Buhlschaft

25/07/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Alljährlich sind die Zeitungen voll von Portraits und Interpretationen der Buhlschaft. Es geht um Sex und Schönheit, und darum, warum gerade DIESE Darstellerin perfekt/unmöglich ist. Es reicht.

Neben mir liegt das Album aus dem aktuellen Standard. Darauf plakativ vier typische Buhlschaft-Bilder aus diversen Jahren des Jedermann in Salzburg.

Marlene Streeruwitz verbreitert sich im Artikel über den, in ihren Augen, grundlegenden Sexismus der puren Existenz der Rolle und wünscht sich eine überproportionale Bezahlung für die jeweilige Darstellerin, als Wiedergutmachung. Im Grunde wünscht sie sich, nicht ganz ohne Charme, dass die Rolle gar nicht mehr vorkommt, und die Darstellerin dennoch die Top-Gage erhalten soll.

Andere Abhandlungen dieser Tage werden wie jedes Jahr der Buhlschaft aktuelle Cupgröße besprechen und ihre Haarfarbe, ihre Herkunft und warum sie wie gut geeignet oder wie ungeeignet ist, die Buhlschaft darzustellen. Sie wird in Interviews darlegen, warum sie ebenso wie ihre Vorgängerinnen überglücklich ist, die Rolle zu haben, warum sie sie als moderne und emanzipierte Frau natürlich kritisch sieht und blah und blah und blah.

Es nervt.

Abgesehen davon, dass die unangebracht intensive Beschäftigung mit der Buhlschafts-Besetzung im Vergleich zu den übrigen, großteils ignorierten Rollen ihre Ursache nur in spätpubertärer, in kulturell akzeptierte Bahnen gezwungener Notstandigkeit haben kann, wirft sie die Frage auf, warum sich niemand mit dem Stück selbst beschäftigt.

Die Antwort liegt auf der Hand: Weil es langweilig und überholt ist.

Wenn sich irgendjemand vor dem Gottesgericht fürchten würde, würde es ganz anders aussehen hier unten. Die etwas schmalgeistigen Moralvorstellungen, die in Jedermann transportiert werden, sind andererseits auch nicht im Mindesten geeignet, Innere Einkehr bei den Zusehern zu bewirken.

Es handelt sich um billigen, plumpen Zeitvertreib für Heuchler.

Schluss mit dem Jedermann und Schluss mit der Buhlschaft.

Ich beantrage einen Umstieg auf Goethes Faust. Da gibt es, für alle, die sich um die Zukunft der Buhlschaft sorgen, auch ein Gretchen. Dafür gibt der Stoff inhaltlich mehr her, und auch das Gretchen hat schmissigere Zeilen Text.

Tagged:, , , , , ,

Schreibe einen Kommentar

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Was ist das?

Du liest momentan Buhlschaft auf misoskop.

Meta

%d Bloggern gefällt das: