Bankerreden

19/05/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Club 2. Das Thema: Die Banker. Nachdem Erste-Chef Treichl die Politiker als feig und dumm bezeichnet und nach einem Erlöser gerufen hat, während sich die Aufsichtsrats-Gehälter in der Erste verdoppelt haben, sind die Banker wieder im Zentrum des Interesses.
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Existenzgefährdung

04/08/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Bloggen kann Ihre Existenz gefährden. Ein gutes Beispiel dafür ist der schmutzige Kampf rund um Tierschutz, Pelz und Kleiderbauer. Der Standard berichtete (http://derstandard.at/1277339526648/Tierrechts-Prozess-Verklagter-Blogger-muss-5000-Euro-zahlen), Blogger sammeln für „die Wahrheit“ (http://diewahrheit.at/video/blogger-in-not – das Video ist sehens- und hörenswert!).

Auszug aus dem Standard:Chefs der Firma Kleiderbauer hatten Blogger verklagt, weil er ein Interview mit Martin Balluchs Anwalt veröffentlicht hatteEin Interview, publiziert auf seinem Blog, sollte Jörg Wipplinger mehr als 50.000 Euro kosten: Wie berichtet, hatten die Geschäftsführer der Bekleidungskette Kleiderbauer den Blogger verklagt, weil er auf seiner Webseite ein Interview mit Stefan Traxler, dem Anwalt des Hauptbeschuldigten im Tierrechtsprozess Martin Balluch, geführt hatte. Dessen Aussage, die Kleiderbauer-Chefs hätten die zerstörerische Wirkung eines Buttersäure-Anschlags übertrieben, zog Klagen gegen Traxler selbst, aber auch den Blogger nach sich.

Nun wurde der Streit besiegelt – mittels Vergleich. Wipplinger musste Traxlers Aussage auf seiner Seite als unwahr bezeichnen und den Klägern 5000 Euro überweisen, damit sie ihre Klage zurückziehen.“

Mundtot machen?

Es gibt ja immer auch andere Möglichkeiten, sich zu einigen, es muss nicht gleich der Versuch sein, jemanden zu ruinieren. Eine Frage der Streitkultur, der Gesellschaftskultur und der Menschlichkeit. Angeblich sind wir Österreicher ja bekannt dafür, flexibel zu sein und zu sagen „Mir wern kan Richter brauchen.“
Oft genug wird diese Mentalität belächelt.
Aber, ganz ehrlich, lieber belächelt werden als sich gegenseitig vernichten und ein Klima von Angst, Hass und, in letzter Konsequenz, Gewalt schüren.

Kleiderbauer

Ich bin keine Pensionistin, also kaufe ich ohnehin nie bei Kleiderbauer ein; jetzt ist sichergestellt, dass das auch nicht passieren wird, falls ich je im fortgeschrittenen Alter eine Geschlechtsumwandlung ins Auge fassen sollte.

Scienceblogs zum Thema: http://www.scienceblogs.de/kritisch-gedacht/2010/08/die-wahrheit-ist-dem-menschen-zumutbar.php

Studienkredite

16/10/2009 § Hinterlasse einen Kommentar

„Nicht uncharmant“ findet Wissenschaftsminister Hahn das australische Modell, bei dem, wer studieren will, erst einmal einen Kredit aufnimmt und auf Schulden die Uni bezahlt. Später, so die Idee, wird er ja ein Großverdiener, und dann ist es ihm ein Leichtes, das vorgestreckte Geld zurückzuzahlen.

Wer nicht studiert hat oder es nicht vorhat, findet die Idee anscheinend gut – zumindest wenn man die Postings, die von einigen Lesern unten an den Artikel angefügt wurden, als eine echte Strömung annimmt.

In der Praxis bedeutet das aber: Die künftigen Generationen, die bereits jene Schulden abbezahlen müssen, mit denen der Staat jetzt unsere Banken oder Autohersteller gerettet hat und die Schulden, die der Staat zuvor schon aufgehäuft hat, müssen sich in Zukunft auch noch persönlich dazu verschulden, nicht nur für die Schaffung eines Eigenheims, sondern auch für die Ausbildung, die ihre persönliche Zukunft sichern soll.

Wie viel sie dann verdienen werden ist ein anderes Paar Schuhe: Da Geisteswissenschaftler prinzipiell eher wenig verdienen, zwingt ein Schuldensystem alle Studenten in die Medizin und ins Juridicum: Studieren nicht mehr zum Erwerb von Kenntnissen, sondern nur zum Erwerb von Geld. Eine Generation von Getriebenen, die ihr Leben als Schuldner beginnen, als Ausgelieferte.

Eine traurige Kultur, die so geschaffen wird.

Die Rache: Nach der Einführung von kreditfinanzierten Studien ist sicher auch die legale Sterbehilfe nicht weit. Und die trifft dann in einigen Jahren die Generation der jetzt fröhlich lächelnden Politiker.

Kreditblogger schrieb:

Also von dem australischen Modell halte ich wenig!
Samstag, 27. Februar 2010 13:48

Elternbeitrag

13/10/2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Die ÖVP will in Richtung Ganztagsschule gehen – und wenn die ÖVP etwas will, dann wird es immer schnell finanziell. Spindelegger will demgemäß auch gleich einen Elternbeitrag für die Nachmittagsbetreuung einheben.

Von der Basis her nicht ganz falsch gedacht. Wenn Jugendliche nachmittags im Einkaufszentrum herumhängen und sich gegenseitig ausrauben, drängt sich der Gedanke an eine zwangsweise Beschäftigung im umzäunten Gelände geradezu auf. Außerdem hilft ja eine vernünftige Nachmittagsbetreuung theoretisch auch gleich beim Aufarbeiten der Defizite aus dem Unterricht am Vormittag, sprich, macht das überbordende Nachhilfeunwesen überflüssig.

Und genau hier ist der Punkt, an dem Spindeleggers Vorschlag indirekt seine Meriten hat. Wer zahlt, schafft schließlich auch an. Wenn die Eltern für die Nachmittagsbetreuung zur Kasse gebeten werden, dann erwerben sie sich damit nämlich in aller Logik auch das Recht, ein klein wenig mitzureden bei der Frage, was da so passiert am Nachmittag.

Von den Eltern Geld einheben und die Kinder dann in den Klassenräumen mehr oder weniger sich selbst zu überlassen, damit sie Schifferl versenken oder Stadt / Land / Fluss spielen, nein danke. Das können sie wirklich auch gratis daheim.

Wenn von den Eltern Geld fließen soll, dann hat die Nachmittagsbetreuung auch tatsächlich etwas zu bringen – und zwar schulischen Mehrwert.

Bei Fleck im Jahreszeugnis: Geld zurück.

Vollgas

11/07/2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Die großen Finanzhäuser haben sich verspekuliert, aber sie haben nichts verloren: Otto und Anke Normalverbraucher haben die Bank-Bonzen aus dem Dreck gezogen. Ergebnis: Staat und kleine Leute sitzen auf den Schulden, die Banken spekulieren wieder.

Es folgt alles einer Logik. Schön blöd wäre eine Bank, wenn sie auf riskante, aber ertragreiche Spekulationsgeschäfte verzichten würde, während die Konkurrenz aufspringt. Wer auf der Bremse steht, wird es als Finanzvorstand nicht weit bringen: Auch die Aufsichtsräte wollen schließlich ein möglichst fettes Plus in der Bilanz sehen.

Goldman Sachs hat laut Presse im zweiten Quartal ein Plus von 2,2 Milliarden Dollar ausgewiesen. Der Dank dafür gebührt Geschäften mit Rohstoffen, Aktien und Devisen.

Kritiker der Bankenrettungspakete haben genörgelt: „Gewinne werden privatisiert, Verluste verstaatlicht„. Der grausige Verdacht: Auf diese Weise wird es nie zu einem Umdenken bei jenen kommen, die nur gewinnen, aber nicht verlieren können.

Der Verdacht hat sich bestätigt.

Und so wird sich auch die bitter Zukunftsprognose bestätigen, die da lautet: „Diesen Crash überstehen wir. Den nächsten, größeren, wahrscheinlich auch noch. Aber jeder Crash wird größer, und es kommt einer, den wir nicht mehr abfangen können.

Immerhin beruhigend: Die Banken werden immer auf die Füße fallen. Die werden gebraucht, selbst wenn wir zurück in die Tauschwirtschaft stürzen.

Kommentare

Misoskop schrieb:

orf.at:

Um der Kreditklemme zu begegnen und das Risiko für die Geldhäuser zu minimieren, bieten jetzt etliche Zentralbanken – vorläufig befristet – Ausfallsgarantien für verbriefte Kredite an. Mit dieser Sicherheit sollen die misstrauischen Investoren wieder begeistert werden, diese zu kaufen.

Europa und USA gewähren Ausfallsgarantie

Sowohl die Bank of England als auch die Europäische Zentralbank (EZB) legten milliardenschwere Programme auf. Bisher machen vor allem Banken im krisengeschüttelten Spanien davon Gebrauch, um so Immobilienkredite aus ihrem Portfolio zu schaffen.

Auch die US-Notenbank Fed legte im Dezember das Rettungsprogramm Term Asset-Backed Loan Facility (TALF) auf, das Kredite bis zu einer Billion Dollar sichern soll.

Samstag, 11. Juli 16:30

Lohngerechtigkeit

05/07/2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Eine Forderung in der Geschlechterdiskussion, die sinnvoll ist. Aber woran messen?

Feministinnen wittern schnell „männliche Seilschaften“, die eine große Verschwörung bilden, mit der Frauen niedergehalten werden sollen – und die auch die „Lohnschere“ offen halten, damit Frauen ein Drittel weniger Geld verdienen als Männer, wie oft publiziert wird. Leider kann ich zu dieser Verschwörung nichts sagen, weil ich nicht zum Kreis der Initiierten zähle. Noch dazu habe ich bisher nur in Jobs gearbeitet, in denen die Kolleginnen genau den gleichen Lohn eingestrichen haben wie die männlichen Kollegen.

Frauen sollen sehr gern genauso viel verdienen wie Männer; nichts dagegen. Es stellt sich aber die Frage, woran man das festmachen soll. Denn Männer verdienen nicht alle gleich gut.

Unter Männern gibt es teils enorme Gehaltsunterschiede, und das nicht nur zwischen verschiedenen Firmen, sondern sogar innerhalb von Abteilungen. Die Erfahrung lehrt, dass diese Unterschiede relativ unabhängig von Qualifikation und Leistung bestehen. Sozialwissenschaftliche Untersuchungen zeigen auch, dass scheinbar unwesentliche Merkmale wie Haarfarbe, Frisur und Körpergröße einen statistisch relevanten Einfluss aufs Einkommen haben.

Also: woran messen?

Wenn die Schwankungsbreite schon unter Männern groß ist, woher nimmt man in einem fairen System die Lohntabelle für Frauen? Verdienen alle Frauen so viel wie der Durchschnittsmann? Oder manche mehr, manche weniger, bis am Ende der weibliche Durchschnitt mit dem männlichen korreliert?

„Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ ist ja ohnehin illusorisch, weil keine zwei Menschen die gleiche Arbeit leisten.

Aber wir könnten die Diskussion ja ausweiten… hin zu einer Offenlegung aller Gehälter. Innerhalb einer Firma gleicher Lohn für gleiche Position – und dann die Positionen nach Leistung besetzen.

Doch diese ausgeweitete Diskussion zum Wohle beider Geschlechter wird keiner wollen. Viel angenehmer ist es für die Privilegierten, wenn die unterprivilegierten Frauen gegen die unterprivilegierten Männer ums Binnen-I kämpfen, diese sich sträuben und beide bei diesem Kampf gegen einen scheinbar ebenbürtigen „Gegner“ glatt übersehen, dass sie übers große Ganze gesehen im selben Boot sitzen und gemeinsam angeschmiert werden.

Ideologeldie

25/04/2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Die Diskussion um „die Krise“ ist unter anderem von Mythen und Ideologien geprägt. Die Proponenten der Ideologeldie sind daheim in ÖVP, IV, WK, (dort überall aus gutem Grund) sowie in Format und Presse, die Rufer nach Bestrafung der bösen Geldsäcke wildern allerorten.

Stimmen der Vernunft sind selten. Eine solche Stimme kam vorige Woche dennoch zu Wort: in der Presse am Sonntag. Siemens-Chefin Brigtitte Ederer skizzierte durchaus schlüssig eine persönliche Philosophie, die nicht geeignet ist, zu einer Lösung der wirtschaftlichen Misere beizutragen, diesen Anspruch aber auch gar nicht erhebt. Doch zu den Details jenes Interviews später, zuerst betrachten wir die Ideologien, je nach Sorgfalt ihrer Eigenbegründung die eine genauer, die andere oberflächlicher.

Ideologie 1: „Geld ist gut, Reiche sind edel“

Im Club 2 am Mittwoch dieser Woche klagten Michael Prüller und eine nervige Unternehmerin, deren Name mir jeweils nach einer Hand voll Sekunden wieder entfallen ist, nämlich Margarete Kriz-Zwittkovits, das Leid der armen, unterjochten Reichen, besser, der „so genannten Reichen“ – ihre Darstellung einer Welt der braven, strebsamen Unternehmer und der faulen Neidhammel rundherum wurde schonungslos von der anwesenden WU-Stimme (Gabriele Michalitsch) entlarvt.

Christian Ortner, Franz Schellhorn und Konsorten sind die Anhänger der „Leistungsträger“-Ideologie, wobei sie stur an der Fehleinschätzung festhalten, dass „Leistung“ automatisch durch entsprechende Löhne honoriert wird.

In blindem Glauben an den freien Markt, auch Arbeitsmarkt, sind sie nicht von ihrer einbetonierten Überzeugung abzubringen, dass jeder Mensch das Gehalt überwiesen bekommt, das er verdient. Wer 100 Millionen Euro im Jahr netto einstreift, der erschafft in ihrem Tunnelblick durch seine verantwortungsvolle Tätigkeit eben auch entsprechend mehr für Volk, Staat und Menschheit als eine Marketing-Mitarbeiterin, die drei Positionen in einer Firma allein ausfüllt und dafür mit netto 1.500 Euro im Monat heimgeht. Wäre sie wirklich so gut und fleißig, glauben sie, dann würde ihr automatisch in einer anderen Firma ein gepolsterter Chefsessel und ein fettes Gehalt winken, oder gar eine internationale Traumkarriere.

Im aktuellen Format klagt man nun sogar, die Reichen seien im post-antisemitischen Zeitalter die „neuen Juden“: Wer es nicht wage, seinen antisemitischen Ressentiments an der üblichen Adresse freien Lauf zu lassen verfolge nun mit gleicher und gleich idiotischer Inbrunst die Bezieher hoher Einkommen. Eine peinliche, weinerliche und vor allem grausig an die Eliten anbiedernde Weltsicht eines Menschen, der ja doch auch nur ein kleiner Lohnschreiber ist, so sehr er sich auch mittels feinen Tuchs und guter Krawatten der Crème zugehörig fühlen mag!

Wie passen in dieses Weltbild die Jean Sarkozys (als 21-jähriger Jus-Student plötzlich UMP-Chef in der Heimatstadt Neuilly-sur-Seine) und Chelsea Clintons (die von McKinsey aus dem Stand ohne jede Berufserfahrung eine Stelle als „Consultant“ in London angeboten bekam – mit 100.000 Pfund Jahresgage – diese ablehnte und im New Yorker Büro für 120.000 Dollar angestellt wurde) dieser Welt?
Entweder muss man sich einreden, diese Personen hätten aufgrund der Chancen, die sie durch ihre berühmten Eltern erlangt haben, besser Schulen besucht und durch die höheren Ansprüche an sie auch bessere Leistungen erbracht und sind daher kraft ihrer Intelligenz und ihres Fleißes selbst zu Reichtum und Ehre aufgestiegen, oder man blendet sie einfach aus.

Ideologie 2: „Reiche sind böse“

Umgekehrt: Die Reichen müssen für „ihre“ Krise zahlen; nehmt den Reichen, gebt den Armen… Pauschalforderungen, die jeden Sinns entbehren, vor allem wo sie ohne Konzept vorgetragen werden: denn in welcher Form man nimmt und wie man gibt ist entscheidender als die Menge.

Maß und Ziel

Wohltuend daher Ederers Einschätzung:
Zentraler Satz: „Die Leute akzeptieren schon, dass Manager gut verdienen, wenn sie dafür auch etwas leisten.“

Denn genau darum geht es. Dass die Menschen nicht wütend sind auf Leute, die nur mal nebenbei 100 Millionen Euro Kaution auf den Tisch legen, weil sie neidig wären (in solchen Größenordnungen ist Neid gar nicht mehr fühlbar, die Dimension entzieht sich der emotionalen Fassbarkeit) sondern weil dieses Geld in der Hand des Mannes ist, der den kleinen, ahnungslosen Kleinverdienern mit eitlen Versprechungen und unterstützt von der herrschenden Gedankenströmung, jeder müsse selbst auf seine Zukunft und sein Vermögenswachstum schauen, jeder müsse auf seine dritte Säule achten, und mit dem lächelnden Gesicht des Schwiegersohnes der Nation auf dem Folder ihre Ersparnisse abgeleiert und dann verjuxt hat. Und dass nun die „großen“ Gläubiger, die von Anwalt Böhmdorfer vertreten wurden oder mit Prinzhorns Stimme selbst genug Gewicht in die Waagschale werfen konnten, 80% ihrer Einlagesumme zurückbekommen haben, während die Omas und Kleinanleger auf den offiziellen Ausgleich warten und sich mit, wer kann’s wissen, 20%?, bescheiden werden müssen. Kurz, es geht um Ungerechtigkeit.

Wiederholen wir also ruhig Ederers Satz noch einmal: „Die Leute akzeptieren schon, dass Manager gut verdienen, wenn sie dafür auch etwas leisten.“

Ein Stück weiter noch einmal näher erklärt:

Presse: „Wie weit spielt denn bei der ganzen Debatte der Neidfaktor mit?“
Ederer: „Der spielt natürlich eine Rolle. Ich glaube aber nicht, dass es um Neid im engeren Sinn geht. Es geht um eine Wut, die man nicht kanalisieren kann. Wenn bei einem Teil der Bevölkerung die Aufstiegsträume platzen, sie um ihren Arbeitsplatz zittern müssen, ihr Geld verlieren, und bei anderen ist das nicht so, dann führt das zu einem Amalgam aus Enttäuschung, Neid und Zukunftsangst. Bei Neid geht es noch darum, dass man sich vergleichen kann. Aber hier geht es ja teils um Summen, die die Vorstellungskraft überschreiten.“

Ein Kerngedanke der Ideologeldie kommt ebenfalls zur Sprache:

Presse: „Funktioniert das System nicht gerade deswegen, weil jemand, der eine Wohnung hat, ein Haus möchte und jemand, der einen VW fährt, einen Mercedes fahren will?“
Ederer: „Wenn das stimmt, was Sie sagen, wäre das doch traurig. Ich habe manchmal den Eindruck, Eigentum belastet, weil es auch Verantwortung bedeutet. Wenn Ihre Theorie stimmt, dann haben die Menschen offensichtlich wirklich keine anderen Inhalte in ihrem Leben.“

Wenn diese Theorie stimmen würde, dann gäbe es nicht nur zu wenige Kinder um die Bevölkerungszahl zu halten – dann gäbe es gar keine Kinder! Denn Kinder kosten Geld, sogar viel Geld, und bedeuten daher einen entscheidenden Hemmschuh auf dem Weg zum Mercedes SL. Die so genannten DINKs haben das erkannt, und viele normale Menschen sparen ebenfalls und bescheiden sich mit einem Kind – aber allein dieses eine Kind, das viele bekommen, ist ein Beweis für den Trugschluss der ausschließlich auf Geld und Gewinn Fokussierten. (Interessant in diesem Zusammenhang wieder der Herr Prüller, der einerseits Geld predigt, andererseits aber doch im persönlichen Bereich so unökonomisch agiert und gleich acht (!!) Kinder in die Welt gesetzt hat – das nennt man dann Wein predigen und Wasser trinken)

Also: Nein, unser System funktioniert nicht so.
Aber so ähnlich. Die Wirkung ist ähnlich, doch ist nicht Wunsch die Haupttriebkraft der Allgemeinheit, sondern Zwang.

Ich behaupte mal, dass die meisten Menschen in Jobs arbeiten, die ihnen unangenehm sind und kein unmittelbar mit der Arbeit zusammenhängendes Erfolgserlebnis vermitteln. Kurz und klar, die meisten Menschen mögen ihre Arbeit nicht.
Doch sie arbeiten in diesen Jobs nicht, weil sie statt ihrer Wohnung ein Haus, statt ihres VWs einen SL oder statt ihrer Swatch eine Rolex haben wollen, sondern weil sie ihre Wohnung, ihren VW und ihre Swatch behalten wollen. Die Menschen befinden sich – und das können Reiche sich einfach nicht vorstellen – permanent in der Defensive.
Der Weg zu sagen, ich mag nicht mehr, ich mach was anderes, der steht der typischen Einzelhandelskassenkraft nicht offen.

Und so kommen wir zu jenem Rousseau-Zitat, das in der Kordikonomy der heutigen Samstagspresse erwähnt wird und Auslöser dieses Sermons, durch den Sie, geschätzter Leser, sich nun schon über so viele Absätze quälen, geworden ist:
„Das Geld, das wir haben, ist das Mittel zur Freiheit, dasjenige, dem man nachjagt, das Mittel zur Knechtschaft.“

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