Metaview

05/05/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

„Macht das Internet dumm“ fragte der Club 2 provokant. Eingeladen waren Star-Webkritiker Schirrmacher und Star-Blogger Luca Hammer sowie ein Ensemble mehr oder weniger interessanter Unterstützer.

An Luca Hammer kommt in Österreichs Web 2.0 Szene niemand lange vorbei. Zwischen (geistig) brennender Uni im Audimax und Retweets seiner Follower, zwischen Twittagessen, Facebook, Blogs und einer wachsenden Zahl von Nennungen oder Interviews in traditionellen Offline-Medien taucht sein Name von Monat zu Monat häufiger auf. Dagegen hilft nicht einmal ein Twitter-Fastenmonat.

Frank Schirrmacher ist ein Mann der starken Worte und blitzartig hingehämmerter Bücher zu jeder Art von Gefahr, die im weltweiten Datennetz schlummern könnten. Der „Dirty Harry des Feuilletons“ ist Mit-Herausgeber der mit Fug und Recht renommierten Frankfurter Allgemeinen Zeitung, sein Diskussionsstil ist schwierig, denn er stimmt gern im ersten Satz zu, um im zweiten eine vollkommene Gegenthese zu postulieren. Er ist, ein wenig unzulässig verkürzt gesagt, für Werte, Familie und Bildung, gegen Chaos, Single-Lifestyle und Rohinformation. Letzteres brachte ihn auf die Gästeliste des Club 2: Er hatte den endlosen und täglich schneller werdenden Datenstrom der Social Networks als Bedrohung des Geistes wahrgenommen und eine Befreiung von der massiven Überforderung durch unzensierte Hinz- und Kunz-Publikationen im Internet angeregt.

Luca Hammers Sekundant war der Standard-Redakteur und Universitätslektor Helmut Spudich, Schirrmachers ungesicherte Seitenwaffe die technophobe Kurier-Kolumnistin Angelika Hager, besser bekannt als Polly Adler.

Wer den Club 2 kennt, weiß, dass es aufgeregtere und verhaltenere Sendungen gibt, inhalts- und bedeutungsschwere, aber auch solche, in denen hauptsächlich Worthülsen verstreut werden.
„Macht das Internet dumm?“ zählte zur ersten Kategorie.
Nachdem die Eingangsfrage rasch mit Nein beantwortet zur Seite gelegt wurde, ging die Diskussion zuerst ans Eingemachte – das Thema Überforderung und Nutzung, Untergang und persönliches Wachstum – und streifte eine Reihe verwandter Bereiche wie Datenschutz, Demokratisierung, Kontrolle und Privatsphäre.

Ein interessantes Phänomen: Seit einiger Zeit schon entwickelt sich bei TV-Diskussionen eine Metaebene durch Online-Debatten unter den Zusehern, auf Twitter oder Facebook, aber auch im kleineren Rahmen auf anderen Plattformen. Ob die ATV-Sendung „Am Punkt“ die Entwicklung in Österreich angestoßen oder nur verstärkt hat, ob sie die originäre Idee von Webusern war oder sich organisch aus den Radiobegleitungen von Stermann und Grissemann bei den Eurovisions Song Contests enwickelt hat, weiß ich nicht, ich halte vieles für möglich.
Unterm Strich bleibt, dass die parallele Beobachtung der TV-Sendung und der Metadebatte deutlich reizvoller ist als das rein passive Konsumieren, besonders bei regelmäßig inhaltlich flacheren, politisch vorgegebenen Diskussionen wie beim sonntäglichen „Im Zentrum“ auf ORF 2.

Das klappt sogar, wenn eine Sendung wie die gegenständliche aus diversen programmtechnischen Erwägungen heraus eine Woche verspätet ausgestrahlt wird. Zwar kann dann keine „Twitterwall“ im Hintergrund eingebaut werden, dafür können die Teilnehmer der Diskussion sich selbst an der Metadebatte beteiligen: Luca Hammer und die Diskussionsleiterin Corinna Milborn waren jedenfalls dabei und haben sich selbst auf den Fernsehschirmen beobachtet, während sie darüber geschrieben haben.

Luca Hammer hat sogar im Vorfeld einige Twitterer zu einem Public Viewing und Social Twittering eingeladen: man hat in der Gruppe, in RL miteinander im Lokal sitzend, ferngesehen und getwittert.

Überforderung?
Nicht für jeden.

Interaktivität wird angenommen, vielleicht nicht von allen, vielleicht nicht einmal von der Mehrheit, aber der Trend kann sich nur verstärken. Wem es ein Bedürfnis ist, sich einzubringen, der wird die Möglichkeiten nutzen wollen und, einmal Blut geleckt, wenn man sie ihm nimmt, nach neuen Möglichkeiten suchen.

Ein zweiter interessanter Punkt: Frank Schirrmacher ließ in der Sendung durchblicken, dass er durchaus wisse, wovon er spricht, wenn er Soziale Netzwerke angreife. Zum Zweck der Recherche habe er natürlich mehrere Deckidentitäten im Netz, die sich unterschiedlich stark engagieren.

Damit hat er mit einer ganzen Reihe von Web 2.0ern etwas gemeinsam. Und wirft die Frage auf: Wer ist eigentlich aller Frank Schirrmacher?

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