Mubarak

29/01/2011 § Hinterlasse einen Kommentar

Ägypten wirft Schatten bis nach Österreich: Vom Erfolg des Umsturzes in Tunesien beflügelt wagen nun auch die Ägypter den Aufstand. Doch die Dominotheorie ist falsch: Jeder Stein ist anders; jeder fällt anders, und mancher wackelt nicht einmal. Von Ägypten bis in die Schweiz, von Kairo bis Wien.



Brennende Polizeifahrzeuge, die im Nahen Osten so beliebten Stahlkugeln mit Gummimantel, Tränengas und die Straßen voller demonstrierender Männer (sic!): In Ägypten entscheidet sich die nächste Zukunft des arabischen Raums.

Sowohl für die Despoten an der Spitze wie für die Massen auf der Straße ist der Ausgang jeder Revolution unvorhersehbar. Jeder ist angewiesen auf Schätzungen, Gerüchte und Vermutungen. Verschärft wird diese unsichere Lage noch durch Angriffe auf Fernsehstationen und Parteizentralen, verhängte und gebrochene Ausgangssperren oder jetzt, in Ägypten, durch die Abschaltung der Internetverbindungen und weiter Teile des Telefonnetzes am 28. Jänner 2011 (Ein Schritt, der weltweit mehr Aufsehen erregt als der Tod von Demonstranten).

Al Jazeera

Gäbe es Al Jazeera nicht, Ägypten wäre in einem schwarzen Loch verschwunden. Auf diesem Sender und in den meist bruchstückhaften oder sparsamen Berichten anderer Medien konnte man aber zum Teil live mitverfolgen, wie das Militär in die Straßen Kairos und anderer Krisenzentren einrückte.
Präsident Mubarak vermittelte den Anschein, er habe es dorthin beordert; andererseits wurde das Militär von den Demonstranten sehr freundschaftlich begrüßt und schritt auch nicht gegen sie ein. Es wartet ab, vorerst neutral.
Nichts Genaues weiß man nicht.

Infectuous Momentum

Sicher ist allerdings, dass alle Länder der arabischen Welt (und offensichtlich auch Deutschland) Ägypten beobachten.

Fällt auch dieses Regime, muss jedes andere Land der Region damit rechnen, dass als nächstes Demonstranten auf ihre Machtzentren zumarschieren, singend und Polizeiautos anzündend.

Setzt das Regime Mubarak sich durch, müssen die Unzufriedenen der Nachbarländer entscheiden, wie sie damit umgehen – und es setzt ein Zeichen, auf welche Weise solche Proteste zu überwinden sind, sei es durch massive Gewaltanwendung, durch gezielte Einsätze, durch Tricks und Lügen oder durch Gespräche. Mit Vorbildwirkung für den nächsten Schauplatz.

Wiener Protestecho

Dass dieser nächste Schauplatz Wien sein wird, ist eher unwahrscheinlich. Auch das Risiko für Festgenommene bleibt hier sehr überschaubar.

Gerade im Schatten Kairos waren aber die Proteste um den rechtsrechten WKR-Ball in der Wiener Hofburg und die Reaktion der Wiener Polizei darauf recht aufschlussreich.

Wie ein Schwarm aufgeschreckter Hornissen jagten Polizeifahrzeuge mit Blaulicht und Sirene Gruppenweise zwischen Ring und Gürtel hin und her. Sowohl an der Mariahilferstraße wie rund ums Volkstheater und am Eingang zum Heldenplatz bildeten Beamte in Warnwesten Sperrknoten, am Schwedenplatz wurden Absperrgitter bereitgestellt, Mannschaftstransporter voller behelmter Polizisten standen in höchster Alarmbereitschaft an strategischen Punkten.

Die voller Energie hin und her stiefelnden Polizisten machten ganz den Eindruck, als würden sie selbst nicht so gern an Verkehrskreuzungen Wache stehen, sondern lieber mit APCs und Kampfpanzern durch die Gassen des Spittelbergs rattern oder sich direkt mit dem Klassenfeind messen, Holzlatte an Gummiwurscht.

Was hat den Sicherheitsapparat so angespornt? Man weiß es nicht recht. Weit und breit war kein Bedrohungsszenario auszumachen. Zumindest nicht fürs ungeübte Auge. Aber auch nicht wirklich fürs geübte, wie man im Vice Magazine nachlesen kann, und selbst für Teilnehmer war es eine echte Herausforderung, die Übersicht zu behalten.

Wien ist nicht Kairo. Gut so.

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