer Zeitung, einer Website, eines TV- oder Radio-Senders. Der selbst produzierte Inhalt, (soweit er auf Fakten und nicht auf Phantasie basiert,) braucht diesen Luxus – oder er existiert eben nicht. Dann haben wir beliebig austauschbare Massenware. So wie jetzt.

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