Filter

17/02/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Facebook ist ein Gigant. Aus der Geschichte wissen wir aber, dass auch Giganten fallen können. Too big to fail gibt es nicht. Wo bei Facebook die Risse im Panzer sitzen, sieht man jetzt auch schon langsam:

Facebook schreitet voran, es ändert sich, es bleibt dynamisch. Eine gute Sache, die sicherlich oft auf Ablehnung stößt. Eine gute Sache, weil sie das System Facebook lebendig und spannend hält.

Innovation – das ist für ein Unternehmen so etwas wie Herzschlag für einen Menschen. Ohne Innovation beginnt der Verwesungsprozess, und um den zu vermeiden, gibt es immer wieder einen kleinen Schritt weiter.

Top-News

Der Fortschritt einer alle 5 Sekunden neu ermittelten Echtzeit-Wall brachte uns einen ersten Nachrichtenfilter: Die Top-News, und das auch noch als Standardeinstellung. In dieser Kategorie wird nach von außen nicht vollständig berechenbaren Maßstäben entschieden, welche Meldungen wie wichtig sind. Manchmal wechselt diese Einschätzung auch mit jedem neuen Seitenaufruf. Das Ergebnis ist eine Wall, in der man plötzlich auf einen Beitrag an erster Stelle stößt, der 20 Stunden alt ist, während ein ganz frischer irgendwo an 12. oder 16. Stelle aufscheint.

Der nächste Filter ist meist ganz angenehm: Die Postings von Pages, deren Fans man ist, scheinen eigentlich nicht in der Home auf. Gelegentlich verirrt sich mal eine Statusmeldung einer Seite auf den Startbildschirm, aber im Großen und Ganzen ist Ruhe im Karton. Das hat natürlich seinen guten Sinn. Es vermeidet, dass man genervt wird und erlaubt damit, Fan von zwölf Dutzend Pages zu sein, ohne aus purem Selbstschutz alle zu Unliken.

Pages neu

Es folgen die neuen Pages, die spätestens ab März 2011 nur zwei Einstellungen zulassen: Man sieht entweder ausschließlich die Meldungen der Page-Administration, dann auch in absteigend chronologischer Reihenfolge – oder man sieht die Postings der Admins und aller Fans, dann aber nach der ominösen „Wichtigkeit“ gerankt, mit anderen Worten: Durcheinander.

Fans, die lange dabei sind und viele Postings generieren, werden also bevorzugt. Neue Kundenanfragen haben das Nachsehen. Wie gut, dass man zumindest als Admin einstellen kann, per E-Mail über neue Postings auf der Wall in Kenntnis gesetzt zu werden. So kann man die Beschwerden, Fragen und Anregungen der „Unwichtigen“ nicht übersehen.

Quiet, please

Und nun die Ausfilterung der Stillen in unserer persönlichen Wall: Facebook-Freunde, mit denen wir wenig interagieren, werden auf der Wall standardmäßig gar nicht angezeigt. Statt wenig also nun gar keine Interaktion mehr. Statt sie uns näher ans Herz zu legen, verschwinden sie in der Versenkung. Weiter Freunde zwar, aber solche, die wir nicht nur im echten Leben nicht sehen, sondern nun auch nicht mehr online.

Das hat natürlich auch wieder seinen guten Sinn. Vielleicht interessieren wir uns ja gar nicht für diese Freunde. Vielleicht haben wir sie irgendwann mal in unsere Freundesrunde gelassen, aber eigentlich haben wir vielleicht 18.000 Freunde und können sowieso nicht mit allen gleichwertig interagieren. Vielleicht wollen wir eine Kerngruppe.

Vielleicht. Vielleicht aber auch nicht.
Die Entscheidung möchte ich gern selbst treffen, danke.

Ich kann das auch – mit einem Häkchen an der Stelle: Alle Freunde sehen.
Nur, die, die es wissen müssen, behaupten, dass dieses Häkchen nicht so viel bringt. Man sieht dann zwar mehr, aber immer noch nicht alle Freunde wieder.
Will man alle sehen, muss man trickreich vorgehen, sie in Listen packen und sich die Listen anzeigen lassen.
Viel Aufwand, eigentlich. In Listen hat man normalerweise eher die Leute, die man auf Abstand halten will, nicht die, die man nah heranlässt.

Ausblick?

Wenn wir die Entwicklung logisch fortsetzen, können nur noch weitere solcher Einschränkungen dazukommen.
Am Ende könnte sogar stehen, dass es eine Premium-Freundesgruppe gibt, die gegen Bares bevorzugt behandelt wird – und die Loser-Gruppe, die nichts zahlt und die meiste Zeit ein Schattendasein führt. (Dieser Ausblick ist jetzt nur eine Befürchtung, es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass das wirklich geplant sein könnte.)

Asynchron

Es entsteht im Grunde eine künstliche zwei-Klassen-Gesellschaft.
Dabei haben wir schon so zwei: Es gibt die Outsider, die gar keinen Internetzugang haben, und die Leute mit Online-Zugang. Nun noch eine weiter Unterscheidung einzuführen, sei es eine Aktivitätsschwelle, unter der man im Nichts verschwindet, oder eine Premium-Klasse, in die man sich einkaufen muss, schadet der Idee „Soziales Netzwerk“, die nun einmal schon etabliert ist als Mitmach-Web für alle.

Wer durch solche Filter marginalisiert wird, für den hört Facebook auf, ein zentraler Baustein im persönlichen Kommunikationskonzept zu sein. Mit den Freunden und Verwandten in Kontakt bleiben können ist nur ein Argument, solange das auch funktioniert.

Ansonsten findet sich dann schon ein Mitbewerber, der es besser macht. Oder man schreibt wieder SMS. Dann würde das blaue Wachstumsnetz doch wieder schrumpfen.

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