moonrise

19/07/2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Moonrise Kingdom heißt ein außergewöhnlicher und außergewöhnlich gelungener Kinofilm von Wes Anderson. 2012 kam diese filmische Hommage an die Außenseiter, die sich vor allem durch eine beeindruckend kluge und tiefgehende Charakterzeichnung vom sonstigen filmischen Angebot wohltuend abhebt, in die Kinos. Eine Empfehlung. Eine besondere Empfehlung!

Die meisten Figuren in Moonrise Kingdom sind Außenseiter. Zunächst die beiden Hauptfiguren, der spektakulär begabte und perfektionistische, wissbegierige und lernfreudige Sam, dargestellt von Jared Gilman, und die sich ihrer Grenzen nicht recht bewusste, ebenso feinsinnige wie latent aggressive, mit Beobachtungsgabe und dramatischem Talent gesegnete Suzy, gespielt von Kara Hayward. Die beiden Kinder, denen es gelingt, die kleine Atlantikinsel, die Schauplatz ihrer jung und intensiv aufglühenden Liebe ist, nachhaltig auf den Kopf zu stellen, sind äußerst vielschichtige Charaktere.

Nicht nur sie – gleiches lässt sich auch über Suzys Eltern sagen, über den Sheriff und über den Pfadfinder-Leiter. (Frances McDormand, Bill Murray, Bruce Willis, Edward Norton), und wenn man genau genug hinschaut, zeigt jeder einzelne Bewohner dieser Insel ebenso wie der benachbarten eine liebevoll komponierte Fülle von Details, wie sie in dieser ebenso überraschenden wie verwirrenden Vielfalt höchstens das Leben selbst erschaffen würde. Durch das Abenteuer zwischen Liebessturm und Wettertosen bleibt kein Charakter des Films unverändert. Manche verlieren an Würde, alle an Sicherheit, einige gewinnen an Format und es fallen Entscheidungen, die Leben vollkommen umgleisen.

Die beiden Kinder lernen sich schon auf außergewöhnliche Weise kennen. Sie kommunizieren auf außergewöhnliche Weise und sie erleben ein außergewöhnliches Abenteuer, all dies jedoch in einem Rahmen, der zwar stets die Grenzen des Wahrscheinlichen übertritt, nie aber die des Möglichen verletzt.

„Dear Suzy.
When?
Sincerely, Sam.“

Wie immer will ich nicht spoilern. Zu sagen gäbe es mehr als genug, auch ohne entscheidende Punkte der Handlung zu verraten, doch bei einem so umfassenden Film ist es schwer, aus der Fülle der Details die richtige Wahl herauszugreifen.

Die Menschen in diesem Film sind in ihrer Einzigartikeit und ihrer Andersartigkeit allein. Sie reagieren ganz verschieden darauf. Und sie sehnen sich nach Gesellschaft, die den meisten leider nur in oberflächlichem Nebeneinander möglich ist. Nicht jeder hat den Mut, so impulsiv dem eigenen Gefühl zu folgen wie Sam, und nicht jeder das Glück, auf ein so dankbares und verständiges Gegenüber zu treffen, wie Suzy es ist. Die beiden springen, wo andere – auch wir – stehen bleiben.

Es lohnt sich, diesen berührenden, ergreifenden und inspirierenden Film in aller Ruhe und konzentriert zu genießen. Es lohnt sich auch, ihn zweimal zu sehen. Man kann damit nur gewinnen.

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