Europäisierung

10/06/2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Mehr Europa muss her – so lautet die Losung im Angesicht der Finanzkrise, die nach Griechenland und Irland nun auch Spanien, Portugal und Italien würgt. Spanien will nicht unter den Rettungsschirm, aber man zwingt die Madrilenen, indem man das Geld gleich direkt den Banken anbietet, das Hilfsansuchen darf auch später kommen.
Ist das mehr Europa? Zwangshilfe, Rettungsschirme, Myriadenkredite? Als die Europäische Wirtschaftsgemeinschaft um Kohle und Stahl verhandelte, hatte sie da einen solchen Weg im Sinn?
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Haircutterz

07/10/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Alles auf Null. Das klingt als Lösung der Schuldenkrise aufs Erste mal gar nicht so übel, oder? Aber Vorsicht!

http://diepresse.com/home/wirtschaft/international/699281/Ende-mit-Schrecken_Haircut-fuer-die-ganze-Welt

Nicht mehr ganz so angenehm, nicht wahr?

Drachenarme

16/09/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

China will Europa und den USA mit seinen kräftigen, treufreundschaftlichen Pranken unter die Arme greifen. Es will uns mit Investitionen aus jenem Schlamassel holen, das wir eitel „Griechenland-Krise“ nennen, als ob es ohne unser Zutun rein in den Olivenhainen an den Hängen des Olymp entstanden wäre. Als Gegenleistung will es … ja was? Und was wollen wir geben?
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Scherz

27/10/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Mit einigen Ereignissen ist eine ernsthafte Auseinandersetzung nur persönlich möglich. Wenn man nicht dabei ist, bleiben Teilnahmsbekundungen und Unterstützungserklärungen hohl. Also geht man am besten scherzhaft mit ihnen um.

Reden wir von Krisen.

Es gibt ja nicht nur Wirtschaftskrisen, es gibt auch persönliche und Familien-Krisen, es gibt private, persönliche und öffentliche Krisen, es gibt Liebe und Tod, Verlust, Niederlage und gewalttätige Auseinandersetzungen.

Für die Beteiligten ist der Spaßfaktor natürlich sehr gering und oft auch der Ärger nicht weit, wenn Ereignisse, die ihnen persönlich zustoßen und die in ihrer Unmittelbarkeit auch beängstigend sein können, jedenfalls verunsichern müssen, von anderen scheinbar nicht ernst genommen werden. Geschickte oder weniger geschickte Wortspiele und bewusste eingesetzte Missverständnisse, parodistische Übertreibungen und Beispiele, die einen Gedanken ins Absurde übersteigern, liegen dann schwer im Magen.

Doch Humor ist auch ein Weg, belastende Situationen zu verarbeiten. Wer leidet, findet manchmal Erlösung nur im Lachen. Und mit dem Lachen kommt die Erlösung manchmal auch zum Betroffenen.

Erst bewältigen, dann verarbeiten

Der Weg bis dorthin ist allerdins schwierig. Solange die unmittelbar belastende Situation besteht, ist der Scherz aus gutem Grund nervig, lenkt er doch von möglichen Bewältigungsstrategien ab. Erst wenn alles ausgestanden ist, kann man auch als betroffene Person entspannt mit den anderen lachen. Ist die Wunde noch frisch, hält auch kein einfacher Verband. Seine Zeit ist gekommen, wenn aus der klaren Bedrohung eine Erinnerung geworden ist.

Das Scherzkeks stört in der Krisensituation, ist jedoch in Ruhezeiten gern gesehen. Benötigt wird es zu jeder Zeit.

Frauenstunde

28/09/2009 § Hinterlasse einen Kommentar

„Die Stunde der Frauen“ ist die Geschichte betitelt: Doris Kraus verfolgt in der Sonntagspresse den Gedanken, dass die „Krise der Männer“ nun Platz für eine neue Zeit macht, die Zeit der Frauen. Was passt daran nicht?

Drei Anmerkungen:
(Ja, ich weiß, dass der Text nur emotionalisieren soll und kein Faktenbericht ist – trotzdem)

1) Von einem anbrechenden Zeitalter der Frauen ist (noch) nichts zu bemerken. Ganz im Gegenteil: Genau die Wahnsinnigen, die den Karren an die Wand gefahren haben, wurden durch die Staatsfinanzierungen gerettet, ihre Fehler von anderen ausgebügelt, ihre Verluste von anderen getragen, und so haben sie natürlich nichts gelernt – sie holen wieder Schwung und werden als nächstes noch einmal, noch heftiger gegen die Wand donnern und noch mehr kaputtschlagen.

Danach vielleicht. Wenn die Staaten sich überheben und nicht nur die Finanzgurus, sondern auch reihenweise die Regierungen und Verfassungen stürzen – dann könnte ein neues Zeitalter kommen.

2) „Krise der Männer“: „Maskuline Verantwortungslosigkeit und Zockerei haben den wirtschaftlichen Karren an die Wand gefahren, zur Strafe dürfen die Männer jetzt zu Millionen stempeln gehen. Denn die verlorenen Arbeitsplätze sind vor allem ‚männliche‘ in den traditionellen Industriesparten…

Strafe? Das klingt so fair. Wie eine Quittung für eigene Fehler. Doch die verantwortungslosen Zocker tragen feinen Zwirn und wurden, wie erwähnt, von Millionen Steuerzahlern gerettet. Sie gehen nicht stempeln. Sie müssen einen der drei Jaguars abstoßen und können sich im kommenden Jahr nur entweder den Jacht- oder den Golfklub leisten, nicht beides. Die armen Schweine dagegen, die nun die Suppe auslöffeln sollen, haben nie genug freies Geld gehabt um auch nur eine erwähnenswerte Aktie zu kaufen. Sie erhalten die Strafe für die Fehler anderer.

Diese beiden so konträren Gruppen als „die Männer“ zu subsummieren ist – sexistisch.

3) Und ebenso sexistisch ist der Lösungsansatz: „Frauen sind eher mitarbeiterorientiert, Männer eher machtorientiert“. Im großen Ganzen ist das so. Doch es gibt mitarbeiterorientierte Männer, die jetzt an gläserne Decken stoßen, weil sie zu wenig Ellenbogen haben und die in der skizzierten neuen Ära weiter an gläserne Decken stoßen, weil sie keine Frauen sind.

Das ist wie wenn man antichinesischen Rassismus in Indonesien dadurch auflösen will, dass man nur noch Chinesen in Führungspositionen oder auf die Sitzplätze in Bussen lässt und Indonesier aufgrund ihrer Herkunft abweist oder auf die Straße wirft.

Susanne Höllinger von der Ersten sagt da im Interview Angenehmeres: „Ich bin prinzipiell dafür, dass die Qualifikation den Posten bestimmen soll, nicht das Geschlecht.
Derzeit sind viele Frauen der Ansicht, dass das Geschlecht den Posten bestimmt, doch es ist nicht das Geschlecht als solches, sondern es sind Klüngeleien. Die Profiteure sind normalerweise Männer, aber nicht „die Männer“, und nicht weil sie Männer sind, sondern weil sie sich mit den richtigen Leuten verhabern.
Auf der Strecke bleiben nicht „die Frauen“, sondern die Ehrlichen. Von denen eben sehr viele Frauen sind.

Vollgas

11/07/2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Die großen Finanzhäuser haben sich verspekuliert, aber sie haben nichts verloren: Otto und Anke Normalverbraucher haben die Bank-Bonzen aus dem Dreck gezogen. Ergebnis: Staat und kleine Leute sitzen auf den Schulden, die Banken spekulieren wieder.

Es folgt alles einer Logik. Schön blöd wäre eine Bank, wenn sie auf riskante, aber ertragreiche Spekulationsgeschäfte verzichten würde, während die Konkurrenz aufspringt. Wer auf der Bremse steht, wird es als Finanzvorstand nicht weit bringen: Auch die Aufsichtsräte wollen schließlich ein möglichst fettes Plus in der Bilanz sehen.

Goldman Sachs hat laut Presse im zweiten Quartal ein Plus von 2,2 Milliarden Dollar ausgewiesen. Der Dank dafür gebührt Geschäften mit Rohstoffen, Aktien und Devisen.

Kritiker der Bankenrettungspakete haben genörgelt: „Gewinne werden privatisiert, Verluste verstaatlicht„. Der grausige Verdacht: Auf diese Weise wird es nie zu einem Umdenken bei jenen kommen, die nur gewinnen, aber nicht verlieren können.

Der Verdacht hat sich bestätigt.

Und so wird sich auch die bitter Zukunftsprognose bestätigen, die da lautet: „Diesen Crash überstehen wir. Den nächsten, größeren, wahrscheinlich auch noch. Aber jeder Crash wird größer, und es kommt einer, den wir nicht mehr abfangen können.

Immerhin beruhigend: Die Banken werden immer auf die Füße fallen. Die werden gebraucht, selbst wenn wir zurück in die Tauschwirtschaft stürzen.

Kommentare

Misoskop schrieb:

orf.at:

Um der Kreditklemme zu begegnen und das Risiko für die Geldhäuser zu minimieren, bieten jetzt etliche Zentralbanken – vorläufig befristet – Ausfallsgarantien für verbriefte Kredite an. Mit dieser Sicherheit sollen die misstrauischen Investoren wieder begeistert werden, diese zu kaufen.

Europa und USA gewähren Ausfallsgarantie

Sowohl die Bank of England als auch die Europäische Zentralbank (EZB) legten milliardenschwere Programme auf. Bisher machen vor allem Banken im krisengeschüttelten Spanien davon Gebrauch, um so Immobilienkredite aus ihrem Portfolio zu schaffen.

Auch die US-Notenbank Fed legte im Dezember das Rettungsprogramm Term Asset-Backed Loan Facility (TALF) auf, das Kredite bis zu einer Billion Dollar sichern soll.

Samstag, 11. Juli 16:30

Ideologeldie

25/04/2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Die Diskussion um „die Krise“ ist unter anderem von Mythen und Ideologien geprägt. Die Proponenten der Ideologeldie sind daheim in ÖVP, IV, WK, (dort überall aus gutem Grund) sowie in Format und Presse, die Rufer nach Bestrafung der bösen Geldsäcke wildern allerorten.

Stimmen der Vernunft sind selten. Eine solche Stimme kam vorige Woche dennoch zu Wort: in der Presse am Sonntag. Siemens-Chefin Brigtitte Ederer skizzierte durchaus schlüssig eine persönliche Philosophie, die nicht geeignet ist, zu einer Lösung der wirtschaftlichen Misere beizutragen, diesen Anspruch aber auch gar nicht erhebt. Doch zu den Details jenes Interviews später, zuerst betrachten wir die Ideologien, je nach Sorgfalt ihrer Eigenbegründung die eine genauer, die andere oberflächlicher.

Ideologie 1: „Geld ist gut, Reiche sind edel“

Im Club 2 am Mittwoch dieser Woche klagten Michael Prüller und eine nervige Unternehmerin, deren Name mir jeweils nach einer Hand voll Sekunden wieder entfallen ist, nämlich Margarete Kriz-Zwittkovits, das Leid der armen, unterjochten Reichen, besser, der „so genannten Reichen“ – ihre Darstellung einer Welt der braven, strebsamen Unternehmer und der faulen Neidhammel rundherum wurde schonungslos von der anwesenden WU-Stimme (Gabriele Michalitsch) entlarvt.

Christian Ortner, Franz Schellhorn und Konsorten sind die Anhänger der „Leistungsträger“-Ideologie, wobei sie stur an der Fehleinschätzung festhalten, dass „Leistung“ automatisch durch entsprechende Löhne honoriert wird.

In blindem Glauben an den freien Markt, auch Arbeitsmarkt, sind sie nicht von ihrer einbetonierten Überzeugung abzubringen, dass jeder Mensch das Gehalt überwiesen bekommt, das er verdient. Wer 100 Millionen Euro im Jahr netto einstreift, der erschafft in ihrem Tunnelblick durch seine verantwortungsvolle Tätigkeit eben auch entsprechend mehr für Volk, Staat und Menschheit als eine Marketing-Mitarbeiterin, die drei Positionen in einer Firma allein ausfüllt und dafür mit netto 1.500 Euro im Monat heimgeht. Wäre sie wirklich so gut und fleißig, glauben sie, dann würde ihr automatisch in einer anderen Firma ein gepolsterter Chefsessel und ein fettes Gehalt winken, oder gar eine internationale Traumkarriere.

Im aktuellen Format klagt man nun sogar, die Reichen seien im post-antisemitischen Zeitalter die „neuen Juden“: Wer es nicht wage, seinen antisemitischen Ressentiments an der üblichen Adresse freien Lauf zu lassen verfolge nun mit gleicher und gleich idiotischer Inbrunst die Bezieher hoher Einkommen. Eine peinliche, weinerliche und vor allem grausig an die Eliten anbiedernde Weltsicht eines Menschen, der ja doch auch nur ein kleiner Lohnschreiber ist, so sehr er sich auch mittels feinen Tuchs und guter Krawatten der Crème zugehörig fühlen mag!

Wie passen in dieses Weltbild die Jean Sarkozys (als 21-jähriger Jus-Student plötzlich UMP-Chef in der Heimatstadt Neuilly-sur-Seine) und Chelsea Clintons (die von McKinsey aus dem Stand ohne jede Berufserfahrung eine Stelle als „Consultant“ in London angeboten bekam – mit 100.000 Pfund Jahresgage – diese ablehnte und im New Yorker Büro für 120.000 Dollar angestellt wurde) dieser Welt?
Entweder muss man sich einreden, diese Personen hätten aufgrund der Chancen, die sie durch ihre berühmten Eltern erlangt haben, besser Schulen besucht und durch die höheren Ansprüche an sie auch bessere Leistungen erbracht und sind daher kraft ihrer Intelligenz und ihres Fleißes selbst zu Reichtum und Ehre aufgestiegen, oder man blendet sie einfach aus.

Ideologie 2: „Reiche sind böse“

Umgekehrt: Die Reichen müssen für „ihre“ Krise zahlen; nehmt den Reichen, gebt den Armen… Pauschalforderungen, die jeden Sinns entbehren, vor allem wo sie ohne Konzept vorgetragen werden: denn in welcher Form man nimmt und wie man gibt ist entscheidender als die Menge.

Maß und Ziel

Wohltuend daher Ederers Einschätzung:
Zentraler Satz: „Die Leute akzeptieren schon, dass Manager gut verdienen, wenn sie dafür auch etwas leisten.“

Denn genau darum geht es. Dass die Menschen nicht wütend sind auf Leute, die nur mal nebenbei 100 Millionen Euro Kaution auf den Tisch legen, weil sie neidig wären (in solchen Größenordnungen ist Neid gar nicht mehr fühlbar, die Dimension entzieht sich der emotionalen Fassbarkeit) sondern weil dieses Geld in der Hand des Mannes ist, der den kleinen, ahnungslosen Kleinverdienern mit eitlen Versprechungen und unterstützt von der herrschenden Gedankenströmung, jeder müsse selbst auf seine Zukunft und sein Vermögenswachstum schauen, jeder müsse auf seine dritte Säule achten, und mit dem lächelnden Gesicht des Schwiegersohnes der Nation auf dem Folder ihre Ersparnisse abgeleiert und dann verjuxt hat. Und dass nun die „großen“ Gläubiger, die von Anwalt Böhmdorfer vertreten wurden oder mit Prinzhorns Stimme selbst genug Gewicht in die Waagschale werfen konnten, 80% ihrer Einlagesumme zurückbekommen haben, während die Omas und Kleinanleger auf den offiziellen Ausgleich warten und sich mit, wer kann’s wissen, 20%?, bescheiden werden müssen. Kurz, es geht um Ungerechtigkeit.

Wiederholen wir also ruhig Ederers Satz noch einmal: „Die Leute akzeptieren schon, dass Manager gut verdienen, wenn sie dafür auch etwas leisten.“

Ein Stück weiter noch einmal näher erklärt:

Presse: „Wie weit spielt denn bei der ganzen Debatte der Neidfaktor mit?“
Ederer: „Der spielt natürlich eine Rolle. Ich glaube aber nicht, dass es um Neid im engeren Sinn geht. Es geht um eine Wut, die man nicht kanalisieren kann. Wenn bei einem Teil der Bevölkerung die Aufstiegsträume platzen, sie um ihren Arbeitsplatz zittern müssen, ihr Geld verlieren, und bei anderen ist das nicht so, dann führt das zu einem Amalgam aus Enttäuschung, Neid und Zukunftsangst. Bei Neid geht es noch darum, dass man sich vergleichen kann. Aber hier geht es ja teils um Summen, die die Vorstellungskraft überschreiten.“

Ein Kerngedanke der Ideologeldie kommt ebenfalls zur Sprache:

Presse: „Funktioniert das System nicht gerade deswegen, weil jemand, der eine Wohnung hat, ein Haus möchte und jemand, der einen VW fährt, einen Mercedes fahren will?“
Ederer: „Wenn das stimmt, was Sie sagen, wäre das doch traurig. Ich habe manchmal den Eindruck, Eigentum belastet, weil es auch Verantwortung bedeutet. Wenn Ihre Theorie stimmt, dann haben die Menschen offensichtlich wirklich keine anderen Inhalte in ihrem Leben.“

Wenn diese Theorie stimmen würde, dann gäbe es nicht nur zu wenige Kinder um die Bevölkerungszahl zu halten – dann gäbe es gar keine Kinder! Denn Kinder kosten Geld, sogar viel Geld, und bedeuten daher einen entscheidenden Hemmschuh auf dem Weg zum Mercedes SL. Die so genannten DINKs haben das erkannt, und viele normale Menschen sparen ebenfalls und bescheiden sich mit einem Kind – aber allein dieses eine Kind, das viele bekommen, ist ein Beweis für den Trugschluss der ausschließlich auf Geld und Gewinn Fokussierten. (Interessant in diesem Zusammenhang wieder der Herr Prüller, der einerseits Geld predigt, andererseits aber doch im persönlichen Bereich so unökonomisch agiert und gleich acht (!!) Kinder in die Welt gesetzt hat – das nennt man dann Wein predigen und Wasser trinken)

Also: Nein, unser System funktioniert nicht so.
Aber so ähnlich. Die Wirkung ist ähnlich, doch ist nicht Wunsch die Haupttriebkraft der Allgemeinheit, sondern Zwang.

Ich behaupte mal, dass die meisten Menschen in Jobs arbeiten, die ihnen unangenehm sind und kein unmittelbar mit der Arbeit zusammenhängendes Erfolgserlebnis vermitteln. Kurz und klar, die meisten Menschen mögen ihre Arbeit nicht.
Doch sie arbeiten in diesen Jobs nicht, weil sie statt ihrer Wohnung ein Haus, statt ihres VWs einen SL oder statt ihrer Swatch eine Rolex haben wollen, sondern weil sie ihre Wohnung, ihren VW und ihre Swatch behalten wollen. Die Menschen befinden sich – und das können Reiche sich einfach nicht vorstellen – permanent in der Defensive.
Der Weg zu sagen, ich mag nicht mehr, ich mach was anderes, der steht der typischen Einzelhandelskassenkraft nicht offen.

Und so kommen wir zu jenem Rousseau-Zitat, das in der Kordikonomy der heutigen Samstagspresse erwähnt wird und Auslöser dieses Sermons, durch den Sie, geschätzter Leser, sich nun schon über so viele Absätze quälen, geworden ist:
„Das Geld, das wir haben, ist das Mittel zur Freiheit, dasjenige, dem man nachjagt, das Mittel zur Knechtschaft.“

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