Bücherträume

25/08/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Walter Moers hat kürzlich Teil 2 herausgebracht. Doch hier fängt die Geschichte in Wirklichkeit an: in Teil 1. „Die Stadt der Träumenden Bücher“ habe ich hiermit durch. Mein Fazit: Moers wird vom Orm durchströmt.


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Männerbuch

22/08/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Was ist ein Männerbuch? Angeblich soll „Die Vermessung der Welt“ von Daniel Kehlmann eines sein. Wenn keine klare Definition von Männerbuch zur Verfügung steht, hilft vielleicht die Annäherung von der „Gegenseite“ – dem Frauenbuch.
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Stieg

07/07/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Verblendung – Verdammnis – Vergebung. Zumindest den ersten Teil der Millennium-Trilogie habe ich jetzt intus. Ein widersprüchliches Buch.

Stieg Larsson ist tot, seine Bücher finden seit der Verfilmung der Trilogie fürs Kino reißenden Absatz. Wer Bestsellern dieser Art misstrauisch gegenübersteht, wird in seinen Vorurteilen bestätigt: Das Buch ist bestimmt keine literarische Großleistung.

Inhaltlich teilt sich die Geschichte von Teil 1 – Verblendung – in einen verzwickten, Jahrzehnte alten Kriminalfall und die persönliche Aufarbeitung eines Rückschlags im Leben des von sich selbst überaus positiv eingenommenen Journalisten Mikael Blomquvist.

Der Kriminalfall ist spannend bis gruselig, die Auflösung ahnen erfahrene Krimileser in Grundzügen schon recht bald, dennoch versteht der Verlauf der Ermittlungen im Detail zu fesseln.

Die persönliche Geschichte des Herrn Blomquvist leidet einerseits unter seinem massiven Ego, andererseits an der uniformen Reaktion von Frauen aller Altersstufen und Gesellschaftsschichten auf seine Erscheinung: sie verfallen seinem jungenhaften, unbekümmerten Charme rettungslos und werden auch nicht enttäuscht, denn im Bett ist der Mann ein absoluter Held. Wenig überraschend mithin, dass es sich bei dem Tausendsassa und auch schreiberisch „ausgezeichneten Stilisten“ um ein Alter Ego des Autors handelt.

Ein für Nicht-Stockholmer bitteres Manko der Handlung ist der satte, aber oberflächliche Lokalkolorit. Der raschen Abfolge von Straßennamen und Landschaftsnennungen ist kaum zu folgen, noch weniger begeistert das Name-Dropping vermutlich bekannter schwedischer Persönlichkeiten der jüngeren Geschichte des skandinavischen Landes. Wären diese Elemente mit kurzen, treffenden Beschreibungen angereichert hätte die Millennium-Trilogie eine Zukunft als inoffizieller Reiseführer; ohne weitere Ausführungen bleiben sie Insider-Witze eines begeisterten Hobbyheimatkundlers.

32

25/10/2007 § Hinterlasse einen Kommentar

32 Jahre hat Charles Chadwick an seinem Debutroman geschrieben. Ich nehme an, mit Unterbrechungen.

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„Ein unauffälliger Mann“ heißt das Buch, das dabei entstanden ist. Eine so lange Arbeitszeit macht natürlich neugierig: Waren es das Leben und seine Wirrnisse, die Chadwick davon abgehalten haben, früher fertig zu werden? Ist der Mann ein extremer Perfektionist? Und vor allem: Was ist daraus geworden?

Man möge mich nicht darauf festnageln, aber ich glaube, 16 Jahre hat James Joyce an „Finnegans Wake“ geschrieben. Das Ergebnis ist unlesbar. (Ich hab’s wirklich versucht!)

Ich werde jedenfalls nach dem „unauffälligen Mann“ Ausschau halten und es nicht versäumen, heineinzublättern, um zu erfahren, ob sich die 32 Jahre – abseits der künstlerischen Befriedigung für den Schreiber – gelohnt haben.

Magie

23/07/2007 § Hinterlasse einen Kommentar

Die Harry-Potter-Saga ist zu Ende, viele Medien haben die hässliche Fratze der Ignoranz gezeigt, andere – die Krone – haben Würde bewahrt. Ich bin mit Potter VII fertig. Nein, ich schreibe hier keine Details. Nur meinen Gesamteindruck des Werkes.

Von einem literaturkritischen Standpunkt gibt es ein paar Dinge zu bekritteln – wichtige Szenen für die Charakterentwicklung werden zu kurz angerissen, es gibt ein paar „Zufälle“, die etwas weit hergeholt sind, gelegentlich wird ein Detail vergessen und bleibt offen.

Na gut. Wir wollen aber nicht zu streng sein.

Von einem plottechnischen Standpunkt aus ist es sehr gut – die Einzelstränge der Erzählung werden gut zusammengeführt, am Ende bleiben keine Fragen offen. Der Grundphilosophie ihrer Reihe bleibt J.K. Rowling auch im letzten Band treu.

Das heißt, zusammengefasst: Das Buch könnte natürlich noch besser sein, aber ich bin zufrieden und bleibe ein Bewunderer von J.K.

Verwunderung über Christine Nöstlinger

Die Kinderbuchautorin Christine Nöstlinger hat nach eigenen Angaben nur einen Potter-Band, und den nur teilweise gelesen. Im alten Profil verkündete sie, dass sie Potter nicht so toll findet. Das ist natürlich ihre Sache, ihr Recht. Aber sie verkündet auch, dass Potter schwache Eskapismusliteratur ist. Und das ist Unsinn.

Natürlich: Ohne die Bücher zu lesen, kann man nicht wissen, ob sie eskapistisch sind oder nicht. Aber es ist unklug, große Urteile auszusprechen, ohne sich auszukennen. (Ja, ja, ja, ich weiß, dass ich das auch dauernd mache.)

Potter ist NICHT eskapistisch. Das Schulleben, die Teenagerzeit, die Politik, die Medien: das ist Realismus, gefärbt mit etwas Magie. Hier finden Dinge statt, die jeder von uns (oder viele von uns) in ihrem eigenen Leben erfahren.
Eskapismus, das ist Hercules; Xena; Danielle Steele; Dan Brown (obwohl der Durchschnittstyp von der Straße bei dem sogar ein bisschen was lernen kann).

Aber Christine Nöstlinger glaubt wahrscheinlich auch, dass die Simpsons für Kinder gedacht sind.

Naserümpfen über „Österreich“

Das Fellner-Pamphlet für funktionelle Analphabeten hat unter Beweis gestellt, was für niedriger Schund es ist. Die haben beinhart das ganze Buch auf möglichst wenig Raum zusammengekürzt veröffentlicht, damit die Proleten sich nicht durch 607 Seiten quälen müssen, die sie ohnehin nicht begreifen würden, aber laut herumbrüllen können, welche Opfer es gibt und wie der Spaß genau endet.

Verbeugung vor der Krone

Ich schließe mit einem in der heutigen, vom Skandal- und Konkurrenzdenken behrrschten Zeit bewundernswerten Zitat aus der Kronen Zeitung:

„Über Inhalt und Ende des Buches sei hier nichts verraten: Der echte Potter-Fan genießt – und schweigt…“

Kommentare

umananda schrieb:

waaas? Das „Österreich“ hat die Details veröffentlicht? das ist ja eine Katastrophe!! Frechheit. Und, dass hätt ich mir nie gedacht, dass ich mal die Krone lobe.
Freitag, 17. August 11:17

Schlussverräter

20/07/2007 § Hinterlasse einen Kommentar

Drei Versionen von Harry Potter-Enden sind im Internet unterwegs, eine davon – das ganze, abfotografierte Buch – wohl echt. Der Ärger über die Schlussverräter ist groß. Aber ich frage: Warum so ein Gewese um den „Schluss“?

Warum blättern Journalisten, wenn sie ein Buch in die Hand bekommen, sofort zum Schluss?

Liegt wohl an ihrem Job: Sie verraten – bei kurzen Meldungen vor allem, aber auch sonst gern – ja auch im ersten Absatz eines Artikels schon alles Wesentliche – die berühmten 6W. (Wiener erstach gestern die Ehefrau im Auto: Aus Eifersucht!) Weiterlesen optional. (Ausnahmen sind Qualitätszeitungen wie die Zeit oder die FAZ, in Österreich das Spectrum und zum Teil der Standard.)

Und so geht es ihnen wohl in Fleisch und Blut über, dass sie immer zuerst das „Ergebnis“ wissen müssen, dann erst die Details.

Der Fehler dabei, wenn’s um Literatur geht: Das Ende eines Buches ist nicht das „Ergebnis“. Das ganze Buch ist das Ergebnis!
Deshalb passen Journalisten und Literatur so oft nicht zusammen – sie müssen sich erst überwinden, aus ihrem Schema auszubrechen.

Verärgerung

Genausowenig verstehe ich, was das Heute da an verärgerten Reaktionen zitiert: „Wollte mir den Roman gleich am Samstag kaufen, das kann ich mir jetzt sparen“, tobt Klaus (34) aus Linz (OÖ).

Warum sparen? Ist Klaus Journalist? Interessieren ihn nur die letzten fünf Seiten? Oder hat er vor, das ganze Buch anhand von leicht verschwommenen Fotos auf dem Bildschirm zu entziffern? (Viel Spaß dabei)

Ausweg

Ich hab die Sache anders angepackt als Klaus.
Ich habe schon mal das abfotografierte Buch gar nicht erst heruntergeladen.
Ich habe nichts über das Ende gelesen.
Und selbst wenn mir jemand sagen würde: „Ich weiß schon, wer stirbt: Es ist XY. Und YZ.“ – dann würde ich ihm sagen: Du Trottel, behalt‘ das doch bitte für dich, ja?, aber ich würde das Buch trotzdem lesen, und mit Genuss lesen.

Denn ich gestehe: ich finde, J.K. Rowling schreibt bis zum vierten Band erstklassig und seither immer noch sehr gut. Sie hat ihren Ruhm (und auch ihr Geld) verdient.
Daher lese ich gern ihre Geschichte.

Die ganze Geschichte nämlich, nicht nur den Schluss.

——-

PS: Man denke auch an Witze: Wie lustig ist ein Witz, von dem man nur die Pointe liest?
Etwa diese: „Naja, immerhin war sie über 40 Jahre lang meine Frau.“
Nicht komisch? Kein Wunder: Der Anfang fehlt.

Kommentare

juliaselma schrieb:

ich mags trotzdem nicht vorher wissen … wegen der Spannung und der inneren Einstellung zur Handlung … es ist so ähnlich wie bei den Fußballfans … die wollen auch nicht vorher wissen, wie das Match ausgeht … egal, wie der Anfang und die Mitte ausschaut, der Schluß ist schon wichtig … immerhin endet damit das Buch, d.h. man ist eh schon traurig weil das Buch aus ist (und dass das Buch irgendwann einmal endet steht ja leider von Anfang an fest, egal wie dick es auch sein mag) und daher unweigerlich auch das „andere Leben“ in dem man gerade lesend verweilte zu Ende ist, da will man wenigstens noch überrascht von der Handlung sein können…
Ich kann es nicht so gut erklären.
Ich kann aber gut lesen, stundenlang, tagelang, und ich tue es gern und tauche in diese Lesewelten ein…und komme ungern wieder zurück in meine Realität, sehr ungern!
UND ICH WILL KEINEN SCHLUSS VORHER WISSEN, NIEMALS!!!!!!
Montag, 23. Juli 09:52

Misoskop schrieb:

Von mir erfährst du den eh nicht, desert mom.
Montag, 23. Juli 15:04

juliaselma schrieb:

Danke!
Ich bin so schwach im Ausländischen lesen … viel vergnüglicher, auf die Übersetzung zu warten … da muss ich echt wachsam sein um nicht irgendwo irrtümlich was mitzukriegen…
Montag, 23. Juli 18:16

„Ich!“

11/07/2007 § Hinterlasse einen Kommentar

Günter Wallraff – seines Zeichens „Ali“ und „Hans Esser“, ganz unten oder bei der Bild, will jetzt Muslimen die „Satanischen Verse“ von Salman Rushdie vorlesen.

Warum? Warum macht er das?
Und warum kündigt er es so groß an, lange bevor es so weit kommt?

Will er eine Mauer der Ignoranz durchbrechen und sicherstellen, dass die Befürworter der Fatwa den Inhalt des Buches kennen, wie er sagt?

Oder will er nicht vergessen werden?

Man hat ja wirklich schon sehr, sehr lange nichts mehr von ihm gehört. Das muss hart sein für jemanden, der einmal in aller Munde war.

„Ich! Ich! Ich!“ – so klingt das für mich, wenn einer mit viel Tamtam in einer deutschen Moschee provozieren will. So wie wenn jemand nackt über ein Football-Feld rennt oder wenn kleine Buben bei Sportler-Interviews im Stadion im Hintergrund hochspringen und verzweifelt winken.

Sicher: Es ist riskanter als letzteres, wenn man ersteres tut.
Aber: Eine Mauer der Ignoranz durchbricht man so nicht. Hingehen werden ohnehin nur die Interessierten, und die haben das Buch wahrscheinlich zuhause stehen.

Genauso „Ich! Ich!“-rufend wie die große Ankündigung mutet auch ein Nebensatz darin an: „Salman Rushdie war ja eine Zeit lang bei mir versteckt.“
Baden im Glanz der Weltberühmten. Hat er das wirklich so nötig?
Soll er lieber ein neues Buch schreiben.

PS: „Harun und das Meer der Geschichten“ von Salman Rushdie ist übrigens – meiner bescheidenen Meinung nach – interessanter als die „Verse“.

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