Räuberpistole

16/10/2011 § 2 Kommentare

Bombenattentat vereitelt. Das hören wir so oft, das sind wir wirklich gewohnt. Theoretisch wird allmonatlich ein Bombenattentat im „Westen“ geplant und vor der Tat aufgedeckt. Wir nehmen es mit Achselzucken hin. Aber das „aktuelle“ – das „iranische“ in den USA – schmeckt schal. Noch schaler. Denn die USA haben ihre Glaubwürdigkeit schon im Irak verbrannt. Gefragt ist jetzt: eine schlüssige Theorie.

Erstens ist es nun einmal so, dass es mehr braucht als einen neuen Präsidenten, ehe man einem Land eine zweite, halbgare „Smoking Gun“-Story abkauft. Dass zuletzt fast die ganze Welt auf eine platte Cheney/Powell-Powerpoint-Präsentation von den „WMD“ im Irak hereingefallen ist, ist peinlich genug, um nicht so schnell in der Erinnerung zu verblassen.

Zweitens ist die aktuelle Story nun einmal das: halbgar.

Mexiko-Connection

Ein patscherter Iraner soll im Auftrag seines Cousins, angeblich einem hohen Tier im Iran, einen Haufen mexikanischer Drogengangster dafür bezahlt haben / bezahlt haben wollen, einen Anschlag auf den saudischen Botschafter in den USA durchzuziehen.
Sie wenden sich an einen „Gangster“, aber der ist ein DEA-Spitzel.
Alles fliegt auf.
Und die USA wollen den Iran dafür zur Verantwortung ziehen.

Schauen wir uns die Sache mal an:
1) Den saudischen Botschafter. Wie heißt der Bursche? Adel Al-Jubeir. Irgendein Gesicht. Karrierediplomat seit 1987. Nichts weiter als ein Saudi. Tötet man ihn, wird ein anderer entsandt. Sehr nachhaltig.
2) In den USA. Die USA, die ohnehin auf eine Gelegenheit warten, dem Iran eins überzuknüppeln, wütend machen. Und zugleich die Saudis und die USA als verwundete Brüder durch einen einzigen Anschlag zu einer ehernen Allianz zusammenzuschmieden. Sehr sinnvoll.
3) Mexikanische Gangster. Zugegeben: Die Erfolgsbilanz arabischer und auch persischer Kämpfer ist nicht eben berauschend. Ich bin sicher, zwischen Jerusalem und Tel Aviv lacht man täglich über die „Bedrohung“ durch ungebildete „Kämpfer“, die Metallrohre mit der Bezeichnung „Rakete“ irgendwo in die Wüste schießen, in der vagen Hoffnung, sie mögen irgendwem auf den Kopf fallen. Trotzdem sind mexikanische Drogenhändler nicht unbedingt ein Aufstieg. Die richten zwar durchaus grausige Bluttaten unter Bauersfrauen in der Wüste an und köpfen auch hin und wieder ein paar Polizisten, aber ein politisches Attentat? In den US of A?

Glaubwürdigkeit

Wäre die Cheney-Aktion nicht gewesen, wir würden es bestimmt eher glauben. Aber die Cheney-Aktion war nun einmal. Wenn wir das nächste Mal etwas glauben sollen, braucht es mehr als ernste Blicke und bunte Bilder – dann braucht es richtige Beweise, die auch vor einem anderen als einem patriotischen, amerikanischen Gericht bestehen können.

Auf der anderen Seite sind die Amerikaner immer noch ein bis zu einem gewissen Grad zivilisiertes Land, und Obama ist Obama. Er ist doch anders als Dick Cheney! Oder?

Optionen

Gehen wir mal die Möglichkeiten durch.

Können wir annehmen, dass alles wahr ist und der Iran diesen komischen Typen wirklich in Amerika umlegen wollte?
Lächerlich. Das kann einfach nicht wahr sein. Ein Wächterrat, der so beknackt ist, könnte niemals ein so großes Volk unterjocht halten. Wir müssen der iranischen Regierung ein Minimum an Intelligenz zuerkennen, und schon dieses Minimum schließt einen Plan wie dieses Attentat aus.

Können wir annehmen, dass die USA so dumm sind, sich diesen durchsichtigen Quatsch auszudenken und zu glauben, dass wir ihnen die Geschichte abkaufen?
Nun ja, nicht unmöglich. Aber auch nicht sehr wahrscheinlich. Ich glaube es nicht. Die USA können mehr. Aber: Lassen wir es widerwillig als Option dritter oder vierter Wahl offen.

Können wir annehmen, dass sie solche Säcke sind und „Haupttäter“ Arbabsiar und/oder seinen Cousin unter falscher Flagge selbst auf diese alberne Idee gebracht haben, um den Iranern vor den Bug zu schießen?
Nun ja, sie wären nicht die ersten. Und es wäre auch für sie nicht das erste Mal. Wir müssen auch diese Option widerwillig offen lassen. Sie ist wahrscheinlicher als die andere. Aber wir wollen sie nicht glauben.

Was fällt uns noch ein?

Können wir annehmen, dass dieser Bursche Arbabsiar und/oder sein Cousin selbst auf diese blöde Idee gekommen sind und ihre Vorgesetzten in Teheran damit stolz überraschen wollten?
Hmmmm.
Ja.
Ich stelle mir eine durchzechte und kokshaltige Nacht vor, mit lauter Musik und Nutten. Und irgendwann mittendrin, nackt mit Nudelsieben auf dem Kopf Sirtaki tanzend, brüllt der eine dem anderen zu: „Was hältst du davon, wenn wir diesen komischen Saudi umlegen?“
Sie lachen und feiern weiter.
Am nächsten Tag haben sie einen Kater und rote Augen, sie haben fast alles vergessen, aber diese eine blöde Idee ist hängengeblieben.

Ja. Fehlgeleitete Eigeninitiative.
Das klingt doch realistisch.

Das passt in eine Welt voller Lobbyisten auf EU-Abgeordnetenplätzen, voller ÖBB-Inserate aus dem Kanzleramt und voller Kriege, durch die bis dahin nur mittelmäßig bekannte Konzerne – Halliburton, Blackwater – zu „Playern“ von Weltbedeutung werden. Das passt perfekt auch in den Nahen und Mittleren Osten.

Das ist bis zum schlüssigen Nachweis einer Alternative meine Theorie.

Oder hat jemand eine bessere Idee?
Ich bin für jeden Vorschlag offen.

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