Urheberrecht

30/04/2012 § Ein Kommentar

Um das Urheberrecht und seine Zukunft wird erbittert gestritten. Dazu gibt es unzählige relevante Links, die zusammenzusuchen ich mir an dieser Stelle erspare. Stattdessen quäle ich Sie, lieber Leser, und Sie, freundliche Leserin, mit meiner eigenen Ansicht. Und die lautet: Es wird unter falschen Voraussetzungen diskutiert.
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Bücherträume

25/08/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Walter Moers hat kürzlich Teil 2 herausgebracht. Doch hier fängt die Geschichte in Wirklichkeit an: in Teil 1. „Die Stadt der Träumenden Bücher“ habe ich hiermit durch. Mein Fazit: Moers wird vom Orm durchströmt.


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Männerbuch

22/08/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Was ist ein Männerbuch? Angeblich soll „Die Vermessung der Welt“ von Daniel Kehlmann eines sein. Wenn keine klare Definition von Männerbuch zur Verfügung steht, hilft vielleicht die Annäherung von der „Gegenseite“ – dem Frauenbuch.
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Triumff

29/07/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Das Jahr ist 2010. Aber nicht unser 2010. Mit „Triumff“ präsentiert der Black-Library-Star Dan Abnett eine alternative Gegenwart zwischen Gentlemanehre, Magie und Mantel&Degen-Abenteuer.
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Buch

19/08/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Zuerst erschienen in der Reihe „31 Tage – 31 Bücher“ am 8. Juli 2010 als Teil des Blogs http://ivy.machts.net : Tag 8 – Ein Buch, das mich an einen Ort erinnert.

Das Cover von Michael Moorcocks "The Eternal Champion"

Foto: misoskop

Das Buch: Michael Moorcock, The Eternal Champion.
Der Ort: Ein Haus in Ungarn, am südlichen Rand des Báláton.

In jenen Tagen, ich dürfte wohl so um die 15 oder 16 herum gewesen sein, man nagle mich da nicht fest, lebte ein Cousin dritten Grades mit seiner covermodeltauglichen Freundin auf wenigen, mit hippem Kram vollgerammelten Quadratmetern im hinteren Teil eines Hauses, das Touristikern gut etwas wert hätte sein können.

Vom Gartentor aus achtzig Meter an einem Tennisplatz vorbei nach rechts lud ein gemütlicher Wiesenstrand am Báláton zum entspannten Dösen in der sengenden Sonne oder zum minutenlangen Hinauswaten in Gegenden, in denen man so tun konnte als könne man nicht mehr stehen, ein, nach links und einen knappen Kilometer die Út entlang gen Osten lockte ein Wiesengrund mit einer überschaubaren Zusammenballung von Restaurants, Mini-Rummelplatz, Spielhölle und Krimskramsladen. Nicht zuletzt warteten dort auch ein paar aus dunklem Holz gezimmerte Standerln, von denen eines frische Kürtös Kálács feilbot, die man kaum bis nach Hause zu den wartenden Schleckermäulchen bringen konnte. Die einen, für einen selbst bestimmten Exemplare der honiggelb glitzernden, gewickelten Köstlichkeiten schlang man auf dem Heimweg selbst viel zu schnell gierig hinunter, mit den anderen, den Mitbringseln, lockte man Kohorten von willenlos um den Zuckerschatz kreisenden Wespen an. Getoppt wurden diese Schmankerln nur noch von den Gofri mit Vanillesauce, die an einem der Bezahlstrände ein paar Hundert Meter weiter westlich unters hungrige Volk gebracht wurden.

Das Haus selbst bot im ungenutzten, vorderen Bereich nicht nur Platz genug für anderthalb Familien und einen schwarzgrün flimmernden Fernseher aus den 70ern, sondern auch ein Aufklärungsbuch auf Ungarisch, einen großzügigen Garten, eine Auswahl verrosteter Fitnessgeräte aus tiefsten Ostblockzeiten und im Flur eine bedrohliche Luke zum Dachboden. Bedrohlich, weil man nur raten konnte, welche Mengen an Spinnweben, Spinnen unterschiedlichster Art und ihren Eiern sich da oben verbergen mochten.

Mit anderen Worten: Ein Sommerparadies.

Das Buch

Hier entdeckte ich eines Abends das Buch. In einer Kommode lag es unter alten, zerknitterten Zetteln und einer kaputten Schere neben einem eigenartigen Metallstück, Papierschnitzeln und etwas Staub. Der Name Michael Moorcock war mir neu, das Cover war farbenprächtig, der erste Blick ins Innere höchst interessant: Es ging um Kämpfe und Schwerter, nicht ungarisch, sondern englisch.

Mir war rasch klar, dass ich einen Glücksgriff getan hatte.

Ein Mensch aus, wie man trotz der schwammigen Beschreibung unschwer erraten kann, unserer Welt, wird nachts aus einem Traum heraus in eine Parallelwelt geholt, herbeibeschworen von einem verzweifelten König als Wiedergeburt eines legendären, unbezwingbaren Helden aus alter Zeit, dem er den Oberbefehl über die vereinten menschlichen Heere übertragen will, um einen grausamen Feind, die Eldren, gegen jede Chance doch noch zu besiegen. Es geht rasch in den Kampf, aber nicht alles ist so einfach wie erwartet: Gut und Böse sind als Zuschreibungen rasch zur Hand, aber treffen sie auch zu? Ehrenhafte Krieger finden sich in beiden Lagern, ebenso wie tückische Verräter. Gekränkte Eitelkeiten, Eifersucht und Angst machen scheinbar Noble zu Bestien, und nur im Angesicht der endgültigen Vernichtung scheiden sich die diamantharten Braven von jenen, deren Moral flexibler gehalten ist. Doch Tapferkeit macht noch keinen Sieg.

Ein Mitstreiter, Count Roldero, hat seinen philosophischen Frieden mit dem Dilemma gemacht und Gut und Böse mit der Wirkung des Tuns assoziiert. Ein Verräter, der die Sache des Guten weiterbringt, ist für ihn gut, ein edelmütiger Held, der sie durch seine Prinzipien hemmt, ebenso böse wie ein deklarierter Feind von Ordnung und Recht.
Im Zwiespalt der Gefühle eine verlockende Philosophie, doch keine, die einen bis zur endgültigen Vernichtung des Fremden, Anderen, tragen kann, ohne an Zweifeln und Ehrgefühl zu zerschellen.

Michael Moorcocks Multiversum gibt dem in unterschiedlichster Form und Zeit immer wieder auferstehenden ewigen Helden in zig Büchern mehr als genug Gelegenheit zum Kämpfen, zum Töten und zum Sterben. Die mächtige Kriegerseele schert sich dabei auf ihrer Reise von Körper zu Körper in keiner Weiser um Ethnien und Lebensformen, tritt neben anderen als Erekosê, Hawkmoon, Elric oder Corum auf und begegnet sich gelegentlich sogar selbst. Meist ist der Handlungsverlauf schwermütig und hoffnungslos, oft langatmig. Elemente irischer und englischer Sagenwelten treten ebenso auf wie antike Gedankensplitter und Anleihen bei verschiedenen Religionen. Michael Moorcock hat seine Verehrer und seine Gegner, und beide Seiten haben gute Gründe für ihre Einschätzung seines Werks.

Ich wollte dieses Buch haben, und die Aufbewahrung zwischen Strandgut eines Haushalts gab mir Hoffnung.
Ich fragte also den Cousin, ob es seines sei und ich es haben, auch kaufen dürfe, und er verneinte – er hatte keine Ahnung, wo es hergekommen sein könnte. Ich fragte, ob ich es bis zum Auftauchen des Besitzers mitnehmen dürfe, und er lehnte ab. Wer könne wissen, wessen Buch es sei? Nein, nein, lieber nicht.
Schweren Herzens ließ ich es zurück.

Wenige Monate später erfuhr ich, dass das Haus verkauft worden war, mit allem drum und dran, mit den alten Möbeln und allem, was darin war. Also auch mit dem Buch.

Ich bereute sehr intensiv, dass ich es nicht insgeheim mitgehen hatte lassen, und ich bereute es noch mehr, als ich herausfand, dass alle möglichen Moorcocks auf dem freien Markt zu haben waren, dieses eine, spezielle aber nach sieben vergriffenen Auflagen nicht mehr gedruckt wurde.

Weg!

Alles was mir blieb, waren ziemlich detaillierte Erinnerungen an eine ganze Reihe von Szenen in der Geschichte und der Gedanke an dieses Haus und an das Rätsel, wie man so ein Juwel einfach mit allem Drum und Dran hergeben kann. Und mit dem Buch.

Erst vor Kurzem, vor drei Jahren und ein bisschen was, hat meine Frau bei der Suche nach einem geeigneten Geburtstagsgeschenk das Angebot eines Briten entdeckt, der sein Exemplar verhökern wollte. Sie wusste Bescheid – von der Philosophie des Count Roldero hatte ich ihr etliche Male erzählt, von einigen anderen eindrücklichen Szenen des Buches auch schon mehrmals. Sie hat sofort zugeschlagen und es für mich besorgt. Es war nicht billig, aber für einen verlorenen Schatz ein guter Preis.

Mein Buch liegt sicher neben mir. Es hat einen guten Platz hoch oben in der Bücherwand. Wenn ich es anschaue, denke ich an Count Roldero und General Katorn, an Prinzessin Iolinda und an Ermizhad. Und natürlich: An das Haus und das andere, das verlorene Buch in der Lade.

Erstveröffentlichung:
http://ivy.machts.net/archives/490

Stieg

07/07/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Verblendung – Verdammnis – Vergebung. Zumindest den ersten Teil der Millennium-Trilogie habe ich jetzt intus. Ein widersprüchliches Buch.

Stieg Larsson ist tot, seine Bücher finden seit der Verfilmung der Trilogie fürs Kino reißenden Absatz. Wer Bestsellern dieser Art misstrauisch gegenübersteht, wird in seinen Vorurteilen bestätigt: Das Buch ist bestimmt keine literarische Großleistung.

Inhaltlich teilt sich die Geschichte von Teil 1 – Verblendung – in einen verzwickten, Jahrzehnte alten Kriminalfall und die persönliche Aufarbeitung eines Rückschlags im Leben des von sich selbst überaus positiv eingenommenen Journalisten Mikael Blomquvist.

Der Kriminalfall ist spannend bis gruselig, die Auflösung ahnen erfahrene Krimileser in Grundzügen schon recht bald, dennoch versteht der Verlauf der Ermittlungen im Detail zu fesseln.

Die persönliche Geschichte des Herrn Blomquvist leidet einerseits unter seinem massiven Ego, andererseits an der uniformen Reaktion von Frauen aller Altersstufen und Gesellschaftsschichten auf seine Erscheinung: sie verfallen seinem jungenhaften, unbekümmerten Charme rettungslos und werden auch nicht enttäuscht, denn im Bett ist der Mann ein absoluter Held. Wenig überraschend mithin, dass es sich bei dem Tausendsassa und auch schreiberisch „ausgezeichneten Stilisten“ um ein Alter Ego des Autors handelt.

Ein für Nicht-Stockholmer bitteres Manko der Handlung ist der satte, aber oberflächliche Lokalkolorit. Der raschen Abfolge von Straßennamen und Landschaftsnennungen ist kaum zu folgen, noch weniger begeistert das Name-Dropping vermutlich bekannter schwedischer Persönlichkeiten der jüngeren Geschichte des skandinavischen Landes. Wären diese Elemente mit kurzen, treffenden Beschreibungen angereichert hätte die Millennium-Trilogie eine Zukunft als inoffizieller Reiseführer; ohne weitere Ausführungen bleiben sie Insider-Witze eines begeisterten Hobbyheimatkundlers.

Bibliophile

19/09/2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Manche Zusammenhänge und Einsichten erschließen sich nur selten. Wenn sie sich dazu herablassen, dann treffen sie umso genauer und überraschender. Bekenntnis eines Bibliophilen.

Der Schauplatz ist ein zentraler Punkt der Stadt Wien. Eingehegt vom wienerischen Café Landtmann und dem noch wienerischeren Burgtheater, unter dem Logo der SPÖ-Zentrale wie unter einem blutroten, viereckigen Mond liegend und an strategischen Punkten bewacht von kargen Bäumchen in kleinen Gefäßen, so drängt sich hier eine Gruppe weißer Zelte zusammen.
Einmal im Jahr – heuer am 18. und 19. September – versammeln sich rund um die Burg Verlage und Buchhändler der Donaumetropole, um 24 Stunden lang, von 16 bis 16 Uhr, ein Produkt hochleben zu lassen, das die menschlichen Zivilisationen zu dem gemacht hat, was sie sind, das für die Erfindung der Demokratie steht und zugleich völlig konträr als Kennzeichen einer Bildungselite gilt und das jenes Medium, das es nun trotzdem zu verdrängen scheint, das weltweite Datennetz, selbst gezeugt hat.

Die Rede ist vom Buch.

„Rund um die Burg“ nennen die Veranstalter jenes Fest, das heimische Autoren und Bücherfreunde Herbst für Herbst Aug‘ in Aug‘ zusammenführt.

Da stehe ich und klatsche mit den anderen Zuhörern einem Autor zu, der soeben einen seiner Texte zum besten gegeben hat, erst ein wenig unsicher, dann langsam flotter, schließlich fast schon schleißig inklusive Lesefehler, all das in der Freude über seine unerwartet starke positive Wirkung aufs Publikum, eine Freude, die er nicht recht zu genießen weiß, weil er sich ihrer Legitimität nicht sicher ist – Autoren sind da wie Independent Musiker, sie wollen natürlich den Erfolg, doch zugleich ist er ihnen suspekt, denn Mainstream will kein Künstler sein und doch ist Mainstream das Leben und das Nischendasein der Hungertod. Seine Befürchtungen sind unbegründet: Mainstream ist er nicht. Es liegt am Publikum, dass er gut ankommt.

Ich höre zu, ich schlendere umher und sichte das Angebot, ich höre wieder zu, ich schnuppere und schmökere, und ansatzlos wird mir klar: Ich fühle mich wohl. Ich habe das Gefühl, unter Gleichgesinnten, fast unter Verwandten zu sein, obwohl ich die meisten der Anwesenden gar nicht und einige, wenige, sehr flüchtig, nur vom Sehen, kenne.

Aber warum fühle ich mich wohl?

Der Grund ist schnell gefunden. Ich freue mich über die präzise Aussprache, ich mag das wissende Nicken und die schrullige Geste, ich mag die nicht recht zusammenpassende Kleidung, die nachlässige Haltung, die zerstreuten Blicke – und ich mag die Stimmung.
Es geht um die Menschen hier. Ich schwimme durch ihre Mitte wie ein Fisch durch den Schwarm. Dies sind meine Leute, hier sind wir eines Sinns.

Die Kernfrage gilt weiter: Warum?

Da wird mir ein Zusammenhang zwischen den Menschen hier klar: Sie sind anders. Sie tragen dicke Brillen und wirr nach oben stehende Haare, sie tragen zerknitterte Jacketts, scheinbar der Natur verbundene Mädchen hüllen ihre gebogenen, mageren Körper in fließende Silbergewänder. Dieser nennt einen gewaltigen Rauschebart sein eigen, jener bewegt sich auffallend langsam und vorsichtig, ökonomisch.

Einige tragen ihr Anderssein offen mit sich und sind stolz darauf, andere verbergen es besser, doch ein gewisses Maß an Verschrobenheit ist immer dabei, gleich oben an der Oberfläche.
„Nerdy“ sind sie, die Bücherfreunde, die Bibliophilen, die sich hier am Ö1-Bus mit wohl gesetzten und genussvoll angehörten Worten über die Liebe und ihr Vergehen unterhalten.

Jeder hat seine Macke, denke ich, besonders die Buchfanatiker, und genieße den Zoo. Ich klassifiziere und ordne die Anwesenden ein.
Doch etwas ist da, das mich stutzig macht.
Ich.

Die Realität ist: Ich bin hier. Sie sind hier. Sie sind Bücher-Nerds. Was bin ich?

Ich schmökere, lausche, lese und blättere, dabei öffne ich kein Buch über einen Winkel von 60%, um den geleimten Rücken nicht zu knicken, ich erstehe schließlich ein Buch über Bücher, dann mache ich mich auf den Weg nach Hause.

Der Schlüssel knarzt, die Tür schwingt auf, und meine finstersten Befürchtungen finden sich bewahrheitet: Hier bin ich, im Spiegel, mit schmalen Schultern, mit tiefen Augenringen, mit wirrem Haar. In den Regalen ist kein Platz mehr für Druckwerke, weil zu viele zur Aufbewahrung – nur vorübergehend natürlich – quer über den anderen Schmökern liegen. So stapeln sich die Bücher bis unter die Decke, die höchsten erreiche ich nicht einmal mit ausgestrecktem Arm, vielleicht durch Springen, doch das werde ich nicht versuchen. Darum geht es auch nicht. Es geht um etwas anderes, denn gleich und gleich gesellt sich gern:

Ich bin wie sie. Ich bin ein Bibliophiler.

Wo bin ich?

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