Freiheit

03/04/2010 § Hinterlasse einen Kommentar

Der Baum der Freiheit muss von Zeit zu Zeit mit dem Blut von Patrioten gedüngt werden. So lautet ein bekannter Spruch, den Militärs gern im Mund führen. Ob es immer Patrioten sind, die ihr Blut für die Freiheit hingeben, das sei dahingestellt. Jedenfalls kommt Freiheit nicht von allein, sie verlangt Opfer.
Wenn man sein Leben in überdurchschnittlichem Maß in den Dienst einer Sache oder einer Firma gestellt hat, wenn man ganz in einer Aufgabe oder seiner Arbeit aufgegangen ist und sich beinah darin verloren hat, so wie ich, dann ist das Opfer groß und schmerzhaft: die geborgte Identität, die Identifikation, die durch die Maske einer Funktion erwächst, um den lebendigen Menschen dahinter zu verbergen; im Gegenzug ist der Geschmack der Freiheit, die aus dem Tod des Opfers erwächst, die neuerliche Kontaktaufnahme mit dem eigenen Sein, umso süßer.

Freiheit im Frühling, ein Monat der Kontaktaufnahme mit einem Wesen, das im dahingegangenen Jahr keine Zeit hatte, in Verbindung zu bleiben – also mit dem eigenen Selbst – das ist eine Erfahrung, die man nur empfehlen kann. Zudem eine Erfahrung, die man nicht wieder missen möchte. Das neu gefundene Verständnis für das Sein soll bleiben, sonst wäre diese Zeit vergeudet – diese oder die folgende, je nach Standpunkt. Ein Stück weit muss weiter um die Freiheit gerungen werden, ein Stück anderer Werte muss für sie dauerhaft geopfert bleiben.

Freiheit kennt natürlich ihre Grenzen, da, wo sie den Angriffen der Gesellschaft ausgesetzt ist. Familienmitglieder wollen beachtet, betreut und besucht, Abhängige ernährt und unterhalten, Fragen beantwortet, Mieten, Preise und Gebühren bezahlt sowie Wohnungen gesäubert und allerlei sonstige Zeit investiert werden.

Freiheit, auch nur ein wenig davon, wird allzu leicht unter Wert verkauft. Es lohnt, einen Teil davon zu bewahren, als Maßstab, als Umrechnungsschlüssel. Es lohnt, sich die Lehren aus der Erfahrung der Freiheit zu merken.

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