Stieg

07/07/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Verblendung – Verdammnis – Vergebung. Zumindest den ersten Teil der Millennium-Trilogie habe ich jetzt intus. Ein widersprüchliches Buch.

Stieg Larsson ist tot, seine Bücher finden seit der Verfilmung der Trilogie fürs Kino reißenden Absatz. Wer Bestsellern dieser Art misstrauisch gegenübersteht, wird in seinen Vorurteilen bestätigt: Das Buch ist bestimmt keine literarische Großleistung.

Inhaltlich teilt sich die Geschichte von Teil 1 – Verblendung – in einen verzwickten, Jahrzehnte alten Kriminalfall und die persönliche Aufarbeitung eines Rückschlags im Leben des von sich selbst überaus positiv eingenommenen Journalisten Mikael Blomquvist.

Der Kriminalfall ist spannend bis gruselig, die Auflösung ahnen erfahrene Krimileser in Grundzügen schon recht bald, dennoch versteht der Verlauf der Ermittlungen im Detail zu fesseln.

Die persönliche Geschichte des Herrn Blomquvist leidet einerseits unter seinem massiven Ego, andererseits an der uniformen Reaktion von Frauen aller Altersstufen und Gesellschaftsschichten auf seine Erscheinung: sie verfallen seinem jungenhaften, unbekümmerten Charme rettungslos und werden auch nicht enttäuscht, denn im Bett ist der Mann ein absoluter Held. Wenig überraschend mithin, dass es sich bei dem Tausendsassa und auch schreiberisch „ausgezeichneten Stilisten“ um ein Alter Ego des Autors handelt.

Ein für Nicht-Stockholmer bitteres Manko der Handlung ist der satte, aber oberflächliche Lokalkolorit. Der raschen Abfolge von Straßennamen und Landschaftsnennungen ist kaum zu folgen, noch weniger begeistert das Name-Dropping vermutlich bekannter schwedischer Persönlichkeiten der jüngeren Geschichte des skandinavischen Landes. Wären diese Elemente mit kurzen, treffenden Beschreibungen angereichert hätte die Millennium-Trilogie eine Zukunft als inoffizieller Reiseführer; ohne weitere Ausführungen bleiben sie Insider-Witze eines begeisterten Hobbyheimatkundlers.

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