Ruby

24/02/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Ruby Rubacuori ist berühmt geworden. Die junge, vielleicht kürzlich sogar „zu“ junge Prostituierte hat ein wenig vom Lichterglanz eines ihrer, was auch immer, sei er nun Freier oder mangels Fähigkeit nur väterlicher Freund, jedenfalls Silvio Berlusconi abbekommen und ist jetzt berühmt. Richard Lugner hat sie zum Opernball eingeladen und sie kommt her, in unser Wien, zu unserem tollen Opernball, ach du liebe Güte, Skandal, Skandal.

So weit, zusammengefasst, die Fakten.

Gut für Lugner: Statt einer eingebildeten Person, die ihre beste Zeit längst hinter sich hat, aber offenbar immer noch der Ansicht ist, alle Welt müsse vor ihr niederknien, bekommt er einen frischen und, unverbrauchten Gast.

Gut für Ruby: Sie kommt auf den Opernball und statt dafür abzulegen – also, Kohle ist gemeint, Himmel ist das schwierig – bekommt sie sogar noch Geld.

Gut für den Boulevard: Die Klatschblätter und Skandalpostillen auf Papier und im Netz können tonnenweise Fotostrecken veröffentlichen und sich den wildestens Spekulationen hingeben.

Gut für die Menschenmassen: Sie können die junge Dame eingehend betrachten und sogar in der Lugner City ein Autogramm holen, wenn sie wollen.

Und: Gut für die steife Brigade der gestelzten und Verwöhnten, die Ruby den geheiligten Opernball und Lugner seinen Gast am liebsten für alle Zeiten verbieten wollen. Die selbstgerechten Stürgkhianer und Meyerianer haben ausgiebig Gelegenheit, zu geifern und sich in ihrer Überzeugung zu suhlen, sie seien bessere Menschen als Ruby Rubacuori. Das können sie, weil sie ihre Aufmerksamkeit zwar ebenso wie sie für Geld an reiche Kunden verschenken, dies aber unter dem Deckmäntelchen des Pseudohochwohlgeborenen tun dürfen.

Noch besser für die versnobten, tief drin ur-provinziellen Möchtegern-Superstars ist es aber, dass Richard Lugner ihnen in Form seines Ehrengastes aus dem Süden einen eiskalten Spiegel vorhält. In ihrem Umgang mit einem Menschen, den sie wegen seiner Herkunft und seiner Tätigkeit verachten, offenbaren sie ihr hässliches, kleines Ich, und das gibt ihnen vielleicht die Gelegenheit, sich selbst dabei zu ertappen und zu besseren Menschen zu werden.

Jahr für Jahr schaut die „bessere Gesellschaft“ von ihrem hohen Ross herunter auf den „Mörtel“ und beklagt sein Erscheinen, obwohl nichts den Opernball mehr schmückt als seine Gäste.

Jahr für Jahr glauben diese verhinderten Blaublüter in ihrem Wahn, ihr lächerlicher Ball würde auch nur irgend jemanden mehr interessieren als der Jägerball oder der Ball der Offiziere, wenn es den Lugner und seine Promi-Gäste nicht gäbe.

Und sie glauben, sie wären im Recht, wenn sie Wirtschaftskriminelle und Korrupte hofieren, aber ehrliche, kleine Prostituierte politisch korrekt „Sexarbeiterinnen“ nennen, solange sie weit weg sind, und entsetzt vor ihnen zurückschrecken, wenn sie näherkommen, sekundiert von nicht weniger selbstgerechten Magazin-Chefredakteuren, die in Gratisblatt-Kolumnen in dieselbe Kerbe schlagen und Lugner sogar vorwerfen, die Einladung der 18-Jährigen sei Missbrauch, direkt vergleichbar mit sexuellem Missbrauch.

Die doppelzüngigen Blenderinnen, die reiche Männer als Freunde, Liebhaber oder Ehemänner an sich binden, um Status und Geld zu erhaschen, aber allen Ernstes die Frechheit besitzen, eine andere, die nicht viel anderes tut, nur ohne einen geilen Doppelnamen zu führen, als unwürdig vorzuverurteilen.

Gut, also, letztlich für uns alle. Rubys Besuch ist gelebte Sozialkritik. Und das Gejaule der Bussi-Bussi-Gesellschaft beweist, wie verdammt nötig wir ein bisschen Sozialkritik haben.

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