Bildungsbegehr

24/08/2011 § Ein Kommentar

Mein Lehrer, mein Feind. So sieht das Verhältnis zwischen Schüler und Lehrer viel zu oft aus. Die Anfänge dieser ungesunden Einstellung erkennt man leider oft schon bei Kindern. Wenn sie dann durch ungeschickte, demotivierte oder schlechte Lehrer bestätigt werden, ist die Feindschaft zementiert. Ein Volksbegehren will da Änderungen schaffen.

Ich bezweifle stark, dass eine universitäre Ausbildung die verkrampfte Beziehung zwischen Lehrenden und Lernenden verändern würde. Sehr viel nützlicher wäre ein gesellschaftlicher Wandel. Schon wieder! Das Thema hatten wir doch schon bei den Frauen!
Trotzdem.

Und keine Sorge: Gesellschaftlicher Wandel ist nicht so unmöglich, wie man gern meint. Schließlich sind WIR die Gesellschaft. Wir Ex-Schüler, wir Lehrer, wir Kursbesucher, wir Praktikanten, wir Einschuler, wir lebenslang Lernende.

Wenn so ein Volksbegehren schon sonst nichts kann – schließlich ist sein Weg vom Abstimmungserfolg bis zur Niederschlagung im Parlament bereits vorgezeichnet – kann es immerhin an diesem gesellschaftlichen Wandel mitwirken, indem es uns auf die Möglichkeiten aufmerksam macht, die es gibt.

Denn Schule kann funktionieren.
Und Schule kann sogar ganz anders funktionieren als wir sie kennengelernt haben und zu kennen glauben. Dafür gibt es Beispiele. Und ich wage zu behaupten, dass die Privatschulen der Elite durchaus das eine oder andere Gustostückerl aus den Vorzeigebeispielen der Welt abschauen und in den Unterricht einbauen. Wenn dort auch ruppiger Frontalunterricht passieren würde, wäre die teure Schulgebühr ja auch völlig für die Katz‘.

Zum Volksbegehren selbst:

Betrachten wir einmal die geforderten Punkte dieses Volksbegehrens.

  • 1. Wir fordern ein modernes, unbürokratisches und weitgehend autonomes Schulsystem unter Einbeziehung der SchulpartnerInnen und ohne parteipolitische Einflussnahme.
  • 2. Wir fordern die Gleichstellung der Kindergärten mit den Schulen und der KindergartenpädagogInnen mit den LehrerInnen.
  • 3. Wir fordern ein flächendeckendes Angebot an elementarpädagogischen Einrichtungen (Krabbelstuben, Kinderkrippen, Kindergärten), sowie bundesweite Ganztagsangebote.
  • 4. Wir fordern ein Bildungssystem, in dem alle Kinder und Jugendlichen so früh wie möglich in ihren Talenten und Fähigkeiten kontinuierlich gefördert und in ihren Schwächen unterstützt werden.
  • 5. Wir fordern die systematische Abschaffung des Sitzenbleibens und ein Ende der Nachhilfe.
  • 6. Wir fordern ein flächendeckendes Angebot an Ganztagsschulen.
  • 7. Wir fordern ein sozial faires, inklusives Bildungssystem, in dem die Trennung der Kinder nach ihren Interessen und Begabungen erstmals am Ende der Schulpflicht erfolgt.
  • 8. Wir fordern die Aufwertung des LehrerInnenberufs und einen konkreten Finanzierungsplan für die folgenden Ziele.
  • 9. Wir fordern einen verbindlichen Ausbau- und Finanzierungsplan für unsere Hochschulen und Universitäten und die jährliche kontinuierliche Erhöhung der öffentlichen Finanzierung auf 2% der Wirtschaftsleistung im Jahre 2020.
  • 10. Wir fordern Hochschulqualifikationen für 40% eines Jahrgangs bis zum Jahr 2020.
  • 11. Wir fordern für das lebenslange Lernen (Erwachsenenbildung) eine Erhöhung der staatlichen Mittel auf 40% der Aufwendungen für die Erstausbildung bis zum Jahr 2020.
  • 12. Wir fordern ein weltoffenes Bildungssystem, das Internationalität und kulturelle Vielfalt als Bereicherung ansieht und den MigrantInnen und ihren Kindern faire Bildungs- und Berufschancen einräumt.

Das ist eine Menge Holz, durch das man sich langsam durchraspeln muss. Am besten gleich hier.
Wenn man einzelne Punkte nicht so toll findet, macht das nichts – umgesetzt werden diese Forderungen in dieser Form ohnehin nicht. Denn:

Wie es weitergeht

Das Thema muss erst mal im Parlament behandelt werden, und das noch gar nicht einmal positiv.
Ausschüsse, Änderungsanträge, Arbeitsgruppen, Kompromisse… und am Ende ein mattes Bündel von Absichtserklärungen mit einem Evaluierungstermin im Ausschuss im Herbst 2024.

An diesem Punkt ist das Volksbegehren dann gescheitert.
Was uns aber nicht abhalten soll, die diskussionswürdigen Punkte aufzugreifen und weiter im Gespräch zu halten. Schule ist ein Prozess, an dem wir alle beteiligt sind, Lehrer und Schüler, Eltern, Großeltern, Nachhilfelehrer, Erwachsenenbildner, Arbeitgeber, Nachbarn, Busfahrer und viele, viele mehr.

Wir müssen nicht DIESE Punkte durchsetzen – aber wir müssen ETWAS ändern.

Wie lernen noch gehen könnte:

Wir sehen uns bei der Abstimmung.

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§ Eine Antwort auf Bildungsbegehr

  • […] unterstelle auch, dass die Absicht hinter der absurd miserablen Bildungspolitik darin liegt, eine feudale Herrscherklasse und einen willig steuerbaren Pleb zu schaffen, um zurück […]

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