Bar

26/03/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Alle heiligen Zeiten einmal soll man ja etwas Neues ausprobieren. Wir wollen ja alle nicht in der eigenen Komfortzone vergammeln. Daher: Besuch einer anderen Bar.

Es gibt ja manchmal so die Tendenz, immer und immer wieder im gleichen Grätzel zu landen, immer wieder an denselben Futterstellen und in denselben Tränken zu landen.
Das ist ein ganz natürliches, von der Evolution getestet und für gut befundenes Programm, das unsere Spezies zwar nicht groß, aber zumindest breit gemacht hat.

Groß hat unsere Spezies die Fähigkeit gemacht, gelegentlich aus diesem Trott auszubrechen und etwas Neues auszuprobieren. Häuser. Ackerbau. Bronze. Krieg. Schrift. Sklavenhaltung. Sklavenbefreiung. Computer. Raumfahrt. Comics.

Eine neue Bar

Nach der Rückkehr in die alte Stadt schlug ein Freund vor, eine neue Bar auszuprobieren. Neu für mich – ihn hatte bereits eine andere Gruppe einmal dorthin geschleppt. Ich sagte zu und suchte die besagte Adresse auf.
Anstelle der erwarteten Schicki-Bar fand ich allerdings etwas vor, das einem Mexikaner am ehesten ähnlich sah. Doublecheck der Adresse: Stimmt.

Ich trat also ein und frug den blondlockigen Burschen hinter dem Tresen, ob er die von mir gesuchte Bar kennen würde, was er bejahte. Ich sei bereits da. Meine zweite Frage befasste sich mit der Verfügbarkeit von Strom und WLAN, denn mein Schleppi war nur noch bei 23% Akku und ich hätte gern meine E-Mails gecheckt und noch ein bisschen mehr in der Wartezeit – ich war nämlich etwas früher dran.

WLAN?

Die Antwort war recht verblüffend, widersprach sie doch allen Erfahrungswerten: Strom ja, WLAN nein. Die umgekehrte Variante ist häufiger anzutreffen, bilde ich mir ein.

Ich nahm trotz dieser Enttäuschung Platz und stöpselte ein, um von den 23% wegzukommen. Mein Handy verriet mir allerdings, dass es hier durchaus ein sehr starkes WLAN gab, das noch dazu auf den Namen der Bar lautete. Eine erneute Nachfrage enthüllte, dass es der Geschäftsleitung dieses Lokals gefiel, ein WLAN zu installieren, noch dazu eins, das stark genug war, um auch in der Nachbarschaft noch klaren Empfang zu sichern, dieses aber mit einem Passwort zu sichern und nur für sich selbst zu behalten.

Sprich, die Geschäftsführung des Lokals – sagen wir, maximal zwei Personen – nutzt das WLAN ganz alleine, nicht einmal die Angestellten, geschweige denn die Gäste, haben Zugriff.

Man hebt also die Augenbrauen, zuckt die Schultern – jeder nach seiner Façon – und schnappt sich die Getränkekarte.
Einige Seiten so herum, einige verkehrt, das ist ein Pluspunkt. So bleibt man aufmerksam und muss auf veränderte Situationen reagieren. Gehirn-Jogging im Kleinen, nicht so arg, dass es einen überfordern würde, aber man muss bei der Sache bleiben.

Die Auswahl an Cocktails ist online etwa doppelt so groß wie in der gedruckten Karte; dumm nur, wenn man kein WLAN für die Gäste hat. Das Preisniveau liegt ein wenig über dem, was ich gern bereit bin zu bezahlen, aber das ist schließlich meine Sache, nicht die der Bars.

Schraubenzieher

Ich entschied mich letztlich für eine Basisvariante, den Screwdriver. Der kam auch flott und wurde freundlich serviert, der war in einem guten Mischungsverhältnis angerichtet und machte optisch einen ansprechenden Eindruck, mittlerweile bekam ich auch Gesellschaft, und so ging der Screwdriver ganz gut weg. Als nächstes (man soll ja nicht mischen) bestellte ich einen Vodka Martini. Die Entscheidung über Schütteln oder Rühren überließ ich souverän den Profis.

Medical Vodka Martini

Nun ist Vodka Martini ja nicht nur das archetypische Getränk gewisser Briten, es ist auch in letzter Konsequenz Alkohol, gemischt mit Alkohol. Etwas für die Harten.

Was da seinen Weg auf meinen Tisch fand, machte daraus auch kein Hehl. Das Zeug heizte bis in die Zehennägel.
Das Problem: Einen kriegt man nicht runter. Der Geschmack war nämlich speziell, angesiedelt irgendwo zwischen medizinischem Händedesinfektionsmittel und Brennspiritus.

Der Vodka Martini in dieser Bar ist unbedingt zu empfehlen, wenn es Schuss- und tiefe Schnittverletzungen zu behandeln gilt. Nach dreimal Nippen wurde der Geschmack auch nicht besser, dafür hatte ich aber das dringende Verlangen nach einer Cola zum Gegensteuern.

Fazit

Fassen wir zusammen:

  1. Freundliches, geduldiges Personal,
  2. freier Strom,
  3. KEIN freies WLAN,
  4. unvollständige Karte,
  5. durchschnittliche Preise,
  6. angenehme Musiklautstärke,
  7. auch im Raucherbereich nicht zu verraucht,
  8. geschmack- und stilvoll eingerichtet,
  9. leicht zu erreichen,
  10. Medizinalkohol im Glas

Nun also, und sogar barrierearm, ein kleiner, versteckter Hinweis auf jene Bar:
vodka martini auf kulin-serviette

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