Lohngerechtigkeit

05/07/2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Gleicher Lohn für gleiche Arbeit. Eine Forderung in der Geschlechterdiskussion, die sinnvoll ist. Aber woran messen?

Feministinnen wittern schnell „männliche Seilschaften“, die eine große Verschwörung bilden, mit der Frauen niedergehalten werden sollen – und die auch die „Lohnschere“ offen halten, damit Frauen ein Drittel weniger Geld verdienen als Männer, wie oft publiziert wird. Leider kann ich zu dieser Verschwörung nichts sagen, weil ich nicht zum Kreis der Initiierten zähle. Noch dazu habe ich bisher nur in Jobs gearbeitet, in denen die Kolleginnen genau den gleichen Lohn eingestrichen haben wie die männlichen Kollegen.

Frauen sollen sehr gern genauso viel verdienen wie Männer; nichts dagegen. Es stellt sich aber die Frage, woran man das festmachen soll. Denn Männer verdienen nicht alle gleich gut.

Unter Männern gibt es teils enorme Gehaltsunterschiede, und das nicht nur zwischen verschiedenen Firmen, sondern sogar innerhalb von Abteilungen. Die Erfahrung lehrt, dass diese Unterschiede relativ unabhängig von Qualifikation und Leistung bestehen. Sozialwissenschaftliche Untersuchungen zeigen auch, dass scheinbar unwesentliche Merkmale wie Haarfarbe, Frisur und Körpergröße einen statistisch relevanten Einfluss aufs Einkommen haben.

Also: woran messen?

Wenn die Schwankungsbreite schon unter Männern groß ist, woher nimmt man in einem fairen System die Lohntabelle für Frauen? Verdienen alle Frauen so viel wie der Durchschnittsmann? Oder manche mehr, manche weniger, bis am Ende der weibliche Durchschnitt mit dem männlichen korreliert?

„Gleicher Lohn für gleiche Arbeit“ ist ja ohnehin illusorisch, weil keine zwei Menschen die gleiche Arbeit leisten.

Aber wir könnten die Diskussion ja ausweiten… hin zu einer Offenlegung aller Gehälter. Innerhalb einer Firma gleicher Lohn für gleiche Position – und dann die Positionen nach Leistung besetzen.

Doch diese ausgeweitete Diskussion zum Wohle beider Geschlechter wird keiner wollen. Viel angenehmer ist es für die Privilegierten, wenn die unterprivilegierten Frauen gegen die unterprivilegierten Männer ums Binnen-I kämpfen, diese sich sträuben und beide bei diesem Kampf gegen einen scheinbar ebenbürtigen „Gegner“ glatt übersehen, dass sie übers große Ganze gesehen im selben Boot sitzen und gemeinsam angeschmiert werden.

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