Gaddhafi

23/10/2011 § Ein Kommentar

Gaddafi. Ghadafi. Gaddhafi. Khadafi. Khadhafi. Wie – auch – immer man das auf Deutsch nun korrekt schreiben soll. Der Mann ist tot, sein Land wird von den „Rebellen“ regiert. Sein Todesvideo gibt es hier nicht zu sehen. Nur ein paar Gedanken zu den weltweiten Reaktionen zu lesen.

Wie Gaddhafi gestorben ist, wissen wir in groben Zügen: Die Franzosen haben seinen Wagenkonvoi gesehen und bombardiert, er hat sich in ein Wasserrohr geflüchtet, die Rebellen haben ihn entdeckt, gefangen und getötet.

Damit könnte eine schillernde Diktatorenkarriere ganz einfach vorbei sein, und das ist sie auch. Sein Ende passt auch zum Auftakt der Revolution – vergessen wir nicht, dass er mit Kampfflugzeugen gegen Demonstranten vorgehen ließ.

Aus Europa hört man dazu nun betroffene Floskeln – einen Menschen so einfach töten, ja muss das sein? – und moralische Belehrungen – bitte vor ein ordentliches Gericht, nicht einfach töten.
Aus den USA hören wir das fröhliche Gelächter von Hillary Clinton, die Gaddhafis Tod zunächst einmal ausgesprochen erheiternd findet.
Aus Asien hört man – nichts.

Die asiatische Reaktion finde ich in diesem Zusammenhang absolut angebracht. Es handelt sich um eine politische Entwicklung in einem nordafrikanischen Land, wie die Menschen dort mit dem Unterdrücker der vergangenen zig Jahre umgehen wollen, ist zunächst deren Sache.

Die amerikanische Reaktion finde ich geschmacklos und primitiv. Sie zeugt von einer Missachtung menschlichen Lebens, wie sie sehr gut zu einer Nation passt, die sich an der Todesstrafe festklammert, als sei sie ein Rettungsring im Meer des Chaos, obwohl nur die am kreativsten gefälschten Statistiken aus der Todesstrafe irgendeine sinnvolle Wirkung abzuleiten verstehen. (Ausnahme: Das Gefühl der Befriedigung, eigenes erlittenes Leid auch anderen zuzufügen; wenn auch mit einem schalen Geschmack, den feig hinter einer Glasscheibe zu sitzen und zuzusehen, wie andere das Hassobjekt töten ist nichts, auf das man stolz sein kann.)

Die europäische Reaktion ist typisch, peinlich und weltfremd.
Revolutionen fordern Blut, Nummer eins. Selbst als das Licht der Aufklärung am strahlendsten geleuchtet hat, kam auch in Europa keine Revolution ohne Blutvergießen aus. Ein Gewaltherrscher ist nun einmal nur mit Gewalt zu stürzen, es sei denn er zöge sich freiwillig zurück, was ja durchaus mal vorkommen mag. Das war aber bei Gaddhafi nicht der Fall.
Auf getürkte Schauprozesse können wir gern verzichten, Nummer zwei. Dass Rumäniens Diktator Nicolae Ceaușescu und seine Frau vor ihrer unausweichlichen Ermordung ein paar Stunden lang angeschrien wurden macht ihre Tötung um nichts legitimer. Sehen wir der Sache ins Auge: sie mussten sterben. Hätte man sie gleich getötet, wäre das sogar menschlicher gewesen als diese Farce.
Gleiches gilt für den „Prozess“ gegen Saddam Hussein. Also weg mit der Moralkeule.

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