OpenLeaks

11/12/2010 § Ein Kommentar

Angeblich startet die WikiLeaks-Konkurrenz OpenLeaks am Montag. Gegründet von Aussteigern, die sich mit Assange überworfen haben, wegen seines autoritären Einsamer-Wolf-Führungsstils, und Andersdenkenden, die den Veröffentlichungsstil von WikiLeaks nicht mögen. Sie wollen dasselbe tun, nur ganz anders.

Kann das funktionieren?

Das Geheimnis von OpenLeaks: Sie wollen so wie WikiLeaks eine Anlaufstelle für Datenaufdecker sein. Sie wollen so wie WikiLeaks Missstände aufdecken.
Die Betreiber von OpenLeaks wollen wie WikiLeaks die (möglichen) Informanten um jeden Preis schützen. Doch sie wollen, anders als WikiLeaks, keine Originaldokumente veröffentlichen.

Sie wollen sie nur weiterleiten an traditionelle Medien. Oder alternativ: Sie wollen Artikel schreiben über die Dokumente, die ihnen zugespielt werden sollen. Sie wollen analysieren, erklären, beschreiben – wie traditionelle Medien. Sie wollen Gatekeeper sein statt Gateöffner.

Der Ansatz ist zum Scheitern verurteilt.

Erstens: WikiLeaks ist bekannt und damit etabliert, man weiß, dass es funktioniert, OpenLeaks ist neu, man weiß nicht, wie sicher es ist, man weiß nicht, ob man ihnen trauen kann und wie weit. Solange es WikiLeaks gibt, wird man sein Material lieber an WikiLeaks weitergeben.

Zugegeben, vielleicht gelingt es den Amerikanern, WikiLeaks in absehbarer Zeit umzubringen. Doch selbst dann kennt man, zweitens, die traditionellen Medien, die eigene Tageszeitung, besser als OpenLeaks.
Informationen der Zeitung zuspielen, das ist eine Methode, die so alt ist wie die Medien selbst. Und man hat als Leser auch ein Gefühl dafür, welche Informationen dort ernst genommen und verfolgt werden, welche klein gespielt oder in die Rundablage transferiert werden.

Originale

Der entscheidendere Punkt: OpenLeaks fehlt das Alleinstellungsmerkmal von WikiLeaks. Das ist nämlich genau die Unmittelbarkeit: Sie veröffentlichen die Originaldokumente.

Analysen und Vereinfachungen bekomme ich auch in den traditionellen Medien.

Kann und will ich selbst denken, und zwar weitgehend verlässlich, freue ich mich über den Zugriff auf die Originalquellen. So kann ich Analysen hinterfragen und mir eine eigene Meinung bilden.

Auf die Originaldokumente können auch die traditionellen Massenmedien zugreifen und ihre eigenen Analysen bringen. Unkontrolliert. Aus eigenem Antrieb. Und sie können damit auch noch ganz nebenbei die Daten einem zweiten, beinharten Echtheitstest unterziehen, falls der erste Filter versagen sollte. Sie können auf lokale Besonderheiten eingehen und spezielle Randthemen herausarbeiten, extra für ihre Zielgruppe. Eine einzelne Plattform kann das für ein weltweites Publikum nicht bringen.

Transparenz

Das gilt nicht nur für Medien. Auch ich als interessierte Öffentlichkeit habe bei WikiLeaks jeden gewünschten Zugriff. Ich muss nicht einfach schlucken, was mir serviert wird, ich kann nachschlagen, aufsuchen, nachlesen. Das interessiert nicht jeden, aber es steht jedem frei. Das ist die tatsächliche Bürgerbeteiligung: Interaktivität.

Echte Transparenz ist nicht austauschbar gegen behauptete Transparenz.
Streit ist keine gute Geschäftsgrundlage.

Legale Aspekte

Auf der Haben-Seite für OpenLeaks steht – neben der dezentralen Grundidee -, dass stark editierte, eigene Artikel nicht gegen irgendwelche Copyrights und Geheimhaltungsrichtlinien verstoßen. Ein eigenes Werk wird geschaffen, und der legale Spielraum für Verfolgungen ist nicht besonders groß.

Das ist aber kein bombensicherer Schutzpanzer. Es ist eine Feigenblatt-Argumentation, die es nur bis zum nächsten Entschließungsantrag im Repräsenantenhaus schaffen wird. Sobald das Interesse an Kontrolle groß genug wird, ist rasch eine Executive Order verfasst oder gar ein eigene Gesetz entworfen.

Legale Spielräume sind, gleich was die Proponenten eines starken Staates oder die Rechtspositivisten sagen, schwammig und veränderlich.
Man kann sich nicht darauf verlassen.

Die Wahrheit lebt aus sich selbst heraus, nicht Kraft der Gesetze.

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§ Eine Antwort auf OpenLeaks

  • Slash sagt:

    Nicht nocht eine Rundfunk-Struktur, das der durch’s Internet gegebenen Emanzipation der Empfänger widerstrebt… Gatekeeper = fail

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