Blogrenaissance

02/05/2012 § Hinterlasse einen Kommentar

Zur re:publica nach Berlin hätte ich es mal geschafft. Das Programm ist dicht und verlangt die Bereitschaft zum Verzicht. 8 Bühnen und ein Open Space kämpfen um die Aufmerksamkeit von 4.000 Besuchern.

270 Sessions in 8 Panels, drei Tage lang. Ich habe viel gesehen und gehört, war brav in mehr Sessions, als ich zählen kann und habe auch viel mitgeschrieben und das eine oder andere gefilmt.

Hier nur einige Highlights.

Was habe ich im ersten Rumpfbeitrag versprochen?

„Es wird um den Gottseibeiuns der Social Media Szene, Sascha Lobo, gehen, und um Twitterfriedhöfe, Theater und Märchen, aber auch um Afrika und Sex.
So breit und noch viel breiter ist die Themenpalette bei der re:publica nämlich aufgestellt.“

Das müssen wir jetzt natürlich einlösen.
Also hier einige Streiflichter der re:publica, nicht annähernd vollständig, aber zumindest ein Eindruck, in dem alle Schlüsselwörter von da oben vorkommen.

Sascha Lobo

Der Mann hat viele Fans und wird sehr bewundert. Trotzdem kann er etwas. Sein Vortrag war mehr oder weniger beliebig zusammengestellt und doch sowohl motivierend als auch überzeugend. Bloggt! Macht 2012 zum Jahr der Blogs!
So wünscht sich das Sascha Lobo, und recht hat er. Denn es ist Fakt, dass nichts uns selbst gehört als das, was im eigenen, selbst gehosteten Blog steht. tumblr, instagram, das sind nur die ersten. Twitter selbst will ja jeder kaufen, Facebook geht an die Börse, und Google hat ohnehin eine lange und illustre Tradition eingestellter und gelöschter Services. Yahoo braucht man da gar nicht mehr zu erwähnen, ich tue es trotzdem: Geocities? Erinnert sich noch jemand?

Also, ja, verdammt. Machen wir 2012 zum Jahr der Blogs!
Und bringen wir ein paar von diesen Narrativen auf die Schiene, okay?

Twitterfriedhof

Die Österreich-Delegation bei der re:publica, Fleisch geworden in Form von @digiom und @TheSandworm boten einen Überblick über die Online-User im Wandel der Zeit – Zielrichtung Mobile.

Das vorgestellte Tool – der Twitterfriedhof – wird mein Herz nicht erobern, aber er wird sein Publikum finden, und er erfüllt ja seinen guten Zweck im Kampf wider die Zensur, diesfalls die Selbstzensur. Man kann dort Tweets, die man sonst aus Selbstschutzgründen löschen müsste, anonym der Welt schenken. Wenn man einmal zehn Minuten am perfekten 140-Zeichen-Erguss gefeilt hat, verlockend.

Und ein gutes Motto war auch dabei: „Omnia mea mecum porto“; das stimmt nicht erst mit Cyberpunk, das zieht sich durch von den römischen Legionären direkt bis zu mir mit meiner hässlichen Umhängetasche voller Kabel und Geräte.

Theater und Märchen

Ein paar Typen haben über zensierte Märchen gesprochen. Guter Ansatz, interessantes Thema, aber die falschen Typen. Sie haben die ganze Sache ins Lächerliche gezogen und ständig mit halblustigen Witzen unterbrochen.
Schade.

Afrika

Afrika. Der schwarze Kontinent. Was wissen wir darüber?
Ziemlich wenig.

Afrika hat 1,2 Milliarden Einwohner, aber recht wenig Platz in den Zeitungen. Der Platz, der genutzt wird, behandelt Coups, Kriege, Hunger, Seuchen und Öl.
Dass das alles passiert, ist wahr.

Dazu kann Afrika aber natürlich noch mehr. Und zwar nicht nur Safaris.
Zum Beispiel wird in Kenia mobil bezahlt, auch ohne Google Wallet. Wir kennen dazu schon einen Vortrag von @_alexoswald. Hier ist er.

Mark Kaigwa kommt aus Nairobi und übernahm die Vermittlung innovativer Ideen aus Afrika sogar noch authentischer.
In Afrika gibt es StartUps wie in Europa auch, und durch die Umstellung von Landlines auf Mobile macht der Kontinent gerade einen Sprung nach vorn. Was Europa mit stationären PCs angefangen und nun auf mobile Lösungen übertragen hat, hat auch Afrika beobachtet. Kabel gibt es nicht so viele dort, aber Mobiles sehr wohl, und kreative Köpfe auch.

Sex

Ja, Sex. Woher lernt man Sex? Die Glücklichen durch Ausprobieren, die Alten durch mehr oder weniger geeignete Bücher, und die Jungen: durch Pornos.
Vielleicht nicht optimal, findet Cindy Gallop, und vielleicht hat sie da nicht ganz unrecht. Mit MakeLoveNotPorn.com will sie gegensteuern und zeitgemäße Aufklärung bieten, die nicht verletzt und keine blödsinnigen Phantasien zur Norm definiert. Kann man unterstützen – tun aber nicht so viele.
Die Idee gewinnt an Überzeugungskraft, wenn man sich die Pornos vorstellt und darüber nachdenkt, dass sie den Heranwachsenden die Welt erklären. Noch eine Idee gewinnt an Überzeugungskraft: selber die Kinder vernünftig aufklären.
Aber Warnung: verlangt Engagement und Interesse an der Zukunft der Kleinen.

Bonus: Überwachung

Zwei ganz starke Themen auf der re:publica, die ich nicht übergehen möchte, waren Urheberrecht und Überwachung. Wo sind unsere Daten, was passiert damit, wer hat sie und gehören sie überhaupt noch uns?
Eben Moglen von der Columbia University hatte dazu einiges zu sagen – und Sascha Lobo hat darauf aufgebaut, sein Aufruf zum Jahr der Blogs war ja eingangs schon Thema.

Fazit:

Da war natürlich noch weit mehr, sehr viel mehr, aber kommen wir zum Abschluss: Beeindruckende Organisation. Die Helfer und Helferinnen waren allgegenwärtig aber nicht aufdringlich, sogar die Security war konstruktiv, und das kann man von den wenigsten Securities behaupten. Das WLAN hat nicht wirklich funktioniert – geschenkt! Das ist doch bei allen echten Onliner-Konferenzen so und darf bei 4000 Besuchern mit 8000 Geräten nicht wundern.

Dafür war alles andere bestens, genug Platz, genug Strom, genug Essen und Trinken, eine Fast-Lane beim Eingang, friedliche Stimmung, funktionierende Technik und überraschende Einfälle wie eine Open-Air-Grillage am Abend.

Chapeau re:publica 2012. Ich möchte nächstes Jahr wieder hin.

Und ja: bloggt!
BLOGGT!

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