Risques

14/12/2010 § Ein Kommentar

Was mit Julian Assange passiert, ist eine wichtige Lehre.

Screenshot

Wir haben uns in letzter Zeit daran gewöhnt, dass politische Aktionen sicher und gemütlich sind, oft sogar viel Spaß machen. Wir organisieren lustige Lichterketten für den Weltfrieden und MQ-Besetzungen über Facebook, wir unterstützen den Freiheitskampf im Iran oder im Kongo mit farbigen Profilbildern, wir erregen uns lautstark über „jeden Vierten“, der das Kreuzerl an der falschen Stelle macht.

Bei all dem kann uns nicht viel mehr passieren als dass die Chinesen versuchen, unsere Accounts zu löschen. Sehr ärgerlich, aber daran wird keiner von uns sterben. Ganz anders als die Demonstranten im Iran, die hungernden Menschen in Nordkorea und die Dissidenten in allen denkbaren und undenkbaren autoritären Staaten und die ganz gewöhnlichen Zivilisten in Afghanistan oder im Jemen, die jeden Tag mit der Frage leben müssen, ob am Abend noch die ganze Familie am Leben sein wird.

Für uns verwöhnte Couchdemonstranten, für uns Warmwasserhelden, für uns Jammerer auf hohem Niveau ist es sicher nicht ganz schlecht, wenn nun mal einer von uns, ein Westler, ein Computerheini, ein Internetfuzzi, tatsächlich mit der Bedrohung leben muss, dass ein Land, dessen Mächtige ihn tot sehen wollen, seine Auslieferung ersehnt.

Ja, hier geht es wirklich um den Tod. So weit wird es wohl nicht kommen, aber die Möglichkeit ist da: Die ultimative Accountlöschung.

Merken wir uns das.

Und wenn wir wieder herumaktivistisieren in der Freizeit, denken wir daran, dass wir glücklich sind hier, in einem Land, in dem die Polizei nicht auf uns schießt, in dem uns niemand mit der Todesstrafe droht und in dem die Zahl derer, die ums Überleben kämpfen müssen, gering ist.

Vielleicht helfen wir dann das nächste Mal jemandem wirklich. Von einem grünen, blauen oder schwarzen Avatar ist nämlich noch niemand satt oder gesund geworden.

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§ Eine Antwort auf Risques

  • alien59 sagt:

    Es gibt auch in Deutschland Wahrheiten, die auszusprechen recht unangenehme Folgen haben kann. (Noch) nicht unbedingt tödlich, aber viel fehlt nicht mehr.
    Danke für den Artikel – ich denke, wehret den Anfängen ist eine angesagte Einstellung.

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