Burnout-Tester

28/10/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

„Ganz Österreich testet das persönliche Burnout-Risiko“, schreit eine Presseaussendung. Am 4. November ruft eine Initiative dazu ins Café Griensteidl am Wiener Michaelerplatz.

Feine Sache, so ein Test. Und einige Leute gibt es in meiner Umgebung, die durchaus schon intensive Bekanntschaft mit dem Burnout-Syndrom gemacht haben. So ein lustiger Test hilft aber im Ernstfall nicht weiter. Die Ursachen eines Burnouts lassen sich durch kluge Ratschläge der Marke „tief durchatmen“ und „Gelassenheit praktizieren“ nicht bekämpfen. Dafür ist es zum Zeitpunkt der Diagnose längst zu spät.

Doch den offiziellen Zahlen folgend ist das Problem wohl noch nicht so dramatisch:

Aktuelle Untersuchungen der Europäischen Agentur für
Sicherheit und Gesundheitsschutz zeigen: EU-weit ist mehr als ein
Viertel aller Arbeitnehmer von Stress am Arbeitsplatz betroffen.

Solange drei Viertel eine ruhige Kugel schieben …

Menschlichkeit

Schmäh ohne: Burnout ist der Preis, den wir dafür bezahlen, dass wir unsere Mitarbeiter und Kollegen wie Automaten behandeln. Anerkennung und das eine oder andere ehrliche Lächeln kosten uns nichts und helfen viel weiter. Sogar uns selbst, denn wie man den Thermostat in seiner Umgebung einstellt, so temperiert man sich selbst.

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Arbeitspflicht

14/09/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Die bestens bekannte Stopptaferl-Frau Ursula „Zensursula“ von der Leyen will deutsche Arbeitslose zur „Bürgerarbeit“ zwangsverpflichten. Die ÖVP nimmt den Vorschlag begeistert auf.

34.000 Langzeitarbeitslose in Deutschland müssen ab Jänner bestimmte vorgegebene Pflichten für Vater Staat erfüllen. „Aktiv zu sein ist besser als zu Hause auf ein Jobangebot zu warten“, sagt Zensursula richtig. So richtig wie „Kinderpornographie ist ein Verbrechen“, aber das erste wird nicht besser, wenn Grafik-Designer Sperrmüll ins Großfeuer werfen, so wie das zweite nicht besser wird, wenn der Staat nach dem Rasenmäherprinzip IP-Adressen saugt oder gar selbst Kinderpornographie als Köder ins Netz stellt.

In Vollzeit eine Zwangsarbeit zu verrichten hindert Arbeitslose, die etwa nicht zu Hause herumsitzen wollen, an der zielgerichteten Arbeitssuche. Die neue Karriere als Sperrmüllverheizer ist damit zur Dauerlösung geworden.

Bei der ÖVP in Österreich kommt wieder einmal eine der hohlen Lieblingsphrasen des konservativen Lagers zur Anwendung: „sozialer Missbrauch“, aus derselben Wortschmiede, die uns schon die „Leistungsträger“, „was nichts kostet ist nichts wert“ und „geht’s der Wirtschaft gut, geht’s uns allen gut“ geschenkt hat.

Wie immer treffen die Gießkannen-Attacken nämlich keineswegs die schlauen, antisozialen Ratten, die kundig Lücken im System nutzen, um sich auf Kosten der Allgemeinheit einen faulen Lenz zu machen. Ja, es gibt sie, die Sozialschmarotzer. Aber sie werden von solchen Massenprogrammen nicht erfasst. Breite Keulen treffen die breite Masse, die Braven, die sich ernsthaft bemühen und zum Beispiel als ewige zweitgereihte Bewerber laufend dicht dran, aber nie drin sind, und die Systemgläubigen, die hoffen, dass sie Erfolg haben werden, wenn sie sich nur an die Regeln halten.

Dumm?

Vielleicht. Aber Dummheit gehört, anders als gemeinhin behauptet, nicht gestraft, sondern aufgeklärt. Dafür ist unsere Zivilisation da, nicht zur Zwangsrekrutierung billiger „HiWis“.

Minimumgehalt

04/07/2007 § Hinterlasse einen Kommentar

Gewerkschaften und Wirtschaftskammer haben sich geeinigt: kein Mensch, der in Österreich Vollzeit arbeitet, soll künftig weniger als 1.000 Euro im Monat verdienen. Brutto.

Nur zum Nachdenken:

Brutto 1.000 sind Netto 820.
Brutto 1.500 sind Netto 1.160.
Brutto 2.000 sind Netto 1.411.
Brutto 3.000 sind Netto 1.900.

Wer heute Vollzeit arbeitet und weniger als 820 Euro im Monat aufs Konto bekommt – der kann kaum eine ordentliche Wohnung halten. Der muss jeden Bissen doppelt so gut kauen, damit er die Sache wert ist.

Jetzt geben wir unserem fiktiven Wenigverdiener noch eine Familie dazu, eine Frau ohne Job und drei Kinder.

Hat da Arbeiten gehen überhaupt noch einen Sinn?
Oder verliert hier die Drohung mit dem Gefängnis rapide an Schrecken, verglichen mit einem der jüngst in Wien trotz notorischer Erfolglosigkeit so beliebten Banküberfälle?

Arbeit

10/11/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Wenn man aus dem Urlaub zurückkommt – aber nicht nur dann, sondern auch zwischenzeitlich – steht viel Arbeit an. Und das ist Gift fürs Gemüt.
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Bewerbung

03/08/2006 § Hinterlasse einen Kommentar

Glücklich, wer’s nicht machen muss. Bewerbungen verschicken und sich vorstellen gehen wird zur Aufnahmeprüfung am Reinhardt-Seminar.

„Die Zeit“ aus Deutschland bringt einen interessanten Artikel zur Arbeitssuche in unserem Nachbarland.

Bücher zum Thema „Wie bewerbe ich mich richtig“, über Fallstricke und Fehler im Lebenslauf und ähnliches werden exponentiell mehr. Auch bei uns. Dass man auf Fragen wie „Worin liegen Ihre Schwächen“ nur mit Stärken antworten darf, oder mit Dingen, die den Arbeitgeber freuen, oder mit harm- und aussagelosem, ist klar.

Doch die Tipps aus den Ratgebern decken unendliche Bandbreiten ab. Wie man in Fernsehshows auf deutschen Sendern, in denen Bewerber begleitet werden, beobachten kann, legen manche Leute pro Bewerbungsfoto ihre 80, 100 Euro und mehr hin, verbringen den halben Tag im Fotostudio mit Makeup-Artist und Styling-Beraterin.

Um dann trotzdem eine Absage zu kassieren.

Rüstungsspirale

Denn auch die Personalisten kennen alle entscheidenden Tricks und sortieren aus, glauben ohnehin nichts, was im Lebenslauf steht, halten alles für übertrieben und geschönt.
Schön blöd, wer da die Wahrheit schreibt.

Eine „Rüstungsspirale“, die sowohl Bewerber zu immer „glatteren“ Lebensläufen zwingt, als auch Personalisten, sich Brüche und Probleme in die Texte hineinzudenken.

Perfektion

Jeder muss einzigartig, großartig, perfekt sein. Jeder einzelne.
Und natürlich, bei aller Perfektion, Hungerlöhne und „neue“, an den Beschäftigungs-Gesetzen vorbei zielende „Werkverträge“, „prekäre Beschäftigungs-Verhältnisse“ akzeptieren. Dankbar akzeptieren!

Schauspielerei

Bewerbung wird zum Aufriss: Schnell versuchen, die Frau / das Unternehmen davon zu überzeugen, dass man superreich, souverän, selbständig und von allen begehrt ist. Fällt sie drauf rein, hat man’s geschafft und darf die Nacht / den Probemonat mit ihr / ihm verbringen.

Dann kommt natürlich heraus: Man hat nur zwei Anzüge, das Auto ist geleast, man wohnt nur zur Miete / man spricht Mandarin nur mit schwerem deutschen Akzent, man hat bisher erst zwei Mal mit Power Point gearbeitet, kann CC++ nur auf Anfängerniveau.

Nun klagen die Unternehmer: „Wir suchen ja hier nicht den Burgschauspieler!“ und ärgern sich, dass sich fast alle verstellen, einstudierte, falsche Körpersprache zeigen und lügen.

Doch: Wer ist schuld? Wer lehnt denn ehrliche, gerade Menschen, die sagen, was sie denken und sich bewegen, wie sie es gewohnt sind, ab?

Glücklich wahrhaft, wer’s nicht machen muss. Glücklich, wer einen sicheren (wie viel gibt’s davon?) Job hat und damit zufrieden ist, glücklich, wer sich bewerben kann, während er sicher in einem schon lukrierten Job sitzt.

Schleimscheißer

27/07/2006 § Ein Kommentar

Ein hartes Wort. Aber gerechtfertigt. Fliege an der Wand bei einem netten Mädchen mit einem schlechten Freund.

In einem Bus in ein eher abgelegenes Wiener Stadtgebiet nahmen ein junger Bursche (19? 20?) und seine Freundin (18?) Platz. Sie: hübsch, machte einen geistig normalen Eindruck. Er: Leichenbittermiene, Hundeaugen, aber irgendwie aufgesetzt. Hätte sicher auch ganz gut ausgesehen, wenn er die Stirn nicht dauerhaft in solche Dackelfalten gelegt hätte.

Die ganze Fahrt über hielt er ihre Hand und streichelte mit dem Daumen, als wolle er das Mädel hypnotisieren. Könnte auch gut sein, denn er wollte eine ganze Menge erreichen.

Muttersöhnchen

Erstens wollte er auf keinen Fall, dass sie, wie es ihr Plan war, einen Ferialjob in derselben Firma annahm, in der seine Mutter zuletzt gearbeitet hatte. Er hatte ihre Pläne mit seiner Mutter „besprochen“ und wollte sie vor einem Irrtum „bewahren“.
Sie meine wohl, „für ein paar Tage Arbeit“ bekäme man dort 1.000 Euro! Das sei aber nicht so!

Sie zuckte die Achseln. 10 Tage seien nicht viel. Besser als ein ganzerMonat. 1.000 Euro wären gutes Geld.

Trotzdem. „Tu es nicht!“ Blabla.
Die Mutter habe nur so viel an 10 Tagen verdient, weil sie tapfer so viel geschöpft hätte wie andere in zwei Monaten. (oh, so fleißig, die gute Mutter… und wir wissen ja, dass Arbeitgeber generell jedem, der in 10 Tagen viel weiterbringt, zwei Monatslöhne nacherfen, die guten Seelen!)

Warum die Mutter seine Freundin dort nicht haben will? Keine Ahnung. Warum er nicht? Er will mit ihr auf irgend ein Festl fahren und möchte nicht, dass sie dann stattdessen arbeitet. Könnte man als Motiv gelten lassen, aber die Art und Weise ist unter aller Sau.

Geld rausleiern

Das nächste Thema stieß mir sauer auf und weckte erst wirklich meine Aufmerksamkeit: Er wollte, dass sie sich von Verwandten in Ungarn Geld leihen solle: 30.000 Forint. „Wenn deine Verwandten so stinkreich sind, wie du sagst….frag deinen Cousin… er wird dir das Geld geben…. ich weiß es genau!“

Sie widersprach einige Zeit, dann gab sie gemurmelt irgend etwas zurück, was zustimmend klang, und er gab sich damit zufrieden.

Freundinnen madig machen

Dennoch blieben seine steilen Stirnfalten stehen, sein Mund zog sich flehend nach unten – er hatte noch mehr auf dem Herzen.

Eine ihrer Freundinnen sei furchtbar, sie solle den Kontakt mit ihr nicht weiter pflegen. Minutenlang lamentierte er vor sich hin, wie gemein, arbeitsscheu und wasweißichnochalles diese Freundin nicht wäre – und sie habe kein Recht, dieses oder jenes über „Sven“ zu sagen.
(Sie hat das Recht, so gut wie alles zu sagen, meine ich – sie ist in Österreich.)
Er selber sei ja auch überhaupt nicht dafür, Freundschaften so ohne weiteres zu beenden. Er habe wenige Freunde, dafür intensive … blabla, der übliche Text in diesem Fall … durch dick und dünn … blabla.
Nur – bei besagter Freundin, tzt, tzt, tzt.

Als es für Misoskop an der Zeit war, einen anderen Weg einzuschlagen als das Pärchen, war die Diskussion noch nicht beendet.

Zum Pfeffer

Mein Bauchgefühl drängte danach, den Kerl zu fragen, ob er seine Freundin für eine Idiotin halte. Aber mein Kopf sagte: Wenn du das machst, dann ist das ein Angriff von außen und schweißt die beiden zusammen.
Bleibt die Hoffnung, dass die Kleine so intelligent ist, wie sie aussieht, und diesen Flachmatiker dahin schickt, wo er hingehört.

Wo bin ich?

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