Tussijagd

29/12/2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Es gibt unter jungen Schulmädchen ein Feindbild: die Tussi. Das klingt nach einer Veränderung, nach neuen Zeiten. Gleichzeitig aber klingt es in der Grundstruktur ziemlich vertraut.
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IWA

24/03/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Die Waffenmesse IWA in Nürnberg lockt ungemütliche Gesellen und solche, die es noch werden wollen, von nah und fern. Es gab auch Kritik.
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K.O.

07/12/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Wien hat eine Kampagne. Es geht um ein heißes Thema, um eine akute Gefahr für uns alle, um eine Bedrohung, der sich jeder und vor allem jede von uns Tag für Tag, Minute für Minute ausgesetzt sieht.

Und die Bedrohung hat einen Namen. Sie nennt sich „K.O. Tropfen„.

Ganz ernsthaft: In den vergangenen 20 Jahren habe ich wahrscheinlich 10 Mal vom kriminellen Einsatz von K.O.-Tropfen gelesen. 12 bis 14 dieser Fälle betrafen Männer, die im „Osten“ auf Damen hereingefallen sind – Damen, die sich als Prostituierte ausgaben, in Wirklichkeit aber simpel Diebinnen waren.

Angst

Trotzdem: Nun gibt es also die „Schützt Euch vor K.O.-Tropfen“-Kampagne. Wir haben ja noch viel zu wenig Angstphantasien.

Weapons of Mass Destruction. Terroralarmstufen. Islamisten. Selbstmordattentate. Entführte Flugzeuge. Schmutzige Bomben. Antrax. Atomprogramme. Drogendealer. Inflation. Hyperinflation. Deflation. Rezession. Krise. Gründer böser Internetplattformen. Kinderpornografie im Netz. Und als Wurzel allen Übels: Das Internet selbst! Und. Und. Und.

Wo wir uns auch hinwenden, glaubt man „denen da oben“, lauern um uns nur Gefahren, Gefahren und noch mehr Gefahren. Unser einziger Ausweg scheint zu sein, viele Steuern und Gebühren zu zahlen, uns durch die Nacktscanner zu ducken und zu gehorchen.

Und wenn wir Gefahr laufen, uns an den bestehenden Bedrohungslevel zu gewöhnen, stehen sie schon bereit, um zu helfen: Menschen, die sich noch mehr Gefahren ausdenken, vor denen wir uns fürchten müssen.

Hart

30/10/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Wir leben in einer Zeit, in der die meisten Menschen nicht laut zu sagen wagen, was sie denken. So wie im Biedermeier, so wie in der Monarchie, so wie zu vielen anderen Gelegenheiten. Wer weiß, vielleicht war das immer schon so.

Umso mehr fallen dadurch natürlich harte Ansagen wie die des äußerst unlinken Philosophen Rudolf Burger auf.

http://archiv.kleine.at/nachrichten/politik/2531458/niemand-weiss-mehr-ein-staat.story

Rudolf Burger passt nicht so leicht in eine Schublade. Ehemals Rektor der Angewandten, noch ehemalser Kind eines angeblich kommunistischen Elternhauses, dennoch Befürworter von Schwarz-Blau im Jahr 2000 und Kritiker der so genannten „Linkslinken“, aber auch Kritiker der Kriegstreiber. Jemand, so viel ist sicher, der keine Angst davor hat, anzuecken.

Ein wichtiger Punkt aus dem Interview sei hier zum Einstieg noch einmal explizit hervorgehoben:

Warum gelingt es unseren Regierenden nicht, da auszubrechen?

BURGER: Das ist sicher eine Frage des Personals. Es mangelt an Staatsmännern. Die handelnden Figuren werden zunehmend mediokerer. Das ist nicht nur in Österreich so. Bei uns ist es nur deutlicher sichtbar. Die Regierung Faymann-Pröll ist ja die originellste NGO seit Viktor Klima. Mit allerdings noch geringerem Einfluss auf die Medien. Das sind nichtssagende Statisten.

Wahre Worte, und solche, die allerorten Zustimmung finden werden, selbst in den lokalen Parteizentralen, in den Bezirkssektionen, auf Studentendemos, an den Wirtshaustischen.  Doch Burger lehnt sich noch weiter aus dem Fenster.

BURGER: Ich glaube, dass in diesem Land tendenziell niemand mehr weiß, was ein Staat ist. Dass ein Staat Grenzen hat. Schon das Wort Staatsräson in den Mund zu nehmen, ist in Österreich unmöglich. Da werden sie sofort in weiß Gott was für ein Eck gestellt. Der berühmte Aufsatz von Francis Fukuyama „The End of History“ ist in den Vereinigten Staaten seinerzeit in der Zeitschrift „National Interest“ erschienen. Wenn Sie in Österreich eine Zeitung mit dem Namen „Nationales Interesse“ gründen, dann haben Sie eine Klage wegen Wiederbetätigung am Hals. Das zeigt die vollkommene Verzerrung und das Verschwinden politischer Denkkategorien im Land.

Und:

BURGER: Natürlich ist die Abschiebung einer Familie mit Kindern tragisch. Aber in welcher Weise das medial hoch gespielt wird, diese tränenreiche Sentimentalisierung der Öffentlichkeit, das ist unerträglich, viel abstoßender als der Sachverhalt selber. Das ist Sozialpornografie! Zuerst waren sie weg, jetzt sind sie wieder da. Vor ein paar Monaten hatten wir die Arigonisierung des Landes, jetzt haben wir diese neue Familie. Das geht endlos so weiter.

Man muss nicht in jedem Einzelfall mit Herrn Burger einer Meinung sein, im großen Ganzen legt er aber seinen Finger treffsicher in die schwärende Wunde. Rechtsrutsch und Nichtwählen, galoppierende Korruption und der Zug zum Anwalt statt zum klärenden Gespräch, all das sind Symptome der gleichen degenerativen Erkrankung in der Gesellschaft: der Auflösung des Rückgrats.

Der große Betroffenheitsgestus in den Medien, daneben gleichgültige Resignation im Alltag, Mauscheleien als Grundlage unzähliger Entscheidungen in Politik, Wirtschaft, Bildung und Privatleben, eine Gesellschaft, die von sich behauptet, keine Tabus mehr zu kennen, sich dabei aber mit einem ganzen Wald von Verbotsschildern umgibt, realen ebenso wie papierenen und implizierten.

Ehrliches und Echtes existiert trotzdem, auch heute noch, auch morgen noch, und sein Wert ist durch die relative Seltenheit bestimmt nicht geringer geworden.

Zum Abschluss noch ein Zitat aus dem Interview:

Die Korruption in Österreich beginnt nicht bei der Bestechung von Beamten. Sie beginnt mit der Sentimentalisierung von Politik, die formale demokratische Abläufe, sobald sie unangenehm werden, mit einem Federstrich außer Kraft setzt. Das ist traurige Wahrheit. Das ist die wahre Tragödie dieses Landes.

Nicht nur dieses Landes.

Respekt

17/11/2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Es gibt in jeder Branche, in jeder Firma, in jeder Familie und in jedem Verein Leute, von denen man einfach möchte, dass sie funktionieren und ansonsten die Klappe halten.

Man hört ihnen nicht zu. Man spricht nicht mit, sondern zu ihnen. Man erwartet von ihnen Resultate, keine Ideen, keine Fragen, keine Wünsche.

Wer zweifelt, fragt. Wer fragt, denkt, Wer denkt, stört, so steht es ganz aktuell im Brandeins zum Thema Denken.

Denken ist aber etwas, das will man, wenn man etwas zu sagen hat, selbst tun, oder man bezahlt einen externen Experten dafür. Man will jedenfalls nicht, dass irgendein dahergelaufener Verlierer, der eigentlich ganz etwas anderes tun sollte – nämlich Anweisungen ausführen – ungefragt mit- oder womöglich, Gott bewahre, etwas anderes denkt.

Besser, wenn jeder seine Zuständigkeiten hat und sich in seiner kleinen Schublade entlang der vorgezeichneten Linien bewegt. Besser, wenn niemand einen überrascht. Besser, wenn die Sekretärin keine eigene Ansicht hat zu den Themen, die von den jungen, hippen Kreativen vor ihr besprochen werden, besser, sie benimmt sich wie eine Topfpflanze oder ein FAX-Gerät und macht einfach das, was man von ihr erwartet. Besser, wenn die Kundendienst-Mitarbeiter einfach den Kunden dienen und nicht darüber nachdenken, wie den Kunden ein besseres Angebot gemacht werden könnte.

Nein, nein – das könnt ihr Kleinen nicht. Dafür gibt es eigene Leute.
Bessere Leute.
Sieht ja sonst so aus, als hätten die nicht ohnehin alles perfekt im Griff.
Hände falten, Papp’n halten.

So wird die Innovation der Zukunft gestrickt.

Studienkredite

16/10/2009 § Hinterlasse einen Kommentar

„Nicht uncharmant“ findet Wissenschaftsminister Hahn das australische Modell, bei dem, wer studieren will, erst einmal einen Kredit aufnimmt und auf Schulden die Uni bezahlt. Später, so die Idee, wird er ja ein Großverdiener, und dann ist es ihm ein Leichtes, das vorgestreckte Geld zurückzuzahlen.

Wer nicht studiert hat oder es nicht vorhat, findet die Idee anscheinend gut – zumindest wenn man die Postings, die von einigen Lesern unten an den Artikel angefügt wurden, als eine echte Strömung annimmt.

In der Praxis bedeutet das aber: Die künftigen Generationen, die bereits jene Schulden abbezahlen müssen, mit denen der Staat jetzt unsere Banken oder Autohersteller gerettet hat und die Schulden, die der Staat zuvor schon aufgehäuft hat, müssen sich in Zukunft auch noch persönlich dazu verschulden, nicht nur für die Schaffung eines Eigenheims, sondern auch für die Ausbildung, die ihre persönliche Zukunft sichern soll.

Wie viel sie dann verdienen werden ist ein anderes Paar Schuhe: Da Geisteswissenschaftler prinzipiell eher wenig verdienen, zwingt ein Schuldensystem alle Studenten in die Medizin und ins Juridicum: Studieren nicht mehr zum Erwerb von Kenntnissen, sondern nur zum Erwerb von Geld. Eine Generation von Getriebenen, die ihr Leben als Schuldner beginnen, als Ausgelieferte.

Eine traurige Kultur, die so geschaffen wird.

Die Rache: Nach der Einführung von kreditfinanzierten Studien ist sicher auch die legale Sterbehilfe nicht weit. Und die trifft dann in einigen Jahren die Generation der jetzt fröhlich lächelnden Politiker.

Kreditblogger schrieb:

Also von dem australischen Modell halte ich wenig!
Samstag, 27. Februar 2010 13:48

Olah

04/09/2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Franz Olah ist tot. Mit 99. Ein Politiker, aber einer, vor dem man Respekt haben konnte. Solche Leute gibt es ja gar nicht mehr, in keiner Branche.

Man wird in den nächsten Tagen noch viel über ihn und sein Leben hören. Er ist viel angeeckt und hat sich Feinde gemacht, in allen Lagern. Er galt als viel zu links und als rechtslastig, er galt als Blockierer und als Tabubrecher. Was er sicher nicht getan hat: ein farbloses Leben geführt.

Aktivist, Knastbruder, Dachau-Insasse, Gemeinderat, ÖGB-Präsident, Innenminister, Krone-Geburtshelfer, Parteigründer, Ausgeschlossener, Rausgeworfener, Geheimpaktierer, Verschwörer, Putsch-Brecher.

Österreich hat einen Unbeliebten, einen Streitbaren, einen Widerspenstigen und einen Verdächtigen, aber einen Großen verloren.

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