Frauenstunde

28/09/2009 § Hinterlasse einen Kommentar

„Die Stunde der Frauen“ ist die Geschichte betitelt: Doris Kraus verfolgt in der Sonntagspresse den Gedanken, dass die „Krise der Männer“ nun Platz für eine neue Zeit macht, die Zeit der Frauen. Was passt daran nicht?

Drei Anmerkungen:
(Ja, ich weiß, dass der Text nur emotionalisieren soll und kein Faktenbericht ist – trotzdem)

1) Von einem anbrechenden Zeitalter der Frauen ist (noch) nichts zu bemerken. Ganz im Gegenteil: Genau die Wahnsinnigen, die den Karren an die Wand gefahren haben, wurden durch die Staatsfinanzierungen gerettet, ihre Fehler von anderen ausgebügelt, ihre Verluste von anderen getragen, und so haben sie natürlich nichts gelernt – sie holen wieder Schwung und werden als nächstes noch einmal, noch heftiger gegen die Wand donnern und noch mehr kaputtschlagen.

Danach vielleicht. Wenn die Staaten sich überheben und nicht nur die Finanzgurus, sondern auch reihenweise die Regierungen und Verfassungen stürzen – dann könnte ein neues Zeitalter kommen.

2) „Krise der Männer“: „Maskuline Verantwortungslosigkeit und Zockerei haben den wirtschaftlichen Karren an die Wand gefahren, zur Strafe dürfen die Männer jetzt zu Millionen stempeln gehen. Denn die verlorenen Arbeitsplätze sind vor allem ‚männliche‘ in den traditionellen Industriesparten…

Strafe? Das klingt so fair. Wie eine Quittung für eigene Fehler. Doch die verantwortungslosen Zocker tragen feinen Zwirn und wurden, wie erwähnt, von Millionen Steuerzahlern gerettet. Sie gehen nicht stempeln. Sie müssen einen der drei Jaguars abstoßen und können sich im kommenden Jahr nur entweder den Jacht- oder den Golfklub leisten, nicht beides. Die armen Schweine dagegen, die nun die Suppe auslöffeln sollen, haben nie genug freies Geld gehabt um auch nur eine erwähnenswerte Aktie zu kaufen. Sie erhalten die Strafe für die Fehler anderer.

Diese beiden so konträren Gruppen als „die Männer“ zu subsummieren ist – sexistisch.

3) Und ebenso sexistisch ist der Lösungsansatz: „Frauen sind eher mitarbeiterorientiert, Männer eher machtorientiert“. Im großen Ganzen ist das so. Doch es gibt mitarbeiterorientierte Männer, die jetzt an gläserne Decken stoßen, weil sie zu wenig Ellenbogen haben und die in der skizzierten neuen Ära weiter an gläserne Decken stoßen, weil sie keine Frauen sind.

Das ist wie wenn man antichinesischen Rassismus in Indonesien dadurch auflösen will, dass man nur noch Chinesen in Führungspositionen oder auf die Sitzplätze in Bussen lässt und Indonesier aufgrund ihrer Herkunft abweist oder auf die Straße wirft.

Susanne Höllinger von der Ersten sagt da im Interview Angenehmeres: „Ich bin prinzipiell dafür, dass die Qualifikation den Posten bestimmen soll, nicht das Geschlecht.
Derzeit sind viele Frauen der Ansicht, dass das Geschlecht den Posten bestimmt, doch es ist nicht das Geschlecht als solches, sondern es sind Klüngeleien. Die Profiteure sind normalerweise Männer, aber nicht „die Männer“, und nicht weil sie Männer sind, sondern weil sie sich mit den richtigen Leuten verhabern.
Auf der Strecke bleiben nicht „die Frauen“, sondern die Ehrlichen. Von denen eben sehr viele Frauen sind.

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