Konsequenzfrage

04/09/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

In Südkorea bietet Außenminister Yu Myung-hwan nach einer Auftragsvergabe an seine Tochter den Rücktritt an. In Österreich kennt man keinen solchen Genierer.

Südkorea

„I decided to resign because I am sorry to the public for causing trouble,“ Foreign Ministry spokesman Kim Young-sun quoted Yu as saying, heißt es über den Newsticker von Associated Press.

Die Tochter hat als externe Vertragsnehmerin für das Ministerium gearbeitet, sich nun für einen festen Job beworben und sich gegen fünf Konkurrenten durchgesetzt.

Frankreich

Nicolas Sarkozy wollte seinen 23-jährigen Sohn Jean zum Chef einer milliardenschweren Entwicklungsgesellschaft machen, hat dann aber im Zuge aufkeimender Proteste noch zurückgezogen. Nach offizieller Darstellung ein bewusster, freiwilliger Verzicht des Sohnes.

Österreich

Auch Wolfgang Schüssels Tochter Nina, eine Schauspielerin, hat in der Zeit seiner Regierungsführung als externe Beraterin für das Bundeskanzleramt gearbeitet. Kommunikationstraining. Bei der Ausschreibung war sie nicht die Erstgereihte, aber sie wurde genommen. Als es kritische Medienberichte gab, wurde die Affäre mit einem Achselzucken quittiert. Sie sei qualifiziert. Na dann.

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Ballverlust?

16/09/2007 § Hinterlasse einen Kommentar

Nicht nur im Rugby droht den Franzosen ein früher Ballverlust. Auch in der Außenpolitik hält Nicolas Sarkozy das Ei ziemlich lose in der Hand. Um sich als Person zu profilieren, bedroht er nun wichtige französische Interessen – im Iran.

Als ob es nicht schon genug wäre, dass Frankreich in der Ära Chirac viel Boden in Afrika verloren hat. Dort war der Nutznieser Amerika, das überall als Mineneigner und Waffenlieferant eingestiegen ist, wo die Gegner der von Frankreich favorisierten Machthaber ihre Pfründe verloren haben.

Schwere Schläge.

Und nun will Sarkozy sich als West-Hardliner betätigen, wahrscheinlich, um Image in den USA zu gewinnen und Frankreich in der EU als Außenpolitik-Rädelsführer zu positionieren.

Dass er sich dafür gerade den Iran als Spielfeld aussucht, ist vielleicht nicht wahnsinnig glücklich. Dort gehören die Förderrechte zu einem guten Teil Franzosen. Auch wenn sie im Fall einer heftigen Krise wohl kaum den Amerikanern abgetreten werden würden, gibt es doch genügend andere „Player“, die sich darum reißen würden, etwa in China.

Keine gute Idee also, großmächtig gegen die Mullahs zu wettern.

Oder weiß Sarkozy etwas, was wir nicht wissen? Muss er sich jetzt sofort und rasch als US-Freund präsentieren, damit nach einem akut anstehenden Dekapitationsschlag gegen Teheran nicht Halliburton statt Total und Gaz de France an Persiens Südküste den Ton angibt?

Mandat

28/08/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Frankreich soll sich in Sachen Libanon blamiert haben, heißt es. Weil es auf ein stärkeres Mandat warten wollte. War doch richtig, oder?

Alle Welt drängelte und meinte: „Ihr müsst das Kommando übernehmen“. Klingt ja auch logisch, so als ehemalige Kolonialmacht, da ist man, eurozentristisch betrachtet, auch zuständig.

Aber eine UNO-Truppe ist nicht so etwas wie ein Zauberspruch. Das sind ein paar Leute mit blauen Helmen und schlechter Bewaffnung. Mit einer schlechten Bewaffnung, die sie meist nur zur Selbstverteidigung einsetzen dürfen, nachdem schon auf sie gefeuert wurde.

Ein unangenehmer Job.

Ebenfalls unangenehm: Sie zu kommandieren und nachher schuld zu sein, wenn zehn oder hundert von ihnen im Beka’a-Tal verrecken.
Nein, es ist kein Gesichtsverlust, wenn man da seine Verluste minimieren will, sondern Klugheit. Aber Klugheit hat in der Politik ja kurze Beine. Und so ist sie auch schnell gestrauchelt.

400 = 3 = Niemand

Die Welt wunderte sich, als Frankreich sich nur mit 400 Mann beteiligen wollte. 400 Mann, das ist hingespuckt. Das ist, als würde man gar niemanden schicken.

So wie die Slowakei mit ihren drei Mann. Kein Problem, da in den lokalen Zeitungen genaue Portraits der gesamten Truppe zu bringen.

2.000

Nun also doch 2.000 Franzosen. Es war Chirac zu peinlich, die verwunderten Blicke der anderen. Er hat seine Militärs gezwungen. Aber das Kommando geht an Italien. Meiner Meinung nach keine Blamage für Frankreich, sondern ein Glück.

Für die Italiener macht es keinen Unterschied: Deren Militärgeschichte ist ebenso ruhmreich wie die österreichische. Abessinien, Albanien, Libyen … Eine Niederlage mehr oder weniger ist da nicht so wichtig.

Mandat

Für eine UNO-Truppe ist das genau abgegrenzte Mandat das Um und Auf. Ohne zu wissen, was man darf und was nicht, wie weit man sich bewegen darf, was man alles still akzeptieren muss, kann man nicht einschätzen, nicht planen, nicht erfolgreich sein.

Wir erinnern uns an Jugoslawien?
Als Milizionäre die Pistole auf der Schulter eines UN-Soldaten auflegten, um den „Beschützten“ im Jeep zu erschießen, während der UN-Soldat murmelte: „Ich muss Sie dringend auffordern, diese Aktivitäten zu unterlassen!“ Als die UN-Schutzzonen der Reihe nach niedergewalzt wurden?

Genau dieses Schicksal wird die UNO-Truppe im Libanon erleiden, wenn sie kein „starkes“ Mandat erhält. Und das wird sie nicht, dafür werden gewisse Länder mit ständigem Sitz im Sicherheitsrat schon sorgen.

Viel Spaß an alle, die sich da beteiligen müssen.

Niederlage

10/07/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Italien ist Weltmeister. Frankreich hat verloren.
Im Elfmeterschießen, 5:3. Unfair, dass nicht noch der letzt Schuss gemacht wurde, es hätte 5:4 sein können.

Dabei hatte es zu Anfang sehr gut ausgesehen: Henry begann mit seiner schon gewohnt-typischen Leichenbittermiene, knallte im Lauf gegen einen Italiener, stand aber wieder auf.
Die Franzosen zeigten gutes Spiel und kamen – mit Glück, denn dieser Lattenpendler war niemals Absicht – 1:0 in Führung. Der angeblich „umstrittene“ Elfer war meiner Ansicht nach fair&square.
Traurig nur für Buffon: Doch keine Rekord-Zeit ohne Tor. Und dabei fehlten nur noch, weiß nicht, 40 Minuten? 50?
Egal.

Nach dem Ausgleich durch die Italiener blieb das ganze Spiel ein spannendes hin und her.
Besonders Augenfällig: Die Italiener deckten extrem gut. Ribery brachte kein Bein auf die Erde, ohne dass ein italienischer Fuß drunterstand.

Zweite Halbzeit, 108. Minute, der Hit. Was zum Kuckuck hat Marco Materazzi Zidane nachgerufen, dass der so reagierte? Mit seinem 360-Grad-Panoramablick, den er sonst dazu nutzt, überall Pass-Empfänger zu orten, hat Zizou noch schnell gecheckt, ob eh keiner schaut, und Materazzi dann mit einem Mörder-Kopfstoß auf die Bretter geschickt.
Pech: Nummer Vier auf der Tribüne hat’s gesehen. Und rote Karte für den Helden der „Grand Nation“.

Leider berechtigt. Denn was immer der Italiener auch gerufen hat – man hätte es vorerst runterschlucken und ihn nach dem Spiel am Ausgang abfangen können, um „auf die Bluatwies’n“ zu gehen.

Elferschießen:
Ja, Mist. Was soll’s.
Nächstes Mal wieder.
Immerhin ein Trost: Gummimann Buffon hat auch keinen gehalten.

Halbfinale

06/07/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Der vorletzte Fußball-Eintrag.
Versprochen! Nur noch das Finale, dann kein Fußball mehr.

Henry war diesmal etwas müde – wahrscheinlich der Frust nach so vielen Schwierigkeiten in den vergangenen Partien. Immerhin war er geistesgegenwärtig genug, schön zu fallen, als im Strafraum einen portugiesischen Fuß am Knöchel spürte. So eröffnete er durch rasche Reaktion die Chance auf einen blau-weiß-roten Finaleinzug.

Ribery zeigte großen Einsatz, aber ohne Henrys Unterstützung stand er ziemlich einsam da.

Die Portugiesen zeigten diesmal für meinen Geschmack ein schönes, schnelles Spiel, nicht so eine lasche Eierpartie wie das öde Trauerspiel gegen England, nach dem man eigentlich beide Mannschaften hätte heimschicken sollen.

So war ein Spiel, in dem der Schiri anfangs äußerst Frankreich-freundlich, nachher zum Ausgleich Frankreich-feindlich pfiff, doch sehr, sehr spannend, speziell in den letzten fünf Minuten, als die Portugiesen praktisch permanent mit zehn Mann im französischen Strafraum herumturnten und den Ball einbauen wollten, um eine Verlängerung zu erreichen.

Es nützte nichts.
Frankreich kommt weiter, Portugal darf sich an Deutschland im Spiel um Platz drei das Mütchen kühlen.

Misoskop drückt weiter die Daumen für die Franzosen.

Frankreich?

01/07/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Schönes Spiel. Speziell am Anfang.
Ich habe bei BRA-FRA für Frankreich die Daumen gehalten, war aber fix davon überzeugt, dass Brasilien gewinnen wird – die Truppe spielt ja immer genau so gut, wie sie muss, dachte ich.
Aber, nein, Frankreich hat gewonnen, 1:0, und dieses Ergebnis sogar hübsch lange gehalten.
Unabhängig davon war das Spiel äußerst schön, vor allem in der ersten Halbzeit, als alle noch ausgeruht waren. Die ersten 45 Minuten gingen zwar 0:0 zu Ende, aber es wurde schön gepasst, weitestgehend sauber gespielt und viel Können gezeigt, in beiden Mannschaften.
Tatsächlich kommt eine gewisse Unzufriedenheit mit dem Faktum auf, dass nur eine dieser beiden Mannschaften aufrücken konnte, ich hätte gern beide im Finale gesehen.
Die Hoffnung lebt: Frankreich als Weltmeister…?

Wo bin ich?

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