Relevanzfrage

21/11/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Wenn man lange genug Betroffenheit an einem persönlichen, elementaren Ereignis vermittelt bekommt oder sich aneignet, schmerzt es umso mehr, wenn andere es nicht kennen. Afghanen fehlt schon die Grundlage für Verständnis am „War Against Terror“: Laut einer Umfrage wissen sie nichts über 9/11.

Bald zehn Jahre Militärpräsenz in Afghanistan, bald zehn Jahre Anschläge, Schüsse, Bomben und ein nur mit Mühe kontrollierbares Umland um die Städte, ein praktisch unkontrollierbares Bergland. Aus Sicht der ISAF-Truppen.
Das ist das Umfeld, in dem der „autochtone Afghane“, [;-)] seit Hunderten von Jahren lebt. Und er lebt in diesem Umfeld ohne die intensive Medienabdeckung, mit der wir aufgewachsen sind. Die Folge: Die Afghanen wissen gar nicht, warum ihr Land jetzt schon wieder besetzt ist. Und ich nehme stark an, es würde sie angesichts des zwanzigsten Besatzers auch nicht mehr groß interessieren, wenn sie die Möglichkeit hätten, seine Motive zu recherchieren.

Umfrage

Das Institut ICOS – ein „Think Tank“, der sehr sorgfältig versucht, jede Verbindung zu den USA in den Hintergrund zu schieben, bis zu dem Punkt, an dem US-Amerikaner in der Beraterliste auf ihre Funktionsbeschreibung verzichten müssen – hat 1.500 Afghanen in vier Provinzen befragt und festgestellt: 92% von ihnen haben noch nie von den Anschlägen am 11. September 2001 in den USA gehört. Für sie werden die fremden Truppen im Land nicht von der Sorge um das Wohlergehen von edlen und guten Menschen in aller Welt angetrieben. Für 40% klingt die Vermutung überzeugend, die ISAF sei motiviert vom Wunsch, den Islam zu zerstören und Afghanistan zu beherrschen.

„Wir müssen den Afghanen erklären, warum wir hier sind“, lautet die Schlussfolgerung von ICOS. Fragt sich, ob es für die Bewohner eines seit Menschengedenken vom Dauerkrieg zerfetzten Landes irgendwie spannend ist, dass irgendwann vor einem Jahrzehnt auch mal im Westen ein paar Leute gestorben sind. Und fragt sich auch, warum sie das mehr schockieren sollte als der Tod vieler Freunde und Verwandten durch die Gewalt von Russen, Taliban oder NATO-Soldaten. Deren persönliche, elementare Ereignisse. Von denen wir nichts wissen. Und die für uns und unsere Gesellschaft so wenig interessant sind wie das Leid fremder Büroarbeiter in New York für den hungrigen Sohn eines getöteten Mohnbauern im Raum Kandahar.

Wollen Sie MEHR wissen?

Ach ja … PS mit Blickrichtung Deutschland:

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