Ecoraschung

10/11/2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Gelegentlich überkommt den Beobachter der Verhältnisse der Eindruck, seine Vor- und Urteile würden sich allzu häufig bestätigen. Da tut es gut, einmal überrascht zu werden. Etwa von der Eco der Presse.

Die offizielle Linie der Tageszeitung die Presse im Zusammenhang mit den Studentenprotesten im und um den Audimax (oder, zugegebenermaßen richtiger, in Presse-Diktion „das“ Audimax) der Uni Wien steht fest. Seit Tag 2 der Proteste trommeln allen voran Oliver Pink, aber auch Michael Fleischhacker und, in geringerem Ausmaß, Nowak und Co, die Losung, die man in konservativen Kreisen für die aufmüpfigen Studiosi zur Hand zu haben hat: Pappn halten! Studieren, net sudern. Gewürzt mit Drohungen: Heizung abdrehen, für Miet- und Verdienstentgang aufkommen, verklagt werden.
Das ist pures Obrigkeitsdenken.

An diesem Sonntag aber brach die Blattlinie zumindest vorübergehend um. Den Anliegen der Studenten galt Verständnis, es kam sogar ein spannender Vorschlag für ein neues, interessantes System.

Woher?

Ausgerechnet aus der Eco, aus dem Wirtschaftsressort.
Ausgerechnet von da, wo die anzunehmender Weise die Hardliner sitzen, die Wortführer des Neoliberalismus, die Apologeten ungezügelter Wirtschaftsinteressen.

Sie gingen hin. Sie hörten zu. Sie verstanden.

Franz Schellhorn, sicher keiner, der so schnell in den Verdacht des Progressiven gerät, brachte eine Idee auf, die für Universitäten rasch zum Stressor avancieren würde, verkrustete Uni-Strukturen aber aufbrechen würde wie Dynamit einen Deich aus Sandsäcken: Einen Lern-Scheck. Die Kosten für die Universitäten mögen nicht nach Schema F auf die Uni-Landschaft aufgeteilt, sondern den Studierenden zur Verfügung gestellt werden – zur freien Verfügung.
Konkurrenzkampf nicht zwischen den Studierenden um die Gunst der hohen Kasten, sondern zwischen den Instituten und Universitäten, um die Gunst der Lernenden.

Der Vorschlag ist stimmig: er passt zu einem Wirtschaftsressort, er passt sogar zum Neoliberalismus, und doch ist er frisch und anders, doch stellt er die rigide Machtstruktur des Geld- und Titel-Adels infrage.

Es lohnt, darüber nachzudenken und zu diskutieren.

Herr Schellhorn, die Damen aus der Eco: Ich bitte um Verzeihung für meine Vorurteile.

Advertisements

Tagged:, , , , , , , , , , ,

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

Was ist das?

Du liest momentan Ecoraschung auf misoskop.

Meta

%d Bloggern gefällt das: