Knie

11/03/2012 § Ein Kommentar

Circus Louis Knie. Eine Marke – jeder hat schon davon gehört, viele haben ihn gesehen. Mir hatten ein paar Besuche zu viel bei ATA (Artisten, Tiere, Attraktionen) damals vor ewigen Zeiten das Konzept „Zirkus“ versaut, daher war ich schon ewig nicht mehr. Nun wurde ich eingeladen. Ein Erfahrungsbericht.



Louis Knie-Plakate kennt man. Jetzt hängen sie wieder überall in Floridsdorf, denn bis 25. März gastiert er zwischen Friedhof und Sportplatz, zwischen Bernreiterplatz und Ödenburger.

Ich kenne die Ecke. In dem Gestrüpp dort haben seinerzeit die Sandler unter behelfsmäßigen Dachschrägen aus alten Brettern gehaust. Das Gestrüpp ist teilweise gerodet und dient nun den Tieren des Circus Louis Knie vorübergehend zum Auslauf, davor erhebt sich das weiß-rote Zirkuszelt und einige Vorzelte, daneben finden noch Wohnwägen und Anhänger Platz – erstaunlich, wie viel Zirkus auf so einem ungenutzten Flecken Erde unterkommt.

Gruppenveranstaltung

Wir sind zu zehnt. Eine kleine Herausforderung an die Logistik, natürlich kommt ein Drittel ganz früh, ein Drittel so halbwegs rechtzeitig und ein Drittel zu spät. Die Karte lautet auf 10 Personen und ist nur ein Stück Papier. Schlecht.

Flexibilität

Das Personal des Circus Louis Knie ist knieweich genug, die ersten beiden Drittel schon einmal reinzulassen und Plätze zu besetzen. Großes Plus für diese von Veranstaltern sonst ganz ungewohnte Flexibilität.

Freie Platzwahl

Drinnen herrscht freie Platzwahl, daher ist es günstig, wenn man nicht ganz knapp kalkuliert; ideal, wenn man 30 Minuten vor der Zeit da ist.
Aber es ist auch tatsächlich viel Platz. Daher ist es nicht ganz so wild, dass das erste Drittel der Gruppe hilflos mit ansehen musste, wie sich ein dichter Menschenstrom ins Zelt wälzte. Die „guten“ Plätze sind zwar alle weg, aber es sind noch immer eine ganze Menge „ziemlich gute“ übrig. Wir schnappen uns zehn.

Ein „Botschafter“ wartet auf die Langsamen, der Rest macht sich breit und taucht ein in die Zirkusatmosphäre. Ein Clown hält die Wartenden mit aller Kraft bei Laune und lässt es doch recht locker aussehen. Scheinwerfer tauchen Manege und Zeltwände in verschiedenfarbige Lichtmuster.

Es geht nicht ganz pünktlich los, auch wer zu spät kommt, kommt noch vor Startschuss.

Programm

Das Programm ist recht vielseitig – es sind, nach dem gelungen mysteriösen Entrée durch eine Art tanzendes Röhrenmonster – die üblichen Verdächtigen da, Jongleure, Klettermaxen, Tierbändiger und Clowns, sie machen auch weitgehend das Übliche, aber das Programm ist trotzdem nicht von der Stange.
Es gibt einen menschlichen Faktor, der dem ganzen Auftritt Charme verleiht.

Charmant

Dazu zählen Patzer in der Nummer, die nicht stillschweigend unter den Teppich gekehrt, sondern auf Null gestellt und sauber wiederholt werden. Dazu zählen auch recht außergewöhnliche Dressurnummern mit Protagonisten, die witzig sind statt wild. Dazu zählt auch der Clown, der relativ viele Auftritte hat, das Publikum einbindet und bei Kindern wie Erwachsenen mit denselben, universell verständlichen und stumm dargebrachten Streichen punktet.

Tatsächlich muss ich zugeben: für einen, der im Normalfall recht sparsam mit Applaus umgeht und lieber Notizen in seinen Schreibblock kritzelt, habe ich meinen Schreibblock ziemlich schnell in die Tasche wandern lassen, dafür hatten die Handflächen ziemlich häufig Kontakt.

Tiere

Auf die Behandlung der Tiere ist man bei Louis Knie offensichtlich stolz. Der Circus hat von irgendwo eine „Note 1“ für Unterbringung und Pflege der Tiere erhalten und erlaubt hemmungslos den Zutritt zu den Gehegen. In der Pause strömt denn auch ein Großteil der Zuschauer hinaus und bestaunt, befüttert und berührt Kamele und Mini-Pferde, was das Zeug hält.

Man muss es sagen: Die Tiere wirken, mindestens fürs Laienauge, tatsächlich gesund und zufrieden, sie haben wirklich Auslauf und sind offensichtlich guter Dinge. Im gemeinsamen Auftritt von Mensch und Tier entsteht der Eindruck: die Mitglieder des Circus Knie mögen einander. Sie passen zusammen.

Sideshows

Fotos, Streicheleien, Tierfutter und Menschenfutter gibt es genug, und alles kostet extra. Ist verständlich, so ein Zirkus braucht Geld zum Leben, und der Circus Louis Knie ist da selbstredend keine Ausnahme.
Man bekommt, das muss gesagt sein, für sein Geld etwas geboten.
Wenn dann das Foto-Team nicht gerade extra während der Vorstellung zwischen den Reihen herumirren und Blitzbilder knipsen würde, sondern sich auf die Pause beschränken würde, wäre der ganze Zirkusbesuch perfekt.

Fazit: Eine Empfehlung.
Hingehen und anschauen, der Circus Louis Knie heilt vom ATA-Trauma.

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§ Eine Antwort auf Knie

  • ahabicher sagt:

    Schade: Die angesprochenen Patzer gehören fix dazu. Die passieren immer, und immer gleich. Also doch perfekter Teflon, Kunstfassade und schöner Schein.

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