SnowWhite

07/06/2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Snow White & The Huntsman. Eine Interpretation des Schneewittchen-Themas ist im Kino. Seit ich vor Monaten den ersten Trailer gesehen hatte, wollte ich den Film sehen. Heute habe ich es geschafft. Besprechung und Empfehlung.

Pressematerial

Snow White & The Huntsman

„PG“ in Amerika und „ab 12“ bei uns fühlt sich nicht ganz richtig an. PG-13 bzw 16 würde es eher treffen. Daher haben auch die beiden jüngeren Zuseher im Saal die meiste Zeit geschwätzt und nicht recht verstanden, worum es geht.

Einige Szenen sind etwas verstörend, viele intensiv, die Musik ist sehr gute Wahl, ebenso wie das Setting. Beim Schnitt im Dunkelwald hätte man die Spur überzeugender arbeiten können, das Team vom „Dritten Mann“ könnte da ein paar gute Tipps geben.

Inhalt

Inhaltlich kennen wir uns aus, denn die Geschichte ist aus frühester Kindheit Allgemeingut: Die böse Stiefmutter neidet Schneewittchen ihre natürliche Schönheit und ihren untadeligen Charakter. Sie will den Tod des Kindes, doch es entkommt, lebt im Wald und muss sich hüten, nicht von der zauberkundigen Rivalin eliminiert zu werden. So weit bleibt auch „Snow White & The Huntsman“ dem Original treu.

Neues

Einiges ist neu: Wie der Titel vermuten lässt, wird die Statistenrolle des Jägers, der eigentlich loszieht, um Schneewittchen zu töten, sich aber in letzter Sekunde umentscheidet, zu einer tragenden ausgebaut. Er ist als rauer, echter Waldmensch ein erdendes Gegenmodell zur obligaten Noblesse von Königstöchtern und Fürstensöhnen.

A propos Fürstensohn: Der Prinz ist kein strahlender Retter, sondern eine gequälte Seele, die sich einen Moment der Machtlosigkeit über Jahre vorwirft und ihn immer wieder durchleidet und überkompensiert. Spannend, hätte mehr Screentime verdient.

Auch die Persönlichkeit der bösen Stiefmutter wird besser beleuchtet, als man das gewohnt ist. Sie zeigt einen psychologisch ausgesprochen interessanten Fall von Soziopathie unter der möglicherweise selbst für real gehaltenen Maske von Emanzipation. Die böse Königin glaubt oder gibt vor, ein begangenes und angeblich ewiges Unrecht an der Männerwelt zu rächen – allerdings ein Unrecht, das sie selbst nicht erlebt, sondern von ihrer Mentorin gelernt hat. Ein spannender Charakter, von dem man gern mehr erfahren hätte.

Ihre Beziehung zu Schneewittchen – wenn man Mord, Macht und Totschlag einmal beiseite lässt – deutet das Spannungsverhältnis zwischen Emanzen und Emanzipierten an, zwischen denen, die in einer Kampfhaltung erstarrt sind und denen, die diesen Kampf gar nicht kämpfen müssen, sondern einen ganz anderen, einen, den die ersteren nicht verstehen und ganz anders interpretieren.

Hier treffen eine Reihe von Figuren aufeinander, die sehr viel zu sagen hätten. Die Charaktere zeigen enormes Potenzial und deuten Material für mindestens eine Dreiviertelstunde mehr an. Dieses Potenzial beeindruckt, bleibt aber hinter der bildgewaltigen und geschliffen choreographierten Umsetzung zurück, so interessant die handelnden Personen sind, sie bleiben letztlich zu flach.

Was man also bekritteln kann, ist die Länge – der Film ist mit 2 Stunden und 7 Minuten zu kurz, um die Geschichte in der ihr zustehenden Tiefe zu behandeln.

Zur inneren Logik gibt es natürlich auch etwas zu sagen. Wenn jemand sein halbes Leben in einem Kerkerturm verbringt, ist er wahrscheinlich nicht mehr ganz so fit, eigentlich. Wenn jemand gerade aus einem Kanal gekrochen kommt, kann er sich aus olfaktorischen Gründen nicht mehr so leicht hinter einem Wachsoldaten vorbeischleichen. Aber seien wir da nicht so streng.

Böse Zungen haben sich im Vorfeld über die Hauptdarstellerin Kristen Stewart echauffiert. Die Frau habe nur drei Gesichtsausdrücke und sei völlig ungeeignet. Stimmt so nicht: sie hat mindestens sieben und hat sich gar nicht schlecht geschlagen – in ihr steckt mehr als ein Vampirgroupie.

Fazit: Ich spreche eine Empfehlung aus und möchte mehr Geschichten des Autorentrios Evan Daugherty (Killing Season, Rusty Forkblade), John Lee Hancock (eher schwierige Titel wie „Blind Side“) und Hossein Amini (47 Ronin, Drive, die vier Federn) sehen.

Nachsatz: Richtig aufhören

Was einige Filme nicht so gut draufhaben, stimmt hier komplett: Aufhören, wenn es passt. Eine hohe Kunst, an der viele noch zu feilen haben – die „Huntsman“-Crew hat es getroffen. Der Film endet an der richtigen Stelle, die richtigen Fragen werden geklärt, die richtigen bleiben offen.

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