Foto-Flashmob

02/06/2012 § Ein Kommentar

Foto-Flashmob vor der Villa XAIPE am Meidlinger Tor in Schönbrunn. Ein lehrreiches Event.

Ausgangspunkt war dieser Bericht im Standard:


http://derstandard.at/1336698239997/Wien-Hietzing-Chinesische-Botschaft-verbietet-Fotografieren-bei-Schloss-Schoenbrunn

Touristen wollten Schönbrunn fotografieren und ein Wachmann versuchte, sie davon abzuhalten und ihnen Angst zu machen. Sie dürften nicht fotografieren, das sei chinesisches Staatsgebiet, es seien schon Leute verhaftet worden wegen sowas. Sicherheit, blabla. Alles Quatsch. Fotografieren ist erlaubt. Sogar die Baupläne des Gebäudes sind öffentlich verfügbar, es gibt keinen Grund, wegen Touristen paranoid zu werden – und schon gar keinen, Menschen das Fotografieren zu verbieten.

Als Reaktion wurde ein Flashmob initiiert: Kommt alle hin und fotografiert das Haus. Ungefähr 150 Leute sagten zu, die chinesische Botschaft veröffentlichte einen Rückzieher, aber auch die Polizei wurde aktiv und beschloss, die Botschaft zu schützen.

http://derstandard.at/1336698419486/Fotoverbot-Flashmob-in-Schoenbrunn-angekuendigt—Chinesische-Botschaft-reagiert

http://derstandard.at/1336698494728/Wien-Verfassungsschutz-schickt-Polizei-zu-Chinas-Botschaft

Schützen? Vor gefährlichen Fotografen?
Nicht ganz. Im Forum auf derstandard.at hatten sich neben normalen Reaktionen auch ein paar Trolle wichtig gemacht, es gab die üblichen rassistischen Meldungen und die ebenfalls üblichen hasserfüllten Nazikeulen gegen die Aktion. Konkret: a) Schimpftiraden gegen Chinesen und Ausländer, Greuelpropaganda über angebliche Übergriffe hier in Österreich; jemand mit einem weiblichen Avatar-Bild behauptete, angespuckt worden zu sein. b) Aggressionen gegen Leute, die die Botschaft fotografieren wollten und der formulierte Wunsch, jeder, der das mache, solle mit Wasserwerfern niedergespritzt, verprügelt und eingesperrt werden, Schimpftiraden gegen Österreich und Inländer.

In dieser grundlos hitzigen Situation machte der Organisator des Flashmobs ebenfalls einen Rückzieher: das Ziel der Aktion sei erfüllt, Entwarnung, Flashmob gibts nicht mehr und er sei auch nicht mehr der Veranstalter und distanziere sich.

Er hatte nicht ganz Unrecht. Angenommen, es würden wirklich ein paar Spinner aufkreuzen und Blödsinn machen, würde man womöglich ihm die Schuld zuschieben.

Sah ich aber nicht ganz ein.
Warum diese aufgeheizte Atmosphäre?
Reality-Check: Es ging immer noch um einfache Fotos!!
Ich fuhr also hin.

Auf dem Weg zum Ort der Handlung fielen mir dann auch schon die einen oder anderen Figuren auf, die durch ihr Outfit, ihr Equipment und/oder ihr Verhalten so ein klein wenig nach Flashmob-Teilnehmern aussahen – meist erwies sich das auch als richtig.
An Ort und Stelle standen drei entspannte Polizisten und zwei Polizeiautos herum, und ein gemütlicher Haufen Menschen zückte ab Punkt 12 Uhr Kameras und lichtete das Gebäude ab.
Das fiel auch Passanten auf, die sich wunderten, was denn da plötzlich in die ganzen Leute mit Kameras gefahren sein mochte. Klassisch Flashmob.


Man machte eine Anzahl Bilder aus verschiedenen Richtungen, dann löste sich die Versammlung auf. So ist das mit Flashmobs: man verabredet sich zu einer besonderen Aktion, führt diese durch und geht – anschließend sieht die Szene so aus wie vorher.

Dass das so harmlos ist, wissen anscheinend auch die Mitarbeiter des Standard nicht – sie zeigten sich in der Nachberichterstattung enttäuscht, dass zu wenig los war. Vielleicht hätte es ihnen besser gefallen, wenn Hunderte von Vermummten über den Zaun geklettert wären oder brüllende Randalierer Autos angezündet hätten. Und sie bezeichneten den Flashmob als Demonstration.

http://derstandard.at/1338558477567/Foto-Flashmob-in-Wien-Wenige-Demonstranten-vor-Chinas-Botschaft-in-Schoenbrunn

Auch die Hater und Aggros waren wieder aktiv:


(Schon wieder angespuckt? Wieder dieselbe, sonst niemand? Ich will nichts unterstellen, ich habe die Dame dort aber nicht gesehen)

Die Lehren:

1) Bitte merken: Ein Flashmob-Teilnehmer ist kein Demonstrant, und Fotografieren ist keine Gewalt.
2) Fotografieren ist in Österreich überall erlaubt.
3) Man soll nicht alles glauben, was irgendwer irgendwo hinschreibt. Wer dabei ist, erlebt alles ganz anders als die Ideologen und Eiferer aus der Ferne.
4) Haters gonna Hate.
5) Flashmobs are fun.

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