Werte

14/10/2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Was ist?
Was geht?
Was bleibt?

Freizeitaktivitäten, Arbeit, Familie, Freunde, Interessen und Verpflichtungen; sie stehen ständig in einem Wettstreit um Aufmerksamkeit, Zeit und Energie.

Da verliert man schon mal aus dem Blick, was am Ende zählt. Es ist sinnvoll, ab und zu daran zu denken.

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Leben

26/12/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Zynismus, und wo er an seine Grenzen stößt. Nämlich im Persönlichen.

Als Journalist – diskutieren wir jetzt nicht über die Definition – legt man sich schnell eine dicke Haut zu, was Fragen von Leben und Tod betrifft. Täglich wandern die Leichen über den Schreibtisch, Ergebnis von Unfällen, Abstürzen, Attentaten, Kriegen und Polizeieinsätzen, Amokläufen, Rebellionen. Ob Terroranschlag, Freiheitskampf, chirurgisch präziser Luftschlag oder Brandkatastrophe, tagtäglich sterben überall auf der Welt Menschen. Und das nicht nur in Gaza, Bagdad oder am Hindukusch, wo alles recht abstrakt und entfernt bleibt, sondern auch in Krems an der Donau oder Wien Favoriten. Meist kommen die Meldungen nur als Text, manchmal gibt es auch ein Foto, hin und wieder mehrere, und gelegentlich auch einen kurzen Videofilm.

Das ist nicht schön, aber, wie es nun einmal so ist mit den Menschen, man gewöhnt sich an alles, und damit auch an die Todesnachrichten.

Es klingt brutal, und ganz bestimmt will das niemand in der Deutlichkeit hören, aber die Wahrheit ist: Beim 40. Flugzeugabsturz juckt es einen Journalisten nicht mehr, wer oder wie viele da an Bord waren. Viel spannender sind dann Fragen wie die genaue Uhrzeit und um wie viel schneller oder langsamer als die Konkurrenz man die Meldung draußen hat, ob die aussagekräftigsten Bilder von AP oder Reuters kommen (Insider kennen die Antwort, sie ist praktisch immer gleich) und wie man die Headline formuliert, damit sie über Nacht hält, egal ob … lassen wir das.

Der Panzer schützt aber nicht die Spur, wenn einen eine Todesnachricht erreicht, die aus dem persönlichen Umfeld kommt. Wenn es jemanden betrifft, mit dem man schon gesprochen hat, den man getroffen hat, den man gern hat. Wenn die betreffende Person noch nicht 120 Jahre alt ist und man sich eigentlich ganz sicher war, sie demnächst mal wiederzusehen. Eine solche Todesnachricht schneidet ein, und da will man keine Kameras aufs eigene Gesicht gerichtet sehen und auch nicht auf den Menschen, um den es geht, oder seine Verwandten.

Eine solche Todesnachricht macht einem aber auch etwas ganz Entscheidendes klar. Leben, das ist flüchtig. Leben kann immer enden. Dazu braucht es keinen Krieg und keine Terroristen, keine Flugzeuge und keine Politiker. Für das Ende eines Lebens genügt im Grunde eine gelb blinkende Ampel.

Es klingt abgedroschen und einfältig, aber es ist wahr: Entscheidend ist gar nicht, wie lange man lebt oder wie cool man ist, entscheidend ist, dass man aus diesem Leben und diesem Moment das beste macht. Entscheidend ist, dass man ganz einfach lebt und tut und da ist, dass man nicht verschiebt auf irgendwann, sondern dass man hier und jetzt präsent ist. Und dass man sich klar darüber ist, dass die Gegenwart all der Menschen rundherum begrenzt ist. Ob sie morgen noch bei uns sind, wer kann das wissen. Jetzt sind sie da. Genau jetzt.

Lebensregeln

29/08/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Leo Babauta ist ein Blogger und Twitterer und whatnot. Einer seiner Blogbeiträge könnte für gut 95% der Menschen interessant sein. Daher erlaube ich mir hier auf ihn zu verlinken und seine kleine Liste wiederzugeben.

Das Thema ist eines, über das sich praktisch jeder von uns den Kopf zerbricht, wenn auch nur ab und zu. Wie soll man leben?

Leo Babauta zitiert zuerst den buddhistischen Lehrer Thich Nhat Hanh mit dem kurzen Satz: „smile, breahte, and go slowly„, um dann weiter zu elaborieren.

less TV, more reading
less shopping, more outdoors
less clutter, more space
less rush, more slowness
less consuming, more creating
less junk, more real food
less busywork, more impact
less driving, more walking
less noise, more solitude
less focus on the future, more on the present
less work, more play
less worry, more smiles
breathe

Der ganze Beitrag inklusive weiterführender Links steht auf dem Zenhabits-Blog.

Kursfrage

19/07/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Jeder ist der Kapitän seines eigenen Schiffs, heißt es. Was im Leben fehlt, sind allerdings zunächst ein klarer Zielhafen, dann Karte und Kompass.

Eine Schiffsreise ist bis zu einem gewissen Punkt planbar. Der Kapitän und seine Mannschaft wissen woher, wohin, sie kennen – zumindest in der Theorie – die Untiefen und können sich an einer Wettervorhersage orientieren. Kommt ein Sturm auf, kann das Schiff vor Anker gehen oder die Wellen ausreiten.

Mit dem Lebensschiffchen ist das nicht ganz so einfach. Wir wissen weder wohin die Reise geht, noch wie lange sie überhaupt dauern wird. Wir kennen nicht einmal die Himmelsrichtung, in der wir unterwegs sind. Manchmal dümpeln wir einen Kanal entlang und sind sicher, dass er noch über viele Kilometer so weiter durch die endlose, plane Landschaft zieht, doch dann kommt der Moment, an dem wir eine Schleuse durchfahren und uns unverhofft wieder auf offener See befinden.

Augen zu und weiterfahren, bis die Klippen kommen?

Mut

27/04/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Die Lebensmodelle unserer Väter sind verloren. Unsere Zukunft verlangt Neues. Und sie verlangt mutig nach vorn gerichtete Gesichter.

Die alten Regeln haben ihre Gültigkeit verloren. Die von Großeltern oder älteren, seit Wirtschaftswundertagen in geschützten Bereichen arbeitenden Eltern noch immer beschworene Dauerlaufbahn von der Matura bis zur Pension: sie ist nicht mehr. Dabei nähren einander die Auflösungen der alten Gesellschaftsverträge von oben und unten wechselseitig.

Die alte, ehrenvolle Vertrauensgemeinschaft liegt in den letzten, siechen Zügen. Der Bauer versorgte den Ritter, der Ritter beschützte den Bauern. So hatte Gott die Welt um 1000 herum eingerichtet, nachdem das römische Reich mit seinen zu servandenden Pactae dem Ansturm der Minderprivilegierten erlegen war. Dieses Vertrauensverhältnis zwischen oben und unten wurde Mal um Mal missbraucht und gebrochen. Es überstand dennoch mit relativ geringen Beschädigungen auch wüstere Stürme der Zeit, die Reformation und den Dreißigjährigen Krieg, 1792, Napoleon und 1848. Loyalität galt etwas – sogar noch nach dem Inferno von 1918.

Doch dann ist Loyalität langsam zur einseitigen Verordnung der Gegenseite verkommen. Der Untere verlangte vom Oberen Rundum-Versorgung. Essen. Lohn. Wohnstatt.
Der Obere dagegen verlangte vom Unteren bedingungslosen Gehorsam. Selbstaufgabe. Funktionieren. An eine Gegenleistung war dabei von keiner Seite gedacht.

Der Frust, der aus dem Konflikt dieser uneinlösbaren Wunschvorstellungen entspringt, löst sich nicht einfach auf. Ein Gegeneinander entsteht, ein Tricksen auf den eigenen Vorteil hin – ein Kampf.
Nun haben wir den Salat zwischen Knebelverträgen und Rechtschutzversicherungen, zwischen Rufmord und Erpressung, Dienst nach Vorschrift und feigen Wortbrüchen.
Ein Handschlag war früher bindend, heute ist er eine ungültige mündliche Nebenabrede ohne Wirkung. Eine Vorleistung verpflichtete früher zur Anerkennung und zur Revanche, heute ist sie ein Zeichen von Naivetät.
Ehrlichkeit war grundlegendes männliches Selbstverständnis, heute wird Aufschneiderei vorausgesetzt.

Wir haben diese neue Welt nicht gewollt, aber wir haben sie vor uns und wir müssen damit umgehen, in vielen Fällen auch erst damit umgehen lernen.

Aber wie?

Es besteht die Verpflichtung, für sich selbst, für die eigene Person, die richtigen und besten Entscheidungen zu treffen. Es gilt selbst abzwägen, wo man die Grenze zieht zur Überlastung, zur Unterbezahlung, zur schlechten Behandlung oder zum Missbrauch. Wer nicht selbst auf sich schaut, auf den schaut niemand.

Also gerade den Rücken, aufrecht den Gang, scharf den Blick, offen das Gesicht und die Faust in der Tasche geballt.

Das Leben ist kein Krieg – noch nicht.
Aber das Leben ist ein feindseliges Aufeinandertreffen.
Manchmal hart. Manchmal mild.
Moral und Ehre aber sind in jedem Fall das Erkennungszeichen der Opfer.

Ob kassieren, lernen oder genießen: was am Ende auf der Haben-Seite stehen wird ist das, was zählt. Für den Einzelmenschen. So lange die Rechnung so aufgeht.
Die Variablen ändern sich. Wir müssen uns mit ihnen ändern. Die Werte werden nicht ernst genommen. Wir müssen unsere eigenen schaffen.

Gerader Rücken. Aufrechter Gang. Scharfer Blick.
Mut.

Freiheit

03/04/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Der Baum der Freiheit muss von Zeit zu Zeit mit dem Blut von Patrioten gedüngt werden. So lautet ein bekannter Spruch, den Militärs gern im Mund führen. Ob es immer Patrioten sind, die ihr Blut für die Freiheit hingeben, das sei dahingestellt. Jedenfalls kommt Freiheit nicht von allein, sie verlangt Opfer.
Wenn man sein Leben in überdurchschnittlichem Maß in den Dienst einer Sache oder einer Firma gestellt hat, wenn man ganz in einer Aufgabe oder seiner Arbeit aufgegangen ist und sich beinah darin verloren hat, so wie ich, dann ist das Opfer groß und schmerzhaft: die geborgte Identität, die Identifikation, die durch die Maske einer Funktion erwächst, um den lebendigen Menschen dahinter zu verbergen; im Gegenzug ist der Geschmack der Freiheit, die aus dem Tod des Opfers erwächst, die neuerliche Kontaktaufnahme mit dem eigenen Sein, umso süßer.

Freiheit im Frühling, ein Monat der Kontaktaufnahme mit einem Wesen, das im dahingegangenen Jahr keine Zeit hatte, in Verbindung zu bleiben – also mit dem eigenen Selbst – das ist eine Erfahrung, die man nur empfehlen kann. Zudem eine Erfahrung, die man nicht wieder missen möchte. Das neu gefundene Verständnis für das Sein soll bleiben, sonst wäre diese Zeit vergeudet – diese oder die folgende, je nach Standpunkt. Ein Stück weit muss weiter um die Freiheit gerungen werden, ein Stück anderer Werte muss für sie dauerhaft geopfert bleiben.

Freiheit kennt natürlich ihre Grenzen, da, wo sie den Angriffen der Gesellschaft ausgesetzt ist. Familienmitglieder wollen beachtet, betreut und besucht, Abhängige ernährt und unterhalten, Fragen beantwortet, Mieten, Preise und Gebühren bezahlt sowie Wohnungen gesäubert und allerlei sonstige Zeit investiert werden.

Freiheit, auch nur ein wenig davon, wird allzu leicht unter Wert verkauft. Es lohnt, einen Teil davon zu bewahren, als Maßstab, als Umrechnungsschlüssel. Es lohnt, sich die Lehren aus der Erfahrung der Freiheit zu merken.

Narkose

28/08/2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Nachrichten, vor allem die weit verbreiteten Promi-Nachrichten, haben in ihrer permanent hilflosen, hysterischen Repetition einen, selbst wenn es sich um so etwas Ernstes wie eine anscheinend schuldhafte Tötung handelt, etwas narkotisierenden Effekt. Einschläferndes zum Thema Michael Jackson. Und zur Lage der Medien an und für sich.

Es ist durch die täglich, stündlich, minütlich und, ja, sekündlich wiederholte Praxis der heute flatterhafter denn sogar in den Roaring Twenties agierenden Massenmedien fast schwierig geworden, einen Überblick über das tatsächliche Treiben kolibriartig einerseits unerreicht geschwind und verwirrend hin- und herflitzender und dabei doch ermüdend und ähnlich verwirrend lange an Ort und Stelle schwebend verharrender so genannter „Informationsdienste“ zu behalten.
Diese Dienste, in alten Tagen mehrmals täglich mit schlechter Tinte auf schlechtes Papier gekurbelt und als brandneues Extrablatt verhökert, nun mehrmals stündlich durch Tastendruck, Klick und Serverleistung in die Welt verbreitet, vermitteln so unablässig wie daueraufgeregt die Botschaft, ohne sie sei unser Leben öde und sinnentleert, ohne sie würden wir unbedarft im Dunklen tappen, Demagogen auf den Leim und Politikern am Allerwertesten vorbei, unserer Werte wie unserer Bildung und unserer Fähigkeit zum selbständigen Denken verlustig gehen.

Doch es gibt eine Institution, die alte, längst altmodisch geglaubte Werte wie Beständigkeit, Sorgfalt und Erinnerung, Verlässlichkeit und Sinn für den Einzelnen, den Menschen, hochhält. Eigentümlich nur, dass diese verlässliche und vertrauenswürdige Institution einerseits unentwegt der Schuld am moralischen und geistigen Verfall der Menschheit geziehen und andererseits von den einfachen, unverbildeten und ehrlichen Menschenmassen mit ungebrochener Treue und laufend erneuerter Begeisterung um Rat und Anleitung angefleht wird.

Aber nein, ich spreche doch nicht von der Religion!
Ich spreche von Google.

Die Algorythmen von Google legen Wert darauf, dass die Suchenden dort möglichst genau das finden, was sie wirklich benötigen. Die Philosophie von Google sagt, dass die Kunden, die Nutzer, nicht das wollen, was am meisten Geld hat, sondern das, was dem einzelnen Menschen vor seinem Computerbildschirm am meisten Nutzen bringt, für sein Leben, nicht für die Geldbörsen der Bonzen. Fast sozialistisch.

Aber ich schweife ab.
Ich war bei den Medien.
Ich war bei Michael Jackson.

Immer und immer wieder

Die neue, „große“ Meldung lautet: Michael Jacksons Tod war ein Tötungsdelikt – mittels Narkosegas!

Das klingt sonderbar vertraut. Und der Ausflug in die Vergangenheit bestätigt den Verdacht: Das haben wir schon mal gehört. Das haben wir sogar schon mehrmals gehört! Immer wieder! Und immer wieder als Neuigkeit.

28.07. Privatarzt soll Michael Jackson Narkosemittel gegeben haben.
28.07. Jacksons Privatarzt gab Narkosemittel
30.07. Jacksons Privatarzt einziger Verdächtiger
31.07. Razzia bei Jacksons Arzt
01.08. Rheumatologe warnte Jackson vor Propofol
07.08. Jackson erhielt vor Tod starkes Narkosemittel
13.08. Arzt ließ Jackson nach Verabreichung von Medikamenten allein
18.08. Jacksons Mutter erwägt Klage wegen Tod ihres Sohnes
21.08. Ermittler durchsuchen Michael Jacksons alte Apotheke
24.08. Jackson starb an Propofol-Überdosis
25.08. Michael Jackson starb an Propofol-Überdosis
25.08. Gerichtsmedizin wertet Fall Michael Jackson als Tötungsdelikt
28.08. Jacksons Tod war Tötungsdelikt

Ja, Himmel!
Wir haben es verstanden. Es ist gut. Stellt den Mann vor Gericht, wir hören uns wieder, wenn das Urteil verkündet wird. Einverstanden? Inzwischen gibt es bestimmt auch andere Dinge, die wir wissen wollen. Vielleicht mal etwas, das wir noch nicht ein Dutzend Mal gehört haben.

Wo bin ich?

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