Kinderspiel

17/11/2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Spielefest. Der wichtigste Termin des Jahres, wenn es um Brettspiele, Gesellschaftsspiele, Kartenspiele, Trading Card Games, Rollenspiele, Computer- und Kinderspiele geht. Die 28. Ausgabe des Spielefests findet jetzt an diesem Wochenende wieder im Austria Center Vienna statt. Ich war da und habe mit Kindern zwischen vier und sechs einige interessante Spiele getestet.
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Konsensfindung

28/07/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Nur weil ein Ausflug zu zweit gut läuft und man sich dabei wohlfühlt, heißt das nicht, dass derselbe Ausflug auch zu fünft gut läuft. Linz a deux. Und Linz a cinque.
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Propagandista

19/06/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Gern wird von Gegnern der Sozialdemokraten behauptet, im roten Wien sei alles von der SPÖ dick rot eingefärbt, die Partei sei omnipräsent. Ich kann das aus meiner Wahrnehmung nicht bestätigen. Hin und wieder aber regt sie sich wie ein ungelenker roter Riesendrache und bratzelt mit ungelenker Pfote in den Porzellanladen. Ins Theater der Jugend.
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Silvesterabend

31/12/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Silvesterabende haben für mich aus der Vergangenheit etwas Legendäres. In Silvesterabenden ist viel passiert, vor allem viel Gutes, und man konnte viel vergessen, vor allem viel Schlechtes.

Die Zeiten ändern sich, die Partys werden weniger und auch weniger rauschend. Die Gesellschaft wird kleiner. Wenn man einlädt, kommt keiner. Wenn jemand anderes einlädt, kann man nicht. Statt Unterhaltung wird Organisation zum Hauptthema. So ist der Lauf der Dinge.

Spiel statt mobil

Aus diesem Schema wollte ich heuer etwas ausbrechen. Das Mittel der Wahl: Die heruntergekommene Sammlung diversester Playmobil-Bausätze. In den Laden fand sich eine Menge Ritterkram, eine Menge Piratenkram und eine Handvoll Polizeikram.
Der Polizeikram fiel aus. Zu wenig, zu wenig Potenzial.
Der Ritterkram erwies sich als zu stark von der Entropie heimgesucht.
Der Piratenkram zeigte Möglichkeiten.

Ich sortierte ihn aus dem umliegenden Tand heraus und erhielt drei Piratengangs mit unterschiedlicher Ausstattung sowie eine von königlichen Soldaten gehaltene, befestigte Felseninsel. Nicht übel. Dazu zwei Kraken und ein paar Gummihaie als dritte, chaotische Kraft.

Auf der losen Basis der Fighting Fantasy-Bücher von Steve Jackson und Ian Livingstone, Advanced Heroquest und Anima zimmerte ich mir Tabletop-Regeln für den tapferen Haufen zusammen, um diese dann drastisch zu vereinfachen und zusammenzukürzen, für die Merkbarkeit ebenso wie für Kinderkompatibilität.

Der Silvesternachmittag als Tag der Wahrheit endete freilich in blutigem Desaster: Noch in der Ausbauphase des Settings gab es erste Zerwürfnisse, die beteiligten Kinder tickten aus, es flogen Schiffe, Kanonen und Männer, der Raum verwandelte sich auch ohne Regeln und ohne achtseitige Würfel in ein Trümmerfeld aus Blut, Verzweiflung und Tod.

Nicht, dass ich mit etwas anderem gerechnet hätte. Die Regeln testen wir dann irgendwann im Laufe 2011, rein unter großen Kindern.

Für die Silvesterknallerei ist alles vorbereitet, die gesetzlichen Rahmenbedingungen werden eingehalten, alles ist gut. 2011 kann kommen.

Praterkasperl

06/07/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Das berühmteste Kasperltheater weit und breit: Ein Besuch am Wurstelplatz 1 im Wiener Prater zahlt sich aus, denn der belebende Effekt aufs kindliche Publikum ist unübersehbar.

Wenn man sich entscheiden müsste, welcher Kasperl der „echte“ ist (Kaschperl, nicht Kassssperleh), dann gäbe es womöglich eine Mehrheit für den Wiener Praterkasperl vor dem Rivalen in der Urania.
Die Prater-Bühne in unmittelbarer Nähe des Schweizerhauses ist nicht überwältigend groß und auch nicht wahnsinnig überlaufen. Dafür umso persönlicher.

Für die Kinder ist es eine echte Überraschung, so auf Du und Du in die (ein gutes Stück weit flexible) Handlung mit einbezogen zu werden. Das kennen sie vom Fernsehen nicht, und auch im Kindertheater glänzt Schweigen goldener als Mitleben: Der Praterkasperl ist interaktiv und bereitet quasi den Weg ins Internetzeitalter.

Sobald die kleinen Zuseher das verstanden haben, wandelt sich ungläubiges Staunen schön langsam zu echter Begeisterung. Mitreden dürfen und auf die Handlung Einfluss nehmen können, das verschafft auch Vierjährigen eine Befriedigung, die sie sich merken.

Uplink

17/06/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Die heutige Jugend hat Smartphone. Die heutigen Erwachsenen auch immer häufiger. Und sie sind immer und überall online.

Nach den Generationen X, Y, Z, Praktikum und wie sie alle heißen wächst eine neue heran. Welchen Namen die Trendsetter und klugen Köpfe ihr einmal geben werden weiß ich noch nicht, also nenne ich sie vorerst mal Generation Uplink.

Die Volkschülerinnen – meist sind es die Mädchen – laufen schon mit iPhones, LGs und HTCs herum, kaum dass sie die ersten ganzen Sätze schreiben können. Noch ehe sie das kleine Einmaleins beherrschen, sind sie untereinander gut vernetzt und surfen beim Warten an den Bushaltestellen Seite an Seite auf den in ihren Altersgruppen angesagten Internetseiten.

Das sind die wahren Digital Natives – sie sind schon im Web, wann und wo auch immer sie sich gerade befinden, das Verständnis dafür, was das Web ist und was es kann, wie es funktioniert und was es kostet, das muss erst nachwachsen.

Erstkommunion

13/05/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Scheint es nur mir so oder trifft man wirklich mehr und mehr überzeugte, manchmal sogar missionarische Atheisten? Trotzdem feiern immer noch Kinder Erstkommunion. Zum Beispiel mein Neffe.

Eine ganz erkleckliche Anzahl von Volksschülern hat sich in einem über Wochen regelmäßig besuchten Kurs auf diesen Tag vorbereitet. Nach dieser, ihrer feierlichen Erstkommunion, werden sie die katholische Messe in vollem Umfang mit feiern können und auch die Kommunion zu sich nehmen dürfen. Ein Initiationsritus der römisch-katholischen Kirche, den viele Atheisten schaudernd verdammen, über den sich die beteiligten Kinder aber durchwegs freuen.

Die Mädchen stecken in blütenweißen Kleidchen, die Buben tragen edlen Zwirn, die Kirche ist mit den gelb-weißen Bannern des Vatikan beflaggt. Im Kirchgarten sind langgestreckte Zelte voller Heurigentische und -bänke aufgestellt worden, eine kleine Armada von Kuchenstücken und ein großzügiges Kontingent diverser Getränke warten auf hungrige und durstige Kinder, Paten und Anverwandte.

Katholisches Kuchenbuffet

Foto: misoskop

Was hat den Kindern im Vorbereitungskurs am meisten gefallen, fragt der Priester die vor ihm aufgereihten Nachwuchschristen. „Singen“, antwortet die erste, „singen“, bestätigt der zweite. „Singen“, sagt auch der Dritte. Und dann geht es Schlag auf Schlag, bis alle Erwachsenen bis in die letzte Bank lachen müssen, denn spätestens nach dem achten „Singen“ ist eine andere Antwort undenkbar geworden. Die Lieder in dem Kurs müssen sie alle mitten ins Herz getroffen haben.

Die Erstkommunikanden sind stark in den Ablauf der Messe eingebunden, sie sitzen ganz vorne vor dem Altar, und sie lesen die Fürbitten und sogar, je nach Lesefähigkeit lauter oder leiser, strukturierter, hastiger oder schleppender, die Lesung.
Den Bedürfnissen der stolzen Verwandtschaft wird ebenfalls Rechnung getragen: Vor Beginn der eigentlichen Messfeier erlaubt der Priester ein konzertiertes Blitzgewitter, eine Fotolawine, bei der unzählige Väter, Onkel und Großväter nach vorne stürmen und ihr Erstkommunionskind im Kirchenraum, in medias res, intensiv auf Speicherkarten bannen können, ehe es heißt: Kameras aus, Fotohandys aus, das Feld gehört nun ausschließlich dem eigens engagierten Profifotografen.

Blitzgewitter zur Erstkommunion

Foto: misoskop

Der Grund versteht sich: Wird alle jede Minute ein neues Foto geschossen, mit Blitz, von hinten aus irgendeiner Ecke, dann können sich weder der Fotograf noch die anderen Messbesucher auf die Vorgänge konzentrieren. Wenn jeder Knipshungrige die Chance hatte, seinen „Star“ sogar von vorne im Bild zu verewigen, dann gibt es keinen vernünftigen Grund mehr, den weiteren Ablauf der Zeremonie zu stören.

Leib Christi

Die kleinen Damen und Herren mit den ausgemotteten und mitgebrachten Taufkerzen sind die ersten, die nach der Wandlung, der symbolischen Verwandlung einer Anzahl handelsüblicher Oblaten in den Leib des am Kreuz gestorbenen Gottessohns Jesus Christus durch den Priester, die kleinen Teigscheiben zu sich nehmen dürfen. Dieser Moment ist der entscheidende Unterschied zwischen katholischem und lutheranischem Ritus und der Hauptgrund für das päpstliche Verbot der gemeinsamen Messfeier der beiden größten christlichen Konfessionen des deutschsprachigen Raums, R.K. und A.B. Dem Augsburger Bekenntnis zufolge wandelt nämlich nicht der Priester das Brot in den Leib Christi um, sondern die Gemeinschaft der Anwesenden.

Nach den Erstkommunikanden sind die übrigen Messbesucher an der Reihe und bewegen sich in einem langsamen Menschenstrom an den Seiten der Bankreihen vorüber nach vorne in den Altarraum, um dort, abhängig von Alter und Sozialisation, entweder die Hand aufzuhalten oder gleich den Mund zu öffnen. Der Priester sagt: „Der Leib Christi“, und legt eine Oblate in die Hand oder auf die Zunge.

Zeit der Fotografen

Fotos: misosokop

Verwirrende und geheimnisvolle Rituale hin, schwer vermittelbare Konzepte von Leib und Tod her, die Katholiken wissen Feste zu feiern. Nach der Erteilung des Segens durch den Priester strömen die Gläubigen ins Freie, es wird wieder fotografiert, was die Digitalkameras hergeben und es wird gegessen, getrunken, getratscht und gelacht.

Einst war der Kirchenplatz sonntags nach der Messe neben dem abendlichen Wirtshaus zentraler Treffpunkt der Dorfgemeinschaft, der Punkt, an dem jeder jeden erreichen und sprechen konnte, das Zentrum von Information und kommunalem Leben.
An diesem – Donnerstag – wird die alte Tradition mit neuem Lebensodem erfüllt und die näheren und weitläufigeren Verwandten der Erstkommunikanden können privat „networken“.

Von solchen Gedanken sind die kleinen Helden der Zeremonie schon weit entfernt: Sie haben die Kerzen weggelegt und die Sakkos ihren Eltern übergeben. Jetzt spielen sie zwischen den Bäumen und unter dem Klettergerüst Fangen und Verstecken. Zombifiziert wurde niemand. Die Atheisten müssen sich nicht fürchten.

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