Entsolidarisiert

15/12/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Die Presse publizierte heute das Fazit aus einer Jugendstudie, durchgeführt vom Institut für Jugendkulturforschung in Wien unter 16- bis 19-Jährigen. Die Jugend von heute sei ausländerfeindlich und ichbezogen, gefühlskalt und asozial, heißt es.

Kurze Zitate aus dem Artikel:

Sozialromantik war gestern: Den meisten Jungen geht es um die eigene Karriere, Zukunftsangst inklusive.

Fast die Hälfte der jungen Wiener (43,6%) findet, dass „in diesem Land schon viel zu viele Türken leben“. Für 18,2% haben „Juden nach wie vor zu viel Einfluss auf die Weltwirtschaft“. Und mehr als jeder Zehnte (11,2%) stimmt der Aussage, Adolf Hitler habe für die Menschen auch viel Gutes getan, zu.

…den Großteil der heutigen Jugend als „kühle, amoralische Unternehmer ihrer selbst. Für sie sind die anderen Menschen keine Mitmenschen mehr, sondern Mitbewerber.“

„Bildung wird als Möglichkeit gesehen, aufzusteigen und die Gesellschaft zu sortieren“, so Heinzlmaier. Jeder Zweite findet, dass man ohne Matura auf dem Arbeitsmarkt „nichts wert“ ist.

Was soll man dazu sagen?
Das ist wohl wirklich die Stimmungslage.

„Geht’s der Wirtschaft gut, geht es allen gut.“

Und es braucht nicht zu verwundern. Schließlich wird den Kindern und Jugendlichen heute an jeder Ecke und jedem Ende die Doktrin eingehämmert: sei eine Ich AG. Sei nützlich für die Wirtschaft. Setz dich durch. Gewinne. Verdiene Geld. Verdiene noch mehr Geld. Trample deine Feinde in den Staub.

Was sonst soll aus dieser Weltsicht erwachsen wenn nicht der Eindruck, jeder von uns sei ein Einzelkämpfer und müsse zusehen, wo er oder sie bleibt, müsse stark sein, vor allem stärker als die anderen.

An die eigene Nase fassen

Und bevor hier jemand auf die Idee kommt und traurig den Kopf schüttelt über das Schicksal dieser armen Jungen, oder über die Boshaftigkeit dieser blöden Jungen, was auch immer, dann wird es Zeit für einen langen, ernsten Blick in den Spiegel.

Dieser Bursche, dieses Mädel da im silberbedampften Glas: Wie ist er? Was denkt sie? Will sie es schaffen? Will er der Gewinner sein? Würde er sich für andere aufopfern?
Wohl kaum.
Warum denn auch? Es opfert sich doch für ihn auch keiner auf!
Wer würde es ihr danken?
Die Nachbarin? Ha!
Gott? Hahaha!

Vorbildwirkung

Nein, diese Jugendstudie betrifft nicht nur die Jungen. Sie betrifft zuallererst die Leute, von denen die Jungen sich das abschauen.

Advertisements

Tagged:, , , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Was ist das?

Du liest momentan Entsolidarisiert auf misoskop.

Meta

%d Bloggern gefällt das: