Cablegate

29/11/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Wikileaks hat die US-Regierung ja bisher schon gereizt, mit der Veröffentlichung von Militärdokumenten. Schmerzhaft, gewiss. Interessant, ja. Auch wichtig im Sinne der Transparenz. Aber im Grunde ohne wirklich schweren Schaden für die USA. Nun wird es noch schmerzhafter für Washington: Diplomatische Korrespondenz.

Unter dem Titel „Cablegate“ veröffentlicht Wikileaks diplomatische Post unterschiedlicher Geheimhaltungsstufen und unterschiedlicher Herkunft.

Gemeinsam ist den Dokumenten, dass sie Details beinhalten, die man als Autor ganz einfach nicht veröffentlicht sehen wollen würde. Angesichts der schieren Masse und der je nach Interpretation des Lesers sehr unterschiedlich spannenden Dokumente sei hier nichts davon wiedergegeben. Stattdessem sei dem Leser hiermit empfohlen, sich selbst einen Überblick in den Originalen zu verschaffen.

http://cablegate.wikileaks.org / wikileaks.ch 213.251.145.96

Für jeden, der sich nur ein bisschen für internationale Politik interessiert, lohnt sich der Klick. Garantiert.

PS: Der offizielle Twitter-Hashtag lautet #cablegate

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Homeland

28/11/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Wofür die Homeland Security der Amerikaner zuständig ist und wofür nicht, das weiß vermutlich nicht einmal die oberste Führungsebene der Homeland Security selbst so genau. Im Zweifel für alles. Und jedenfalls: Für zu viel.

Dass die Homeland Security bald nach den Terroranschlägen aufs World Trade Center und aufs Pentagon gegründet wurde, ist verständlich. Weniger verständlich ist, dass sie sich zu einer Monsterbehörde ausgewachsen hat, die ihre langen, klebrigen Finger in praktisch alle Teile US-amerikanischen Lebens stecken darf.

Im Kampf gegen Produktpiraterie hat die Homeland Security nun also 70 Domainnamen beschlagnahmt und Zugriffe auf die beanstandeten Websites umgeleitet auf Regierungsseiten.

Angeblich ja auf richterliche Anordnung. Von mir aus auch legitim, darüber möchte ich jetzt nicht nachdenken. In der Praxis aber handelt es sich bei Produktpiraterie jedenfalls um Wirtschaftskriminalität. Die Zollbehörde mag sogar irgendwie logischerweise zuständig sein. Sie sollte aber nicht der monolithischen Homeland Security unterstellt sein.

Zu viel Macht an einem Ort zu versammeln ist ein Aufruf zum Missbrauch dieser Macht. Gegründet als Beschützer von Freiheit und Demokratie, ist eine Behörde, die alle Mechanismen der viel gepriesenen „Checks and Balances“ im politischen System der USA aushebelt, vielleicht effizient. Aber bei aller Effizienz wird sie vom Beschützer zur Bedrohung für die Werte, über die sie zum Wächter eingesetzt ist.

Cover

27/11/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

15 Minuten Ruhm, das war einst kitschiger Wunschtraum so vieler. Eine Woche Ruhm kann zu viel sein. Von der Ablehnung einer Gelegenheit.

Eine wöchentlich erscheinende Reportagen-Postille mit gar nicht so geringer Reichweite sucht Covermodels. Normale Menschen in einer bestimmten Konstellation.
Zu diesem Zeitpunkt ist man draußen noch ahnungslos über die gewichtigen Entscheidungen, die in jenem Medienturm schrittweise nach unten delegiert werden. Dann ist das Projekt vergeben und eine Redakteurin verantwortlich. Und sie steht unter Zeitdruck. Sie braucht Gesichter. Und sie fragt herum.

Das Telefon klingelt und man sieht sich in der Situation, eingeladen zu werden. Eine Woche wäre das eigene Konterfei, ein „Ja“ vorausgesetzt, auf der Titelseite der Info-Illustrierten abgebildet, würde in Trafiken und Zeitschriftenmärkten, auf Werbeständern und in Ärzte-Warteräumen auf das Titelthema aufmerksam machen. Dafür muss man nicht schön oder klug sein, man soll „typisch“ sein.

Will man das? Soll man das? Braucht man das?
Kann es schön sein?

Man lehnt ab.
Warum eigentlich?

Eine Woche österreichweit bekannt sein ist ja in der Theorie interessant. Wer einen schon kennt, wird aufmerken. Wer einen nicht kennt, er-kennt einen vielleicht auf der Straße. Da schnappen berechtigte Zweifel nach dem verblüfften Menschen. Immerhin gibt es Ruhm und Ruhm. Berühmt wird man nicht. Man steigert nur seinen Wiedererkennungswert.
Das erreicht man verlässlicher mit einem karottenroten Irokesen.

Mitgefangen

Auf das Umfeld kommt es an. Wie weit kann man selbst Einfluss darauf nehmen, was da erzählt wird über die Situation, die einen aufs Hochglanz-Cover bringt? Welche privaten Umstände werden im begleitenden Artikel offen gelegt? Wie weit will man Einfluss nehmen, oder wie weit muss man oder glaubt man zu müssen? Wie zufrieden ist man mit der finalen Umsetzung?

Wer würde aller?
Wer würde sein Gesicht auf der Titelseite eines auflagenstarken Nachrichtenmagazins dargestellt wissen.
Und wer würde aller ablehnen?

Ersatz war schnell gefunden.
Ich würde wieder ablehnen. Das Cover einer Info-Illustrierten ziere ich lieber, wenn ich etwas Spezielles gemacht habe, das dies rechtfertigt. Wird vermutlich niemals passieren.

Relevanzfrage

21/11/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Wenn man lange genug Betroffenheit an einem persönlichen, elementaren Ereignis vermittelt bekommt oder sich aneignet, schmerzt es umso mehr, wenn andere es nicht kennen. Afghanen fehlt schon die Grundlage für Verständnis am „War Against Terror“: Laut einer Umfrage wissen sie nichts über 9/11.

Bald zehn Jahre Militärpräsenz in Afghanistan, bald zehn Jahre Anschläge, Schüsse, Bomben und ein nur mit Mühe kontrollierbares Umland um die Städte, ein praktisch unkontrollierbares Bergland. Aus Sicht der ISAF-Truppen.
Das ist das Umfeld, in dem der „autochtone Afghane“, [;-)] seit Hunderten von Jahren lebt. Und er lebt in diesem Umfeld ohne die intensive Medienabdeckung, mit der wir aufgewachsen sind. Die Folge: Die Afghanen wissen gar nicht, warum ihr Land jetzt schon wieder besetzt ist. Und ich nehme stark an, es würde sie angesichts des zwanzigsten Besatzers auch nicht mehr groß interessieren, wenn sie die Möglichkeit hätten, seine Motive zu recherchieren.

Umfrage

Das Institut ICOS – ein „Think Tank“, der sehr sorgfältig versucht, jede Verbindung zu den USA in den Hintergrund zu schieben, bis zu dem Punkt, an dem US-Amerikaner in der Beraterliste auf ihre Funktionsbeschreibung verzichten müssen – hat 1.500 Afghanen in vier Provinzen befragt und festgestellt: 92% von ihnen haben noch nie von den Anschlägen am 11. September 2001 in den USA gehört. Für sie werden die fremden Truppen im Land nicht von der Sorge um das Wohlergehen von edlen und guten Menschen in aller Welt angetrieben. Für 40% klingt die Vermutung überzeugend, die ISAF sei motiviert vom Wunsch, den Islam zu zerstören und Afghanistan zu beherrschen.

„Wir müssen den Afghanen erklären, warum wir hier sind“, lautet die Schlussfolgerung von ICOS. Fragt sich, ob es für die Bewohner eines seit Menschengedenken vom Dauerkrieg zerfetzten Landes irgendwie spannend ist, dass irgendwann vor einem Jahrzehnt auch mal im Westen ein paar Leute gestorben sind. Und fragt sich auch, warum sie das mehr schockieren sollte als der Tod vieler Freunde und Verwandten durch die Gewalt von Russen, Taliban oder NATO-Soldaten. Deren persönliche, elementare Ereignisse. Von denen wir nichts wissen. Und die für uns und unsere Gesellschaft so wenig interessant sind wie das Leid fremder Büroarbeiter in New York für den hungrigen Sohn eines getöteten Mohnbauern im Raum Kandahar.

Wollen Sie MEHR wissen?

Ach ja … PS mit Blickrichtung Deutschland:

Lupus?

17/11/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Artranese (29) hat wahrscheinlich nicht Lupus, so wie auch bei Dr. House die Verdachtskrankheit Nummer 1 nur in den allerseltensten Fällen zuschlägt.

Aber Dr. House hat das eine geschafft: Er hat Lupus bekannt, berühmt, zu einer Modediagnose gemacht, und ihr damit nun auch Werber-Ehren eingebracht.

Das Schöne aus Sicht der Serienschreiber ist, dass die Symptome von Lupus so diffus sind. Es gibt kein einziges Anzeichen, das mit Sicherheit auf Lupus hindeutet, und so ist die Krankheit wie geschaffen für Hypochonder, so wie früher, in meiner Kindheit, Hirntumore das Schreckgespenst der Wahl für alle pessimistischen Selbstbeobachter waren.

Phantomgerüche? Muskelzucken? Müdigkeit? — Hirntumor.
Haarausfall? Gelenksschmerzen? Kopfschmerzen? Müdigkeit? — Lupus.

Willkommen im 21. Jahrhundert.

Bloggrz

14/11/2010 § 4 Kommentare

Die umtriebige österreichische Bloggerszene hat anlässlich des #WBF2010 in der Wiener Lassallestraße dieser Tage die Gelegenheit, dringend benötigtes Selbstvertrauen aufzubauen. Das bleibt nicht folgenlos im digitalen Dorf.

Vortragsthemen wie „Sind Blogs tot? Ja, aber nicht wirklich, beziehungsweise nein“ ist von zuhause aus schwer zu folgen. Man muss wohl dabei gewesen sein, um in vollem Umfang zu erfassen, worauf der Sprecher mit seinen Thesen abzielt. /* Anmerkung, 16.11., 09:54 Uhr: Vergleiche dazu Berichtigungen des Beitragsautors in den Kommentaren. */

Das Forum – gratis, der Telekom sei Dank – gebar nun auch das Bloggerlisten-Projekt, durch das Neon|Wilderness/@just4ikarus eine Bestandsaufnahme des rot-weiß-roten Blogistan und seiner Bewohner anstrebt. /* Anmerkung, 19:42 Uhr: Das Projekt entstand im thematischen Umfeld, nicht aber beim WBF – siehe Kommentar @just4ikarus */ Eine noble, unterstützenswerte Idee, der ich keine Steine in den Weg legen möchte. Im Gegenteil; hier also der Link zum Projekt um „Österreichs Blogs“.

Eine Volkszählung der üblichen Verdächtigen und ihrer Nachbarn. Vollständigkeit wird sie nicht erreichen, immerhin schätze ich persönlich die Zahl der heimischen Blogs auf gut 25.000, vielleicht sogar 35.000. Aber auch unvollständig hilft die Liste bestimmt dem nobeln Ziel der weiteren Vernetzung auf den Weg.

Für alle, die wie ich nicht dabei sein konnten, sich aber irgendwie oder auch intensiv dazuzählen zur österreichischen Bloggergemeinde: Die WBF2010 will alle Beiträge zur Nachlese anbieten.

Mac

13/11/2010 § 8 Kommentare

Mac und Windows: Zwei Plattformen mit vielen Parallelen und einigen wenigen, dann freilich entscheidenden, Unterschieden.

Es könnte ja alles ganz einfach sein: Strg gegen Apfel tauschen und alles läuft wie geschmiert. Innerhalb von Adobe Photoshop funktioniert das auch. Auf dem Gesamtsystem MacBook sieht sich der ahnungslose Windoof-User einer etwas komplexeren Situation gegenüber.

  • Die Apfel-Taste kann, anders als die unnötige Windows-Taste, etwas, trotzdem gibt es auch eine Ctrl-Taste.
  • Die F-Tasten sind zweite statt erste Wahl – der französische Weg, sozusagen.
  • Wenn man blind ein @-Zeichen schreiben will, schließt man das Fenster.
  • Es gibt keine (sichtbare) Entf-Taste.
  • Es gibt nur eine Maustaste.
  • Wenn man eine .exe-Datei aufruft, öffnet sich der Text-Editor.

Ein entscheidender Vorteil des Mac gegenüber Windows: Viele höherwertige Funktionen, etwa Netzwerkeinstellungen, Installationen und dergleichen, lassen sich leichter aufrufen und schneller finden als in den Tiefen der Windows-Systemsteuerung. Oft so einfach, dass man sie glatt übersieht, weil man meint, dass es komplizierter sein muss.

Ein optischer Vorteil des Mac: er ist hübscher.

Ein sehr wichtiger Nachteil: Apfel-Tab cyclet nur durch die Fenster der gerade geöffneten Anwendung. Um durch alle Anwendungen zu Cyclen, muss man irgendwelche Extraprogramme installieren.

Aus der weltanschaulich-religiösen Debatte rund um Mac vs. Nicht-Mac halte ich mich lieber heraus. Bleiben wir am Boden der Tatsachen: Es handelt sich um ein Arbeitsgerät, keinen tragbaren Tempel der Kirche des heiligen St. Jobs.

Wo bin ich?

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