Lean

07/04/2012 § Hinterlasse einen Kommentar

4. April 2012, abends. Lean Startup Vie im Sektor 5. Zig Besucher von Startups, aus dem Umfeld von Startups oder Besucher mit Interesse am Thema, drei kurze, schnelle Vorträge und eine offene Diskussionskultur.

Der Sektor 5 ist bekannt: Einer der großen (mit 580 qm Arbeitsfläche, btw) Co-Working-Spaces, die in Wien in den vergangenen Jahren entstanden sind, die sich etabliert haben und die dafür sorgen, dass diese an sich mit einem ziemlichen Bremser-Image geschlagene Stadt trotz allen Grants und aller Angst vor dem Anderssein als Startup-City gehandelt werden kann, ohne dass man rot dabei werden muss. In dem U-förmigen Kreativ-, Code- und Arbeitsraum Sektor Fünf haben namhafte Unternehmen das Licht der Welt erblickt oder den Launch ins Internationale vorbereitet, hier wurden erinnerungswürdige, quasi „awesomme“ Partys gefeiert, hier wurde, im Kleinen, aber, ja, doch, Geschichte geschrieben. Und dabei ist er erst vor anderthalb Jahren eröffnet worden.

Name Dropping

Im vorderen Bereich, in Hell’s Kitchen quasi, wurde nun also das Thema „Lean Startup“ behandelt. Von berufenen Sprechern: Andreas Klinger, als Garmz-/Lookk-Grande einer der österreichischen Superstars und alter Hase der jungen Unternehmerszene, von Thomas Schranz, CEO des noch frisch erblühten blossom.io und Lukas Fittl, als Co-Founder von Soup.io ebenfalls ein Superschwergewicht im Who is Who der heimischen Startupper und derzeit efficient-clouder.

Lean Startup

Lean Startup, was ist das?
Lean Startup ist eine Methode, das eigene (kleine) (junge) (noch wackelige) Unternehmen sicher durch die Untiefen und Stürme der Wirtschaft zu steuern. Möglichst sicher! Denn richtige Sicherheit, das bombensichere Erfolgsgeheimnis quasi, das gibt hier jeder zu, ist ein Märchen.
Die Prinzipien des Lean Startup, laut theleanstartup.com, sind:

1) Unternehmer sind überall – dafür brauchts keine Garage.
2) Unternehmer sind Manager – raus aus der Fachspezialisten-Box.
3) Gesichertes Lernen – offene Fragen schon vor der Beta klären.
4) Innovations-Buchhaltung – zum Coolen gehört auch das Langweilige.
5) Bauen, Messen, Lernen – Feedback suchen, ernst nehmen, einarbeiten.

Das klingt nach keinen Revolutionen, und die Lean Startup Apostel sind die ersten, die ganz klar sagen, dass es hier nicht um geheimnisvolle Zaubersprüche geht, sondern ganz einfach um möglichst effektive no-nonsense Praxis.

Einführung

Die Einführung unternahm Andreas Klinger. Blitzschnell hingeworfene Sätze, harte Ansagen, starke Sprüche, mit denen er sicher stellt, dass keiner im Publikum auf die Idee kommt, er könnte mal zwischendurch seine E-Mails checken oder tagträumen:
Du bist ein Startup-Gründer? Du bist erledigt. Dein Unternehmen wird scheitern, wegen der Fehler, die du machen wirst. Geld kann dich töten. Was du zu wissen glaubst ist Quatsch. Lass die Finger von den Fördertöpfen. Lass dich nicht im Land festnageln – go international! Go London! Go New York!
„Sorry for talking too fast“ steht manchmal in der Präsentation.
Macht nichts. Man weiß trotzdem, worum es geht:
Vermeide „if“s, vermeide „and“s, konzentrier dich auf eine einzige Sache.
Arbeite kundenzentriert. Arbeite schlauer, nicht härter.
Und miss deinen Erfolg. Miss ihn, bis es wehtut, und miss ihn anders als die anderen: miss nicht die Facebook-Freunde oder die Standard-Zahlen aus dem Lehrbuch, miss ihn auf dich zugeschnitten, miss was du brauchst, miss was für dich, deine Firma, dein Produkt, wirklich entscheidet.

Und eine Leseliste.

Kanban

Während das unvorbereitete Publikum noch versuchte, diese Lawine an Eindrücken herunterzuschlucken, stellte Thomas Schranz von Blossom.io Kanban vor. Verwirrender Satz? Moment.
Es geht um Kanban.
Das ist eine sehr einfache (und wir wollen einfache Dinge) Projektmanagement-Methode.
Auf einer Art Übersichtstafel sind alle laufenden Projekte verzeichnet, und sie sind jeweils einem Teammitglied zugeordnet. Wie der Name der Tafel schon sagt: Übersichtlich.
Farben und Symbole zeigen Details an, die Anzahl der offenen Threads vermittelt eine Information.
Letzten Endes bedeutet der Einsatz dieser einfachen Methode eine laufende, glasklare Dokumentation der aktiven Prozesse. Mit anderen Worten: Klarheit.
Richtige Anwendung würde bedeuten: Keine Kommunikationsdefizite, schnelles Gegensteuern bei Fehlentwicklungen und Konzentration aufs Wesentliche.

Etwas unklar, was dieser Absatz sagen soll?

Wir sprechen von einer „Feature Pipeline“. Ein Projekt, aufgegliedert in einzelne Schritte, mit klar sichtbaren Verantwortlichen und offen angezeigten Problemen. Jeder kann jederzeit nachvollziehen, wo wer und was steht.

Koordination und Sicherheit für Startups und offene Unternehmen.
Der Tod für die Geheimniskrämerei in korrupten und verbogenen Großkonzernen.
Beides sehr schön.
Aber natürlich nichts für Banken, Parteien und Geheimdienste.

Costumer Development

Lukas Fittl, laut Plan eigentlich der Zweite onstage, hatte schließlich seine Slides in Ordnung. Auch er so ein Schnellsprecher, nicht ganz so dramatisch, aber immer noch genug Information in so knappem Rahmen, dass keine Zeit zum Twittern und Facebooken bleibt.
Er setzte fort, wo Andreas Klinger unterbrochen hatte – bei der Ansprache der Kunden.
Erfolg für das Startup bedeutet schließlich am Ende nichts anderes als glückliche Kunden.
Nur, wie macht man Kunden glücklich?
Indem man, pardauz: mit ihnen redet.
Wer sein Unternehmen gründet, hat ein Produkt oder Service im Kopf. Er glaubt, dieses Produkt oder Service sei der Hit. Und dann setzt er das um.
Fehler!
Denn ist das wirklich der Hit?

Vor der Produktion gilt es also, die Kunden zu finden. Die Zielgruppe anzusprechen, und zwar in Person. Und sie zu fragen.
Aber nicht fragen im Sinne von: Ich mache jetzt diese coole neue Plattform, würdest du sowas nutzen? Sondern vorsichtig. Nichts vorgeben. Nicht beeinflussen. Kommen lassen. Reden lassen. Übersichtlich mitschreiben. Themenkreise in geeigneter Weise organisieren.
Und dann womöglich in den sauren Apfel beißen und feststellen, dass die genialen Extras, auf deren Konzept man so stolz ist, keinen müden Hund hinter dem Ofen vorlocken.
Aber besser jetzt als zu spät.

Und gecodet wird erst am Schluss.

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