Googlawine

01/07/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Google Plus. Seit gestern, 30. Juni, 9:03 Uhr bin ich dabei. Diesmal wieder ein Early Adopter. Das hat mir eine ausgesprochen schöne Erfahrung beschert: Die soziale Googlawine.



Google Plus oder Google+ war nicht gleich offen, so wie es jetzt ist. Zu Beginn war nur eine Handvoll Auserwählter dabei, dann konnte man seine Freunde dazu einladen (solange sie Google-Accounts hatten). Diese Einladungen waren das schönste Beispiel viraler Verbreitung seit langem: eine regelrechte Pandemie durch ganz Europa, wahrscheinlich sogar über die ganze zivilisierte Welt, hat innerhalb eines Tages drei Viertel meines näheren sozialen Netzes infiziert, mit dem Abend dieses heutigen zweiten Tages ist praktisch niemand mehr übrig, der nicht auf Google+ unterwegs wäre. Eine ausgesprochen sympathische Welle von Einladungen und Vernetzungen, von ausgestreckten und ergriffenen Händen und von leuchtenden Augen der Begeisterung bei allen, die „drin“ angekommen waren.

Das war bald schon sehr schwierig – die Mail-Benachrichtigungen gingen fast augenblicklich nicht mehr, auch ich habe schon keine erhalten; verarbeitet wurden die neuen Meldungen aber brav, zumindest bis Mittag, dann war die Serverkapazität spürbar am Limit. Am zweiten Tag bot sich ein ähnliches Bild: Flüssige Funktion und viele neue Mitglieder am Anfang, dann immer schleppender und quälender und am Abend kam niemand Neues mehr dazu. Datenbank dicht.

Ich selbst habe mindestens 40 Leute eingeladen, die jeweils wieder zumindest 20 eingeladen haben, und diese wieder vielleicht 15… Google+ breitet sich enorm schnell aus, jeder will dabei sein, und niemand bereut es.

Dafür gibt es viele gute Gründe. Google+ ist schon jetzt ein fantastisches Netzwerk, und dabei ist es noch nicht einmal wirklich in der Beta-Phase. Wir dürfen sehr gespannt sein, was da noch alles kommt, und solange es nicht durch irgendeine Lücke zum Spammerparadies wird, kann alles, was da kommt, nur ganz wunderbar werden.

Feedbackkrake

Google+ ist noch jung und hat einige Macken, es fehlt das eine oder andere, aber die vielen Google-Fanboys und Fangirls können jetzt alle nach Herzenslust darin herumtoben und ihre Entdeckungen und Anmerkungen flugs ins Googleplex schicken – dafür gibt es rechts unten einen Feedback-Button, der gleich automatisch so viele Details über das verwendete System und den Browser ausliest, dass man praktisch nackt vor den Googlern steht – was man dann noch dazuschreibt, kann frisch von der Leber weg geschwafelt sein, die harten Fakten sind, besser als man sie je beschreiben könnte, Huckepack dabei. Datenkrakig, vielleicht. Jedenfalls klug und nützlich und einfach zu bedienen. Fehleranfälligkeit auch für ungeübteste User: Minimalst.

Unfertig und doch funktioniert alles. Es ist vollständig in die anderen Googleservices eingebettet bis hin zu dem Detail, dass das Einbinden eines youtube-Videos (YouTube gehört ja auch zu Google) besser funktioniert als das Hochladen eines Videos direkt in Google+.

Nerdistan

Zwischendurch wurde bemerkt, dass Google+ reines „Nerdistan“ wäre (Ich wünschte, ich könnte jetzt noch so genau sagen, wer den Begriff so benutzt hat… einer von den anderen Früh-Usern jedenfalls). Damit war gemeint: Die Programmierer, IT-Freaks und Technophiles sind hier und finden alles ganz einfach, intuitiv und wunderbar, aber die normalen Menschen werden bei Facebook bleiben, weil sie es kennen, und weil sie dort nichts arbeiten müssen – Friends sind Friends. Listen sind freiwillig. Bei Google+ sind die Listen rund, es sind Circles, Freundeskreise, und die müssen bewusst und manuell befüllt werden.

Ich glaube auch, sie werden bei Facebook bleiben – so wie wir Technophiles auch – aber nicht, weil sie Google+ nicht annehmen werden. Facebook bleibt Facebook, weil einfach alle dort sind. Aber Google+ hat genug zu bieten, um Zuckerberg nervös zu machen und im Lauf der Zeit auch die Gesamtbevölkerung zu überzeugen. Es wird ein ganz, ganz starker Konkurrent um Aufmerksamkeit, Werbegelder und mehr.

Zuckerberg ist auch nervös, man merkt es schon daran, wie jetzt die „fantastischen Neuerungen“ auf Facebook gleich im Sechs-Stunden-Takt in die Welt geblasen werden.
Google+ kostet wertvolle Usetime.

Zeitkiller

Das Problem hat nicht nur Zuckerberg, das haben auch wir User. Ich merke es an mir selbst. Ich bin in Gefahr, ununterbrochen im Netz zu hängen und zu google+en, zu +1en, zu sparken, zu hangouten und was nicht alles. Google+ ist kein Facebook-Killer, Facebook wird den Cut überleben. Aber Google+ ist ein Zeitkiller. Dazu braucht es gar keine Spiele, die Bedienung allein macht genug Freude, um einen anzulocken, zu faszinieren und bei der Stange zu halten.

Soweit ich das sehen kann, sind davon alle betroffen.
Google+ IST es tatsächlich: der „neue, heiße Scheiß“.

Übrigens – mit Google+ erhält auch die bisher als Totgeburt gehandelte Funktion „Buzz“ eine Daseinsberechtigung. Was man buzzt oder gebuzzt hat ist nun auch Teil von Google+. Und wer den Buzzes folgt, ist gleich mal in einem Circle.
Gleiches gilt für das +1, das am Anfang etwas gekünstelt wirkende Google-Pendant zum Facebook-Like. Gekünstelt, weil es wie dazugekleistert wirkte, fehlplatziert und, letztlich, nutzlos.
Nun ist es nützlich. Seine Heimat hat das +1 eingeholt.

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