Screening

29/06/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

„Public Viewing“ ist im Zuge der Fußball-WM wieder das geflügelte Wort der Saison. Ein Praxistest.

Zunächst ein Geständnis: Ich wette nicht, und ich beschäftige mich viel zu wenig mit Fußball, um fachlich fundierte Aussagen treffen zu können. Ich habe noch keine Vuvuzela aus weniger als fünf Metern Entfernung gesehen und ich kann keinen einzigen Mannschaftstorwart auswendig beim Namen nennen.

Aber es geht ja hier nun gar nicht um Fußball an sich, sondern ums Fußballschauen. Und dafür benötigt man nicht viel. Manches davon ist sogar einfach gratis zu haben: Ein öffentlich aufgestelltes Fernsehgerät, eine Wiese.

Im alten AKH hat sich anlässlich der Begegnung Spanien-Portugal im Achtelfinale der Südafrika-WM eine beeindruckende Menschentraube rund ums Salettl eingefunden. Neben immer weiteren Interessierten trudelten auch Sitzbänke und Verpflegung in immer größeren Mengen aus allen Himmelsrichtungen ein.

Spiel Nebensache

Was da auf den diversen, auf verschiedenen Qualitätsniveaus angesiedelten TV-Schirmen stattfand, spielte im Grunde eine nachgeordnete Rolle. Das Spiel war eine thematische Klammer, ein besserer Vorwand für unerschiedlichste Grüppchen von Freunden und Freundinnen, um gemeinsam und gemeinsam mit Fremden den lauen Abend draußen unter freiem Himmel zu genießen, dabei zu tratschen – auch über Fußball, auch über das Spiel – Hot Dogs und kühles Bier zu genießen und schließlich sogar über das spanische Tor zu jubeln. Über ein portugiesisches hätte sich aber auch niemand geärgert.

Public Screening ist ein zwangloses Gemeinschaftserlebnis. Also unbedingt unterstützenswert.

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Inder

11/07/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Mit großer Verspätung hat Misoskop das erste Mal „Bend it like Beckham“ gesehen.
Der Film ist schon recht alt, und praktisch jeder kennt ihn schon. Ich habe ihn erst am Sonntag gesehen, als der ORF ihn anlässlich des Fußball-WM-Finales ausgestrahlt hat. Der deutsche Titel „Kick it like..“ trifft den Kern der Sache ja nicht ganz, geht es doch nicht um simples Kicken. Freilich: Die Verleihfirma fürchtete wohl, die stupiden Deutschsprachigen würden den Titel nicht begreifen können.

Zum Film: Ein spannendes Sittenbild traditionell lebender Inder in England, mit deutlichen Parallelen zu den Bollywood-Streifen, die seit geraumer Zeit mit wechselnder Regelmäßigkeit über RTL 2 ins Wohnzimmer driften.

Bollywood

Vor allem insofern, als sich bei allen handelnden Charakteren vielschichtigere Motivbündel und „echtere“ Seelenleben zeigen als bei vergleichbaren „westlichen“ Figuren.

Der Vater der kleinen Ball-Zauberin etwa. Statt durchgängig gestrenger Patriarch zu sein, der nur durch einen Schicksalsschlag gebogen werden kann, besitzt der Mann mit dem Turban von Anfang an einen weichen, verletzlichen Kern und will die geliebte Tochter mit seinen Verboten nur schützen.

Ich vergleiche hier mit jenem Bollywood-Streifen, der bei mir persönlich den stärksten Eindruck hinterlassen hat: Jenem um die indische Kaderschmiede „Gurukul“ und ihren eisenharten Direktor. Selbst dieser Extrem-Ungustl, der sogar die Sonne (!) niederstarren wollte, war im Grund ein verletzlicher – und verletzter – Gefühlsmensch.

Gefühle

Der Nukleus des kulturellen Unterschiedes zwischen Bolly & Holly?
Emotionalität versus Coolness, Weinen versus Zähnefletschen, Singen versus Schießen.
Selbst Supersoldat Major Ram hat ja mehr getanzt als geballert, und unser Österreich-Export, der T100, zieht mit stur-hölzernem Einheitsgesicht durch die Höhen und Tiefen des Roboterlebens.
(An dieser Stelle verlangt der Anstand eine Verbeugung vor masala)

Lernen fürs Leben

Ein wenig Indien würde Österreich da ganz gut tun. Ein Blick in eine beliebige Disco oder einen Club reicht aus: Da stehen aufgefädelt steife Gestalten, Halt suchend ein Glas oder einen Becher umklammert, einheitlich ausdruckslose Gesichter einstudierter Coolness, die Tanzbewegungen schwanken zwischen Kopfnicken und Fußwippen, während kalter Schweiß den Rücken herunterläuft aus Angst, sich zu blamieren.

Nicht falsch verstehen – ich will mich da gar nicht ausnehmen. Vielleicht bin ich sogar der Schlimmste. Ich stehe auch dabei, der am schlechtesten Angezogene in der Reihe.

Europa braucht mehr Gefühl. Europas Männer brauchen den Mut, sich zu exponieren, den Mut zur Unterschiedlichkeit, den Mut zu Fehlern, zum Leben.
Ein Hauch Shah Rukh Khan täte dringend Not.

Niederlage

10/07/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Italien ist Weltmeister. Frankreich hat verloren.
Im Elfmeterschießen, 5:3. Unfair, dass nicht noch der letzt Schuss gemacht wurde, es hätte 5:4 sein können.

Dabei hatte es zu Anfang sehr gut ausgesehen: Henry begann mit seiner schon gewohnt-typischen Leichenbittermiene, knallte im Lauf gegen einen Italiener, stand aber wieder auf.
Die Franzosen zeigten gutes Spiel und kamen – mit Glück, denn dieser Lattenpendler war niemals Absicht – 1:0 in Führung. Der angeblich „umstrittene“ Elfer war meiner Ansicht nach fair&square.
Traurig nur für Buffon: Doch keine Rekord-Zeit ohne Tor. Und dabei fehlten nur noch, weiß nicht, 40 Minuten? 50?
Egal.

Nach dem Ausgleich durch die Italiener blieb das ganze Spiel ein spannendes hin und her.
Besonders Augenfällig: Die Italiener deckten extrem gut. Ribery brachte kein Bein auf die Erde, ohne dass ein italienischer Fuß drunterstand.

Zweite Halbzeit, 108. Minute, der Hit. Was zum Kuckuck hat Marco Materazzi Zidane nachgerufen, dass der so reagierte? Mit seinem 360-Grad-Panoramablick, den er sonst dazu nutzt, überall Pass-Empfänger zu orten, hat Zizou noch schnell gecheckt, ob eh keiner schaut, und Materazzi dann mit einem Mörder-Kopfstoß auf die Bretter geschickt.
Pech: Nummer Vier auf der Tribüne hat’s gesehen. Und rote Karte für den Helden der „Grand Nation“.

Leider berechtigt. Denn was immer der Italiener auch gerufen hat – man hätte es vorerst runterschlucken und ihn nach dem Spiel am Ausgang abfangen können, um „auf die Bluatwies’n“ zu gehen.

Elferschießen:
Ja, Mist. Was soll’s.
Nächstes Mal wieder.
Immerhin ein Trost: Gummimann Buffon hat auch keinen gehalten.

Halbfinale

06/07/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Der vorletzte Fußball-Eintrag.
Versprochen! Nur noch das Finale, dann kein Fußball mehr.

Henry war diesmal etwas müde – wahrscheinlich der Frust nach so vielen Schwierigkeiten in den vergangenen Partien. Immerhin war er geistesgegenwärtig genug, schön zu fallen, als im Strafraum einen portugiesischen Fuß am Knöchel spürte. So eröffnete er durch rasche Reaktion die Chance auf einen blau-weiß-roten Finaleinzug.

Ribery zeigte großen Einsatz, aber ohne Henrys Unterstützung stand er ziemlich einsam da.

Die Portugiesen zeigten diesmal für meinen Geschmack ein schönes, schnelles Spiel, nicht so eine lasche Eierpartie wie das öde Trauerspiel gegen England, nach dem man eigentlich beide Mannschaften hätte heimschicken sollen.

So war ein Spiel, in dem der Schiri anfangs äußerst Frankreich-freundlich, nachher zum Ausgleich Frankreich-feindlich pfiff, doch sehr, sehr spannend, speziell in den letzten fünf Minuten, als die Portugiesen praktisch permanent mit zehn Mann im französischen Strafraum herumturnten und den Ball einbauen wollten, um eine Verlängerung zu erreichen.

Es nützte nichts.
Frankreich kommt weiter, Portugal darf sich an Deutschland im Spiel um Platz drei das Mütchen kühlen.

Misoskop drückt weiter die Daumen für die Franzosen.

Italien

05/07/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Schon wieder Fußball – dabei halte ich eigentlich gar nicht so viel davon.
Aber: WM ist WM, da kann man nicht dran vorbei.

Zusammenfassend: Die Italiener brachten mehr Action, die Deutschen machten einen besseren Eindruck. Zumdindest, nachdem sie ihre anfängliche Wehleidigkeit überwunden hatten.

Der viel bejubelte Ballack zeigte eine sehr unschöne Szene: Ellenbogenstoß gegen den Kopf des Gegners, dann heulend die Hände vor’s Gesicht, als wäre er mit dem Gesicht dagegen geprallt. („Oh, ich Armer!“)
So sind sie, die „Schönlinge“: Falsche Schlangen.

In Frankreichs Sinne hoffte Ihr Misoskop natürlich auf Italien als Endgegner – deren Leistung ist weniger konstant und passt eher zur französischen Mentalität. Eine Spielmaschine wie die deutsche Mannschaft ist für meine Begriffe zu gefährlich für die Franzosen.

Nach 90 torlosen Minuten zeigten beide Mannschaften starke Verschleißerscheinungen. Erhitzt, müde und langsam in den Reflexen, speziell die Italiener und der deutsche Torwart, wegen ihres Dauereinsatzes.
Immer öfter standen die Italiener nur mehr herum, wenn es zu viel Aufwand bedeutet hätte, dem in der Nähe niedergehenden Ball nachzueiern.

Aber die Fußballgötter schienen ohnehin Deutschland zu favorisieren: Zu viel Glück hatten unsere nördlichen Nachbarn, zu oft: Latte und Stangen krachten.

Das Ende

In der zweiten Hälfte der Verlängerung rafften sich die Deutschen dann schließlich zu einer Reihe von Angriffen durch die erschöpften italienischen Reihen auf. Die Chancen rutschten nordwärts – aber trotzdem erfolglos.

Dann der Reißer: Man wartete eigentlich schon auf den Schlusspfiff und das Elferschießen, da fetzte Italien das Runde ins Eckige. Deutschland verblüfft und am Boden, und dann, kaum fünf Sekunden vor Schluss noch ein zweiter Treffer, mit dem keiner mehr gerechnet hatte – nicht einmal der deutsche Torwart, wie’s aussah.

Doch kein Elferschießen, Italien weiter.

Heute Abend wird es dann WIRKLICH spannend: Werden es die Franzmänner schaffen…?

Frankreich?

01/07/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Schönes Spiel. Speziell am Anfang.
Ich habe bei BRA-FRA für Frankreich die Daumen gehalten, war aber fix davon überzeugt, dass Brasilien gewinnen wird – die Truppe spielt ja immer genau so gut, wie sie muss, dachte ich.
Aber, nein, Frankreich hat gewonnen, 1:0, und dieses Ergebnis sogar hübsch lange gehalten.
Unabhängig davon war das Spiel äußerst schön, vor allem in der ersten Halbzeit, als alle noch ausgeruht waren. Die ersten 45 Minuten gingen zwar 0:0 zu Ende, aber es wurde schön gepasst, weitestgehend sauber gespielt und viel Können gezeigt, in beiden Mannschaften.
Tatsächlich kommt eine gewisse Unzufriedenheit mit dem Faktum auf, dass nur eine dieser beiden Mannschaften aufrücken konnte, ich hätte gern beide im Finale gesehen.
Die Hoffnung lebt: Frankreich als Weltmeister…?

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