Unarmed

07/05/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Osama bin Laden trug keine Waffe, als er von den US-Soldaten getötet wurde. Na und? Ein Aufruf gegen das Gejammer.

Von Michael Moore sind wir ja nichts anderes mehr gewohnt als Geraunze gegen die USA. Er war einmal ein Außergewöhnlicher, aber diesen Status hat er schon lange verloren. Wäre er allein, müsste man gar nichts sagen. Doch mit seiner Klage, der Westen oder die USA hätten durch die Tötung des unbewaffneten Bin Laden ihre Seele verloren, steht er gar nicht allein. Auch aus der linken Szene Deutschlands überraschen ähnliche Anwürfe nicht. Man hätte ihn festnehmen müssen, ordentliches Gericht, etc. Auch die linke Szene Deutschlands ist aber nicht allein mit ihrer Kritik. Mir scheint, der Irrglaube, man hätte den Mann fangen und ehrenvoll behandeln müssen, ist recht weit verbreitet.

Warum Irrglaube? Was ist mit den westlichen Werten, mit Demokratie, Achtung vor dem Gesetz, Gewaltentrennung und dem Anspruch, ein hehres Vorbild für die Welt zu sein?

Bleiben wir doch realistisch.

1.) zu Osama bin Laden im Besonderen.

Ab einer gewissen Hierarchiestufe läuft man einfach nicht mehr mit einer AK 74 in der Hand herum. Ab einem gewissen Alter auch nicht. Und in seinem eigenen Schlafzimmer schon gar nicht. Ein Terroristenführer hat für die Ausübung von Gewalt seine Leute. Genauso wie der US-Präsident: Auch er trägt keine Beretta am Gurt, sondern tötet mit seiner Unterschrift – das auch sehr viel effizienter als Jack Bauer.

Wobei US-Präsident an dieser Stelle ein Platzhalter für jeden beliebigen Machtausübenden im politischen Rahmen steht. Gerade Barrack Hussein Obama kann man am wenigsten vorwerfen, ein labiler Gewaltfanatiker zu sein. Nicht einmal ein Zeichen unserer Zeit ist das: Schon François Mitterand (einstens französischer Präsident) hat seine Geheimdienste damit zur Verzweiflung getrieben, dass er partout keinen einzigen der ihm vorgelegten Mordaufträge abzeichnen wollte. Das waren sie einfach nicht gewohnt, und sie mussten sich auch nicht daran gewöhnen: kaum war Jacques Chirac am Ruder, war wieder Ruhe und Frieden. Oder eben nicht. Verständlich?

Hätte man Osama bin Laden gefangen, da hätte man sich erst ein Faß aufgemacht.
Transport.
Vorwürfe schlechter Behandlung.
Besuch von Menschenrechtsgruppen.
Interviews.
Keine Interviews.
Vorwürfe schlechter Behandlung.
Ein Geheimprozess.
Oder ein Schauprozess.
Wo hätte man auch „Peers“ hernehmen sollen, die unbeeinflusst über seine Verbrechen befinden?
Und er ist nicht einmal Amerikaner.

Mit anderen Worten: Juristisch unmögliches Terrain. Gefolgt von Rachebotschaften, Racheschwüren und der Bedrohung von Amerikanern in aller Welt.
Die Alternative: Ein paar Schüsse, kurze Aufregung, Leiche verschwinden lassen, und ausgestanden.

2.) zum westlichen Auftreten in der Welt im Allgemeinen.

Doch Osama bin Laden war ja auch gar nicht allein.
Was ist mit seinem Kurier? Was ist dem Bruder seines Kuriers? Warum fragt niemand nach ihnen?
Wir kennen ihre Namen nicht.
Was ist mit den Kindern, die täglich in Bagdad sterben? Was ist mit den Kindern, die täglich in Afghanistan sterben? Was ist mit den Polizisten von Marionettenregimen in besetzten Ländern, die in ihren Kasernen in die Luft gesprengt werden oder mit den Zivilisten, die von den Kollegen dieser Polizisten gefoltert und getötet werden? Was ist, wenn schon nicht mit Gaddafis Enkeln, dann mit den Bediensteten in Gaddafis Haus?
Wir kennen ihre Namen nicht.

Was ist mit den Verhungernden, was ist mit denen, die für einen Hungerlohn unsere Turnschuhe in dreckigen Kellerlöchern zusammenleimen, damit wir von 29,95 Euro 29 dem Vermarkter, 0,90 dem Transporteur und 0,05 dem Hersteller bezahlen können, um damit herumzulaufen auf unseren glatten Straßen und unseren gepflegten Rasen?
Auch ihre Namen kennen wir nicht, ebensowenig wie die der vielen, vielen anderen Menschen, die leiden und sterben müssen, damit wir unseren Lebensstandard aufrechterhalten können.

Der einzige Unterschied ist: Wir kennen Osamas Namen.
Westliche Werte aber, die sich darauf gründen, dass wir Leute vorbildlich behandeln, deren Namen wir kennen, und jene, die wir nie zuvor gesehen haben in den Staub treten – die braucht keiner.

Also Schluss mit dem Gejammer.

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