Konsensfindung

28/07/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Nur weil ein Ausflug zu zweit gut läuft und man sich dabei wohlfühlt, heißt das nicht, dass derselbe Ausflug auch zu fünft gut läuft. Linz a deux. Und Linz a cinque.

Linz ist von Wien im Grunde nur einen Katzensprung weit entfernt. Das ist den Linzern sonnenklar, in Wien weitgehend unbekannt. Zu zweit für einen Tag nach Linz zu fahren kann unterhaltsam sein. Ist der Begleiter ein Kind, darf natürlich eine Fahrt mit der Pöstlingberg- und der Grottenbahn nicht fehlen.

So geschehen im April. Nach der Fahrt durch die Zwergentunnel und dem anschließenden, ausführlichen Rundgang durch die Märchenszenerie im Keller wurde gejausnet. Es folgte ein Spaziergang durch die Landschaft rund um den Gipfel des Pöstlingbergs, dann ging es bergab und zum Ufer der Donau, noch einmal jausnen und dann das Wasser beim Vorbeifließen beobachten. Anschließend war noch Zeit fürs Flanieren in entlegenere Regionen Urfahrs (Urfahr ist das Transdanubien von Linz).

Die gleiche Szenerie in grün im Juli – diesmal mit fünf Teilnehmern. Fahrt durch die Zwergentunnel: Check. Ausführlicher Rundgang durch die Märchenszenerie: Eher flott als ausführlich. Jause? Unten. Beim Maci. Donauufer. Es wird schwierig.
Wenn einer das Wasser anstarren und einer den Tag genießen will, geht das ganz gut zusammen.
Wenn aber einer das Wasser anstarren will, einer den Tag genießen, einer klettern, einer etwas trinken und einer gar nicht hier, sondern daheim in Wien sein will, wird es knifflig, einen Konsens zu finden.

Konsens

Maximal vier abweichende Ideen lassen sich rasch problemlos unter einen Hut bringen – Nummer fünf ist schwierig, wenn man nun einmal schon in Linz ist. Das bekommen wir erst beim nächsten Mal mit ins Paket, wenn wir statt nach Linz einfach nur auf die Donauinsel fahren. Das ist näher, billiger, und alle fünf bekommen, was sie wollen.

Macchiavelli meinte, ein Gremium sei mit 15 Mitgliedern gerade noch beschlussfähig, dann sei es aus.
Wenn wir annehmen, dass er recht hatte, verstehen wir die Probleme der EU-27 besser.

Doch wie erreicht man eigentlich einen Konsens?

Der Konsens existiert als Gegenpart zum Dissens im Vertragsrecht. Damit ist die Übereinstimmung der Willenserklärungen beider Vertragspartner über die Punkte des Vertrages gemeint. Es besteht daher keine Problematik bei Entstehung als auch bei der Auslegung, wodurch der Vertrag rechtskräftig zustande gekommen ist. Da beim Konsens keine Probleme vorhanden sind, ist er nicht explizit im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelt. Er wird als Normalzustand im Vertragsrecht angenommen.

sagt die Wikipedia (heute).

Verzicht auf die Maximalforderung

Was die Fähigkeit zum Konsens auszeichnet ist die Fähigkeit zum Verzicht auf die Maximalforderung. Ein Beispiel: Ich will ans Wasser in Ruhe schreiben. Elena will in Ruhe Hausarbeit machen. Alfonsine will in Ruhe arbeiten. Also gehe ich mit den Kindern auf den Spielplatz. Der liegt zwar nicht am Wasser, aber alle können in Ruhe tun, was sie in Ruhe tun wollen, während sich die Kinder austoben. Voilá: Konsens.

Wo dieser Verzicht auf die Maximalforderung nicht funktioniert, funktioniert auch kein Konsens. Es bleiben zwei Möglichkeiten: Chaos oder Dominanz eines Anführers. Ein solcher Anführer – im Regelfall eine Ehefrau – kann durch Leadership mitreißen und überzeugen oder autokratisch Gefolgschaft erzwingen.
Leadership ist anstrengend, Autokratie unangenehm.

Wir lernen: Ein erfolgreiches System der Konsensfindung löst Probleme.

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