Amokschützer?

15/03/2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Der Kurier hat den Austro-Kriminologen Thomas Müller interviewt – unter anderem zum Thema Winnenden. Eine der Fragen: „Könnten – müssten – unsere Schulen durch Security sicherer gemacht werden?

Müller antwortet mit Nein. (http://www.kurier.at/nachri…)

Absolut richtig, denke ich. Denn man stelle sich vor, in den Schulen würden neben der Gangaufsicht noch Privat-Bullen für Ordnung und Ruhe sorgen.

Mitlaufen statt Mitdenken?

Noch mehr Regeln. Noch mehr Disziplin. Noch mehr Unterdrücken von Individualität, Ersticken von Freiheit und Belohnen von Angepasstheit, von Mitschwimmen in der gesichtslosen Masse. Ist es das, was wir uns unter der Ausbildung für die Kinder von heute, die Erwachsenen von morgen vorstellen? Die Degradierung zu Mitläufern nicht nur im Unterricht, sondern auch im Hof und am Gang? Wollen wir die Gesellschaft, die aus einem solchen Klima erwächst?

Dazu kommt noch: Westentaschen-Rambos, die schwache, selbstunsichere Schüler – genau die, in denen der Wolf am unruhigsten schlummert – noch weiter in Richtung Rand drängen. Denn jedem Laienpsychologen dürfte klar sein, dass man an den Geduckten, den Zögerlichen, den Kleinen am besten seine eigene Pseudo-Macht beweisen kann, gleich ob als mobbender Schulhof-König oder eben als gescheiterter Möchtegern-Polizist.

Ein Vorteil!

Einen Vorteil hätte die Idee der schulischen Rent-a-cops natürlich: Bei identitätslos Uniformierten, noch dazu Uniformierten, die durch Pfeffersprays und Schlagstöcke ein gewisses Bedrohungspotenzial besitzen (dass niemand Wachen mit scharfen Waffen in den Schulen aufstellen will, setze ich jetzt einfach mal voraus – wir sind ja hier nicht in Südamerika, und es will ja auch keiner, dass ein gefrusteter Wachmann auf Schüler feuert), da liegt auch die Hemmschwelle für den Abzugsfinger eines Amokläufers gravierend niedriger als bei bibbernden Schulkameraden.

Auch das sagt schon die elementarste Laienpsychologie: Ein Kind mit großen Augen abzuknallen ist schwer. Gegen einen breitschultrigen Gewalttäter abzudrücken geht besser von der Hand. Insofern könnten Schul-Securities immerhin das Feuer von Amokläufern auf sich ziehen und so als Kugelfang die jungen Leben unschuldiger Schüler retten helfen.

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08/03/2009 § Hinterlasse einen Kommentar

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Ausgerechnet einen Tag nach dem Welttag der Frauen hat die blonde Sirene unter den Spielsachen runden Geburtstag. Die Barbie ist ein halbes Jahrhundert alt. Zum 50er an diesem Montag wird sich die Barbie einmal mehr Anfeindungen ausgesetzt sehen. Die nur mit drastischen Mitteln aus der Fassung zu bringende, ewig junge Dame wird sie so ertragen wie immer: ohne mit Wimper oder Mundwinkel zu zucken.

Faktum

Gegen die Barbie mag wettern, wer will, sie ist eine feste, nur an den Gelenken etwas zu verbiegende Größe in den Mädchenleben – und hat auch schon manch kleinen Buben verzaubert.

Hand hoch, welche Frau von heute nicht als junges Mädchen die ersten Träume von Beziehung, Heirat und Sex mit den Plastik-Schönheiten quasi im Trockentraining in allen möglichen Varianten durchgespielt hat. Hand hoch, welcher Mann von heute nicht als Bub einen faszinierten Blick auf die wallende Blondmähne und die kilometerlangen Beine der in Plastik eingeschweißten Verführerin an der Wand im Spielzeuggeschäft riskiert hat.

Feminismus

Kritik an ihrer „zu schmalen Taille“, an ihren „zu langen Beinen“, an ihrer „zu großen Oberweite“ oder ihren „zu schmalen Füßen“ ist ebenso unsinnig wie Kritik am Spielen oder am Internet/Fernsehen/Romane Lesen.
(Okay, vielleicht ist sie bei den wackeligen Stummelfüßchen nicht ganz unberechtigt, aus rein praktischen Gründen… aber darum geht’s ja nicht) – die Kritik richtet sich gegen das „Image“ der Barbie. Denn trotz aller beruflichen Höhenflüge als Ärztin, Spitzenpolitikerin oder Uni-Professorin bleibt das Bild der Barbie in den Köpfen der Menschen beiderlei Geschlechts das einer ewig mit perlengleich strahlenden, perfekten Zähnen lächelnden Beach-Beauty.

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Das verträgt sich wenig mit der Suche nach Gleichberechtigung, noch weniger mit dem Feminismus und ganz offenbar auch nicht mit dem „neuen Feminismus“.

Neuer Feminismus

Dabei schießt sich der „neue Feminismus“ mit seinen PR-Aktionen wie den eben erst in Wien über die Bühne gegangenen „Women’s World Awards“ selbst ins Knie. Man musste sinnvollerweise die Blaustrümpfe ernst nehmen, die Zugang zur Bildung und das Wahlrecht für Frauen forderten.

Man musste auch die Feministinnen ernst nehmen, die Quoten und eine neue Sprache forderten – denn vieles, was sie wollten, war fair und gerecht.

Es wurde schwierig, doch war kaum zu vermeiden, die Feministinnen auf dem Höhepunkt ihrer Macht ernst zu nehmen, als sie feministische Mathematik, feministische Physik und feministische Astronomie forderten. Die 1 bleibt die 1, und die Fliehkraft bleibt die Fliehkraft, Chromosomen helfen da nicht viel.

Es ist aber eine echte Herausforderung, die neuen Feministinnen ernst zu nehmen, die Preise für herausragende Leistungen an Bar Rafaeli und Monica Bellucci verleihen. „Style Awards“ und Model-Lächeln unter Millionärinnen werden die „Einkommensschere“ nicht schließen – sie dienen höchstens als Ablenkung.

Man wird sie vergessen. Doch die Barbie wird bleiben.

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Leichenwahl

01/03/2009 § Hinterlasse einen Kommentar

Man hat es mir gesagt, ich habe es nicht geglaubt. Heute Abend wurde ich eines Besseren belehrt: Kärnten wählt auch Leichen.

So grenzenlos ist die Verehrung für den toten Landeshauptmann, den Jörgl, dass das Kärntner Wahlvolk sich nicht entblödet, einem Mann die Stimme zu geben, der das Amt des Landeshauptmanns nicht mehr ausüben kann, nie mehr ausüben kann, weil er gestorben ist.

Für Jörg Haider bringt es nichts, dass die Versammlung geist- und ideenloser Fans, die er in seinem Personenkult-Club um sich geschart hat, weiter auf Ämtern sitzen und von Steuergeld leben. Es bringt nur ihnen etwas, nämlich die Chance, weiter geist- und ideenlos die Erinnerung an den großen Jörg wach zu halten.

Was sollen sie auch tun?

Was haben sie zu bieten außer der Erinnerung an Jörg Haider?

Das BZÖ hat bei dieser Wahl eine letzte Chance erhalten, sich ein Programm jenseits des Denkmalschutzes für ihr Idol auszudenken. Wobei: Letzte Chance, das wage ich gar nich mehr mit solch einer Sicherheit zu behaupten. Kärnten ist fähig und wählt „die Leich“ noch die nächsten 15, 20 Jahre – bis eine Generation an die Wahlurnen tritt, die zu Haiders Zeiten noch zu jung war, um ihn so zu verehren.

Wo bin ich?

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