Gauckelei

30/06/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Doch keine „gemähte Wiese“, wie man auf gut österreichisch sagt: Christian Wulff stolpert mühsam gegen den SPD-Kandidaten bergan.

Joachim Gauck präsentiert sich gern als über den Dingen stehend. Damit hat er beim normalen Wahlvolk einen Stein im Brett. Aber selbst wenn das gar nicht gefragt wird, so wie jetzt bei der Bestellung eines Amtsnachfolgers für Horst Köhler zum deutschen Bundespräsidenten, fliegen dem SPD-Gegenkandidaten zum Regierungs-Wulff die Herzen der Wahlmänner und -frauen zu.

499 Stimmen im ersten Wahlgang statt nur 460 wie es die Parteiblöcke vorhersehen ließen, das heißt, es gibt Fahnenflüchtige in der Wahlkommission, die sich nicht ans Diktat der Angela Merkel halten. Zumindest nicht im ersten Wahlgang.

Der dritte, chancenlose Kandidat der Linken sorgte mit seinen 126 Stimmen dafür, dass die 600 brav für Christian Wulff votierenden Parteisoldaten um schlappe 23 keine saubere Mehrheit durchbrachten.

„Schwan gehabt“, möchte man da ausrufen, denn solche Hoppalas geben auch straßenfernen innenpolitischen Entscheidungen einen gewissen Spannungsfaktor, einen gesinenhaften Touch des Unberechenbaren. Auf diese Weise sind gerade sie am besten geeignet, die galoppierende Wahl- und Politikmüdigkeit des dauergeleimten Wahlvolkes zu zügeln. Vorübergehend.

Ach ja:

Der Wulff wird schon noch in den Hühnerstall einbrechen. Denn im dritten Wahlgang muss er nur noch vorne liegen, auch wenn es nicht für die 50% reichen sollte.

(Nachtrag: Und so geschah es: Der dritte Wahlgang war’s.)

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Screening

29/06/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

„Public Viewing“ ist im Zuge der Fußball-WM wieder das geflügelte Wort der Saison. Ein Praxistest.

Zunächst ein Geständnis: Ich wette nicht, und ich beschäftige mich viel zu wenig mit Fußball, um fachlich fundierte Aussagen treffen zu können. Ich habe noch keine Vuvuzela aus weniger als fünf Metern Entfernung gesehen und ich kann keinen einzigen Mannschaftstorwart auswendig beim Namen nennen.

Aber es geht ja hier nun gar nicht um Fußball an sich, sondern ums Fußballschauen. Und dafür benötigt man nicht viel. Manches davon ist sogar einfach gratis zu haben: Ein öffentlich aufgestelltes Fernsehgerät, eine Wiese.

Im alten AKH hat sich anlässlich der Begegnung Spanien-Portugal im Achtelfinale der Südafrika-WM eine beeindruckende Menschentraube rund ums Salettl eingefunden. Neben immer weiteren Interessierten trudelten auch Sitzbänke und Verpflegung in immer größeren Mengen aus allen Himmelsrichtungen ein.

Spiel Nebensache

Was da auf den diversen, auf verschiedenen Qualitätsniveaus angesiedelten TV-Schirmen stattfand, spielte im Grunde eine nachgeordnete Rolle. Das Spiel war eine thematische Klammer, ein besserer Vorwand für unerschiedlichste Grüppchen von Freunden und Freundinnen, um gemeinsam und gemeinsam mit Fremden den lauen Abend draußen unter freiem Himmel zu genießen, dabei zu tratschen – auch über Fußball, auch über das Spiel – Hot Dogs und kühles Bier zu genießen und schließlich sogar über das spanische Tor zu jubeln. Über ein portugiesisches hätte sich aber auch niemand geärgert.

Public Screening ist ein zwangloses Gemeinschaftserlebnis. Also unbedingt unterstützenswert.

Clan?

19/06/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Nach dem Tod des unstrittig legendären Krone-Chefs Hans Dichand ist auch von seinen Erben die Rede. Was man da hört ist ein Spiegel unserer Zeit.

Kaum ein Medium, das nicht vom „Kroe-Clan“ spricht. Bei der Konstellation „Witwe, drei Kinder, drei Enkel“ von einem Clan zu sprechen ist ein Zeichen, wie es um unsere Gesellschaft bestellt ist.

Drei so übersichtlich auf einer Achtelseite zusammenfassbare Generationen sind nicht in Clan, sie sind eine ganz gewöhnliche Familie – wenn auch mit jeweils einem Kind mehr als „üblich“.

Was ein Clan ist, hat man in unseren pensionierungsbereiten und überalterten Breiten offensichtlich schon verdrängt. Ein Clan sind mehrere, vielleicht sogar Dutzende von solchen Familienverbänden, die über mehrere Grade miteinander verwandt sind und dabei immer noch im Verbund, in Kontakt miteinander und oft auch in räumlicher Nähe leben.

Ein Clan ist eine Gemeinschaft von Onkeln, Tanten, Cousins, Cousinen, etlichen Angeheirateten und Kindern und Kegeln. Und oft auch mit einem gemeinsamen roten Faden in der Biographie. Es könnten zwei Dutzend Clan-Mitglieder im Konzern mitarbeiten, verteilt auf zahlreiche Schlüsselstellen, verbunden auf informeller und persönlicher Ebene.

Stattdessen haben wir da nur drei Personen, auf die man ein Auge haben muss als Hälfteeigentümer. Die WAZ kann erleichtert aufatmen. Es ist vorbei.

Uplink

17/06/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Die heutige Jugend hat Smartphone. Die heutigen Erwachsenen auch immer häufiger. Und sie sind immer und überall online.

Nach den Generationen X, Y, Z, Praktikum und wie sie alle heißen wächst eine neue heran. Welchen Namen die Trendsetter und klugen Köpfe ihr einmal geben werden weiß ich noch nicht, also nenne ich sie vorerst mal Generation Uplink.

Die Volkschülerinnen – meist sind es die Mädchen – laufen schon mit iPhones, LGs und HTCs herum, kaum dass sie die ersten ganzen Sätze schreiben können. Noch ehe sie das kleine Einmaleins beherrschen, sind sie untereinander gut vernetzt und surfen beim Warten an den Bushaltestellen Seite an Seite auf den in ihren Altersgruppen angesagten Internetseiten.

Das sind die wahren Digital Natives – sie sind schon im Web, wann und wo auch immer sie sich gerade befinden, das Verständnis dafür, was das Web ist und was es kann, wie es funktioniert und was es kostet, das muss erst nachwachsen.

Plätschern

16/06/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Der Regen ist wieder da. Nach dem ohnehin viel zu langen und viel zu nassen Regenmai mit seinen lokalen und regionalen Überschwemmungen ist das ein direkter Angriff auf die Grundfesten der Zivilisation.

Zugegeben: Es ist noch nicht so arg, was da vom Himmel herunterschnürlt. Und ebenfalls zugegeben: Die Lacken waren schon größer.
Aber wir wollen das trotzdem nicht als Trend sehen.

Widmen wir diesen Tag dennoch den Erfindern des Regenschirms, unbekannterweise, in den lang vergangenen Zeiten der Antike oder darüber hinaus. Auch wenn feucht sich kräuselndes Frauenhaar ein feiner Anblick ist: das kann man auch beim Schwimmen haben. Und die Stimmung wärmt nur die Sonne richtig.

Netzwerk

15/06/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Netzwerken ist ein Muss für jeden Profikarrieristen. Aber auch die Kleinen können Verbindungen knüpfen. Vielleicht weniger glitzernde, vielleicht aber reißfestere.

Wir trafen einander nicht im Nobelhotel am Pool, sondern unter freiem Himmel, im Schatten eines alten Baumes, umgeben von Spaziergehern und Skateboard-Junghoffnungen. Ein ehemaliger mittlerer Manager mit großer Einsatzbereitschaft und viel Arbeitseifer, aber dennoch im freien Fall, und eine immer-noch Assitentin mit außergewöhnlichen Kompetenzen, aber dennoch auf der Abschussliste.

Was beide verbindet: schlechte Erfahrungen.
Was beide eint: Der Glaube daran, dass noch etwas geht.

Beide tragen ihre Narben, doch beide tragen sie mit sicherem Gleichmut, geboren aus der Erfahrung und dem Wissen, dass die Narben nicht wegzudenken sind, dass sie dazugehören und uns definieren.

Wir haben Ziele und Träume, wir haben keinen Einfluss, wir haben aber Kraft und wir glauben an die Gelegenheiten. Wir werden einander im Auge behalten und wir werden einander mit Tipps und Hilfe zur Seite stehen. Unser Handschlag zählt mehr als ein 28-Seiten-Agreement aus den Echelonen der heimischen Wirtschaftselite.

Temperaturkurve

14/06/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Von einem Temperatursturz ist man versucht zu sprechen, wenn man ein Minus von 13 Grad erlebt. Die Bezeichnung ist aber übertrieben, wenn sich das Minus zwischen plus 35 und plus 22 Grad abspielt.

Nennen wir es eine Abwärtskurve. Die chwarzmaler wurden durch schwarze Wolken bestätigt, das Wochenende brachte kurze Regenschauer und starken Wind, in den inneren Stadtbezirken erzählt man sich von abgerissenen Bäumen und panischer Flucht tausender Menschen in die U-Bahnstationen.

Wollen wir es nicht übertreiben.

Hier draußen am Stadtrand ist auf den hiesigen paar Quadratkilometer gerade mal ein Dutzend Äste abgerissen worden, und panisch fliehen musste niemand.

Schade, dass die Sonnenperiode so rüde unterbrochen wurde. Vielleicht war es ja bestellt – von den ersten Raunzern, denen die 35 Grad schon wieder viel zu heiß waren, trotz der langen, kalten, nassen Wartezeit davor.

Wo bin ich?

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