Lebensregeln

29/08/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Leo Babauta ist ein Blogger und Twitterer und whatnot. Einer seiner Blogbeiträge könnte für gut 95% der Menschen interessant sein. Daher erlaube ich mir hier auf ihn zu verlinken und seine kleine Liste wiederzugeben.

Das Thema ist eines, über das sich praktisch jeder von uns den Kopf zerbricht, wenn auch nur ab und zu. Wie soll man leben?

Leo Babauta zitiert zuerst den buddhistischen Lehrer Thich Nhat Hanh mit dem kurzen Satz: „smile, breahte, and go slowly„, um dann weiter zu elaborieren.

less TV, more reading
less shopping, more outdoors
less clutter, more space
less rush, more slowness
less consuming, more creating
less junk, more real food
less busywork, more impact
less driving, more walking
less noise, more solitude
less focus on the future, more on the present
less work, more play
less worry, more smiles
breathe

Der ganze Beitrag inklusive weiterführender Links steht auf dem Zenhabits-Blog.

Assange

21/08/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Julian Assange hat Wikileaks gegründet. Dann hat er damit die USA geärgert, indem er ihre Hubschrauberattacke auf Journalisten und Ersthelfer veröffentlicht und nun Afghanistan-Dokumente der Öffentlichkeit zugänglich gemacht hat. Jetzt wird er wegen mehrfacher Vergewaltigung gesucht.

Ein Haftbefehl wurde ausgestellt, wegen Verdunkelungsgefahr, wie es heißt. Wikileaks erklärte via Twitter, nachdem die Organisation die Veröffentlichung weiterer Afghanistan-Dokumente angekündigt habe, sei sie vor „schmutzigen Tricks“ gewarnt worden. „Jetzt haben wir den ersten“.

Der Fairness halber sei gesagt, dass diese Details völlig unabhängig voneinander sein könnten. Theoretisch. Immerhin wird die Anklage in Schweden erhoben. Doch bei aller grauer Theorie fällt es einfach verflucht schwer, ausgerechnet jetzt an ein zufälliges Zusammentreffen von Geschehnissen zu glauben. Bei allem Respekt vor Schweden und seiner zweifellos außergewöhnlich ehrlichen und effektiven Justiz.

Überlassen wir die ach so schwierige Entscheidung über Julian Assange und die möglicherweise angeblich vergewaltigten Frauen den Schweden, dem Pentagon und Wikileaks. Widmen wir uns lustigeren Aspekten des Themas. Davon gibt es einige auf Twitter.

@mykke_ schreibt:

Julian Assange bereitet eine Alien-Invasion vor! #wikileaks

Julian Assange schenkt Naomi Campbell Diamanten! #wikileaks
(In Anspielung auf einen „Skandal“ um Blutdiamanten)

Julian Assange schüttet Öl in den Golf von Mexiko! #wikileaks
(In Anspielung auf den Bohrloch-Unfall von BP)

Julian Assange hat Björk zu ihrem Schwanenkleid überredet! #wikileaks

Aus verlässlicher Quelle (@yugisuru) höre ich, Julian Assange sei schuld am Aussterben der Dinosaurier! Skandal! #wikilaks

Julian Assange verprügelt Eichhörnchenbabys mit einem Schlagring! #wikileaks

Julian Assange ist der Vater von Justin Bieber! #assangedidit

Aus anderen Quellen:

@DerDackel Who drives Streetview cars through Germany?
#assangedidit

@yugisuru wer hat den #blumenkübel umgefahren!? #assangedidit

@yugisuru wer hat die brennende, mit hundekagge gefüllte tüte vor
deine haustür gelegt und dann geklingelt? #assangedidit

@Grendelsen who burned my toast? #assangedidit

@nati0n Who voted for Bush? #assangedidit

Etc. etc.

Wie gesagt: Es fällt einfach zu schwer.

Nachtrag, abends:

@warrenellis: Whenever I’m being threatened by the US Government, the first thing I do to relax is commit serious crimes in Sweden

The Best. XD

Zweiter Nachtrag, abends:

Schweden hat den Haftbefehl zurückgezogen. Der Vergewaltigungsvorwurf sei nicht substanziell genug. Ein zweiter Vorwurf, der einer sexuellen Belästigung, bleibt aufrecht, der reicht aber nicht für einen Haftbefehl. Der Rückzug kommt von ganz oben, von Generalstaatsanwältin Eva Finne.

AP schreibt über Assange: A physics Ph.D, Assange hasn’t shied from taking on both government officials and the press. Media profiles have detailed an unsettled upbringing — the Australian press has reported Assange attended dozens of schools growing up — and he still seems to live on the move, his computer traveling with him in a backpack.

Reueplatten

19/08/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Zuerst erschienen in der Reihe „31 Tage – 31 Platten“ am 11. August 2010 als Teil des Blogs (mad) : Tag 11 – Eine Platte, deren Kauf ich bereue.

Eine (nein, sogar zwei!) Platte(n), deren Kauf Andreas Habicher bereut: Sri Hari – Rising Sign (1995) / One But Different (1997)

Wenn ich den Kasten öffne, in dem die alte CD-Sammlung lagert, starren sie mich an. Ja, ich hätte sie schon längst wegwerfen sollen. Und jetzt, nach all den Jahren, werde ich das auch machen. Ich habe sie im Doppelpack erstanden, die beiden Scheiben zum Preis von anderthalb, und der Preis war nicht einmal hoch. Der Euro war damals noch der Ecu, gezahlt wurde mit der alten, österreichischen Währung, und die beiden Tonträger haben mich wahrscheinlich zusammen zehn Schilling gekostet – im Vergleich zu den heutigen Preisen wohl 40 oder 50 Cent, wenn überhaupt. Trotzdem: Was hat mich nur geritten, was war das für eine komische Stimmung, in der ich mich von dem verhungerten Bürschchen am Hauptausgang beim Donauzentrum breitschlagen ließ, CDs aus seiner Schuhschachtel käuflich zu erwerben?

Hätte ich die gute Münze doch lieber in Kaugummis investiert, da bekam man zu jener Zeit für zehn Schilling noch eine große Packung. Sri Hari steht groß auf beiden Covern – das muss wohl der Bandname sein –, und als Albumtitel bei dem einen One But Different, auf dem anderen Rising Sign. Auf dem ersten sind drei schräge Gestalten auf einem verzerrten Schwarzweiß-Foto abgebildet; der in der Mitte, zwischen einem müden Burschen und einem Carlos-Verschnitt, starrt die Kamera gruselig durch die große Brille an – den Kopf leicht zur Seite geneigt, den verhärmten Mund leidend zusammengekniffen, die Hände ringen auf der Tischplatte miteinander.

Auf dem zweiten Cover ist eine Art Ambience-Soundwave zu sehen, die wie eine Meereswelle um eine Stimmgabel mit indischem Kuppelgupf-Griff schwappt. Äußerlich New Age also, inhaltlich plumper Amateur-Techno mit aus dem Zusammenhang gerissenem, möchtegernerleuchtetem Hare-Hare-Geseire dazwischen. Der Bursche mit der Schuhschachtel hat damals irgendwas erzählt über die Gruppe, er hat ständig gelabert – ich war abgelenkt und wollte nach Hause, es ist wirklich lange her, und so kann ich mich beim besten Willen nicht mehr erinnern, was es war. Er war jedenfalls kein schlechter Verkäufer, oder ich ein viel zu leicht zu manipulierendes Opfer. Okay, geben wir es zu, die Opfertheorie ist die zutreffendere. Am Ende hatte er zehn Schilling mehr und zwei CDs weniger. Ich hoffe, die Kaugummis haben ihm geschmeckt.

Ich höre die beiden CDs anlässlich dieses Beitrags noch einmal an, versuche es, aber ich schaffe sie nicht – die erste überspringe ich Lied für Lied, bei der zweiten wird mir tatsächlich übel und ich muss abbrechen. Verantwortlich sind dem Inlay nach die „Bauneholm Studios“ in Kopenhagen, der Vertrieb in Deutschland obliegt einem „Center for Vedic Studies“. Wer mehr wissen will, soll sich an eine alte E-Mail-Adresse wenden, die es bestimmt heute nicht mehr gibt, bmd@com.bbt.se. Und jetzt ab in die Mülltonne damit.

Über den Autor: Andreas Habicher twittert als @ahabicher und übersiedelt sein Blog langsam, ganz langsam, Artikel für Artikel, hinüber auf https://misoskop.wordpress.com.

Sri Hari: Hörproben sowie nähere Infos gibt es hier.

Erstveröffentlichung:
http://mad.madication.eu/2010/08/3/tag-3/

Lieblingsplatte

19/08/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Zuerst erschienen in der Reihe „31 Tage – 31 Platten“ am 3. August 2010 als Teil des Blogs (mad) : Tag 3 – Meine Lieblingsplatte (nicht unbedingt die beste Platte, die ich kenne).

Andreas Habichers Lieblingsplatte: Der Nescafé-Sampler

Gleich vorweg, und damit keine Missverständnisse aufkommen: ich habe keine Ahnung von Musik. Ich kann nur in besonderen Ausnahmefällen den Leadsänger einer Gruppe benennen (etwa bei Bon Jovi) und mir fehlt das Gehör, um ein Hohes C von einem A zu unterscheiden. Macht nichts – so wie jeder mehr oder weniger klug über Bilder reden oder seine Autobiographie als Book on Demand im Internet an Freunde und Verwandte verhökern kann, kann auch jeder öffentlich und ohne schlüssige Begründung von Tocotronic, Anne-Sophie Mutter oder Lady Gaga schwärmen – oder eine völlig abseitige, überraschend kleine Silberscheibe von Nescafé – ja, Nescafé – zu seiner Lieblingsplatte erklären.

Irgendwann hat der allseits unbeliebte und doch kommerziell sehr erfolgreiche Nahrungsmittelgigant Nestlé einen Werbefilm in Kino- und Fernsehspots verwendet, in dem unterschiedliche Menschen aus aller Welt bei unterschiedlichen kommunikativen Tätigkeiten zu sehen sind. Unterlegt war der Spot mit einem New-Ethno-Lied (Panflöten!), aus dessen Text die eine oder andere Phrase direkt ins Gehirn von jungen, leicht lenkbaren Zuhörern (wie mir seinerzeit) fährt.

Nestlé hat seine Anwälte und versäumt nicht darauf hinzuweisen, dass alle Rechte an Musik und Text von Ilja Gort/Gort Muziek, sowie W. Leon Aguilar/EMI und Garry Bell/Jeff Wayne Music, sogar die Rechte der puren Benutzung oder des unentgeltlichen Verborgens, ausschließlich für den Schweizer Konzern reserviert sind. Also das Folgende bitte nicht zu kopieren, laut vorzulesen oder gar – gasp! – zu singen. Vorgetragen von einer sanft beruhigenden, mainstreamig glatten Frauenstimme in hoher, östrogengeschwängerter Tonlage, heißt es im Text:

You can be rich, with no money to spend
you can do everything, when you understand,
you can be mother, when you are a man,
open up, you know that you can

chorus:

Open your eyes, open your mind,
open your thoughts, don’t staybehind, open up…
The key is inside you, to open your mind,
you know what is out there, your heart can be blind.

Open your eyes, and open your mind,
open your thoughts, don’t stay behind

(chorus)

Erase all the borders, and start in your head,
open your mind, to thoughts seldom said,
open your eyes, and open your mind,
open your thoughts, and don’t stay behind.

(chorus)

open up open up … open up open up …

Bestimmt mit schriftlicher Genehmigung aus Vevey in der schönen Schweiz hochgeladen, ist der Clip auf Youtube zu finden.

Dass diese Platte, konkret eine CD mit nur einer Daumenlänge Durchmesser, meine Lieblingsplatte ist, hat zwei Gründe. Der erste ist die Schwierigkeit des Erwerbs: Damals nicht so leicht online zu finden wie heute, konnte man sie auch nirgendwo kaufen oder bestellen. Man musste das Video entweder aufzeichnen, wenn man die Werbung erwischte, oder zum richtigen Zeitpunkt ein Packerl Nescafé kaufen und die CD gratis dazubekommen. Ich bin aber kein Kaffeetrinker – ich habe im Leben vielleicht drei oder vier Tassen Kaffee versucht. Entsprechend selten kaufe ich Nescafé.

Zu meinem Glück gelangte wenige Jahre später eine Mitbewohnerin meiner damaligen Freundin und späteren Frau in den Besitz einer der Gratis-CDs und wusste nicht recht etwas damit anzufangen. (Sie singt übrigens – beruflich!) Als sie mein reges Interesse für das herumliegende Teil bemerkte, schenkte sie es mir kurzerhand. (Selbstverständlich ebenfalls mit schriftlicher Genehmigung aus der Schweiz. Wahrscheinlich.) Der zweite Grund: Musikgeschmack kommt und geht. Mal hört man Janet Jackson, mal HIM, und ein paar Jahre später findet man beide zum Kotzen. Aber glatte, entspannende Musik, zu deren Text man irgendwie wohlgefällig nicken kann, bleibt glatte, entspannende Musik und entspannt glatt auch heute noch.

Erstveröffentlichung:
http://mad.madication.eu/2010/08/3/tag-3/

Buch

19/08/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Zuerst erschienen in der Reihe „31 Tage – 31 Bücher“ am 8. Juli 2010 als Teil des Blogs http://ivy.machts.net : Tag 8 – Ein Buch, das mich an einen Ort erinnert.

Das Cover von Michael Moorcocks "The Eternal Champion"

Foto: misoskop

Das Buch: Michael Moorcock, The Eternal Champion.
Der Ort: Ein Haus in Ungarn, am südlichen Rand des Báláton.

In jenen Tagen, ich dürfte wohl so um die 15 oder 16 herum gewesen sein, man nagle mich da nicht fest, lebte ein Cousin dritten Grades mit seiner covermodeltauglichen Freundin auf wenigen, mit hippem Kram vollgerammelten Quadratmetern im hinteren Teil eines Hauses, das Touristikern gut etwas wert hätte sein können.

Vom Gartentor aus achtzig Meter an einem Tennisplatz vorbei nach rechts lud ein gemütlicher Wiesenstrand am Báláton zum entspannten Dösen in der sengenden Sonne oder zum minutenlangen Hinauswaten in Gegenden, in denen man so tun konnte als könne man nicht mehr stehen, ein, nach links und einen knappen Kilometer die Út entlang gen Osten lockte ein Wiesengrund mit einer überschaubaren Zusammenballung von Restaurants, Mini-Rummelplatz, Spielhölle und Krimskramsladen. Nicht zuletzt warteten dort auch ein paar aus dunklem Holz gezimmerte Standerln, von denen eines frische Kürtös Kálács feilbot, die man kaum bis nach Hause zu den wartenden Schleckermäulchen bringen konnte. Die einen, für einen selbst bestimmten Exemplare der honiggelb glitzernden, gewickelten Köstlichkeiten schlang man auf dem Heimweg selbst viel zu schnell gierig hinunter, mit den anderen, den Mitbringseln, lockte man Kohorten von willenlos um den Zuckerschatz kreisenden Wespen an. Getoppt wurden diese Schmankerln nur noch von den Gofri mit Vanillesauce, die an einem der Bezahlstrände ein paar Hundert Meter weiter westlich unters hungrige Volk gebracht wurden.

Das Haus selbst bot im ungenutzten, vorderen Bereich nicht nur Platz genug für anderthalb Familien und einen schwarzgrün flimmernden Fernseher aus den 70ern, sondern auch ein Aufklärungsbuch auf Ungarisch, einen großzügigen Garten, eine Auswahl verrosteter Fitnessgeräte aus tiefsten Ostblockzeiten und im Flur eine bedrohliche Luke zum Dachboden. Bedrohlich, weil man nur raten konnte, welche Mengen an Spinnweben, Spinnen unterschiedlichster Art und ihren Eiern sich da oben verbergen mochten.

Mit anderen Worten: Ein Sommerparadies.

Das Buch

Hier entdeckte ich eines Abends das Buch. In einer Kommode lag es unter alten, zerknitterten Zetteln und einer kaputten Schere neben einem eigenartigen Metallstück, Papierschnitzeln und etwas Staub. Der Name Michael Moorcock war mir neu, das Cover war farbenprächtig, der erste Blick ins Innere höchst interessant: Es ging um Kämpfe und Schwerter, nicht ungarisch, sondern englisch.

Mir war rasch klar, dass ich einen Glücksgriff getan hatte.

Ein Mensch aus, wie man trotz der schwammigen Beschreibung unschwer erraten kann, unserer Welt, wird nachts aus einem Traum heraus in eine Parallelwelt geholt, herbeibeschworen von einem verzweifelten König als Wiedergeburt eines legendären, unbezwingbaren Helden aus alter Zeit, dem er den Oberbefehl über die vereinten menschlichen Heere übertragen will, um einen grausamen Feind, die Eldren, gegen jede Chance doch noch zu besiegen. Es geht rasch in den Kampf, aber nicht alles ist so einfach wie erwartet: Gut und Böse sind als Zuschreibungen rasch zur Hand, aber treffen sie auch zu? Ehrenhafte Krieger finden sich in beiden Lagern, ebenso wie tückische Verräter. Gekränkte Eitelkeiten, Eifersucht und Angst machen scheinbar Noble zu Bestien, und nur im Angesicht der endgültigen Vernichtung scheiden sich die diamantharten Braven von jenen, deren Moral flexibler gehalten ist. Doch Tapferkeit macht noch keinen Sieg.

Ein Mitstreiter, Count Roldero, hat seinen philosophischen Frieden mit dem Dilemma gemacht und Gut und Böse mit der Wirkung des Tuns assoziiert. Ein Verräter, der die Sache des Guten weiterbringt, ist für ihn gut, ein edelmütiger Held, der sie durch seine Prinzipien hemmt, ebenso böse wie ein deklarierter Feind von Ordnung und Recht.
Im Zwiespalt der Gefühle eine verlockende Philosophie, doch keine, die einen bis zur endgültigen Vernichtung des Fremden, Anderen, tragen kann, ohne an Zweifeln und Ehrgefühl zu zerschellen.

Michael Moorcocks Multiversum gibt dem in unterschiedlichster Form und Zeit immer wieder auferstehenden ewigen Helden in zig Büchern mehr als genug Gelegenheit zum Kämpfen, zum Töten und zum Sterben. Die mächtige Kriegerseele schert sich dabei auf ihrer Reise von Körper zu Körper in keiner Weiser um Ethnien und Lebensformen, tritt neben anderen als Erekosê, Hawkmoon, Elric oder Corum auf und begegnet sich gelegentlich sogar selbst. Meist ist der Handlungsverlauf schwermütig und hoffnungslos, oft langatmig. Elemente irischer und englischer Sagenwelten treten ebenso auf wie antike Gedankensplitter und Anleihen bei verschiedenen Religionen. Michael Moorcock hat seine Verehrer und seine Gegner, und beide Seiten haben gute Gründe für ihre Einschätzung seines Werks.

Ich wollte dieses Buch haben, und die Aufbewahrung zwischen Strandgut eines Haushalts gab mir Hoffnung.
Ich fragte also den Cousin, ob es seines sei und ich es haben, auch kaufen dürfe, und er verneinte – er hatte keine Ahnung, wo es hergekommen sein könnte. Ich fragte, ob ich es bis zum Auftauchen des Besitzers mitnehmen dürfe, und er lehnte ab. Wer könne wissen, wessen Buch es sei? Nein, nein, lieber nicht.
Schweren Herzens ließ ich es zurück.

Wenige Monate später erfuhr ich, dass das Haus verkauft worden war, mit allem drum und dran, mit den alten Möbeln und allem, was darin war. Also auch mit dem Buch.

Ich bereute sehr intensiv, dass ich es nicht insgeheim mitgehen hatte lassen, und ich bereute es noch mehr, als ich herausfand, dass alle möglichen Moorcocks auf dem freien Markt zu haben waren, dieses eine, spezielle aber nach sieben vergriffenen Auflagen nicht mehr gedruckt wurde.

Weg!

Alles was mir blieb, waren ziemlich detaillierte Erinnerungen an eine ganze Reihe von Szenen in der Geschichte und der Gedanke an dieses Haus und an das Rätsel, wie man so ein Juwel einfach mit allem Drum und Dran hergeben kann. Und mit dem Buch.

Erst vor Kurzem, vor drei Jahren und ein bisschen was, hat meine Frau bei der Suche nach einem geeigneten Geburtstagsgeschenk das Angebot eines Briten entdeckt, der sein Exemplar verhökern wollte. Sie wusste Bescheid – von der Philosophie des Count Roldero hatte ich ihr etliche Male erzählt, von einigen anderen eindrücklichen Szenen des Buches auch schon mehrmals. Sie hat sofort zugeschlagen und es für mich besorgt. Es war nicht billig, aber für einen verlorenen Schatz ein guter Preis.

Mein Buch liegt sicher neben mir. Es hat einen guten Platz hoch oben in der Bücherwand. Wenn ich es anschaue, denke ich an Count Roldero und General Katorn, an Prinzessin Iolinda und an Ermizhad. Und natürlich: An das Haus und das andere, das verlorene Buch in der Lade.

Erstveröffentlichung:
http://ivy.machts.net/archives/490

Code

15/08/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Quellcode. Ansprechend strukturierter, sorgfältig aufgebauter Quellcode. Man muss ihn einfach lieben. Nach einer gewissen Zeit der Abstinenz kehre ich jetzt zu ihm zurück.

Quellcode verfügt, das muss gesagt werden, über Schönheit. Dies gilt natürlich für sauberen Code. Nach wie vor existieren WYSIWYG-Editoren, die es erlauben, Websites ohne jeden Sinn fürs Ganze zu generieren, Websites, in denen ein lustiges Chaos aus HTML und CSS-Bröckchen durcheinander wirbelt. Der letzte Blick auf das Ergebnis einer Frontpage-generierten Seite ist schon einige Jahre her, doch der Schock von damals sitzt immer noch tief. Wahrscheinlich gibt es so etwas gar nicht mehr, wahrscheinlich ist Frontpage längst generell von Dreamweaver abgelöst worden. Bestimmt sogar. Ganz bestimmt.

Wie stark unterscheidet sich von solcher Häresie ein im Notepad oder Homesite von Hand komponiertes Konzert mehrerer Seiten, verbunden durch überlegt eingesetzte Stylesheets? Und all das jetzt noch neu und unverbraucht mit den Mitteln des immer noch frischen HTML5, in dessen Randgebiete ich bislang nur oberflächlich schnuppern durfte?

Nun werde ich ihm wieder nahe sein, dem Quellcode in seiner reinsten, elementarsten Form. Und ich freue mich darauf.

Dyslalie

15/08/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Dyslexie und Legasthenie, das kennt man. Das Wissen über Dyslalie, quasi die gesprochene Dyslexie, ist nicht so weit verbreitet.

Dieser Artikel verrät mehr:

Dyslalie, die gesprochene Dyslexie

Wo bin ich?

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