Wientegration

28/09/2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Lange, viel zu lange, hat die SPÖ das Thema Integration vernachlässigt. Man hat es weggeredet oder totzuschweigen versucht – und doch ist es geblieben. Nun, unter Druck, greift man es an, aber die Initiative bleibt weiter bei der FPÖ.

Vorarlberg ist verloren, Oberösterreich ist verloren. Sogar Deutschland ist als mögliches Vorbild verloren.
Ein Jahr ist noch Zeit bis zur Wiener Wahl, zum „Kampf um Wien“, wie Strache es nennt. Die SPÖ eilt indes von Niederlage zu Niederlage, manchmal bitter, manchmal katastrophal, die FPÖ von Sieg zu Sieg, manchmal erdrutschartig, manchmal nur deutlich.

Wien ist seit mehr als einem Menschenleben die große rote Bastion, das Bollwerk der Sozialdemokratie im sonst eher konservativ-bäuerlich geprägten Österreich. Das bäuerliche hat sich im Zuge der Modernisierung weitgehend erledigt, das Konservative siecht, doch der gemäßigten Linken geht es nicht besser. Jahrzehnte von Passivität und Korruption haben auch die treusten Stammwähler entweder entmutigt oder ihr unvermeidliches Wegsterben übersehen.

Nun wird es eng: der blaue Kasperl ist aus der Box gesprungen und rudert wild mit den Armen, die Feder ist stark, so schnell lässt er sich nicht mehr zurück in die Schachtel stecken. Die Themen gibt ER vor. Die anderen reagieren.

In dieser für die einst „Progressiven“ tristen Lage kommt Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger gerade recht und hat tatsächlich ein Integrationspapier für Wien, das nun Vorbild sein soll für die rasch zu findende und als ohnehin seit je gültig zu präsentierende Linie der Partei.

Die Frauenberger ist nicht dumm, sie weiß, wovon sie redet. Ihr Papier hat auch noch Hand und Fuß. Es wird trotzdem die Partei nicht retten, das können Papiere nicht. Die Partei muss aktiv werden und sinnvolle Taten setzen, eigenständige Taten, mit Stoßrichtung Integration, wenn sie nicht demnächst ein Abrutschen um weniger als zehn Prozent als Sieg verkaufen will.

Inzwischen ist aber der flinkfüßige HC den Genossen einen neuen Schritt voraus. Was man ihm an Antisemitismus und Nazisympathie vor die Füße wirft, umtänzelt er gekonnt, und sagt zur Migrationsthematik: „Es gibt ein Türkenproblem“. Dabei empfängt er die Zuwanderer aus dem „christlichen Süd- und Osteuropa“ mit offenen Armen. Da die braven Integrations- und arbeitswilligen Europäer, dort die problematischen Muselmanen. Divide et impera.

Innovation schlägt Stagnation, das war zu Sun Tzus Zeiten so und steht auch mit Recht noch immer so in den modernsten Lehrbüchern der Ökonomie.

Strache ist im Ballbesitz. Nimmt ihm die Wuchtel jemand ab, um eine neue Richtung vorzulegen? Steht jemand frei?

Minarette

17/09/2007 § Hinterlasse einen Kommentar

Eine Verzichtserklärung auf Minarette soll die moslemische Gemeinde in Wien unterschreiben, wenn es nach den Rechten geht. Geht’s dümmer? Denn Bravo: Das wird „den Radikalen“ ja ganz sicher den Wind aus den Segeln nehmen…

Die Presse schreibt am Wochenende unter dem Titel „Fremd in der westlichen Gesellschaft“ andeutungsweise über Hintergründe des Sex-Appeals von Osama & Co. Andeutungsweise, aber überzeugend, wie ich meine.

Denn seien wir uns ehrlich: Falsch liegen „jugendliche Muslime“ sicher nicht, wenn sie sich „in der europäischen Gesellschaft nicht angenommen fühlen.“

Objekte und Ikonen

Keiner kann sie einfach akzeptieren: Für die Rechten sind sie Hass-Objekt, für die Linken Ikonen der schützenswerten Andersartigkeit. Der Mensch dazwischen geht unter.

„Bei Untersuchungen in Großbritannien hat sich zudem gezeigt, dass junge, radikale Muslime sehr sensible Persönlichkeiten sind, die mit der Gesellschaft und damit, wie sie von jener behandelt werden, nicht zurechtkommen.“

Parallelen

Da werden Erinnerungen wach. Auf der Uni damals, rund um 1996, habe auch ich zu einer stets in der Defensive befindlichen, allerorten mit Schuldzuweisungen verfolgten Gruppe gehört: Nämlich zu den weißen, heterosexuellen Männern.

Ich kann von mir behaupten, Frauenrechten durchaus nicht ablehnend gegenüberzustehen. Das war allerdings stets anders, wenn ich gerade aus einer Lehrveranstaltung taumeln musste, in der man mir die Schuld und Bosheit des gesamten männlichen Geschlechts um die Ohren geschlagen hatte.
Irgendwie weiß man ja: Das ist jetzt unfair. Ich kann nichts dafür. Aber mit denen, die doch etwas dafür können, gemeinsam an den Pranger gestellt zu werden, das verbindet. Das schweißt zusammen, die am Pranger gegen die da draußen.

„Ich!“

11/07/2007 § Hinterlasse einen Kommentar

Günter Wallraff – seines Zeichens „Ali“ und „Hans Esser“, ganz unten oder bei der Bild, will jetzt Muslimen die „Satanischen Verse“ von Salman Rushdie vorlesen.

Warum? Warum macht er das?
Und warum kündigt er es so groß an, lange bevor es so weit kommt?

Will er eine Mauer der Ignoranz durchbrechen und sicherstellen, dass die Befürworter der Fatwa den Inhalt des Buches kennen, wie er sagt?

Oder will er nicht vergessen werden?

Man hat ja wirklich schon sehr, sehr lange nichts mehr von ihm gehört. Das muss hart sein für jemanden, der einmal in aller Munde war.

„Ich! Ich! Ich!“ – so klingt das für mich, wenn einer mit viel Tamtam in einer deutschen Moschee provozieren will. So wie wenn jemand nackt über ein Football-Feld rennt oder wenn kleine Buben bei Sportler-Interviews im Stadion im Hintergrund hochspringen und verzweifelt winken.

Sicher: Es ist riskanter als letzteres, wenn man ersteres tut.
Aber: Eine Mauer der Ignoranz durchbricht man so nicht. Hingehen werden ohnehin nur die Interessierten, und die haben das Buch wahrscheinlich zuhause stehen.

Genauso „Ich! Ich!“-rufend wie die große Ankündigung mutet auch ein Nebensatz darin an: „Salman Rushdie war ja eine Zeit lang bei mir versteckt.“
Baden im Glanz der Weltberühmten. Hat er das wirklich so nötig?
Soll er lieber ein neues Buch schreiben.

PS: „Harun und das Meer der Geschichten“ von Salman Rushdie ist übrigens – meiner bescheidenen Meinung nach – interessanter als die „Verse“.

Idomeneo

28/09/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Moderne Inszenierungen sind meistens Dreck. Nackte Menschen springen kreischend hin und her, im Hintergrund stehen ein paar Aluminiumleitern – das ist dann „Othello“, „Falstaff“ oder sonst irgend etwas. Aber trotzdem.

Der folgende Kommentar ist ein Muss zum Thema: Nicht in die Knie gehen.

Irgendwo gibt es eine Grenze zwischen dem Leben und dem Konglomerat „Sicherheit/Angst + Political Correctness“.

Dass wir da Probleme haben, wissen wir ja.

Religionsstreit

18/09/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Nach dem Herumgezetere wegen den Mohammend-Karrikaturen und dem Drama um die MTV-Papstserie nun der nächste Streich: Aufregung um Zitate, mit Todesopfer.

Der Papst hat zitiert – und die islamische Welt ist im Aufruhr. In Somalia wurde sogar eine Ordensschwester ermordet, wegen eines Zitats aus dem Jahr Schnee.

Aber so richtig schuld ist Benedikt nicht.
Denn er hat, wie der Standard schreibt, sich mit den Worten des byzantinischen Kaisers Manuel II. Palaeologos, wonach der Prophet Mohammed „nur Schlechtes und Inhumanes“ gebracht habe, natürlich nicht identifiziert. Und er hat ganz klar gesagt: Manuel schreibt: …

Das hat er auch später noch einmal klar hervorgehoben. Die Moslembrüder haben diese Klarstellung erst als ausreichend gewertet, dann doch als zu wenig.

Aber nicht nur das: Offizielle Stellungnahmen aus dem moslemischen Glaubenskreis ziehen nicht nur Vergleiche mit Adolf Hitlier – das disqualifiziert sich ja selbst als Schwachsinn – sondern sagen „Nicht der Islam, sondern das Christentum hat den Glauben mit dem Schwert verbreitet“. „Nicht“? Eine glatte Falschaussage, fehlen doch die entscheidenden Wörtchen „nur“ und „auch“: Nicht NUR der Islam, sondern AUCH das Christentum…

Aber solche Pitzligkeit würde den Demos auf den Straßen die Wucht nehmen. Die Fotos auf der Standard-Printausgabe vom Wochenende zeigen eine Menge von hohlgeistigen, stumpfäugigen Idioten, die mit vorgefertigten Plakaten grölend durch die Straßen ziehen und gegen „Mr. Pope“ demonstrieren – ohne wahrscheinlich auch nur zu ahnen, wer denn dieser „Mr. Pope“ sein könnte. Vor der Predigt am Freitag haben sie wahrscheinlich noch nie von ihm gehört.

Nun, genau so ging es ja auch bei uns zu: Von der Kanzel wurde gepredigt, und die Leute folgten. Im Mittelalter!

Freilich konnte damals keiner demonstrieren gehen, da hätte der Grundherr ein Wörtchen mitzureden gehabt, denn die Arbeit in Wald und Flur tat sich nicht von alleine.

Instrumentalisierung

Da plustern sich eine Handvoll Gockel auf, und Tausende Volltrottel hecheln ihnen nach. Schon haben wieder die Radikalen einen Pfeil im Köcher, auf beiden Seiten.

Und wenn die Attentatsdrohungen beim Türkei-Besuch auch noch wahr gemacht werden, dann ist es mit dem interkulturellen Dialog ohnehin vorbei. Dann dürfen wir uns brav hinter die Islam-Basher in den USA einreihen.

Islamisten

07/09/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Ein sehr lesenswerter Artikel aus der Presse ruft in Erinnerung, dass nicht jeder Bartträger gleich ist.

Das Interview mit dem Islamwissenschaftler Stephan Rosiny kann der geneigte Leser sich hier zu Gemüte führen.

Nukleus: Osama bin Laden ist nicht der Irak, der Iran nicht der Libanon, die Hisbollah und die Hamas sind keine Kofferbomber in Deutschland und die England-Attentäter keine Korangelehrten aus Ägypten.

All jene, die unter dem Sammelbegriff „Islamisten“ in Bausch und Bogen verdammt und irgendwann von den Amerikanern getötet werden, sind so unterschiedlich wie Vorarlberger, Wiener und Kärntner Slowenen: Sie gehören irgendwie in eine Richtung, aber ihre Interessen sind grundverschieden.

Iran

Was mich besonders wurmt ist die ständig dümmer werdende Berichterstattung über den Iran. Da heißt es einmal, „Opposition stärken“, dann „Islamisten jagen“, dann „Atomschlag“, um die iranischen Bestrebungen, sich eine Atombombe zu sichern, zu bekämpfen.

Zuletzt hieß es „moderat“, man müsse dem Iran Wirtschaftsverträge bieten, wenn er mit der Suche nach dem Atom aufhört, und mit Embargo kontern, wenn er dies nicht tut.

Jeder dieser Ansätze geht am Ziel vorbei, besonders die Atomschlag-Idee, ist sie doch der Hauptgrund, warum irgend ein Staat nach Atomwaffen strebt: Weil andere ihn damit bedrohen.

Den Iran mit braven Jungs aus dem Mittelwesten oder Ghetto-Kids aus L.A. in Uniform zu erobern ist ein problematischeres Unterfangen als im Irak. Es würde schon irgendwann klappen, aber was dann?

Alle moslemischen Staaten erobern? Wie lange besetzt halten?

Abschreckung

Die Abschreckung funktioniert. Nordkorea will niemand angreifen, Syrien schon. Warum? Nordkorea hat „vielleicht“ die Bombe. Nur ein Stück! Und das reicht. Nordkorea ist sicher.

Syrien hat mit Sicherheit keine Bombe. Alle zwei Wochen denkt man in Washington darüber nach, Damaskus zu zerstören und das Umland braven Israelis zur Besiedlung und Bereinigung zu überlassen.

Der Irak hatte keine Atombombe. Er wurde erobert und ins Chaos gestürzt, heute sterben dort täglich mindestens 20 Menschen, aber es interessiert keinen. Unter der Diktatur waren es wahrscheinlich täglich 4. Es leben Freiheit und Demokratie.

Afghanistan wurde erobert. Pakistan nicht: Das wurde zum „Freund“ erklärt. Pakistan hat die Bombe.

Auf dem Libanon trampelt jeder herum. Der Libanon kann sich nicht wehren.

Abschreckung funktioniert.

Jeder halbwegs vernünftige Bewohner Asiens und Afrikas muss sich wünschen, dass sein Staat eine Atombombe besitzt. Nicht, um sie gegen irgendjemanden zu benutzen, sondern einfach, damit die GI’s nicht kommen. Damit die Europäer und Amerikaner mit einem reden, statt einen zu boykottieren und dann fertigzumachen.

Dog Eat Dog.

Völlig gleich, wer in Teheran am Ruder sitzt: Die Mullahs oder die Opposition. Wer auch nur ein Quentchen Intelligenz besitzt, muss weiter nach der Bombe streben.

Der Ausweg wäre es gewesen, schon früher nicht jeden so genannten „Kameltreiber“ mit Krieg und Tod zu bedrohen. Jetzt ist es dazu zu spät. Sollen sie die Bombe haben. Sie wird mir Stabilität bringen.
Trägerraketen sind ohnehin nicht so leicht zu beschaffen, und wer eine Bombe hat, nach langer Müh‘ und Plage, verschießt sie nicht leichtfertig.

Madonna

08/08/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Künstliche Aufregung um Madonna – wie üblich. Doch dieses Mal: Zu Unrecht.

Wem geht sie nicht auf die Nerven mit ihren alle fünf, sechs Wochen neuen Lebens-Dogmen, die sie auch prompt aller Welt aufs Auge drücken will als die allein selig machende Wahrheit? Konvertiert schneller von einem Glauben zum anderen als andere sich neue Hosen kaufen. Malt plumpe Kinderbücher. Spielt in Filmen mit, die man nach dreieinhalb Minuten abdrehen muss, will man alle Erbsen in der Schote behalten. Und windet sich in ihrem, nun ja, gesetzten Alter immer noch auf der Bühne, im Wahn, sie wäre noch immer Mitte Zwanzig, obwohl schon längst die Schwarte kracht.

Doch dieses Mal regt man sich darüber auf, dass sie während des Nahost-Kriegs zwischen Israel und Libanon bei einer Bühnenshow in Rom zwei Tänzer mit Davidstern und Halbmond bemalt herumzappeln ließ.

Angeblich eine Beleidigung, dass der Halbmond auf nackter Haut zu sehen ist. Angeblich pietätlos, weil der Judenstern an die Shoah erinnern soll.

Alles Unsinn.

Auch Moslems mögen nackte Haut – nur halt nicht nackte Frauen in der Öffentlichkeit. Aber der Bemalte war ja ein Mann.
Und wenn die Juden ein Problem mit dem Davidstern hätten, dann würden sie ihn nicht auf ihre Rettungsautos und Flaggen pinseln.

Kurz gesagt: Kein Grund zum Ärgern. Besser, die Burschen tanzen, als sie knallen sich gegenseitig ab, so wie sonst immer.

Wo bin ich?

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