Korruptionsstufen

19/09/2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Unsere Regierung ist korrupt. Das darf man nach dem Schmierentheater im parlamentarischen Untersuchungssausschuss wohl so sagen. Es gibt Schlimmeres – aber trotzdem macht das Gesamtbild ein wenig mutlos.

In Gambia wurde zwei Zeitungen dringend empfohlen, ihre Veröffentlichung vorerst einmal einzustellen. Der Grund wurde nicht dazugesagt, man muss aber annehmen, dass es etwas mit öffentlich vertretenen Meinungen zu einer politisch wichtigen Causa zu tun hat.

In Asien ist Korruption so tief drin im System vieler Länder, dass die dortige „Polizei“ im Grunde nichts anderes ist als eine Räuberbande in Uniform.

In Afrika machen die Menschen mancherorts Bogen um Polizisten und drehen scheu den Kopf weg von Polizeistationen – nur nicht auffallen den „Ordnungshütern“. Es gibt verschiedene Stufen von Korruption.

Kaufen statt drohen

In Österreich haben wir es besser. Da werden Zeitungen (präziser: Herausgeber) lieber gekauft als eingeschüchtert. Man lebt ja schließlich bei aller fehlender Trennschärfe zwischen Regierung, Parlament und Justiz immer noch in einem zivilisierten Rechtsstaat. Das heißt auch: wir können für eine kleine Regendemo auch mal die Bannmeile rund ums Parlament verletzen und werden nicht erschossen. Ich darf Faymann auf Twitter einen Idioten heißen und werde nicht ins Arbeitslager geschickt.

Nur halt das Geld; und die Ehre, und die Verbundenheit mit dieser Gesellschaft, die leiden.

Das Geld für die entsprechenden Deals kommt aus unseren Taschen und von den leeren Tellern der so genannten „Sozialschmarotzer“. Ha!
Die Ehre, die haben wir schon lange vor Katharina Blum verloren.
Und die Gesellschaft zerfällt so schnell, dass man dabei zusehen kann.

U-Ausschuss

Der U-Ausschuss steht vor seinem Ende, die Vorsitzende, Gabriele Moser, ist angesichts eigenartiger Vorwürfe (sie soll „Protokolle gefälscht“ haben; lächerlich, warum sollte sie so einen Unfug machen? Das glaube ich erst, wenn… nein, das glaube ich nicht.) zurückgetreten.
Der Kanzler (wie konnte so ein Typ wie dieser Faymann eigentlich Kanzler werden? Da hakt es schon im System.) spricht lieber in relativ entspanntem Rahmen in Fernsehmikrofone als vor einem Tribunal aus Opposition und hassgeliebtem Korruptions… äh… Koalitionspartner.
Und das Interesse der Bevölkerung an dem, was „die da oben“ machen, erlahmt zusehends.

Verdrossenheit

Auch ich bin nicht ganz frei von diesem Sentiment. Im Großen und Ganzen ist die Sache ja klar: Die Politiker aller Couleurs (ausgenommen anscheinend die Grünen) haben Dreck am Stecken, man vermutet pauschal, alle. Zufällig kenne ich ein paar und nehme von zumindest einem an, dass er sauber ist, aber das sind Ausnahmeerscheinungen, die am Gesamtbild nichts ändern.

Wird sich daran durch die nächste Wahl etwas ändern?
Auf keinen Fall.

Warum also wählen?
Ja, ernsthaft, keine Ahnung.
Damit es nicht ganz so leicht ist, mit ausschließlich den Stimmen der eigenen Funktionäre eine Wahl zu bestreiten und also aufgrund der Zahl der aktiven Mitglieder den Kanzlerthron zu erklimmen? Damit man „ein Zeichen setzt“? Damit man am Ende, wenn die Demokratie zerbrochen ist, zumindest sagen kann, „ich war dabei bis zum Schluss“?

Meine Antwort ist eine andere.
Ich werde mich wohl trotz aller Hoffnungslosigkeit aufraffen und hinüber ins Schulgebäude gehen, ich werde trotz aller Enttäuschungen und trotz aller Abscheu den Stift ergreifen und ein Kreuzchen machen.

Demokratie? Nein.

Auf meine Stimme kommt es nicht an.
Alles Lügen.
Ein Einzelner kann gar nichts verändern.
Kleine Lichter hier unten auf der Straße schimmern zu schwach, um aus den dunklen Polstersesseln der Macht wahrgenommen zu werden.
Ich werde – vermutlich! – weiter wählen, weil ich einfach zu dumm bin, diese Gewohnheit aufzugeben.

Ein starker Mann? Nein.
Das hat noch nie wirklich geklappt, und es würde auch jetzt nicht klappen. Abgesehen davon: es ist gar keiner da.

Revolution? Nein.

Ist eine Revolution eine Lösung? Zahlt es sich aus, Fackeln zu ergreifen und Feuer an die alten Paläste zu legen?
Nein.
Das haben alle vergangenen Revolutionen gezeigt, das haben wir gerade beim arabischen Frühling gesehen, das sagt uns schon der gesunde Menschenverstand: Fett schwimmt immer oben.

Aber immerhin beruhigend zu wissen, dass sie sich ein klitzekleines bisschen davor fürchten.

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