1:0

02/05/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Obama 1, Osama 0 – so wird das „Match“ in George W. Bushs „Krieg gegen den Terror“ jetzt griffig zusammengefasst. Osama Bin Laden ist tot, getötet durch US-Einheiten bei einem Angriff auf ein Versteck in Pakistan.

Die Fakten sind praktisch Allgemeingut und gehen weltweit durch alle Medien, inklusive lustiger Side-Events wie Twitter-Nachrichten eines, letztlich, Ohrenzeugen, der sich über die tief fliegenden Helikopter wundert, ehe es kracht und nicht nur einer davon brennend in ein Gebäude stürzt, sondern auch noch zwei Dutzend Navy Seals ein Anwesen stürmen und die anwesenden Krieger oder Terrorpaten eliminieren.

Ob nun als Folge des Schlags erhöhte Gefahr für Amerikaner irgendwo herrscht oder nicht, darüber kann man diskutieren. Ich bezweifle es, schließlich ist Bin Laden schon länger nicht mehr die treibende Kraft der Szene – und die ganze Szene nicht unbedingt Spezialist für zeitnahe, konzertierte Aktionen.

Was bleibt von Osama?

Was hat der „Terror-Pate“ erreicht? Wer hat von seinem Lebenswerk, seinem Terroranschlag des Jahrhunderts profitiert? Wie hat 9/11 die Welt wirklich verändert, und woran erinnern wir uns davon?

Pentagon vs. World Trade Center

Es ist immer wieder schwer, den Anschlag aufs Pentagon mitzudenken, wenn man von 9/11 spricht. In der allgemeinen Wahrnehmung hier außerhalb Amerikas zählt das irgendwie nicht richtig. Viele Jahre lang hat man kein einziges Wrackteil des Flugzeugs zu Gesicht bekommen, was diesen Teil des Anschlags ein wenig irreal macht, und dann ist das Pentagon auch noch ein „hartes“, ein militärisches Ziel – die Definition als Terrorismus ist da nicht so ganz eindeutig zu unterschreiben.

Also New York. Wen hat der Anblick nicht gepackt, erschreckt, vielleicht sogar geschockt. Es war DER Terroranschlag, an dem seither alle Terroranschläge gemessen wurden und werden.

Aber er hat Amerika nicht geschwächt. Ganz im Gegenteil.
Die Zahl der Todesopfer verblasst zur Fußnote im Vergleich mit den unzählbaren Massen von Asiaten, die seither im Krieg gegen den Terror ums Leben gekommen sind. Nicht nur, dass amerikanische Truppen sie im Orient und am Hindukusch Reihe um Reihe niedermähen – sie sprengen einander und sich selbst auch noch selbst in die Luft. Man könnte, wollte man den Anschlag und seine Folgen als Erfolg für die Sache der gedemütigten Völker dieser Erde interpretieren, höchstens behaupten, es waren Amerikaner, und daher sei das bedeutsamer als der Tod von Irakern; aber das wäre erstens sehr offen rassistisch, und es wäre zweitens auch faktisch ganz falsch. Der Tod dieser Menschen hat außerhalb ihres privaten Bereichs nicht viel verändert, er hat nur die USA zu Hochtouren auflaufen und alles, was sich ihnen in den Weg gestellt haben mochte, niedertrampeln lassen.

Die Folgen

Die Welt heute: Afghanistan ist besetzt, der Irak erobert, der Jemen und Syrien Quasi-Pariahs, der indische Ozean dicht an dicht von Kriegsschiffen durchzogen, die Bush-Administration dank Halliburton-Beteiligungen und Regierungsaufträgen aus den besetzten Gebieten allesamt mehrfache Millionäre.
Militär und Geheimdienste sind in den USA aufs Engste verwoben, Söldner zu einer anerkannten Berufsgruppe als „Sicherheitsexperten“ aufgewertet und Geheimdienste nach ihrer Durststrecke in den 70ern endlich wieder mit dem gewohnten Image edler Streiter für das Gute und Richtige verwöhnt.

Luxus in Pakistan

Schlecht dürfte es wohl auch Osama in seinen letzten 10 Lebensjahren nicht gegangen sein. Als „luxuriös“ wird die Wohnanlage, in der er lebte, beschrieben, als „stark befestigt“ auch. Für Luxus braucht man Zugang zu Geld oder anderen Tauschwaren, und zwar zu viel davon. Für starke Befestigungen braucht man Leute, Wachen und Ausrüstung ganz speziell. Er war also immer noch eine große Nummer, auch wenn er nie mehr in Erscheinung getreten ist. Ähnlich wie ein Ex-Präsident der USA: nichts mehr zu sagen, wenn er sich nicht besonders fleißig selbst einbringt (wie etwa Jimmy Carter, ohne Jimmy Carter jetzt in eine inhaltliche Nähe zu Osama bin Laden rücken zu wollen, Gott bewahre), aber Anspruch auf Schutz durch den Secret Service, Einladungen zu den Partys der Elite und phantastische Gagen bei Auftritten vor Publikum.

Etwas zu sagen braucht man allerdings auch nicht, wenn man etwas konstruiert hat wie Al Kaida, ein Grassroots-Netzwerk, noch weniger Lenkung als in einer Basisdemokratie. Ein Franchise-System, in dem nur der Firmenname vorgegeben ist und alles andere lokal selbst organisiert wird. Solch eine geisterhafte Organisation lebt im Schattenreich zwischen Existenz und Phantasie und ist allein dadurch unzerstörbar, dass es einfach nichts gibt, das man zerstören könnte, um das Ganze zu vernichten.

Osama liegt nun also entweder im Wasser – eine letzte Verhöhnung, eine späte Rache am Toten, der nun nicht mehr gen Mekka blicken kann – oder wird auf einem Navy-Schiff in die USA transportiert – um die Leiche womöglich neben den Alien-Leichen aus Roswell für ewige Zeiten zu konservieren.
Die Mitglieder der Bush-Administration sind immer noch steinreich, und Amerika ist immer noch ein militärischer Gigant.

Die USA sind jetzt kaum schwächer als früher, nur etwas brutaler.
Nach wie vor können sie jedes Land zerlegen, das sie zerlegen wollen.
Der Kampf, so es sein Ziel gewesen sein sollte, den Amerikanern als Nation zu schaden, der war vergebens.

Advertisements

Tagged:, , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Was ist das?

Du liest momentan 1:0 auf misoskop.

Meta

%d Bloggern gefällt das: